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Neue jüdische Presse · 1910-05-20 · Heft 19 (20.5.1910) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
8 (1910)
Issue
Heft 19 (20.5.1910)
Date
1910-05-20
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 19. schießen, um ihnen danil Grund und Boden abznkanfen. Um diesen Spekulationen vorznbeugen und um es zu verhindern, das; die Kolonisten ihre Ländereien verkaufen, um mit dem Gelde sich nach den Städten zu begeben und dem Handel zu widmen, hat die I. C. A. es für ratsam gehalten, die Kolonisten so lange als möglich an ihren Grund und Boden zu fesseln. 4. Es ist eine Pure Erfindung, das; die I. E. A. den Kolonisten von Manricio 1 Million Pesos angeboten hätte, um denselben ein Recht abzukaufcn, das sie gar nicht besitzen. Wahr ist, das; die I. C. A. zugunsten der Kolonisten, denen es an Bich niangclte, um ihre Alfalfafelder auszunützcn, ferner um die Berpachtungder letzter e n h i n t a n z u h a l t e n, denselben einen mit 4«/« zu verzinsenden Vorschuß von 250,000 Pesos bewilligt hat, welchen die Kolonisten wann immer, aber nicht später als bei der Abzahlung der letzten Jahresrate ihres Kontraktes znrnckerstattcn können. Das sind die Tatsachen." Wir freuen uns, so schnell eine befriedigende Aufklärung der Angelegenheit bringen zu können. Wie jedoch aus obigen Zeilen hcrvorgeht, hat die „Ica" in Argentinien mit der Schwierigkeir zu kämpfen, daß die Kolonisten, trotz ihrer günstige,! materiellen Situation, schwer an die Schotte zu ketten sind; — sollte sie da nicht lieber ihre kolonisatorische Arbeit nach Palästina verlegen, nach dem Lande, dem eine seit Jahrtausenden von Vater auf Sohn vererbte Liebe entgegcngebracht wird? Verein für Statistik der Inden. Die H a u p t v e r s a »i m lung, welche mit 2. Mai tut Verwaltungsgebäude der Jüd. Gemeinde in Berlin stattfand, hat diesmal einen besonders intcressaitten Verlauf genomnien. Nachdem der Vorsitzende des Verein-; Dr. A l - f r e d N o s s i g die Versammlung eröffnet hatte, ergriff der Vorsitzende des Kuratoriums, Geheimer SanitätH - Rat Dr. M aretzki, das Wort, um die Vertreter der Berliner Gemeinde sowie die der jüdischen Großorganisationen, die im Kuratorium des Vereins vertreten sind, zu begrüßen und auf die leitende Idee des Vereins hinzuweisen. „Die Berliner Gemeinde — führte Redner aus — ist allen anderen in bec SBücbig int g der Bedeutung der Statistik voran g e g a u g e n. Trotz allen Druckes besindet sich das I n d e n t n in zweifellos in einer anf - steigenden Beweg n n g. Das Interesse der Glaubensgenossen au der jüdischen Gemeinschaft wächst stetig. Dies beweist das Entstehen neuer Organisationen, die sich der Aufgabe widinen, das Wesen des Judentums klarzustellen und das Judentum zu einem höheren Bewußtsein seiner eigenen Daseinsformeu cmporzuführcn. Diesen Organisationen reiht sich der „Verein für Statistik der Juden" ebenbürtig an, da er die Unterlagen für Vorschläge zu sozialen Maßnahmen liefert. D i e soziale Wirksamkeit bildet gegenwärtig den Kern der gesamten Betätigung der modernen I u d e n h e i t. Die Erfassung des wahrheitsgemäßen Tatsachenmaterials, das Nachweisen dessen, was des Ausbaus bedürftig ist, die tendenzlose und vorurteilslose Prüfung der Materie ist das spezielle Ziel, das der Verein für Statistik sich gesteckt hat." Hierauf erstattete Dr. Alfred N o s s i g den B e r i ch t, dem wir nachstehende Stellen entnehmen: „Es sind nun gerade acht Jahre verflossen, seitdem im Mai 1902 der Verein für Statistik der Inden mit der Zentrale in Berlin begründet wurde. Der . rückwärtsschauende