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Neue jüdische Presse · 1910-05-06 · Heft 17 (6.5.1910) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
8 (1910)
Issue
Heft 17 (6.5.1910)
Date
1910-05-06
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Frankfurker Israelitisches FamilienLlatt. Aus -er zionistischen Bewegung. Hamburg. In der hiesigen Zionist. Ortsgruppe sprach Dr. Max Schlössinger über den „Zionismus in Amerika". Er gab nach einem UeLerblick über die Vorgeschichte des Zionismus in den Vereinigten Staaten (Mordechai Manuel Noah, Pittsburger Konferenz mit ihrer Resolution Washington ist unser Zion") eine Schilderung der amerikan. jüd. Organisationen, 1) des Jewish Komitee, das in der Hauptsache die Tendenz der Abwehr des Antisemitismus befolgt und die Verbindung mit den europäischen jüd. Organisationen aufrecht erhält, und 2) der Ncwyorker Kehilla, die sich im wesentlichen mit kulturellen Gemeindcangelegenheiten beschäftigt. Er ging daun 'im einzelnen auf die zion. Organisationen ein, die sich gliedern in die Federation of American Zionists mit 13000, die Poale Zion mit 1500 und den Order Knights of Zion Mit 3900 Schekclzahlern, und nahm Stellung gegen die Gründung der letztgenannten Federation, weil diese, ohne ein besonderes Programm aufzuwcisen, nur geeignet sei, die zion. Kräfte in Amerika zu zersplittern. Im Anschluß an den Vortrag brachte ein Mitglied der Ortsgruppe eine Hamburger Gemeinde- Angelegenheit zur Sprache, die in den weiteste» zionistischen und nichtzionistischen Kreisen großes Aufsehen erregt hat. Für die durch den Tod Moritz Warburg's freigewordene Stelle im Gcmeindevorstand hatte das Rcpräsentantenkolleginm den verdienstvollen, seit vielen Jahren im Gcmeindeleben tätigen und vcrehrungswürdige» Vorsitzenden des Synagogenverbandes Dr. B. Lcvh vorgeschlagen. Der zweite Vorsitzende des Gemeinvevorstands Alfred Levy bekämpfte nun diese Kandidatur mit der Begründung, daß Dr. B. Levy den IX. Zionisten - Kongreß im Auftrag des Shnagogenverbandes offiziell begrüßt habe und erklärte, im Fall der Wahl Dr. Levy's sein Amt im Vorstand niederlegen zu wollen, worauf das Gemeindekollcgium Aby S. Marburg zum Vorsteher wählte. Die Debatte über diesen Vorgang führte zu dem Beschluß, innerhalb der Ortsgruppe eine Kommission zu bilden, die die Aufgabe, hat, sich mit der Hamburger Gemeinde-Politik zu beschäftigen, und schließlich zu der Annahme folgender Resolution: „Die Versammlung verurteilt aufs schärf st e das Vorgehen der Gemeinde- Kollegien bei der letzten ZVahl eines Gemeindevorstehers." H. Jerusalem. Dr. Franz Oppenheimer setzt seine Studienreise fort. Nachdem er die jüdischen Kolonien besucht und insbesondere auf dein Nationalfondsgute in Beth-Arif und in Rcchowoth Gelegenheit gehabt hatte, mit den Arbeitern Fühlung zu nchmen, sowie im Beth-Am in Jerusalem vor einem größern Publikum seine Theorie über die Siedlungsgenossenschaft auseinauderznsetzen, begab er sich nach Galiläa. Hier hat das meiste Interesse für ihn die Siedlungsgenossenschaft, die von der Palestine Land Development Co. auf ihrem vom N.