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Neue jüdische Presse · 1910-05-06 · Heft 17 (6.5.1910) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
8 (1910)
Issue
Heft 17 (6.5.1910)
Date
1910-05-06
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 17 Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Leite 5. der Nase herumgeführt. — Das aber darf mir nicht passiere»; deshalb werde ich Dich „Lied der Lieder" nennen; das ist doch auch ein Name aus Eurer Bibel, und Du bist das schönste Lied, das ich je in Weiberröcken gesehen." „Wollten Sie mir nicht etwas Wichtiges Mitteilen?" suchte sic ihn ans Äidcre Gedanken, zu bringen. Er schluckte erst wieder ein paarmal, ehe er ihr antworten konnte. „Ach, ja; ich will Dich nämlich zu meiner Vertrauten machen. Willst Du, Lied der Lieder?" Ohne ihre Antwort abzuwartcn^fnhr er fort: „Mir will es in Ditomsk nicht mehr gefallen. Ich kam her, icttt mich mit meiner Cousine zu amüsieren; aber ich fühle mich ganz erbärnilich hier." „Ihre Cousine vernachlässigt Sie wohl?" fragte sie halbbelustigt. „Ich bin schrecklich in sic verliebt, aber die Hexe will nichts von mir wissen; ihr steckt der andere Kerl im Kopf." „Welcher?" fragte Malka, die jetzt aufmerksam wurde. „Ich habe doch keinen andern Herrn im Schlosse bemerkt." „Endlich hast Du ein vernünftiges Wort gesprochen, Lied der Lieder. Er ist ja auch gar kein Herr und auch gar nicht wert, das; nian von ihm ein Wort spricht. — Aber, weiß der Kuckuck, sic liebt ihn doch." „Ihn? Wen meinen Sie denn?" „Nun, den Schreiber — den Bolkinaiin!" Er konnte das stolze Lächeln nicht sehen, das ihren Mund bei Nennung dieses Namens umspielte, und wenn er es gesehen, würde er es nicht verstanden haben. Was mag denn dieser Trunkenbold sonst erwartet haben? — War es penn nicht ganz natürlich, das; jede Frau Baruch — ihre» Baruch, lieben mußte? — Dann aber fühlte sie, wie eine eisige Hand ihr Herz erfaßte. „Und — und — erwidert er ihre Liebe?" fragte sie leise. „Wie, zum Teufel, soll ich es wissen? Er ist doch stumm und verschlossen wie ein Stockfisch. Und Dir scheint es auch leid zu tun; denn neulich, bei der Fähre, habe ich wohl gemerkt, wie Du ihn angeblitzt hast. — Aber gräme Dich darum nicht; Du sollst deshalb nicht zu kurz kommen. N) will Dir sogar die Wahl überlassen." „Welche Wahl?" fragte sic verständnislos. „Mache doch nicht ein solches einfältiges Gesicht. Einen von uns beide» sollst Du haben. Volkmann oder mich." Ihr Erstaunen nahm zu, und sie starrte ihn sprachlos an. „Das ist doch ganz einsach," rief er barsch; „ich habe mir alles schon überlegt; ich pflege meinen Schätzchen keine bitteren Tränen nachznwcinen — Wenn ich mich in Dich verliebe, dann kann sich Alma mit Volkmann zusammen anfhängen. Willst Du Dir aber doch den Volkmann angeln, dann mutzt Du Dich besser ins Zeug legen, damit mir der Weg zu Alma frei wird." Ein Wirbel tausendfacher Gedanken schwirrte in ihrem Kopfe herum, aber sic war immer noch keines Wortes fähig. „Steh' doch nicht da wie eine Ente, der man den Kopf abgehackt," rief er erbost, sie brutal aufrttttelnd. . „Ich dachte . . ." stotterte sie in ohnmächtigcr Wut gegen seine gemeinen Beleidigungen. „Wenn es der andere sein soll, dann sage es bald; ich werde nicht böse