Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 8 (1910)
- Issue
- Heft 41 (28.10.1910)
- Date
- 1910-10-28
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 9k. 41. Kapstadt (Süd-Afrika). Im Provinzialrat sitzen zwei Inden: L. F. Lezard für Kimberleh nnd F. Ginsberg für Kingwilliamstown. Ans den Vereinen. Frankfurt a. M. Der Brotverteilungs- Berein (Vorsitzender: Emil Isaak) verausgabte in seinem letzten Rechnungsjahre 3894 Jk für Brot und 485 Jk für Eier. Frankfurt a. M. Der Verein „Mekor Chajim" versendet diese Woche seinen Lehrplan für das .kommende Winterhalbjahr. Derselbe bringt folgende Neuerungen: Dr. Joseph Breuer liest alle 14 Tage — Sonntag Abend 6 Uhr — über Jirmijoh (1. Vortrag: 30. Oktober). Der bisher Samstag Nachmittag abgehaltene Mikroh-Vortrag der Mitglieder findet jetzt Freitag Abend nach Schluß der Synagoge im Hörsaal Friedberger Anlage statt. Am Samstag Nachmittag wird im Vereinslokal ein Elementarkursus für Lehrlinge abgehalten werden. Eine neue Einrichtung sind auch die zwanglosen Zusammenkünfte am Freitag Wend 8i/o Uhr int Vereinslokal (1. Abend: 4. November), an welchen den jungen Leuten Gelegenheit geboten ist, im Kreise Gleichgesinnter Geselligkeit zu pflegen; es ist Vorsorge getrosfen, daß an diesen gemütlichen Menden auch einige belehrende Worte aus jüdischem Gebiete gesprochen werden. Frankfurt a. M. Wie uns aus dem Bureau des „Monte fror «"-Verein mitgeteilt wird, sind die Arbeiten für die Wintertätigkeit in vollem Gange. Am Mittwoch, den 2. November, abends 9 Uhr beginnt der Verein offiziell das Wintersemester mit einer Veranstaltung im großen Saale der Frankfurt-Arge. Das uns vorgelegte Winterprogramm zeigt, daß die Leitung des Vereins wiederum bestrebt war, den mannigfaltigen Interessen der Jugend durch reichhaltige und vielseitige Darbietung (Kurse, Schiurim, künstlerische nnd gesellige Veranstaltungen) Rechnung zu tragen. Fraukfnrt a. M. Das vorveietende Ausschuß der Jwriah-Ortsgruppe der Organisation für hebräische Sprache und Kultur teilt uns mit, daß der Verein in der allernächsten Zeit mit der Errichtung von Kursen zur Erlernung der hebräischen Sprache und etncm hebräischen Lehrgänge über die hebräische Literatur des Mittelalters seine Tätigkeit aufnehmen wird. Anmeldungen zu den Kursen, sowie zum Beitritt sind - an die Redaktion dieses Blattes zu richten. Frankfurt a. M. Talmud-Thora-Verein. Mn dieswöchentlichen Freitag sofort nach dem Wendgottesdienst wird im Hörsaal der Synagoge am Börneplatz mit den Wintervorträgen begonnen. Berlin. Im Westen Berlins ist ein Jüdischer Frauenbund für Turnen und Sport gegründet worden. Es wird in einer Frauen- und in einer Schülerinnen -Mtcilung geturnt. Eine Frauenabteilung, die am Nachmittag turnen soll, ist in Aussicht genommen. Turnzeiten: Frauenabteilung: Montag 8—10 Uhr Turnhalle der Charlotten-Schule, Steglitzerstr. 29; Schülerinnenabteilung: Mittwoch 6—Vs8 Uhr Turnhalle der XIH. Realschule, Schleswiger Ufer 14; die in Vorbereitung begriffene Frauenabteilung wird vom 1. November ab am Dienstag von 6—7hs Uhr im Werner Siemens Realgymnasium, Hohenstaufenstraße 47/48 turnen. Fechtübungen finden jeden Mittwoch statt. Nähere Auskunft erteilt die Schriftführerin Fräulein Helene Cohn, Kurfürstenstr. 