Blick bleibt vor allein an einer Tatsache haften: an der Entwicklung der ursprünglich vvn Volontären unternommenen Arbeiten zn einem durch die einsichtsvolle Unterstützung der offiziellen jüdischen Vertretungen fundierten. aintlichen Bctrieb. Unsere Arbeiten vcrfvlgen einerseits die wisse nschaftliche Erfassung sämtlicher das physische, s o z i a l e u u b kulturelle Leben der Inden betreffenden Verhältnisse, andererseits die Herstellung der unerläßlichen Info r m a t i o n s g ru n d l a g e n' für d i e c i n - f a ch st e n a d m i n i st r a t i v c n , a b e r a u ch für w c i t a n s s ch a u e n d c humanitäre und sozialpolitische Maßnahmen. Diesem Doppelprogramm sind wir auch im letzten Arbcitsjahr trengeblieben, vor allem in der von ui;s herausgegcbenen „Zeitschrift für Demographie und S t ati sti k der Juden." Ebenso in den zwei monographischen Schriften, nämlich der im Aufträge des U. O. B. B. herausgegebenen Untersuchung über „Die Juden im Großherzogtum Hessen" von Dr. Rnppin ffttfltlfuicfer JsraeMM- FanMnAatt. und „D i e E n t w i ck e l n n g d e r j ü d i s ch e n B e - Völker ung in München" von Dr. Segall. Wir hatten, als wir vor Jahren an unsere Aufgabe herantraten, vor allem eine Pflicht zu erfüllen: das in den staatlichen und städtischen Pnblikativncn enthaltene Material zur Statistik der Inden zn 'heben und zn bearbeiten. Wir können uns nun weiteren Zielen zuwenden. Nach der wissenschaftlichen Seite hin erscheint es vor' allem wünschenswert, die für die einzelnen Länder gefundeitcn Daten zn einer übersichtlichen G e s a m t st a t i st i k der jüdischen Bevölkerung znsammenznstellen. Dieses umfassende Werk ist im Berichtsjahre von nnserem Bureau in Angriff genommen worden. Vornehmlich praktischen Zwecken soll eine andere Reihe von Untersuchungen dienen, die durch die Arbeit von Dr. Segall über die jüdische Bevölkerung vvn München crösfnct wurde. Wir beabsichtigen, die Verhältnisse der j ü d i s ch e n G r o ß g e m e i n d e n in detaillierter Weise und unter Berücksichtigung aller wichtigen Gesichtspunkte darznstellen." In Vertretung des verhinderten Dr. I. Segall brachte nun der Leiter des Bureaus f. St. d. I., Rechtsanwalt Dr. Bruno B l a u dessen Reserat „D i e S t a t i st i k i m D i e n st e d e r j ü d i s ch e n Gemeinde n" zum Vortrag. Es seien daraus nachstehende Hauptgedanken hervorgehoben: Sowohl bei der Volkszählung als bei der standesamtlichen Registrierung wird die Religion berücksichtigt; es wird aber nicht festgestellt, wie viel Juden monatlich oder jährlich ab- und znwandern. Hier fällt der Statistik im Dienste der süd. Gemeinde eine wichtige Aufgabe zu, welche der Gemeinde von großem Segen sein kann, nämlich die s chnelle F e st st e l l n n g aller Z u - w ändernden im Interesse der Besteuerung. Weiter ist von Bedentnng eine Statistik der A ii s t r i t t e aus dem Judentum und der jüd. Gemeinde, wie sie z. B. in Wien geführt wird, und ferner eine genaue Statistik der i einzelnen R e l i g i o n s v e r e i n c als Grundlage für ihre Subventionicrnng. Die Aufgaben der I i n a tt z stati st i k liegen nach der subjektiven Seite in der Beantwortung folgender Fragen: 1. Welcher Teil der .jüdischen Bevölkerung kommt für die Bcstcuernng in Frage? 2. Wie setzt sich die Masse der Zensiten nach Alter, .Familienstand, sozialer Stellung, Gebürtigkeit usw. znsammett? 