sein. Denn ich will Dir nur die Wahrheit gestehen, das; ein Dutzend Deinesgleichen nicht so viel wert ist wie meine verteufelte Cousine. Das aber sage ich Dir, eine von Euch muß ich haben; denn ich habe keine Lust, mich noch länger so zu langweilen. — Willst Du aber doch noch mich wählen, dann fahren wir zusammen nach Petersburg, wo Du Schmuck, Kleider und andern Weiberkram in Hülle und Fülle haben wirst — Du brauchst aber nicht den Kopf zu schütteln; denn wenn ich auch kein Geld habe, so gibt es Juden genug, bei denen man alles ans Nimnierwiederkriegen borgen kann. Du wirst dort ein ganz lustiges Leben führen, und cs werden auch noch andere Kameraden anbeißen, und schließlich schaffen wir Dir einen strammen Dragoner, der Dich vom Flecke weg heiratet. — Nanu, was ist denn los mit Dir?" Mit einem energischen Ruck hatte sie sich von ihm losgemacht und spähte nach einem 'Ausweg, um ihm zu entschlüpfen. Aber er merkte ihre Absicht und stellte sich breitspurig hi», so daß sie jeden Versuch anfgebcn mußte. „Na, Liebchen, mit solchen Mätzchen darfst Du mir nicht kommen, oder f. . ." ' Unerschrocken trat sie dicht an ihn, heran, so daß seine Fäuste fast ihr Gesicht berührten. Blitzartig überlegte sic, was zu tun sei und entschloß sich, dem Unzurechnungsfähigen einige scheinbare Zugeständnisse zu machen. ( „Aber, Karol," sprach sie mit süß-saurem Lächeln; „Sie fangen schön an, meine Liebe zu gewinnen, indem Sic mich so schlecht behandeln." Er ließ den erhobenen Arm sinken und fing Wieder an, heftig zu gurgeln und zu schlucken. „So gefällst Du mir schon besser. Du listige Katze: Du verstehst die feinen Tricks Deines Gewerbes vortresslich. — Na, Du bist für Petersburg wie geschaffen." „Ja, ich denke auch Petersburg oder Odessa," murmelte sie gedankenvoll; „Nun aber, Karol, lasse mich jetzt los und kvinin nach Hanse." „Erst aber lvollen wir unseren Vertrag besiegeln." Er spitzte sinnlich seine dicken Lippen. „Mein; heute nicht; ein anderes Mal." Sie war fest entschlossen, das; dieses andere Mal nie kommen sollte. Als ob er ihre Gedanken erraten hätte, hatte er sie im nächsten Augenblick schon fest umschlungen und bedeckte ihren Mund mit lautschmatzciiden Küssen, während sic wie leblos in seinen Armen hing. „Ach, das hat geschmeckt!" rief er wollüstig. „Myrrhe und Narzisse ans dein Osten und Milch und Honig aus Kanaan. Du mußt näinlich wissen, daß ich Kenner bin und mich darauf verstehe. — Meine Erfahrungen unter den Töchtern Sem'S sind nicht unbeträchtlich! — Es war gerade Ostern vor zwei Jahren, da hatte ich das Unglück, ein Stück von Eurem Ostcrkuchen zwischen die Zähne zu bekommen. — Brrr! Pfui Teusel! Sägesprcn mit abgestandenem Regcnwasser gebacken! — Und, um den häßlichen Geschmack ans dem Munde zu bekommen, hatte ich ein Gelübde getan, alle schönen Jndenweibcr zu küsse», die mir unter die Hände geraten iverden, — und ich habe mein Gelübde erfüllt. Du aber bist doch die Schönste von allen. — So, jetzt geh'; wir dürfen nicht zusammen das Hans betreten, cs könnte meinem Ruse schaden." — Mit tölpelhafter Zärtlichkeit stieß er sie von sich, das; sie am gegcnüberstchenden Baum hinschlug. Eilig raffte sic sich wieder ans, — und schamrot und knirschend vor Wut, stürzte sie davon. (Fortsetzung