118. Ems. Das Jlrael. Zentral-Waisen- und Mädchenheim, das sein 13. Berichtsjahr mü einem Bestand von 30 Zöglingen, beschloß, vereinnahmte in diesem Zeittaum u. a. 13 622 Jk an Jahresbeiträgen, Spenden, Stiftungen usw. und 2235 Jk an Pflegegeldern und verausgabte u. a. 6122 Jk an Beköstigung und 2023 Jk an Bekleidung. Der Abschluß balanziert mit 32 602 Jk Den Vorstand bilden Dr. Weingarten, Dr. 5. amter, Ä Salomon, H. Löwenstein, sämtlich in Ems, Eduard Fei st und Justizrat Dr. Blau in Frankfurt a. M. Hamburg. Ter seit 1884 bestehende I s r a e l. Unterstützungsverein für. Obdachlose verabreichte in seinem abgelausenen Geschäftsjahre 79 255 Portionen Mittagessen an 21572 jüd. Emigranten, beherbergte und verpflegte 1759 Personen in der Stadt, gewährte 1400 Durchreisenden Unterstützung und 2434 Personen in den Auswandererhallen und 1397 Personen in der Stadt Bekleidung. Auf Kisten des Vereins wurden aus dem Baronin Clara Hirsch-Krankenfonds 462 Verpflegungstage im Hospital gewährt. Den jüd. Emigranten nach Nord- und Südamerika wurde unterwegs koschere Verpflegung verabreicht. Aus der zionistische» Bewegung. Frankfurt a. M. Der zionistische Stammtisch tagt jeden Donnerstag Wend von 9'/i Uhr ab im Cafs Bauer, Schlllerstraßc. Hamburg. Am 20. Oltober hielt die Zion. Ortsgruppe Hämburg-Altona eine Mitglieder-Vcrsammlung ab. Uemrkfmcktt ZsrvrDWK FämMenLlM. Rechtsanivalt Bernhard David, der Vorsitzende, richtete einen Apell an die Mitglieder zu energischer Mitarbeit und erörterte das .Programm' für den kommenden Winter, in welchem alle 14 Tage Mitgliederversammlungen stattsinden sollen. Leopold Landau erstattete hierauf ein eingehendes Referat überdenDelegiertcntag in Frankfurt a. M., welches lebhaften Beifall' fand. Referendar Gotisch alck besprach die jüngsten Ereignisse in der Bewegung. In der den Referaten folgenden Debatte wurde besonders darauf hingcwiesen, daß die Neugestaltung der türkischen Gesetzgebung den Erfolg der ziouisttscheu Palästina- Arbeit sichere, die nunmehr mit verstärkten Kräften fortgeführt werden lmüsse. Es wurde die Einrichtung von Palästina-Kursen und die Pflege der hebräischen Sprache angeregt, während man auf der anderen Seite eine intensive Beschäftigung mit den theoretischen Grundlagen des Zionismus verlangte. An der interessairten.Diskussion beteiligten sich u. ä.: Epermann, Dr. Richard Huldschiner, Heinr. Mayer, Dr. Oscar Nathan und Dr. Victor. Trier. In dem, hiesigen „Organ sür den Oelnnd Fetthandel" lesen wir folgendes: , „Die Klagen, daß das Olivenöl, soweit man sich auf Kreta, Spanien und Südfraukreich verläßt, immer seltener wird, haben insofern keine Berechtigung, wenn man dicsinal etwas mehr in die Ferne schweifen wollte. So z. B. hat Palästina in diesem Jahre eine Olivenöl-Ernte, die geradezu alles bisher dagewesene in den Schatten stellt.... Die wnrttcmbergischen Templer, die Palästina als Vertreter des Deutschtums bevölkern, sind mit ihrem Bildungsgang und mit ihrer Engherzigkeit nicht imstande, mit solchen Dingen, wie es eine überreichlich große Olivenernte ist, haushälterisch umzugehen. Und die wirklich schwer arbeitenden bitterarmen Juden in Palästtna haben weder Schreib-, noch Länder-, noch Leute-Kenntnissc, um zu wissen, wo sie ihre Erzeugnisse unterbringen könnten. In dieser Beziehung ist Palästina sehr beklagenswert und es wäre wirö lich zu wünschen, daß einmal durch irgend ein