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Neue jüdische Presse · 1910-11-18 · Heft 44 (18.11.1910) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
8 (1910)
Issue
Heft 44 (18.11.1910)
Date
1910-11-18
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Frankfurter Israelitisches Famklienblatt. Nr 44 für 70660 ^LAktienverkaust, baxmttet ffir 20000 Mark an den bekannte» Millionär LeoBrodsii, 10660 jKc anBarou D. Ginsbnrg, 16000 Jk an den bekannten Millionär Heilper in. Im Dezeuwer soll eine rege-Agitation für den Verlag in Petersburg und Warschau entfaltet werden, und man hofft, dort ungefähr für 100000 Jk Aktien absetzen zu können. Auch soll ein bekannter Schriftsteller nach Amerika gesandt werden, um dort für den Verlag zu agitieren. Man hofft so, bis Sommer nächsten Jahres die nötige Summe beisammen zu haben (bis jetzt fittb insgesamt 180000 M. da) und mit der Tätigkeit sodann beginnen zw können. Ldessa. DaS Komitee zur Unterstützung jüd. Ackerbauer und Handwerker in Syrien und Palästiua (Awtschinnikowgafse 12) erläßt an alle Verehrer des Andenkens Elchanan Löb Lewinsky's folgenden Aufruf: „Einen neuenunsagbar schweren Verlust hat das jüdische Volk erlitten. Unerwartet ist aus unseren Reihen einer entrissen worden, einer der besten Söhne unseres Volkes —- unser Lewinsky. Urplötzlich ist über den körperlich und geistig kraftvollen Mann eine schonungslose, unheilbare Krankheit iausgebrochendft in wenigen Tagen den verzehrte und ans! Grab brachte, der sein letztes Wort noch lange nicht gesprochen hiatteder noch viel, sehr viel' für seines Volkes Schrifttum und nationale- Hoffnungen hätte leisten körmen. Es ist, als ob das Unerbittliche sich bewußt gegen uns erhoben hätte. Als ob es sich dem finsteren Heere unserer Verfolger gesellt hätten entreißt es nach der Reihe aus unserer Mitte die Besten- Unentbehrlichsten, — diejenigen, die den schweren Kampf um die Regeneration ihres Volkes entschlossen ausgenommen und treu geführt Haben- Bestürzt und niedergeschlagen traten die Mitglieder des Odessaer Palästina-Komitees, unter Beteiligung von Vertretern verschiedener anderer Strömungen im Judentum, zu einer Sitzung zusammen zum Andenkendes teuer«, unvergeßlichen - ^mreraden. —. . ES war weder die Zeit mich der Ort für Reden. Allen undjedem war das lautere Leben des Verewigten sehr wohl bekannt, das der hebräischen Literatur und der nationalen Wiedergeburt beS jüdischen Volkes gewidmet war. Es war für alle ein dringendes BÄmrfnis, eine Notwendigkeit, dem grausamen Schicksalsfchlage gegenüber etwas zu tun. Nein, Lewinsky' ist uns nicht abgestorben; er soll uns nicht äbsterben. Und wenn wir auch nicht in der Lage sind, seinen Körper neu ins Lebe« zu rufen, so können und sollen wir doch seinen geistigen Einfluß auf die nach kommenden Geschlechter erhalten; wir sind imstande und verpflichtet, nach seinem Tode in seinem Namen daS Werk fortzusetzen, welches zu Ende zu führen ihm selbst nicht vergönnt war. Wodurch könnte aber der Name Lewinskh's besser verewigt werden alsdurch die Gründung eineS Kultnrinstituts in Palästina? Und so Höchen denn die Teilnehmer der erwähnten Sitzimg deS Palästina-Komitees den Beschluß gefaßt, einem Längst reif gewordenen Bedürfnisse entgegenzukommen und in Palästina zum Andenken an Lewinsky ein Seminar zur Ausb ildung von Lehrerinnen füir Kindergärten und' Elementarschulen