Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 8 (1910)
- Issue
- Heft 15 (15.4.1910)
- Date
- 1910-04-15
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10. Frankfurter Israelitische Familienblatt. Personalien. Düsseldorf. Zum Dozenten für Kinderheilkunde an der Akademie für praktische Medizin ist der Oberarzt an der Kinderklinik der städtischen Krankenanstalten Dr. med. Salo Engel — geboren 1878 zn Reichenbach (Schles.) — ernannt worden. Wie«. Abg. Professor Dr. Mahler wurde von der französ. Akademie zmn Offizier d'Academie ernannt. — D. Adolf Winkler, Ehrenpräses der Soproner jüd. Gemeinde, erhielt den Titel eines königl. Rats. Zürich. Dr. Arthur Wreschner, Privatdozent der experimentalen Psychologie, wurde zum außerordentlichen Professor ernannt. London. Im Alter von 47 Jahren verschied an den Folgen einer Operation Major Claude Marks,ein Sohn des verstorbenen Professor MarE. Konstantinopel. Oberstleutnant Dr. Elia bey Modiano, einer der ausgezeichnetsten Aerzte der türkischen Armee, ist zum Chefarzt des Ildiz-Hospitals ernannt worden. New-Aork. Die Grundsteinlegung de§ Neuen Instituts für Musikkuust wurde von Frau Paul Marburg, Schwester des Herrn James Loeb, vorgenommen, die die Hauptsumme von 500000 Dollars für das Institut gespendet hat. In Washington verschied der Philanthrop Adolphus S. Solomons im Mer von 84 Jahren, den innige Freundschaft mit dem Präsi-, deuten Abraham Lincoln verbunden hatte. Solo-l mons war u. a. Mitglied des Zentralkomitees der Alliance Jsraelite Universelle. Aus der Lehrerwett. Mülhausen i. Elf. IRabb. Camille Bloch aus Sulz u. W. ist zum Rabbiner in Dörnach ernannt, worden. Oppeln. Der vom Shnagogen-Gemeinde-Borstand des Regierungsbezirks Oppeln angestellte Wanderrabbiner Herr Nischkowsky, trat am 1.April sein Amt ml. Er nahm seinen Wohnsitz in Kattowitz. (L.) Borek (Posen). Die hiesige jüdische Volksschule ist aufgelöst worden. Lehrer Ludwig Katz übernahm die Lehrersixlle in Samter. Budapest. Dr. Eugen Bidor Rabbiner der Pancsovaer Gemeinde, verschied. nach längerem Leiden im Wer von erst 31 Jahren. Loudou. Dr. S.A. Hirsch feierte sein 301 ährig es Jubiläum als Lehrer am Jews' College. Ptttsbnrg lAmerika). Die Rodeph Schalom- Gemeinde erhöhte ihrem Rabbiner Dr. I. Leonard Levy anläßlich dessen 25jährigen Amtsjubilaum das Gehalt von 12000 auf 15 000 Dollars und stellte ihn auf Lebenszeit an. Aus -er zionistische« Bewegung. Berlin. Das Zentralkomitee.der zion Bereinigung für Deutschland erläßt folgenden Aufruf: „Stärker noch als hei früheren Anlässen ist auf dem 9. Kongreß in Hamburg das Bestreben hervorgetreten, die in unserer . Bewegung vorhandenen Kräfte praktischer.Arbeit in Palästina dienstbar zn machen. Aus den Worten fast eines jeden Redners klang die Liebe zu dem Lande der Jugend unseres Stammes, zu dem Boden, auf dem der ruhelose Wmidercr unter den Böllern Frieden finden soll. Das Ziel aber allen Strebens ist die Schaffung eines freien, kraftvollen Bauernstandes auf der eigenen Scholle. Die P. L. D. (S. will diesc Pläne verwirklichen, indem sie größere Grundstücke urbar macht, parzelliert und an neue Ansiedler verkauft oder an Arbeiter verpachtet, die von ihr selbst sorgfältig aus allen Gebieten landwirtschaftlicher - Tätigkeit ausgebildet