Ereignis ein freierer internationaler Zug durch diese ganze Jammerwirtschaft führe." Wien. In der „Jüd. Z g." lesen wir: „M i s ch e b e r a ch. . ." „Wer gesegnet hat unsere Väter Mraham, Jsak und Jakob, der segne den Genossen Soundso, seine Frau und Kinder und alle Angehörigen, aus' welchem Anlässe der Aufgerufene spendet 20 Kronen für den jüdischen." Plötzlich Schluß — abgehackt! Für welchen jüdischen Zweck gespendet werben sollte und der übliche Nachsatz, daß Gott dem braven Spender für diese gute Tat Glück und Segen angedeihen lasse etc., war dem Koreh — als hätte ihn soeben eine Tarantel gestochen — 'in der Kehle stecken geblieben und der ganze Mischeberach wurde überhaupt nicht mehr vollendet, sondern ein neuer begonnen, .in welchem die Spenden für die Kantoren, sür das Chorpersonal und für die —> Batlonim mit Behagen registriet und mit allen möglichen Segenswünschen begleitet wurden. Was war geschehen? — Ja, der ahnungslose Aufgerufene wollte unter anderem auch 20 Kronen für den jüdischen Nationalfonds „schnodern" —: und das konnte der jüdische Kultus sich doch nicht bieten lassen! So geschehen im jüdischen Bethause der jüdischen Kultusgemeinde Wien XV." Aus der Lehrerwelt. Frankfurt a. M. Vakanzen. Jacobsonschule in Seesen Oberlehrer für neuere Sprachen und Deutsch per 1. April; Vorbeter, Religionslehrer und Schächter in Groß-Gerau, Einkommen ca. 2000 Jk Berlin. Eine zweite Religionsschule in Charlottenburg, Bleibtrenstr. 43 (Stadt. Schule) eröffnet die Israelit. Synagogengemeinde „Adaß Jisroel" mit dem Anfang des Winterhalbjahres. Der Unterricht beginnt am 27. Oktober und findet Montag und Donnerstag Nachmittag statt. Die Leitung ist Dr. M. Hildesheimer übertragen worden, der auch Dirigent der bereits seit über 40 Jahren bestehenden, durchschnittlich hon 400 Kindern besuchten ersten Relegionsschule (Gipsstr. 23p) ist. Wiesbaden. Im 76. Lebensjahre verschied hier der Stadt- und Bezirksrabbiner a. D. Dr. Michael Silber st ein. Stratzburg. Emen Blick in daL Leben einer kleinen jüd. Gemeinde gewährt ein unerhörter Vorfall in Brumath. Dem Kantor Klein war, als er vor sechs Jahren nach 50jähriger Dienstzeit pensioniert wurde, von der damaligen Verwaltungskommission eine lebenslängliche.Pension von 500 Jk bewilligt worden, die ihm bis zum laufenden Jahre auch ausbezahlt wurde. Die jetzige Verwaltungskommission nun weigerte sich, die Pension zu zahlen, und so mußte Kantor Klein die Synagoge rc. pfänden lassen. Die Verwaltungskommission hat ihre Demission eingereicht. Die Neuwahlen siitd aus den 30. Oktober anberaumt worden. Recklinghausen. Für den nach Darmstadt berufenen Rabb. Dr. Marx wurde Dr. Br aber, zurzeit Oberlehrer am jüd. Lehrerseminar in Köln, zum Rabbiner des Vereins zur.Wahrung der religiösen Interessen des Judentums in Westfalen gewählt. Adelebsen. Lehrer S. Blumenfeld erhielt bei seinem Scheiden aus dem Amte den Adler der Inhaber des Hausordens von Hohenzollern. Saloniki. Der Chachambaschi von Saloniki, Rabbi Jakob Meir, hat dem Gemcinderat seine Ernennung zum Chachambaschi von Jerusalem mitgeteilt. Obgleich seine Amtsperiode in der Saloniker Gemeinde erst in einigen Monaten abläuft, hielt er es für angezeigt, die Vertreter der Gemeinde zu fragen, ob sie mit seiner Annahme des Jerusalemer Amtes einverstanden seien. Der Synagogenvorstand