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Neue jüdische Presse · 1910-07-01 · Heft 25 (1.7.1910) · p. Seite 10

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
8 (1910)
Issue
Heft 25 (1.7.1910)
Date
1910-07-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Z-ü-MfMr M-EWS WMUE» itm zunächst ein gutes finanzielles Ergebnis aufzuweifen — mehr anderwärts arbeitet. . Was ich aber nicht verstehen kann, ist, weshalb unsere Geldinstitute mehranßerhalbPalästinas arbeiten und dabei ein so viel geringeres finanzielles Ergebnis haben, als die Deutsche Palästina-Bank. Herr Kann hat den Gipfel der Ironie erklettert, indem er mich als einen „Amateur in Finanz-Politik" bezeichnet. Sich selbst hält er offenbar für einen Fachmann auf diesem Gebiete, und seine Stellung in der zionistischen Leitung gibt ihm tatsächlich maßgebenden Einfluß auf dieses Ressort. So möchte ich, der Slmateur, ihn, den Fachmann fragen, ivodurch er die im Vergleich zu der Deutschen Palästina-Bank so geringen Ergcbnfsse der beiden ihni unterstellten Banken erklären will. Mrs aller Wett. Frankreich. Paris, 26. Juni. Zur gestrigen Generalversammlung der I e w i f h C o l o n i z a t i o n Association („Jca") hatten sich eingesunden: Dr. I. Blau, Vertreter der Gemeinde Frankfurt a. M„ .P. Erre-ra, H. G. L o u s a d a, Dr. A. Netter, Vertreter der Alliance Jsraölite Universelle, C. Netter, Vertreter der -Gemeinde Berlin, Fr. P h i lip P so h n, Vertreter der Gemeinde Brüssel, S. R e i n a ch und I. Simon und außerdem die leitenden Beamten der. Jca. ' Der Präsident erstattete den Jahresbericht, aus dessen Fülle folgendes entnommen sei: Es wurden 297 neue Kolonisten in Argentinien angesiedelt, deren Installation (Häuser, totes und lebendes Inventar rc.) einen Kostenzuschuß von 665 875 Dollars verursachte. Die alten Kolonisten in den argentinischen Kolonien zahlten 1909 199 348 Dollars ab. Die Kolonien in Brasilien sind noch zu jung> als daß die Kolonisten bereits Abzahlungen leisten könnten. In Rußland und in Galizien wandte die „Jca" ihre besondere Ausmcrksanikeit den jüd. Leihkassen zu. Es bestanden Ende 19Ü9 in Rußland 270 Leihkajsen mit ca. 150000 Mitgliedern — der Zuschuß der Jca an diese Kassen beträgt 1% Millionen Rubel —, und in Galizien vermehrte sich die Zahl der Mitglieder in den 20 Kassen von ca. 14 300 aus ca. 16 500. Auch in I e r u s a l e m begründete die „Jca" eine Leihkasse, deren Kapital sich jetzt von 100 000 Frs. auf 125 000 erhöht hat. (Wo bleibt der Bericht über die Kolonien in Palästina, deren auch nicht mit einem einzigen Worte Erwähnung getan ist? — Die Redaktion.) Personalien n. Kleine Mitteilungen. Leipzig. Der Mathematiker und Nietzsche-Forscher Prof. Dr. Hausdorff hat einen Ruf an die Bonner Universität erhalten, wo er Mathematik lesen wird. Hausdorss ist unter dem Pseudonym Paul Mongrs auch als Bühncnschriftsteller bekannt und hat u. a. das Lustspiel „Der Arzt seiner Ehre" geschrieben. In der wissenschaftlichen Welt ist er durch zahlreiche Schriften über höhere Mathematik und Astronomie bekannt geworden. .Breslau. David Mugdan, Vorstandsmitglied der jüd. Gemeinde, Stadtverordneter und Handelsrichter, feierte den 70. Geburtstag. (L.) Posen. Justizrat. ullmann ist auf Lebenszeit zum Notar in Berlin ernannt worden. — Rentier Jacobsohn in Gonsawa erhielt anläßlich seiner goldenen Hochzeit die Ehe- I u b i1« umsmedaille. Kottbus. Die Darlehnskasse der hiesigen jüd. Gemeinde, die Gemcindemitgliedern in diskreter