worden sind. Die Gesellschaft, die nunmehr zwei Jahre .besteht, verfährt dabei auf rein geschäftlicher Grundlage. Sie bewirtschaftet gegenwärtig das dem Nationalfonds gehörige Landgut Kinereth am Tiberiassee. Leider hat das für die wirtschaftliche Erschließung Palästinas so überaus wichtige Unternehmen 'bisher nur in sehr geringem Maße die Unterstützung der Zionisten gefunden. Die Zahl derjenigen, die sich mit ~ eigenen Mitteln beteiligt haben, ist bis zum heutigen Tage eine verschwindend geringe geblieben. Die P. L. D. C. zählt in ganz Deutschland nur etwa 300 Aktionäre, und doch kann heute niemand mehr, welcher Richtung er auch angehöre, die absolute Notwendigkeit dieser Gesellschaft für das Gelingen einer systematischen Kolonisation in Abrede stellen. Auch für das Gedeihen der geplanten Agrarbank ist die Tätigkeit der P. L. D. C. von eingreifendster Bedeutung. Da bisher die Möglichkeiten, auf gesunder Basis agrarischen Kredit zu gewähren, nur außerordentlich beschränkt sind so wird eine Agrarbank für größere Summen nur dann ein Betätigungsfeld finden, wenn cs' bis dahin der P. L. D. C. gelungen sein wird, die Mittel für eine Kolonisation großen Stils anfzubringen und so einen kreditwürdigen Interessentenkreis zu schaffen. Gesinnungsgenossen! Die politischen. Verhältnisse des Orients, die schnelle wirtschaftliche Entwicklung Palästinas, dulden nicht länger einen Aufschub unserer Arbeit. Stur unter großen Opfern, unter Anspannung aller unserer Kräfte werden wir verhindern können, daß der Boden von Erez Israel in fremde Hände gelange. Darum gilt es ohne Zögern zu handeln. Hier ist ein Weg, der zum Ziele führt! Hat doch die preußische Regierung nach demselben System während 15 Jahren in den Ostprovinzcn 125000 Menschen seßhaft gemacht! Laßt uns sorgen, daß im iveit fruchtbareren Palästina gelinge, was in Preußen möglich war. Laß uns zeigen, daß die deutschen Zionisten die Einsichtigsten imd Opferwilligsten sind! Palästina braucht nicht nur Pioniere der Arbeit, sondern auch des Kapitals!*) Berlin. Die Wiener „Jüd. Ztg.", das offizielle Organ der Zionisten Oesterreichs, veröffentlicht in ihrer letzten Nummer über die Ostern hier stattgefundene erweiterte Sitzung des Zentralkomitees der Zion. Vereinigung für Deutschland einen eigenen Bericht, während die sonstigen zion. Blätter nur den offiziellen Bericht über die geschlossene Tagung brachten. Der Bericht der „Jüd. Ztg." behauptet, daß infolge des Berliner Aufrufs der Neunzehn nun auch in Deutschland eine große Opposition gegen Wolffsohns bisherige Politik entstanden sei und fährt dann fort: „Bon den Führern der Opposition waren unter anderen erschienen: Berthold Feiwel, Rechtsanwalt Dr. Ascher, Dr. Halpern, Dr. Becker, Dr. Straus, Sokolow, Julius Simon, Wiener (Kattowitz), Dr. Teilhaber, Dr. Sandler, Schachtel, die Vertreter der Verbindungen im Kartell zion. Verbindungen, die steten Anhänger des Palästina-Ressorts Berlin und viele andere, die ihre Stellung, wenn auch nicht so scharf, präzisierten und nur von Fall zu Fall Anschluß an Gruppe suchten. . . Sowohl die oppositionelle Linke wie auch die Richtung der offiziellen Leitung der Zionisten Deutschlands (Dr. Hantle, Friedemann, Gronemann u. a.) waren sich darüber einig, daß durch eine