Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 8 (1910)
- Issue
- Heft 35 (9.9.1910)
- Date
- 1910-09-09
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10. jungen Dichter, der schon auf dem Gebiete der Lyrik Bedeutendes geleistet hat und durch diese Skizzen und Novellen auch, die Prosa um ein wertvolles Werk bereichert. Band 24—25: „Gesammelte A ussätze" von Abraham Geiger. Geordnet und herausgegeben von Dr. S. A. Posnans ki(Warschau). Band I mit dem Bilde des Autors. Diese hebräischen Abhandlungen A. Geigers erscheinen hier zum ersten Male vollständig gesammelt und sind ein wertvoller Beitrag zur Geschichte und Kenntnis A. Geigers und seiner wissenschaftlichen Bedeutung. Personalien «. Kleine Mitteilungen. Berlin, 7. Sept., 6lU Uhr nachm. (Depesche,. Soeben wurde M- A. Klausner, der Geschäftsführer der deutschen Konferenzgemeinschaft der Alliance Jsraelite Universelle, von einem Automobil überfahren und verschied sofort. Klausner wurde am 24. November 1848 geboren und war lange Jahre Chefredakteur des Berliner Körsen- Couriers.*) Hamburg. Emil Magnus, Mitbegründer des jüd. Kinderhospizes in Duhnen und Vorstandsmitglied verschiedener jüd. Wohltätigkeitsinstitutionen, ist verschieden. Haun.-Müu0en. Zum Professor der techn Mykologie an der hiesigen Forstakademie wurde Dr. Richard Falck-Brcslau berufen. Mülhausen. Den Ehe.euten Heinrich Levh, Ziegelstr. 34, ist aus Anlaß der goldenen Hochzeit die Ehejubiläumsmedaille verliehen worden. Lan-ftuhl lBayern). Für den zurückgetretenen Julius Koch wurde August Weiß zum Synagogenvorstand bestimmt. Breslau. Dem frisch gerauften Rittergutsbesitzer Oskar Cohn zu Hünern, Kreis Trebnitz, seiner . Ehefrau und seinen Kindern ist die Genehmigung erteilt worden, den Namen Lessing zu führen. Hierzu bemerkt die ,FZolkswacht" witzig: „Weshalb nicht gleich Goethe? Wenn schon, denn schon! Stammt doch von ihm das schöne Wort, was Herr Cohn alias Lessing bei der Umtaufe zweifellos im Sinne hatte: „Wer immer strebend sich bemüht, den werden wir erlösen." Aurich, 28. Äug. Anlägllch des 80 jährigen Geburtstages von Frau Hainichen Wolfs stiftete deren Sohn, Bankier Jakob Wolfs in Frankfurt am M-, der hiesigen Gemeinde eine neue Sefer- Thora, deren feierliche Uebergabe am Sonntag stattfand. Um 3 Uhr nachmittags wurde die Sefer-Thora unter Vorantritt der hiesigen Militär-Kapelle nach der festlich geschmückten Synagoge gebracht, woselbst ein Festgottesdienst abgehcÄen wurde. Die Festpredigt hielt Landrabbiner Dr. L o e b aus Emden, die Wciheredc Hauptlehrer B. Wolfs von hier. Abwechselnde Gesänge, begleitet von der Militärkapelle, seitens des Kantors Pfifferling, sowie des Synagogen-Chors trugen zur Verherrlichung der Feier bei. Gegen G3/» Uhr erreichte der Gottesdienst sein Ende. An die weihevolle Feier schloß sich ein Festmahl in Zieglers Kvnzertgarten. Stratzburg. Am 20. August, nachmittags 4 Uhr wurde die Frau Konsiswrialrat AronDurlach, die sich in Begleitung ihrer Freundin, einer protestantischen Pfarrersdame, Frau Briga, befand, als sie vom Bürgersteig der Vogesenstraße nach der Elsässer Brücke gehen wollte, von dem Wagen des Kreisbirektors Freiherrn von Gemmingen, dessen Pferde scheu geworden waren, überfahren und schwer verletzt. Bis heute, am 4. September, hat sich, weder die Polizei noch die Staatsanwaltschaft gemeldet, um eine Untersuchung in dieser Affäre einzuleiten. Im umgekehrten Falle