hat einstimmrg beschlossen, den Vertrag mit dem Chachambaschi Meir zu erneuern, da er seinen Weggang als eine Gefahr sür die Interessen der Gemeinde ansieht. Der Gemeinderat hat jedoch bisher noch keinen endgülttgen Entschluß gefaßt. FRANKFURTER KOMÖDIENHAUS Direktor Karlheinz Martin Nene Zeil 80 — Telephon 1201 spielt von Freitag, den 14. Oktober ab: täglich "JL" Melchior Lengyel. _Anfang 8Vt Uhr, Sonntag 8 TJhr._ ftnnft nnD Literatur. Libanon, Exegetisch - homiletischer Kommentar zu den Psalmen von Rabb. I. Nobel, Halberstadt. 4,50 Jk Man ist es von dein Religionslehrer gewöhnt, überall, in der Synagoge, wie im Bereinszimmer, auf dem Friedhof, wie iin Trauerhause, religiöse Vorträge zu hören. Man wird aber zugeben müssen, daß die alten Erklärungen zu den heil. Schriften hierzulande wenigstens das Publikum nicht zu begeistern verinögen. Es ist deshalb mit Freuden zu begrüßen, wenn Rabb. I. Nobel in Halberstadt wiederum mit einem Werk in die Oeffentlichkeit tritt, das allen Lehrern empfohlen werden kann, zumal der ehrwürdige Verfasser auf meine Veranlassung hin dasselbe zu dem Vorzugspreis von 3 Jk ab gibt. J. M. Zur Ausschließung der Juden vom Offiziers stände. Anläßlich der durch den „Verband der deutschen Juden" in Gemeinschaft mit dem „Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" beabsichtigten Stellungnahme zur erwähnten Ausschließung wird demnächst eine dieser Bewegung nützliches Material liefernde Broschüre erscheinen. Moritz Frühling, Schriftsteller in Wien I., Fleischmarkt 17, Postfach '31, verwertet für dieses Druckwerk einen Teil seines mit Bewilligung des österreich-ungar. Reichs-Kriegs-Ministeriums jm Kriegsarchiv gesammelten Quellenmaterials, welcher die militärbiographischen Daten aller je aktiv gedienten jüdischen Generale, Stabs- und Oberoffiziere, sowie der militärärztlichen und sonstigen Gleichgestellten (im ganzen ca. 2000), nach den höchst erreichten Chargengraden und Verdiensten im Kriege wie im Frieden, von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart, enthalten wird. DokumentejüdischerSe klieren Zwei Bände der bisher unveröffentlichten „Dokumente jüdischer Sektterer" (Documents of Jewish Sectaries) werden in kurzem pon der Cambridge University Preß in der Herausgabe des Herrn Dr. S. Schechter, Präsident des jüdischen-theologischen Seminars in Newyork, veröffentlicht werden. Die Bände enthalten Nachbildungen der zwei Gruppen von Fragmenten, die in der Genizah in Kairo entdeckt wurden, von welchen die meisten jetzt in der Cambridge Universitäts-Bibliothek aufbewahrt und als die Taylor-Schechter-Kollektion bezeichnet werden. Der erste Band enthält Fragmente aus dem Werke eines Sadduzäers und liefert einen wertvollen Beitrag zur Geschichte der ältesten jüdischen Sekten. An das Original schließt sich eine - englische Uebersetzung an. Der zweite Band enthält Fragmente des „Buches der Gebote" von Anan, die vom Herausgeber mit Hinweisungen auf die Bibel versehen wurden. Brüder Grimm: Kindernnd Haus- Märchen. Vollständige Ausgabe. Zeichnung der Initialen, des Titels und Einbands von Karl Weidemeyer-Worpswede. Zwei Bände. Geheftet Jk 7,—; in Leinen Jk 10,—; in Leder Jk 14,—. In zwei Jahren können Grimms Märchen ihren hundertsten Geburtstag .begehen. Wer heute wie einst sind sie. für viele das Märchenbuch schlecht-