Uebersiedelung des Präsidenten nach Berlin nebst der Heranziehung eines oder mehrerer russischer Zionisten zur Leitung der zionistischen Agenden eine Ausgleichung der Gegensätze angebahnt werden könne. Die Forderungen der auf dieser Tagung sich zu einer festen, wenn auch namenlosen Gruppe sich konsolidierenden Oppositionellen: der Verlegung der I. C. T. nach dem Orient, der Inangriffnahme einer Siedlungsbank (unter Darlegung der Verhältnisse durch Dr. Sandler, Prof. Marburg, Dr. Boden heinier u. a.) fanden allseitig Anerkennung, lediglich die Berechtigung dieser Forderung für vergangene Zeiten wurde bekämpft. Die Sanierung der pekuniären Lage der Partei streifte Dr. Hantke, der das Defizit der zwei in Deutschland erscheinenden zionistischen Blätter für eine der wesentlichsten Belastungen unseres Budgets hält. Unwidersprochen besteht seit Jahr und Tag das Postulat, die „Welt" und die „Jüdische Rundschau" zu vereinigen, wodurch der Partei und dem Nationalfond viele Tausende erspart blieben." Infolge dieses Berichtes versendet das Zentralbüro der Zion. Vereinigung für Deutschland eine Erklärung des Inhalts, daß der vertrauliche Charakter der Tagung der „Jüd. Ztg." eine Veröffentlichung hätte verbieten sollen und daß die den Tatsachen widersprechenden Angaben ihres Berichterstatters seine Abwesenheit bei der Tagung vermuten lassen. Der Bericht erweckte den Eindruck, als ob die Vertreter der Opposition die unbedingte Majorität hinter sich hatten. Von den über 90 Teilnehmern hätten aber nur etwa 15 bis 20 der Opposition angehört. Sokolow sei überhaupt nicht zugegen gewesen, von den Vertretern der K. Z. V. habe der Opposition nur ein Teil angehört, und die beiden übrigen genannten Kategorien von angeblichen Anhängern der Opposition seien überhaupt nicht in die Erscheinung getreten. Durchaus irreführend seien, auch die Bemerkungen über die allgemeine Anerkennung, die die angeblich oppositionellen Forderungen: Verlegung des J. C. T. nach dem Orient und Inangriffnahme einer Siedlnngsbank gefunden haben, sowie die aus dem Zusammenhang gerissenen Bemerkungen Dr. Hantke's. - Die Erklärung schließt: „Selbstverständlich hat auch die Majorität der deutschen Zionisten an der Leitung Kritik geübt. Ihre Kritik rechnete aber mit *) Die Anteilscheine der Palästine Land Development Co. kosten: Gründeraktie 1025 Mark, Namensaktie 20,50 Mark, Inhaberaktie 22 Mark. Zahlstellen: A. H. Heymanu & Co., Berlin N. W. 7 und Jewish Colonial Trust Ltd., London E. C. Walbrook Brook House. Nr. 15. den vorhandenen Mitteln und den gegebenen Verhältnissen. Wir begrüßen denn auch mit Freude die von dem Präsidenten Wolfssohn auf dem Delcgiertentag der Zionisten Galiziens abgegebene Erklärung, daß. er eine Erweiterung der Parteileitung durch Hinzuziehung einer Reihe führender Männer aus verschiedenen Ländern wünsche. Wir erkenne» gerade hierin mit Genugtunng, daß uns unser Vertrauen zu dem vom 8. Kongreß gewählten und vom 9. Kongreß wieder mit der Führung der Partei beauftragte E. A. -K. nicht getäuscht hat." Offenbach a. M., 11. April. Die gestrige Verammlung der hiesigen Ortsgruppe erfreute ich eines besetzten Saales und eines harmonischen Verlaufes. Dr. G o t t l i e b, der Vorsitzende des Gruppcnverbandes, hielt ein einstündiges