hätte es sicherlich sofort nicht genug Schutzmannschaft und Staatsanwaltschaft ge- . geben; so aber ist es ja nur die Frau eines jüdischen Konsistorialrates, die überfahren und schwer verletzt Morden, da bleiben Polizei und Gericht kalt! Wie wir erfahren, hat Herr Konsistorialrat Durlach die Angelegenheit bereits einem Rechtsanwalt übergeben, um dieselbe auf gerichtlichem Wege zum Austrag bringen zu lassen. HainSfarth. Eine» fühlbaren Verlust erlitt unsere Keine Gemeinde durch den Wegzug des Herrn Hirsch Gutmann nach München. Sie verliert in ihm nicht nur eines der ersten Gemeindeglieder, sondern zugleich eine tüchtige Kraft, die ihr Können in den Dienst der KEusgemeinde stellte. Lange Jahre hindurch verwaltete. er das Amt des Vorstandes und wußte in seiner vornehmen Art die religiösen Institutionen zu erhalten und die finanziellen Verhältnisse mit weitschauendem Blicke zu ordnen. Mit Rücksicht auf Herrn Gutmanns bescheidenen Sinn, der das Gute zu tun, aber *) Wir werden in der nächstwöchentlichen Nummer eine Würdigung dieser bedeutenden Persönlichkeit bringen. Die Redaktion. Frankfurter UraeWsHes FamAienblaN. Nr. 35. nicht darüber zu sprechen liebte, mußte eine offizielle Abschiedsfeier unterbleiben, doch konnte die Gemeinde es sich nicht versagen, ihrem verdienten langjährigen Führer öffentlich zu danken. Halverstadt. Kommerzienrat Benjamin Hirsch, Vorsitzender des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes, feiert am 7. Elliü (11. September) seinen 70. Geburtstag. Kommerzienrat Hirsch, der auf streng traditionell-gesetzestreuem Standpunkte steht, hat stets an allen Bestrebungen der jüdischen Gesamtheit Deutschlands mitgearbeitet und gehört den bedeutendsten jüdischen Organisationen Deutschlands in leitender Stellung an. (L.) Posen. Hier feierte Rentier Louis Elke!es, Vater des Stadtrat Elkeles, rmd in C z e m p i n Rentier Hermann Sandberger den 80. Geburtstag. Hoikenheim (Baden). In der hiesigen Zeitung lesen wir: „Unser Mitbürger, 'Herr Hermann Halle, feiert heute in stiller, durch Krankheit bedingte Zurückgezogenheit seinen 70. Geburtstag. Der Großherzogliche Oberrat der Israeliten drückte in einem besonderen Schreiben die herzlichsten Glückwünsche aus und nahm gerne Veranlassung, die vielen Verdienste des Jubilars als Synagogenratsvorsteher der hiesigen Gemeinde, als Bezirksältester. für den Bezirk Heidelberg und als Synodalmitglied rühmend hervorzuheben, dem Gefeierten vollständige Genesung und einen schönen Lebensabend wünschend. In gleichem herzlichen Tone war auch das Glückwunschschreiben des 'Bezirksrabbiners, Dr. Pinkuß aus Heidelberg gestimmt. Der Bezirksälteste, Herr Ernst Carlebach-Heidelberg,gratulierte im Namen des Synagogenrats Heidelberg und in seinem eigenen Namen. Die Feier hätte gewiß einen außergewöhnlich ehrenden Ausdruck gefunden, wenn die Faniilie nicht jede aufregende Feier verbeten hätte. Mit Rücksicht auf die erforderliche Schonung des Kranken, kommen hiermit die Glückwünsche der gesamten israelitischen Gemeinde und gewiß auch' der gesamten Bürgerschaft Hockenheims, in derem Ehrcnrate Herr Halle eine bevorzugte Stellung eingenommen hat, auf diesem Wege zum Ausdruck. Alle in dein Wunsche einer baldigen vollständigen Genesung!" Wien. Der 13jährige Erich Wolfgang Korngold', Komponist der Pantomime „Der Schneemann", spielte vor Erzherzog Eugen. — Im 68. Lebensjahre verschied der Schriftsteller