-F. gepachteten Gute in Um-Djuni (Kinereth) vor 5 Monaten eingerichtet wurde. — Ratsherr Moser- Bradford hat neuerdings auch dem hier im Entstehen begriffenen hebräischen Gymnasium einen Beitrag von 5000 Frs. zukonrmcn lassen. Diese Schule wird zur Zeit von 19 Kindern in verschiedenem Alter besucht, die von 3 Lehrern Unterricht erhalte». Durch den Beitrag des Herrn Moser hofft die Schule in die Lage zu kommen, noch zwei tüchtige Lehrkräfte heranzuziehen und dadurch noch größeres Vertrauen zur Anstalt in denjenigen jüdischen Familien Jerusalems zu erwecken, die ihren Kindern eine Mittelschulbildung angedeihcn lassen wollen. — Auch dem Beth-Am hat Herr Moser 1000 Frcs. gespendet. Der Abschiedsfeier, die Herrn Moser zu Ehren der Verein Kinor-Zion veranstaltete, lvohnten die zurzeit in Jerusalem weilenden Gäste Dr. P. N a t h a n, Dr. Katz (Syndikus der Simon-Stiftnng in Hannover), E. M. Lilien und Dr. Z l o c i st i bei. Aus -er Lehrerwett. st.) Teitelbach (Unterfranken). Wenn es noch immer mehr als genug Gemeinden gibt, die da fürchten, die Gründung jüdischer Elementarschulen mache „Rischus," so könnte ihnen eine Feier wie die am 3. Tag Chaul-hamaued hierorts stattgehabte das strikte Gegenteil beweisen. Am 1. Mai 1909 wurde die Religionsschulc dahier zu einer „öffentliche:'. Volksschule." Nachträglich feierte man dies wichtige Ereignis in der Gemeinde nun am 28. April c. Im festlich geschmückten Schulsaale fanden sich zahlreiche isr. Gemeindemitglieocr ein, Damen und Herrn. Ferner: der kgl. Bezirksamtmann Reg. Rat Ruck- Kitzingen. der Bürgermeister und Stadtverwaltungsmitglicder Teitelbachs, der kgl. Rcntämtmann, der Dechant Pfarrer Lippert als Lokal- und Distriksschulinspektor. Auch der zuständige Rabbiner N.B amberger-Würzburg war erschienen. Kultusvorstand M. Wies eng rund erteilte, nachdem die Schulkinder „Baruch-habo" gesungen, Herrn Reg.-Rat Ruck das Wort. Nach ihm sprachen Dechant Lippert, Distriktsrabb. Bamberger, Lehrer Mannheimer, Bürgermeister und Rcichstagsabgeordneter Baumann. Leiber, gestattet der Raum nicht. Näheres aus den Ansprachen zu bringen. Nur soviel sei bemerkt, daß dieselben einen wahren Kidd usch-hasch cm bedeuteten. Ehre und Hochachtung einer Gemeinde, die solches unter maiinigfachen Opfern erreichte. Insbesondere verdient Dank und Anerkennung der Kultusvorstand Herr M. Wiesengruud, der zielbewn-ßt das Ganze geleitet durch Klippe» und Gefahren, sodaß der Bczirksamtnianu betonen konnte, die Gründung dieser Schule sei ihm besonders leicht gefallen. Aus -en Vereinen. (L.) Pose«. Der Verein Leschaun L i m u d i in, der die hcrangcwachseue jüd. Jugend mit den heiligen Schriften und der rabbiuischeu Literatur bekannt macht und eine wissenschaftliche 'Bibliothek von über 1000 Bände» besitzt, hielt Sonntag seine halbjährliche ordentliche Generalversa mm l u n g ab. Der Vorsitzende stattete besonderen Dank dem Vorstand des Latz'sche» Altenheims ab, durch dessen freuudl. Entgegenkommen um: der Verein ein eigenes Heim in den Räumen des Altenheims erhalten hat. Die Vorstaudswahl hatte folgendes Ergebnis: A. Rzcszcwski, Rabbiner B l u h m, I. Jacob st a m m, R u s d i m, Rothenberg und Kempc. — In Borek hat sich die seit 156 Jahren bestehende C h e w r a Kadischa ausgelöst, nachdem mit Lehrer Katz das letzte Vorstandsmitglied weggezogcn ist. Speyer. Der Israel. Kreisashlverein für die Pfalz hat jetzt ein Vermögen von 84 000 Mark und kann daher nunmehr an die Verwirklichung seines Zieles herantreten. Die jüngst stattgchabtc Generalversammlung wählte eine 21 gliedrigc Kommission, die die Vorarbeiten für die Errichtung des Asyls machen soll. Meran. Die 2. ordentl. Generalversammlung des V c r