Weise zur Begründung oder Erhaltung ihrer. Existenz zinsfreie Darlehen bis zu 300 Jk gewähren will, ist nunmehr in Funktion getreten. „ ßjamifou. Nathan Kochmann und Fron Bertha geb. Lago feierten in Rüstigkeit die goldene Hochzeit. Wien. Josef Freiherr Schey v. Koromla, Professor des österr. Zivilrechts und Herrenhausmitglicd, ist von der juridischen Fakultät zmn Dekan gewählt worden. Budapest. Dr. Ignaz Goldziher, mdentl. Professor für orientalische Philologie und Geschichte, ordentl. Mitglied der Budapester Akademie der Wissenschaften, feierte seinen 60. Geburtstag. Bei dieser Gelegenheit sei an ein Erlebnis eriimert, daß Goldziher in einer Stadt bei Kairo, die eine berühmte alte arabische Hochschule besitz, hatte. Goldziher besuchte diese Schule, während der'Scheik seinen Schülern die arabischen Wissenschaften vortrug. Eine Zeitlang hörte Goldziher ruhig zu,- schließlich konnte er nicht an sich halten und begann mit dem arabischen Lehrer einen Disput über eine Auslegung des Korans. Die.Disputation wurde immer heftiger, bis schließlich der Scheik die Waffen streckte unS> erklärte, dem gottbegnadeten Manne nicht gewachsen zu sein, und Goldziher bat, den Unterricht an seiner statt fortzusetzcn. Goldziher gefiel dieser Einfall, und er, der Frcnrde, der im ganzen zwei Jahre in Damaskus verbracht hatte, um die arabische Sprache zu erlernen, setzte den Vortrag in so klarer, moderner arabischer Sprache fort, daß selbst der Anfänger ihm folgen konnte. Der Scheik war außer sich vor Staunen. Nach Schluß des Vortrages versammelte der Scheik die Aeltesten der Gemeinde, die nach langer Beratung Goldziher durch den Scheik wissen ließen, daß, nachdem er ein Gesandter Gottes zu sein scheint, die Gemeinde den Unterricht der Soften (Hörer der Theologie) Goldziher anvertrauen lvolle. Goldziher, der damals Sekretär der Budapester jüdischen Gemeinde war, .lehnte ab, aber diese Episode wirkte jedenfalls aneisernd auf sein weiteres Studium. Bezeichnend ist, daß dieser geniale Gelehrte i» dem „freien" Ungarn 32 Jahre auf eine Professur warten mußte, weil er Jude ist. London. Leutnant Shapurker, der Militärinstruktor des 122. Regiments in Bombay, quittierte, um den Sabbat nicht entweihen zu müssen, seinen Dienst und akzeptierte die bedeutend geringer dotierte Stelle eines Sekretärs bei der Bombayer jüd. Gemeinde. London. In der Liste der »Birthday Honours", die am 24. Juni, dem Geburtstag des verstorbenen Königs, publiziert wordeir ist, befinden' sich auch drei jüdische Namen: Alfred Mond, Mitglied des Parlaments, Adolf Tuck, ein bekannter Führer im jüdischen Gemeindeleben und Carl Meyer. Alle drei sind vom König in den erblichen B a r o n c t st a n d erhoben worden. Paris. Oberstleutnant B e r n h e i m wurde zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. — Die Erben der Frau Isaak Pereira ließen zum ehrenden Andenken an die Verstorbene die Summe von 50 000 Franken verteilen. Petersburg. Am 20. Juni n. St. verschied hier im Alter von 76 Jahren David Kadinsky, der Begründer des hiesigen Diamantengeschäftcs. — Der im Mai verstorbene berühmte Rechtsanwalt A l c x a n d e r P a s s o w e r hat seine Bibliothek, die etwa 30000 Bände zählt, der hiesigen Akademie dcrWissenschäften dermacht. L. K. Konstantinopel. Der Sultan Atehmed R a s ch a d lud in vergangener Woche die beiden Parlmnente und die Presse der Hauptstadt zu einem S o m m e r f e st e in dem herrlichen Schloss? Bejlerbej ein. Auch die Vertreter der