Dr. Arnold Weiße, Sohn des Oberrabbiners Josef Weiße s. A. und Bruder des Rabbiners Dr. Samson Weiße in Berlin. Er war etwa 25 Jahre hindurch Redakteur des „Hamburger Fremdeichlatt" und hat u. a. auch jüdische Novellen und Festspiele verfaßt. Budapest. Börsenrat Emil von Ullmann erhielt den Titel H o s r a t. — Die Großgrundbesitzerfamilie Groß ist in den erblichen Adelsstand erhoben worden. Budapest. Eine »Affaire» hatte der als Poet wohlbekannte Rabbiner von Ofen: Dr. Arnold K i ß. Ein begabter ungarischer Dramatiker Stefan Gheczy hatte ein Volksstück: „Im Kasarenlande" verfaßt, dessen Lieder — dem Theaterzettel nach —, von obigem Rabbiner herrührten. Nun stellte sich nach der ersten Aufführung heraus, daß das Stück nur so strotze von Unwahrheiten und Unwahrscheinlichkeiten in der Schilderung des ruthenischen Volkes und zwar auf Kosten der Juden, die als Aussauger der Gegend erfcheinen. Der Autor verteidigte sich zwar nachher, daß ihm jede judenfeindlichc Tendenz ferngelegen sei, Dr. Kiß sah sich aber trotzdem genötigt, die Erklärung abzugeben, er habe das Stück überhaupt nicht gekannt. Gheczy habe nur zwecks Verwendung als Volkslieder hebr. Lieder von ihm verlangt, und da habe er ihn auf die von ihm erschienene Uebersetzung einer hebräischen Anthologie verwiesen. Prag. Dr. Ludwig Bendiner, Vizepräsident der israel. Kultusgemeindc und Vertreter der Juden im Landesschulrate, einer der hervorragenstcn Advokaten und Rechtsgelehrten Oesterreichs, feierte seinen 70- Geburtstag. Paris. Dr. Jacques d e Poliakoff aus Kiew wurde zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. — Gustav Dreysus, Sekretär des Ansstellungskomitees der französischen Künste, hat vom deutschen Kaiser den Kronenorden 2. Klasse erhalten. Laudon. Der russ.-jüd. Violinist Efraim Zimbalist spielte am hiesigen Hofe und begeisterte den König derart, daß er ihm einen höheren Orden überreichte. Warschau. Nach der neuesten Statistik zählt Warschau unter 781000 Einwohnern 307 000 Juden. Im Jahre 1892 wohnten in Warschau nur 162 000 Juden und 1864 nur 73 000 Juden. Salonique (Türkei). Im Alter von 70 Jahren verschied der angesehene Kaufmann Joseph Jsaac Modiano, Ehrenpräsident des hiesigen „Bikkur Cholim"-Vereins. Philadelphia. Nathan Rosenau und Frau Mathilde geb. Blitz feierten die goldene Hochzeit. Beide, sind aus Deutschland gebürtig) der Jubilar aus Kissingen und die Jubilarin aus Rödelheim. Jernsalem. Solomiak ist zum Leiter des hiesigen russischen Postamts und zum Generalinspektor der palästinensischr u s s i s ch e n P o st v e r w a l t u n g ernannt worden. Die russ. Regierung hofft durch einen Inden ihre palästinensische Post zu heben. Sie beweist damit, wie verächtlich sic von den Juden denkt; sie wird ich aber irren, nur ein Jude, der ein Lump ist, kann in Palästina, wo es noch andere Postanstalten giebt, die russische Post benutzen. Aus -er zionistischen Bewegung. Frankfurt a. M. Der 12. Delegiertentag der deutschen Z i o n i st e n verspricht zu einerglänzenden Veranstaltung zu werden. Der Nachrage nach Eintrittskarten zu folgern/dürste owohl bei der Eröffnungssitzung. Sonntag Morgen, als auch bei dem Kommers Sonntag Abend der große Saal des Kaufmännischen Vereins bis zuni letzten Platz besetzt werden. Wer sich noch nicht mit einer Karte versehen hat, tut daher gut, sich im Laufe, des Freitags einen reservierten Platz und eine Eintrittskarte zum