e i n s „A s y l für mittellose kranke Jsraeliten" war von zahlreichen Mitgliedern besucht. Dr. M. K o r c f, der Präsident, gedachte des -verstorbenen Vizepräsidenten Dr. Wilhelm Hcrsch und dankte dessen Witwe Frau Dr. Rosa Hcrsch dafür, daß sie bis zum heutigen Tag die ganze Bürde der Geschäfte eines gcschästsführenden Vizepräsidenten getragen habe. Sodann erstattete Frau Dr. R o s a H c r s ch den Geschäftsbericht, H. Katzen sie in den Kassenbericht, H. Gut m a n n den Rcvisionsbcricht und Dr. M. Koref als ärztlicher Leiter des Genesungsheimes den ärztlichen Bericht. Dr. K o r e f konstatierte, das; die verfügbaren 100 Betten seit September bis zum Tage nnt 204 Personen belegt waren, daß im Ganzen 418 Gesuche eingelaufen sind und daß der Durchschnittsbelag 86 Pfleglinge pro Tag ausmachte. Die Ergänzungswahlen ergaben folgendes Ziesultat: Frau Dr. Rosa Hersch (geschästssührende Vizepräsidcntin), Dr. G. S ch n ü r d r e h e r, em. Hof- und Gerichts-Advokat aus Wien (Kassierstcllvertreter) und kais. Rat Moritz Hahn ans Prag (Schiedsrichter). Ange um Auge. Roman von Sam. Gordon. Frei übersetzt von M. Pulvermann. lFortsetzung). Mman war aufgesprungen und in seinen Mienen war «in Gemisch von Verlangen und Zurückhaltung unverkennbar. „Vielleicht hast Du recht, Malka," flüsterte er heiser; „vielleicht kümmert er sich wirklich um keinen Menschen, — und darum dürste es nur gerechtfertigt sein, wenn auch aiiderc sich nicht um ihn kümmern. --" Sie schien gar nicht darauf zu hören, was er sprach. „Malka," fuhr er leise fort, schüchtern ihren Arm berührend. „Was willst Du?" fragte sie scharf. „Ich wollte Dich nur etwas fragen." Sie sah ihn wieder mißtrauisch an. „Ich wollte Dich nur fragen, Malka, falls ich nicht das wäre, was ich hier geworden bin; wenn ich draußen in der Welt etwas erlangt hätte, wert Dir anzubieten, sagen wir, wenn ich als Doktor, als seiner Herr znrückgekehrt wäre, — würde — würde — das einen Unterschied zwischen Dir und mir gemacht haben?" — „Auch nicht, wenn Du als König wicdcrgckommen wärst!" Wieder entrang sich ein leiser Seufzer seiner Brust. „Ich danke Dir. Nur das ivollte ich lvissen. Denn, oft habe ich mich gefragt, ob der Grund meines Elends in meiner Person oder in meiner Lebensstellung liegt. Es ist nur gut, daß es in meiner Person ist; denn das Geschick wird dem Rr. 17. Menschen oft von anderen bereitet, und er selbst kann es kaum ändern; über seine Person aber, da kann jeder Herr werden." — „Ich verstehe Deine überklugen Worte nicht. Oder rasest Du?" „Durchaus nicht, Malka. Ich bin nicht rasend. Und vorhin habe ich ja auch Deinen Dank abgelchut, weil cs mich danach gelüstet, etwas zu haben — und sei es noch so geringfügig —, wo das Geben ganz ans meiner nnd das Nehmen auf Deiner Seite ist. Dafür muß ich eigentlich Dir dankbar sein. — Zn denken, daß ich noch Wohltaten erlveisen kann, macht mich wieder zum Menschen, und dieses Bewußtsein wird mir auch noch zustatten kommen, wenn — ich die Fähre über den Strom führe!" „Aber cs ist doch nicht meine Schuld, daß ich Dich nicht lieben kann," sprach sie jetzt, doch ein wenig von seiner Demut gerührt. „Du verteidigst Dich zu früh. Warte, bis ich Dir Vorwürfe mache." Von einem inneren Impuls getrieben, tastete sie nach seiner Hand, die sie leise drückte. „Gute Nacht, Niman!" sprach sic. „Gute Nacht, Malka, und sage Baruch, daß ich geduldig warte." Sie