jüdischen Blätter waren geladen und wurden dem Sultan vorgestellt. — Der plötzlich verschiedene Senator und frühere Minister H a m a d a P a s ch a war einer der war in - stenVerfechterderjüdischenEinwander u na. New-Bork. Dem bekannten Jmpresaio Oscar Hammer st ein wurde, weil er Jude ist, nicht erlaubt, Rußland zu besuchen. — In Rochester wurde der angesehene Chirurg Dr. Simon L. Elsner das Opfer eines Automobil-Unfalls. — InOran ge verschied der Gründer und mehrjährige Präsident der dortigen „Shaaray Tesila"- Gemcinde Simon I. Klanbcr. Er begann erst im Alter von 49 Fahren,Jura zu studieren' mid wurde dann Anwalt. Aus der zionistische« Bewegung. Berlin. Sonntag Abend veranstaltete die Jüd.-Nationale Frauenvcreinigung in Gemeinschaft mit den Berliner und Charlottenburger zion. Ortsgruppen zuEhren des Präsidenten Wolfssohn eine glänzend arrangierte und verlaufene Feier. Montag Abend fand eine Volksversammlung statt, die so imposant war, daß man ruhig sagen kann: Die Judenheit Berlins hat eine solche jüdische Versammlung noch nicht gesehen! Es sprachen David Wolffsohn, Dr. M a g n e s, Dr. Klee und Dr. M a r g u l i e s. Präsident Wolfssohn wurde mit stürmischen Ovationen empfangen. Bietttz (Oesterr. Schlesien'. In unserer 2000 Seelen zählenden jüd. Gemeinde errang bei den Kultuswahlen die zionistisch-demokratische Opposition einen glänzenden Sieg, indem sie von ,30 Sitzen 11 errang. Auch von den gewählten Offiziellen ist ein großer Teil demokratisch gesinnt, sodaß in den allermeisten Fragen eine demokratische Majorität gesichert ist. TuniS. Seit kurzem erscheint hier unter dem Titel „E s - S a m a n" („Die Zeit") ein jüdisches Wochenblatt in judäo - arabischer Ainndart -und hebräischen Lettern. Herausgeber des neuen Blattes ist Morse Sitbon, Chefredakteur M. Maarek. Das Blatt vertritt eine zionistische und zugleich religiös-traditionelle Richtung. Außerdem erscheint.in Tunis schon seit sieben Jahren eine jüdisch-arabische Tageszeitung unter dem Namen „Es-Sabah" („Der Morgen"), die von Jacob Cohen herausgegeben wird. Auch diese Zeitung sympathisiert mit der zionistischen Bewegung. Nr. 28. Ans der Lehrerwett. Breslau. Im Jahresbericht der Gemeinde- Religions - Untcrrichts - Anstalt heißt es: „Die betrübende Wahrnehmung, daß eine große Anzahl der die höheren Lehranstalten besuchenden Kinder unserer Gemeindcmitglieder jedes Unterrichts im Hebräischen entbehrt und dadurch nicht die Fähigkeit erlangt, mit Verständnis an unserem Gemeinde-Gottesdienste teilzunchmen, hat auf Grund eines Vorschlags der Schnlkominission zu dem Beschlüsse geführt, einen Kursus zur Erlernung des Hebräischen für solche Kinder einznrichten, die in die Tertia eines Gymnasiums, resp. in die vierte Klasse einer höheren Mädchenschule gelangt sind, ohne bisher einen Unterricht im Hebräischen genossen zu haben. Obschon frühere Versuche nach dieser Richtung hin ohne Erfolg geblieben waren, hat der Vorstand der Synagogen-Gemeinde aus unsere Veranlassung beim Beginn des Wintersemesters 1909/10 noch einmal in den hiesigen Zeitungen die beabsichtigte Eröffnung eines solchen Kursus angekündigt. Diesmal ist unsere Anregung nicht ganz fruchtlos geblieben. Es meldeten sich zu diesem Kursus zehn Mädchen." Posen. Rabbiner Dr. Feilchenfeld beging seinen 83. Geburtstag. t. Stratzburg i. Elf. Salomon Hirsch, der während vieler Jahre als bekannter Lehrer wirkte, ist im Alter von 71 Jahren nach langer Krankheit verschieden. Schwedt a. Oder. Unsere Gemeinde