9. Bon wann ab erfolgt die Bestencrnng dieser Zensiten? Hier spielt, die Zuwanderung eine große Rolle. Je schneller die Gemeinde darüber orientiert wird, um so weniger Einnahmen cntgehcn ihr. Nach der objektiven Seite Handelt es sich bei der Finanzstatistik um die Aufstellung des Etats und um die Berechnung des "jedesmal zur Bilanzierung desselben erforderlichen SteuerfußeS. Die U tt t c r richt s statt st i k ist ein ferneres wichtiges Gebiet für die jüd .Gemeinde. Eine genaue Statistik der jüd. Schnlen sowie der Gemeinde- und höheren Schnlen unter Berücksichtigung der Konfession ist zwar vorhanden. Doch ist nach manchen Richtungen eine Ergänzung der amtlichen Statistik notwendig. Insbesondere muß die Statistik, was bisher noch nicht der Fall ist, auch über die Bildungsmöglichkeit Anfschlns; geben und hierbei folgende Fragen beantworten: 1. Wie verhält sich die Zahl der Lehrer zu der der Schüler in einer Klasse? 2. Ist die Errichtung einer neuen! jüd. Schule oder Rcligionsschnte nötig? 3. Wo soll dieselbe errichtet werden? Hierzu muß man natürlich genau die Zahl der schulpflichtigen jüd. Kinder in den einzelnen Stadtteilen kennen. Von größter Bedeutung ist eine zuverlässige! R e l i g i o n s s ch u l st a t i st i k. Sie wird es verhindern, daß in staatlichen Schulen, an denen jüd. Religionsunterricht erteilt wird, eine beträchtliche Anzahl jüd. Schüler am christlichen Religioiisiintcrricht teilnimmt, weil der jüd. Religionslehrer von ihrer Existenz nichts weiß. Für die Wohlfahrtspflege gewinnt die Statistik ebenfalls große Bedentnng. Sie bildet die Grundlage, wenn cs sich um Neugründnngen von Altersversorgungsanstalteii, F-ürsorgeheimcn, Blindenheime», Säuglingsheimen u. dgl. handelt. Schließlich sind noch die besonderen Ausgaben der jüd. Gemeinden zn behandeln, welche in der K n l t u s v e r w a l t u n g liegen. Hier handelt es sich um ein Gebiet, ans dem die Statistik originell ist. Aus der Menge der Fragen sollen nur einige herausgegriffen werden, um zu zeigen, was hier eine gute Statistik nützen kann: 1. Die Verhältnisse der Gemeinde- und Kultusbeainten einerseits und die Bedürfnisfrage andererseits, 2. Synagogen und Bethäuser: Frequenzverhältnisse. Lokal- und Bediirfnisfrage, Subventionierung, 3. Rituelle Einrichtungen: Koscher-Fleisch, Aufsicht, Bad usw. — In der darauffolgenden Diskussion regte Dr. med. Arthur K a h n die Frage der Verwendung der Statistik zur Erfassung jener Mißstände an, die die Taufbewegung unter den Juden befördern. Die Uebertritte hängen zum großen Teile mit der Vernachlässigung des jüd. Religionsunterrichtes und dem Besuche Seite 3. des christlichen Religionsunterrichtes zusammen. Hier könnten statistische Ausschlüsse von “ Nutzen für die jüdischen Gemeinden sein. — Professor Dr. Blaschke dankte im 'Namen der Vertreter der Berliner Gemeinde für die Einladung und schilderte auf Grund eingehender Kenntnis der einschlägigen Verhältnisse die Schwierigkeiten, welche einer statistischen Feststellung der für den Religionsunterricht und die Taufbewegung unter den Kindern in Frage kommenden Momente entgegentreten. — Univ.-Prof. Dr. Ro, in sprach sich gegen die Anführung der Namen der ermittelten Kindertäuflinge aus, da dieser Modus, weitcntfernt als Festnagelung abschreckend zn wirken, erfahrungsgemäß in manchen Fällen zur Nachahmung ermuntere. — Dr. M. Friedlünder, Generalsekretär der Berliner Gemeinde, teilte mit, daß das Polizeipräsidium halbjährig Berichte an die Gemeinde gelangen lasse, aus der die Beteiligung jüdischer Kinder an dem christlichen Religionsunterricht und ihre Uebertritte ersichtlich seien. Dieses Material gestatte jetzt schon eine statistische Bearbeitung. — Dr. Lamm, Syndikus der Gemeinde und Mitglied der Armenkommission, legte dar, daß die im Referat von Dr. Segall angefühtren Prinzipien auf dem Gebiete