war bereits einige Schritte gegangen, als sic wieder zurückkam. „Wie heißt die Stadt, wo Baruch jetzt wohnt?" Odessa! Es ist eine Tagesreise dorthin und kostet achtzehn Rubel!" fügte er ungefragt hinzu, da er ihre Gedanken erriet. „Um Gottes willen! Sv viel kann ich doch gar nicht verdienen!" »Laß gut sein, Malka; gräme Dich nicht. Ich .werde Dir den Rest von meine» Ersparnissen geben." „Das ist nett von Dir," sprach sic ruhig. „Natürlich werde ich es Dir wieder zurückschicken." Er blickte ihr traurig nach. Arme Malka, auch Deine Lebcushoffuung wird wie dünnes Glas zersplittern! — Er fühlte sich müde, wie zerschlagen, und sein Körper war in Schweiß gebadet, als hätte er ein schweres Werk verrichtet. Und so Ivar cs auch in der Tat. Für ewig von Malka sich zu trennen, das Bewußtsein, sie für immer aufzugcben, war für Niman die schwerste Arbeitsleistung seines Lebens. Freilich wußte er cs schon seit langer Zeit, daß seine Liebe für sie sehr groß war; wie groß aber, das empfand er erst jetzt, — und das wird ihm Kraft verleihen —. den Kahn über den Strom zu lenken. Von der andern Seite hörte er deu Ruf nach der Fähre, aber er bewegte sich nicht. Mögen sie schreien, bis die Lunge ihnen zerspringt. Es war ja eine Wonne, zu wissen, daß auch noch andere vorhanden waren, die nicht alles sogleich erlangen konnten, was sie wünschten. — Jetzt bemerkte er erst, daß pr noch immer die Rohrpfeife in der Hand hielt; er zerdrückte sie zwischen den Fingern und schleuderte sie von sich. Er hat keine Flöte mehr nötig. — XII. Malka beeilte sich, schnell nach Hanse zu kommen. Möglicherweise fand sich eine Gelegenheit, endlich mit Baruch sprechen zu können. Die Tage hindurch konnte sic nicht darauf rechnen, aber die Abende boten eher die Möglichkeit dazu. — Das war ja auch der einzige Grund, weshalb sie sich ins Schloß geschlichen hatte. Während sie in Gedanken versunken dahinschritt, fühlte sie plötzlich einen festen Griff an ihrem Arm. „Habe — ih—ich D—D—Dich er—r—schreckt, mein T—T—Kubchen?" lachte der Mann, gurgelnd, mit belegter Stimme. „Ach, Herr Leutnant, Sie sind cs!" sagte .Malka, deren Angst nur halb geschwunden war, als sie Karol erkannte. „Nicht so eilig, Liebchen," gurgelte nnd schluckte er, mit der rechten Hand nach einem Stützpunkt suchend, während er das Mädchen mit der linken festhielt; „nicht so eilig; ich habe etwas Wichtiges mit Dir zu besprechen." „Das könnten wir wohl besser im Hause ab- - machen." Er verstärkte den Druck auf ihren Arm und fuhr frivol fort: „Gestatte mir, anderer Ansicht zu sein, Fräulein Astarte, oder Bileam, oder Semiramis — aber licht: jetzt erinnere ich mich, Du heißt.Malka. Aber, sage mir bloß, wie kann mau mit solchen blitzenden Augen nnd einer solchen hübschen Larve einen solchen abgeschmackten Namen führen?" „Malka bedeutet ja Königin," lächelte sie mit schwerem Herze», bemüht, ihn bei guter Laune zu erhalten. „Wirklich? Das ist ja wunderschön. Ich werde Dich auch zur Königin von Saba machen." Bei diesen Worten versuchte er, sie an sich zu pressen; allein bei seinem Schwanken nnd bei ihrer schlangenhaften Geschmeidigkeit war sie bald seiner Ümarmung entschlüpft. „Sei nicht zimperlich, Königin von Saba. — Wer, nein; dieser Name gefällt mir auch nicht. Ich.glaube, diese Königin hat einmal einen Judenkönig durch allerlei Rätsel und Hexenzauber an

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