Kommers im Auskunftsbüro des Delegiertentages (Kaufm. Verein, Eschenheimer Anlage) zu besorgen. Zu dem Diner, Sonntag und Montag Mittag 1 Uhr in der Frankfurt-Loge, das von Hotelier Ries geliefert und arrangiert wird, wird auch die Teilnahme der Frankfurter Gesinnungsgenossen und Freunde der zion. Bewegung erwartet. Der Preis des. trockenen Couverts beträgt 3 JL Anmeldungen beini Auskunftsbüro im Kaufm. Verein erbeten. In der großen öffentlichen Versammlung Dienstag Abend werden n. a. sprechen: Dr. Bodenheimer, Dr. Klee, Dr. Oppenheimer, Fritz Sondheimer und Professor Marburg. Frankfurt a. M. Eine eigenartige Begrüßungsrede widmete Rabbiner Dr. S. Breuer in seiner vorwöchentlichen Sabbatpredigt dem Delegiertentage. Er nannte die zionistische Bestrebungen einen „unheilvollen Wahn", ein Vorgreifen der Absichten Gottes und verurteilte das Zusammenarbeiten der Traditionell-Gesetzestrcuen mit Andersdenkenden in der zionistischen Organisation als die Gesetzcstreue gefährdend. Berlin. Der geschästsführende Ausschuß des Zentralkomitees wird auf dem Delegiertentage folgende Anträge stellen: 1. Der Delegiertentag fordert alle deutschen Zionisten auf, einen Jahresbeitrag von mindestens 5 JL für die Zionistische Vereinigung für Deutschland zu zahlen. 2. Der Land es beitrag wird auf 3 M. erhöht. 3. Die Ortsgruppen haften für die Landcsbeiträge ihrer Mitglieder. 4. Das Wahlrecht zum Delegiertentage ist von der Zahlung des Landesbeitrages oder eines Jahresbeitrages abhängig. 5. Die Wahl besonderer Delegierter des Zentralbnreaus durch den Delegiertentag fällt fort. 6. Der geschäftsführende Ausschuß besteht aus fünf in Berlin wohnenden Mitgliedern.des Zentralkomitees. 7. Die Sitzungen des Zentralkomitees müssen einberufen werden: a? mindestens einmal in jedem Vierteljahr; I>. auf Antrag von fünf Mitgliedern des Zentralkomitees. 8. Die Mitglieder des Z.-K. sind berechtigt, sich bei Sitzungen des Zentralkomitees durch ein anderes Mitglied des Z.-K. vertreten zu lassen. Niemand hat aber niehr als zwei Stimmen. 9. Jeder M i s r a ch i st kann gleichzeitig der deutschen Landesorganisation angehören, muß aber dann den vollen Landesbeitrag an die Zionistische Vereinigung für Deutschland zahlen. Unabhängig hiervon umfassen die Gruppen-Verbände der Zionistischen Vereinigung für Deutschland sowohl die Ortsgruppen der Zionistischen Vereinigung für Deutschland als auch die in ihrem Bezirk liegenden Ortsgruppen der Misrachiföderation. Fulda. Je mehr eine Bewegung bekämpft wird, je größer die Zahl der Gegner, desto erhöhter ist das Interesse, das ihr entgegengebracht wird Wenn auch über die Tätigkeit der hiesigen Zion. Ortsgruppe wenig in die Oefsentlichkeit gelangt, so ist dies kein Beweis für die Lebensunfähigkeit der Ortsgruppe. Die Mitgliederzahl hat keine Verminderung zu verzeichnen, eher eine Vermehrung. Nur dürfte eine größere Propaganda entfaltet werden, um das Interesse für den Zionismus zu wecken. Es wäre freudig zu begrüßen, wenn ein Wanderredner von Zeit zu Zeit Aufllärung über das Wesen des Zionismus, über die Tätigkeit und Erfolge des Aktionskomitees, über die noch zu erstrebenden Ziele usw. zu geben sich bereit finden würde. Dadurch würden sicher, tziele gleichgiltig am Wege stehende Zionisten begeistert und neue Anhänger, gewonnen werden. Wohl hat sich der Vorstand der hiesigen Ortsgruppe nach dieser Hinsicht wiederhol bemüht, aber leider bis heute