folgt.) Sprechsaal. (Ohne Verantwortlichkeit der Redaktion.) Als aufmerksamer Leser Ihres geschätzten „Israelitischen Fainilicnblattes" sei cs mir gestattet, zu dem Artikel „Jüdisches Soldaten heim i n M e tz" in Nr. lö d. I. einige anfklärcnde Bemerkungen zu machen, iveil ich seit einer Reihe von Jahren mit den Einrichtungen und Bestrebungen des Kaiser W i l h e lm -H a u s es bekannt bin. Mit der Bezeichnung „C h r i st l i ch e s Soldatenhciin" will niemand die jüdischen Soldaten von dem Besuch des Hauses abhalten, sondern man will damit den wesentlichen Unterschied gegen die ganz gemeinen Kneipen geltend machen, welche sich mit dem verlockenden Namen „Soldatenheiin" zu bezeichnen Pflegen und diese Bezeichnung auf große Schilder geschrieben haben. Es sind wiederholt jüdische Soldaten im „Christlichen Soldatenheim" gewesen, denen ausdrücklich von dem «ekretär desselben die Versicherung gegeben worden ist, das; er sich freue, das; auch sie von dieser segensreichen Einrichtung Gebrauch machen, und ist noch besonders betont worden, das; kein Soldat, auch der evangelische nicht, gezwungen sei, an den Vorträgen teilznnchmen. Jedem wird seine persönliche Freiheit gewahrt. Daß man den jüdischen Soldaten „den Eintritt verwehrt" hat, davon kann absolut keine Rede sein, als ob die Interessen des „Christlichen Soldatenheims in Metz" jndenseindliche seien. Dieser obige Ausdruck lvird ganz energisch znrückgewiesen, zumal die erste Bestimmung lautet: „Das Kaiser Wilhelm-Haus steht allen Soldaten ohne Unterschied der Konfession offen" — und 11. a, die s ech st e heißt: „Streitereien über konfessionelle, politische, dienstliche oder sonstige Angelegenheiten sind im Hause nicht gestattet." — I’. K l o s e. Wir haben von den vorstehenden Mitteilungen des Herrn Pfarrer Klose gerne Kenntnis genommen. Die Notwendigkeit der Errichtung jüd. Soldatenhcime lvird durch sie aber nicht berührt. D. Redaktion. Kunst und Literatur. M i t t c i l u n g e n z n r I ü d. B o l k s k n n d e. Hcrausgegeben von Dr. M. Grünwald, Rabb. der isr. Kultusgeniciiide in Wien. 13. Jahrg. 2. Heft. Der ganzen Reihe 34. Heft. Wien. In Kommission bei Josef Schlesinger 1910. Das vorliegende Heft enthält den Schluß der sehr eiilgehendcn und.interessanten 'Arbeit von Dr. Adolf Löwinger: Der Schatte;; in Literatur und Folklore der Inden, ferner den Schluß der ^Veröffentlichung Dr. Sch. Ochser über den Pinkas der Gemeinde in Kuttenplan, die Fortsetzung der Jüd. Sprichwörter und Redensarten aus Rußland von Beilin-Marmorstein und eine Bücherschau mit Illustrationen. Das Heft schließt sich würdig seinen Vorgängern an, wenn mir auch die Publikation des Pinkas Kuttenplan in manchem Pnnkte verfehlt erscheint. S. H. L., Prag. Kaiser Friedrieh Quelle - Offenbach a. X. —— Gegen Gicht und BhenmaÜHmns bewährt. Alleiniger General -Vertreter: Friedrich Stahl, Frankfurt a. M., Stallburgstr. 9. TeL 259 u. 71. “K2D Bad Harzburg. 