zu gründen . Die Schülerinnen des Lewinsky-Seminars sollen nachmals nicht nur in Palästina, sondern auch in den Ländern der Diaspora ihr Arbeitsfeld finden; sie sollen als Lehrerinnen und Erzieherinnen in die jüdische Volksschule und die jüdische Familie eindringen, überallhin das lebendige hebräische Wort, die Litbe zu unserer Literatur, den Glauben an die Zukunft unseres Volkes mit sich bringend. Wir wissen sehr wohl, daß wir eine schwierige Anfgäbe auf uns nehmen, daß wir sehr beträchtliche Geldmittel nötig haben werden, während wir auch ohnehin nur mit großer Mühe den zahlreichen Anforderungen für gemeinnützige Zwecke iw Palästina- Rechmmg tragen können. Wir gehen trotzdem unverzagt an die wichtige Aufgabe. Wir sind überzeugtdaß die -Verehrer des verewigten Lewinsky, des Menschen und des Schriftstellers, unser Aufruf beherzigen werden. — Wir tuenden uns an jeden, der Sinn und Herz hat für jüdische Angelegeuheiten. Möge jeder sofort seine Pflicht erfüllen gegen das Andenken d es Mannes, der sein Leben seinem Volk« geweiht hat; möge jeden nach Kräften zur unverzüglichen Errichtung emes schönen-Denllnals der Bvlksdankbarkeft beitragen. Wollen wir beweisen, daß wir unsere Kämpfer zu schätzen wissen, daß sich nach jedem erlittenen Verluste unsere Reifen bald wiwer zusammenschließen zu weiterer gemeinsamer- Arbeit. Der Vorsitzende. . M. UssischNn." - Paris. Ueber den jüngsten- Besuch des SultanSin Adr i anv-pcl berichtet die Schulleiterin der dortigen Allicru ceschule /Fräulein Ai grau Pr dem .Zeukral-Komitee der Alliance Jsraslite Universelle wie folgt: „Bor dem von Seiner Majestät bewohnten Palast sangen die Schülerinnen .in türkischer Sprache einen Chor, der den lebhaftesten Beifall fand. Außerdem überreichten sie dem Sultan, im Namen der Alliancefchulen eia kunstvoll gesticktes Bild, daS in einem Blumenkranz die Moschee des Sultans Selim darstellt. Die gute Idee dieses Geschenkes -hat. außerordentlich gefallen. Sichtlich gerührt aber war der Sultan von der folgendenin türkischer Sprache gehaltenen Ansprache: „Majestät! _ In unser Aller Namen bitten wir, Mädchen und Knaben, Euere Majestät, unsere bescheidene Gabe als Beweis unseres Meitzes und unserer Fortschritte freuudlichst annehmen zu wollen. Mr haben ihr unseren Beitrag für die- Flotte unseres lieben - Vaterlandes beigesügt. Es ist nur wenig, aber wir bitten, dabei nur unsere gute Absicht erkennen zu wollen. Wir versprechen Euerer Majestät, gute Hausftauen und brave Soldaten zu.werden und mit ganzer Seele für das Gedeihen unserer teuren Türkei tätig zu sein. Mit diesem kindlichen Schwur bitten wir Euere Majestät, die Huldigung verehrungsvollster Liebe und .herzinnigster Wünsche entgegenzunehmen von Ihren israelitischen Kindern Adrianopels." Seine Majestät Hab uns, mit seinem Dank ein Geschenk von 10 türkischen Pfund für unsere geschickten Arbeiterinnen und 50 türkischen Pfund für unsere Knaben- und Mädchenschulen mit der Bitte übermitteln lassen, dasvon uns versprochene Ideal aufrechtzuerhalten und vornehme aufrechte Menschen .heranzubilden. Die beschenkten Schülerinnen haben sofort die Summe von 10 türkischen Pfund zur Anfangseinrichtung eines Phhsillabvratoriums bestimmt, um das Andenken unseres Adrianopeler. Besuchs unseres erhabenen Monarchen für immer festzuhalten. Ihr Dankbrief lautet: „Majestät! Unsere Schulvorsteherin hat uns mitgeteilt, daß