der Wohltätigkeitspflege in den letzten Jahren mehr als früher befolgt worden wären. — In der weiteren Diskussion, an der sich die Herren M. A. Klausner, der Vertreter der D. K. G. der Alliance. Dr. H. G. Hey mann und Rechtsanwalt Dr. Blau beteiligten, wurden noch manche interessante Fragen erörtert. Zum Schlüsse erstattete Rechtsanwalt Dr. Blau den Kassenbericht, und sodann fanden die Wahlen statt, die die Leitung in ihrer bisherigen Zusammensetzung beließen. Freie Bereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums. Am 15. Mai fand in Frankfurt a. M. unter starker Beteiligung die Hauptversammlung der Freien Vereinigung für die Interessen des orth. Judentums statt. Nach Begrüßung der Erschienenen durch den Vorsitzenden Rabbiner Dr. Breuer erstattete der stellvertretende Vorsitzende Jakob Rosen heim den Geschäftsbericht, der von der regen vielseitigen Tätigkeit der Vereinigung auf den verschiedensten Gebieten des öffentlichen jüdischen Lebens Zeugnis ablcgt. Wir entnehmen dem Bericht folgendes: Die „Kommission für Gesetzgebung und Verwaltung" hat in Angelegenheit der Zwangsorganisatiou in. Preußen, der Sonntagsruhe, der Strafgesetznovelle (Lchcchita), der religiösen Verhältnisse jüdischer Soldaten, sowie in Volksschul- und Lehrerbesoldungs - 'Angelegenheiten erfolgreich gearbeitet. Die „Kommission für ländliche Wohlfahrtspflege" ließ durch ihre Wanderredner 140 Borträge ans dem Lande halten; sie hat an zahlreichen Orten Lernkurse eingerichtet, Bücher verteilt und verschiedene Enqueten über besondere Notstände auf dem Lande veranstaltet. Für Subventionen au kleine Gemeinden, Stipendien ujw. wurden etwa JL 10 000 verausgabt. Auf dem Gebiete des religiösen Pflichtlebens tveist der Bericht auf die von der Freien Bereinigung unter zuverlässiger 'Aufsicht hergestellten Ritualien, sowie auf eine große Reihe von Drucksachen hin, welche der genauen Kenntnis der religiösen Pflichten dienen, und die gratis vom Büro verteilt werden. Der Vvn der „Kommission für Literatur und Presse" gegründete „Jüdische Bolksschriften - Verlag, G. m. b. H." hat in der Sammlmig „Jüdische Volksbücherei" 7 Bände veröffentlicht und bereitet z. Zt. einen „Jüdischen Kinderkalender" vor. Ziemlich umfassend ist der Bericht über die Palästina - 'Arbeit der Bereinigung, der durch Mitteilungen über die Reorganisation der Chalncka eingeleitct wird. Das palästinensische Schulwerk der Freien Vereinigung, das unter der Leitung des Seminarlchrers Dr. Mojes Auerbach in Pethachtikwoh steht, erstreckt sich bereits auf 5 Orte und ist in erfreulicher Entwicklung begriffen. Der Bericht erwähnt noch die Abmachungen mit der 'Allgemeinen Jüdischen Kolonisations-Organisation in Berlin und gedenkt dann der in dem Berichtsjahre Heimgegangenen Ausschuß-Mitglieder: Oberrabbiner Hirsch - Hamburg, Bezirksrabbiner Dr. Sänger-Mergentheim, Seminardirektor Dr. Hirsch Plato-Cöln und Hermann Lehmann- Frankfurt a. M. Die „Propaganda-Kommission" hat der Bereinigung in dem Berichtsjahre etwa 1200 neue Mitglieder zugesührt. Den Kassenbericht, der in Einnahme und Ausgabe mit etwa Jt. 50 000 balanziert, erstattete Bankier A r o n Wolf- Frankfurt. Sodann wurden die Wahle» vorgenommeu: Die 13 ausscheidenden 'Ausschuß-Mitglieder wurden sämtlich wiedcrgewählt. Neu gewählt wurden: Dr. med. Cal Vary - Posen, Bankier Georg Herrn annLöwy - Rawitsch, Lehrer B. W o l s f - Anrich und Kaufmann Emil Isaak-Frankfurt a. M. N.chen dem letzteren wurden die ausscheidendew Vorstandsmitglieder Kommerzienrat George Marx-Königsberg, Emannel Ettinghausen?

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