1K73 Pension Parkhaus, 53 Salons und Familien-Dependance, Schloss Priiizenhof mit 88 Salons. Streng rituelle Häuser I. Banges unter Babbinats- Aufsicht, an schönster Waldlage. Geöffnet April bis Oktober. Prospekt gratis. MaX HßChtm Deutsches Beobachtungen pr. St. 1 Mk. Ermit- DPtppfiUtelongen, Recherchen u. Auskünfte vluUUi v. 5 Mk. an. Gewissenhafte Aua- Institut führung u. strengste Diskretion als Frankfurt a. M. mehrjähriger Polizeiu. Kriminal- Neuo Zell 33, 1. , i ,_. —— Tel. 11391* beamte gesichert. Wocheu-Kaleuder. (Zeitangabe« nach dem Busch.) Samstag, den 7. Mai ( 28. Nissan): Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 7 Uhr 25 Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 8 Uhr 45 Min., in Berlin 8 Uhr 30 Min. Wochenabschnitt: Kedanschim. — Gebot der Sabbatheilignng, Verbot des Götzendienstes, Vorschriften für den Genuß der Ovfer, Armcnabgaben in Feld und Weinberg, Verbot des Diebstahls, des Fluchens, der Verleumdung, der Rache, das Gebot der reinen Menschenliebe, („Liebe deinen Nächsten wie dich selbst") das Verbot der Mischgattungen in Feld und Weinberg, bei Gewandstoffen und Tierarten; Gebot der Enthaltung vom Genüsse der Banmfrüchte während der ersten drei Jahre nach der Anpflanzung; Fremdlinge zu lieben, richtiges Maß und Gewicht zu haben usw. Einsegnung desMonats Isar. Rausch- Chandesch am Montag und Dienstag. Man liest Sabbat nach Mincho den t. P c r e k (Abschnitt) der „Sprüche der Väter." Es siich prachtvolle moralisch: Abhandlungen im Geiste des Thoragesetzes und der Tradition. Die e f i r o -" oder Zählzeit, in der wir jetzt leben, hat einen traurigen Abstrich erhalten durch verschiedene Ereignisse. Zur Zeit Rabbi Akibas wütete unter dessen Schülern eine pestartige Krankhcit und raffte die stolzesten Stützen >.der Thora, die Hoffnung Israels dahin. Zur Zeit der Kreuzzüge fanden Tausende unserer Brüder und Schwestern in Deutschland und anderen Ländern den Märtyrertod. Darum nimmt man sich im „SDntcr" nicht die Haare ab, hält keine Hochzeitsfeste und beschränkt auch sonst die Lebensfreuden. Mit Beziehung hierauf werden in manchen Gemeinden an den Sabbaten im Schacharisgebet Sultans eingeschaltet. Inhalt: Israels Leiden und Erlösungshoffnung. OffenbaelKr Druckluft*Anlage Telefon 123. Otfanbacha.il. Telefon 123. Unübertroffene bewährteste Tapplchr Olnlgund- Sigmnnd Singer, Bsmeplatz 23 empfiehlt Stoffe für Herren-Anzüge und Paletots zu billigsten Preisen. Allen Verehrern und Freunden des Herrn Rabbiner Dr. Hornvitz S. A. wird die Mitteilung interessieren, dass die Buchhandlung A. Rothschild in Frankfurt a. M., vielfachen Anregungen nachkommend, die Fertigstellung des vergrösserten Porträts in Bildgrosse 25/32 inbl. Passepartout 40/50 cm lür M. 7.50 — grössere Formate entsprechend teuerer — bekannt giebt. Familieimachrichte». Geburten. Einen Sohn, Herrn Moritz Glück (Rosenfelderh Stuttgart. Eine Tochter, Herrn Richard Ster» (Znckermann), Mülheim a. Rhein. ~ Einen Sohn, Herrn Joseph <-tein (Schlesinger), Frankfurt. Eine Tochter, Herrn Ernst Gordon (Jaroslawl, Breslau. Einen Sohn, Herrn Hugo Lippmann (Neustadt), Kurnik. Einen Sohn, Herrn Dr. Arthur Hantle (Hcyniannh Charlottenbiirg. Eine Tochter, Herrn Salti Noßbaum (Halte), Frankfurt. Eine Tochter, Herrn Dr. mcd. I. Lange (Posen), Frankfurt. Eine Tochter, Herrn Max Fetduieier (Stvrck- Hcilbroniu» Frankfurt. Einen Sohn, Herrn Emil Rothschild (Löbenstein), Friedberg. _ Einen Sohn, Herrn Levis Warschatvski (^imon), Frankfurt. Verlobte. Helene Bacr, Seligenstadt — Julius Simon, Eltville.

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