Sie uns die große Ehre erwiesen haben, unser bescheidenes Erinnerungszeichen anzunehmcn, und daß Sie geruht haben, uns eine Belohnung dafür zu gewähren. Tief gerührt: von Euerer Majestät Güte haben wir, um die fteudige Erinnerung, an Ihren Besuch festzuhallen, die uns gespendete Summe zuw Ankauf von Phhsikiustrumenten bestimmt. Bei ihrer Benutzung werden wir immer daran, denken, daß sie Geschenk Euerer Majestät sind. .Wir werden nach Ihrem Wunsch bestrebt sein, unserem Vaterland treue und ergebene Bürger zu werden. Mr .wünschen, daß allen Städten dev Türkei ebenfalls das Glück zuteil werde, den Besuch Euerer Majestät zu empfangen und beten für die Erhaltung Ihrer.segensreichen Tage." Der Thronfolger hat unseren Schulen 20 türkische Pfund geschenkt. Ferner berichtet Fräulein Aigranti, daß der Abgeordnete von Wrianopel, Riza Tcwfik B e y, unser« Schulen besucht und sich mit den Knaben und Mädchen kameradschaftlich imtierhalten hat. Er. hat seiner Freude über ihre Fortschritte AuÄiruck gegeben. „Ihr steht an der Spitzen von allen Schulen Adrianopell" sagte er zu den Kindern. „Ihr habt unserem erhabenen Herrscher, seinem Gefolge und mir, der ich mich voller Stolz zu den Allianceschülern von Wrianopel rechne, den besten Eindruck gemacht; ich bin stolz auf Euch. Verliert Eueren ersten Platz, nicht,, sondern hallet ihn fest, indem Ihr immer, .wellere.Fortschritte macht. Die Zukunft gehört Euch, und wenn Ihr. einst vom Glück begünstigt seid, vergebt die bescheidene Schule nicht, in der Ihr Euere jungen Jahre verlebt habt. Besucht-sie oft und Arbeitet für sie. Dankbarkeft und treues Gedenken bringen alle schönen Dftme zum Gedeihen." Riza. Tewfik Bey hat mir versprochen, morgen wieder unsere Mädchenschulen zu besuchen und sich persönlich von den Fortschritten unserer Schülerinnen zu überzeugen. Er hat ihnen schöne Karten geschenkt und wird ihnen gute Bücher verschaffen, sobald sie ein Bibliothek haben werden." PalSstirm. Jaffa. Vor einiger--Zeit nahmen-die Bewohner des arcwischen Dorfes Kalkilie zwei Juden aus der Kolonie Kafr-Sabagefangen. Die jüdischen Kolonisten rüsteten zu einer ' Strcrfexpediton und drohten dem Bewohnern des arabischen Dorfes mit empfindlichen Repressalien. Schließlich müßten diese um Verzeihung, bitten und. der jüdischen Kolonie 2000 Frcs. Buße bezahlen. — Ein Araber aus dem'Dorfe Kuktn, hätte mehrfach Raubzüge im die Kolonie C h eder a unternommen und dort großen-Schaden angerichtet. Mit Hilfe der jüdischen Kolonisten wurde dir Polizei des gefährlichen Räubers schließlich! habhaft und warf ihn ins Ge» fängnis: Von dort schickte er ein Bittfchreiben an den Vorstand der jüdischen Kolonie, worin er der Kolonie vollständige« Schadenersatz versprach, wenn man seine. Enthaftung erwirken würde. Der Vorstand der Kolonie ist über dieses Ansuchen noch nicht schlüssig geworden. Pethach. Tikwah. Hier herrschte längere Zeit Hindurch ein erbitterter Partei kämpf zwischen der Jugend und der älter« Generation, insbesondere zwischen, den jüdischen Arbeitern und den selbständigen Kolonisten. Es handelte sich um die Frageder Zusammensetzung des Gemeinderats (Waad), - in demdie Jugend eine stärkere Vertretung anstrebte, sowie um verschiedene Verwaltungsangelegenheiten. Vor kurzem kam nun eine vollständige Einigung, bezüglich sämtlicher Streifragen zustande, sodaß von nun an auf einen dauernden Frieden