wählte den bekannten Asshriologen Dr. Sigmund I a in p e l - Karlsruhe zu ihrem Rabbiner. Sennfeld (Baden). Lehrer a. D. Wolf und Frau geb. Kälbermann feierten die g o l d e n e H o ch z e i t. Lichenroth. Die hiesige Gemeinde sandte Herrn Lehrer Rothschild, der nach 26jährigem Wirken in Lichenroth niliimehr in Meerholz amtiert, einen k o st b a r c n Pokal als Zeichen ihrer Dankbarkeit. Bnnte Chronik. Eine Reminiszenz anläßlich der B o r r o in ä n s - E n z Y k l i k a. Dem Lefer sind aus den Tageszeiten die Kämpfe bekannt, welche gegenwärtig von seiten der Protestanten gegen ein Rundschreiben de? Papstes geführt werden, durch welches crstere, sich in ihrem religiösen Empfinden tief verletzt- und gekränkt fühlen. Unwillkürlich drängt sich uns Juden dabei die Erinnerung auf an die Kämpfe, welche wir vor 20 bis 30 Jahren gerade gegen diejenigen Kreise zu führen hatten, die heute sich so sehr wehren gegen Verunglimpfung ihres Glaubensbekenntnisses. Unter der Führung Stöckers und der hochkonservativen preußischen Protestantie, fetzte der Antisemitismus mit den verwerflichsten Mitteln der Verleumdung und Verächtlichmachung unseres Säterglaubens ein und trug in Wort und Schrift tausendja millionfach die Saat des Haffes und das Gift der Beschimpfung der jüdischen Religion unter die urteilslose Menge. ' Das junge Geschlecht hat keine Ahnung von den aufregenden Schmähungen, welche in den achtziger Jahren jeder Tag uns brachte, sei es durch die Presse, das Parlament, die Literatur oder das freie Wort. Das muß man alles mitcrlebt haben! Es würde zu weit führen, wollte man auch nur im Auszuge alles ansühren, was man in zynischer Unverfrorenheit gegen Juden und Judentum vorbrachte. Noch am 1. Oktober 1892 wandte sich die „Kreuzzeitung," das Organ der feudalen Konservativen, an die Regierung mit der Frage, ob sic genau Kenntnis habe von dem, was in den jüdischen Religionsschulen und in den jüdischen Katechismen gelehrt werde. Sie will von Amtswegen geprüft wissen, ob es wahr sei, daß der Talmud „eine höchst anfechtbare Geheimlehre" enthalte, die im Interesse der „Selbsterhaltung" festgestellt werden müsse; ob es zutreffe, daß „geschäftliche Uebervorteilung der Nichtjuden, Wucher, Steuerhinterziehung, Ablegung eines Falsch- oder Meineides vor christlichen Richtern den Juden von Rcligionswegen erlaubt sei," nsw. nsw. Das war 1892! Und doch hatte der deutsch-iiraelitische Gemeindebund schon 1883 „fünfzehn Grundsätze" nuferes Glaubens veröffentlicht, welche die Quintessenz der jüdisches Sitten- und Pflichtenlehre enthielten, und die nach dem Zeugnis eines bewährten protestantischen Theologen bewiesen, daß „zwischen dem Christentum und Judentum ein dogmatischer aber kein ethischer Unterschied zu finden sei." — Der berüchtigte „Antisemiten - Katechismus," ein onglomerat der niederträchtigsten Lügen und Bergungen, brachte einen „Talmud-Auszug"; in welchem Sinne, das , kann der Leser unschwer erraten. So traten die religiösen Führer der deutschen Synagvgengcmeinden 1885 in Berlin zusammen, um gemeinsanl die Verdächtigungen der jüdischen Sittenlehre znrückzuweisen. Zur Ehrenrettung des 'Talmud Unterzeichneten fast sämtliche Rabbiner Deutschlands eine Erklärung, die von orthodoxen wie neologcn jüdischen Geistlichen anerkannt war. Von dem österreichischen Prof. Rohling wurde ein Werk, der „Talmudjude," auch öffentlich in Deutschland verbreitet, - obgleich der deutschebem

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