in der Kolonie zu rechnen ist. Der Fricdensschlutz wurde am jüngsten Chol-Hamöed Sukkoth durch ein öffentliches Fest gefeiert, an dem die gesamte Bevölkerung der Kolonie teilnahm. Am Simchath-Thora wurden feierliche Umzüge in den Straßen der Kolonie veranstaltet. Am darauffolgenden Abend defilierte die Bevögkerung der Kolonie im geschlossenen Zuge mit dem Orchester an der Spitze, welches fröhliche Weisen spielte« vor dein Hause des Rosch-Hawaad (Kolonievorstehers) C.H a i m Cohen, sowie vor den Häusern des Oberaufsehers Abraham Schapira und der Führer der Jugend. Amerika. Rew-Nork. Der General-Emlgrations-Kommissär Williams hat wiederum Verfügungen erlassen, die eine Erschwerung der Einwanderung bedeutet. Affidavill, die von Bürgern aus fernen Gegenden geschickt werden, um Einwanderer in ElliS Island durchzulassen, sollen nicht eher giltig sein, bis daß die Beamten sich davon überzeugt haben. Laß diese Bürger auch im Stande sind, im Notfälle für die betreffenden Einwanderer zu sorgen. Außerdem sollen auch die außerhalb Newyorks wohnenden Väter ihre einwandernden Kinder und Männer ihre einwandernden Frauen möglichst selbst abholen, da sonst, die Beamten das Recht haben, vorher nachznforschen, ob sie sich selbst ernähren können. New-Vork. Das Hönse of Depnties o! the Episcopal General Convention, dem di» bedeutendsten und einflußreichsten Geistlichen und Vorstände der Epris ko Palkirche ««gehören, hat in Cincinnati eine Sitzung abgehalten und "in dieser mit Bezug auf die russischen Greuel, insbesondere die Judenverfolgungen folgende Resolution angenommen: Da der Zustand der Unterdrückung und Verletzung. unveräußerlicher Menschenrechte durch gesetzlose Elemente in Rußland mit jedem Jahr unerträglicher wird und da die Verfolgung sich hauptsächlich gegen unseres Heiligen Herrn altes Voll Israel zu richten scheint, dessen Angehörige in vielen Fällen des Lebens und Eigentums''beraubt werden, beschließen wir: Erstens, daß wir gegen die ungerechte und unmenschliche Behandlung der Juden Protestieren. Zweitens, daß dies in keiner Hinsicht aus der Absicht, heraus geschieht, das Gebiet der Politik zu betreten oder uns in Regierungsangelegenheiten zu mischen, sondern ein feierlicher Protest und der Ausdruck unserer aufrichtigen Sympathie mit unseren leibenden Brüdern ist. Aus der gufttttfr Dow Friedrich Rott. (Fortsetzung.) „Aber ivenn ich auch keine Schmerzen habe, wir sind dem Herrn dennoch/ auf's höchste verpflichtet." »Hoffentlich wird der Arzt sehr bald bestätige», daß Ihre Verletzung nicht gefährlich ist. — Ich werde mir morgen erlauben, mich nach' Ihre»' Befinden zu erkundigen; für heute empfehle ich > mich!". Er reichte dem allen Herrn die Hand, der /ihm in warmem Worten nochmals seinen Dank ' aussprach; das junge Mädchen jedoch' blickte ängstlich' zu ihm hinüber. „Sie wollen sich schon entfernen? —. wollen Sie nicht wenigstens den Arzt erwarten?" ' „Mer Irma, was mutest Dn dem Herrn zu!" »Bitte sehr" versetzte dieser« indem er den Hut wieder uiederlegte, „wenn ich wüßte. Ihnen durch Meine Anwesenheit irgendwie von Nutzen sein zu können, dann bleibe ich/' „Sie find sehr gütig, hoffentlich entschuldige» ' Sic auch die unbescheidene Bitte meines- Töchter-;chens. — Sie ist sonst kein.solches Hasenfüßchen, cwer wo es sich um ihren allen Vater handelt —"

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