Referat, das die Zuhörer mit den Wesen des Zionismns und all dem, was die zion. Bewegung bereits geschaffen hat, bekannt mgchte. Dem Vorträge schloß sich eine längere Debatte an; es sprachen: Geis, Perlmutter -Frankfurt, Wodowsky- Offenbach mrd .der Vorsitzende der Ortsgruppe. Der Erfolg der Versammlung zeigte sich in dem Gewinn von zehn neuen Mitgliedern. Köln a. Rh. Für den Jüd. Nationalfonds wurden in den Monaten Januar — März 97 040 Mark gespendet. Hamburg. An Stelle des verstorbenen Moritz Marburg wurde dessen Nesse Herr Aby S. Marburg zunl Gemeindevorsteher gewählt. Das Repräsentanten-Kollegium hatte den sehr verdienstvollen und allgemein beliebten Vorsitzenden des orthodoxen Synagogen-Verbandes Herrn Dr. B. Levy in Vorschlag gebracht. Der zweite Vorsitzende des Vorstandes Herr Alfred Levywidersetzte sich dieser Wahl mit der Begründung, daß Herr D r. Levy den Hamburger Zionisten-Kon greß im Aufträge des Synagogen-Verbandcs offiziell begrüßt hat. Der Vorgang hat weit über die orthod. und zion. Kreise hinaus in der Geineinde lebhafte Mißstimmung hervorgerufen. Wilna. Das Zentralkomitee der zion. Organisation für Rußland unternimmt die Uebersetzung und Herausgabe der Schriften Mathias Acher's und Pinsker's Autoemanzipationin hebräischer Sprache. Athen. In Griechenland mit seinen 6100 jüdischen Seelen gibt es auch mehrere zionistische Vereine. Die beiden bedeutendsten dieser Vereine befinden sich in Larissa. Aus de« Vereine«. Frankfurt a. M., 13. April. Aus dem Bureau der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" wird uns geschrieben: Anläßlich der bevorstehenden Pesachfeiertage haben wir an den Herrn Kriegsminister das Ersuchen gerichtet, die Generalkommandos und obersten Waffenbehörden anweisen zu wollen, daß den Gesuchen jüdischer Soldaten um Gewährung von H e i m a t s u r l a u b für die Dauer des Festes, sowie evt. um die Ermöglichung ritueller Verkäst i g u n g am Garnisonsorte selbst, soweit wie nur irgend möglich, Rechnung getragen Ivcrde. Der Herr Kriegsminister hat die Eingabe in persönlicher Audienz entgegengenommen und den Erlaß einer Verfügung im erbetenen Sinne für die nächsten Tage bereitwilligst zngesagt. Wir machen hierauf die Herren Rabbiner, Lehrer, sowie die unmittelbar interessierten jüdischen Soldaten besonders aufmerksam. Frankfurt a. M. Die zahlreichen Frankfurter jüdischen Vereine, / denen Rabbiner Dr. Marcus Horovitz s. A. seine Kraft gewidmet und die er zum Teil begründet und geleitet hat, vereinigten sich zu einer imposanten Tranerfeier in der Frankfurt-Loge. Der große und der kleine Saal waren bis auf den letzten Stehplatz gefüllt. Die Tribüne, die Beleuchtungskörper usw. waren schwarz - weiß als Zeichen der Trauer dekoriert. Die Feier wurde von einem Streichorchesters eingeleitet. Darauf ergriff der Vorsitzende der Frankfurt - Loge Isidor Dreifuß das Wort. Er rühmte den Verewigten als große Persönlichkeit, die den Logenbrüdern stets eine Leuchte und ein Vorbild in ihrer Arbeit war. Mit seinem Erscheinen pflegte jedesmal im Kreise der Loge neues Leben und neue Schaffensfreude zn entstehen. Darauf betrat Dr. I. H e i n c m a n n die Tribüne und ergriff in der lautlosen, von der Bedeutung des Momentes getragenen Stimmung das Wort. Er hatte sich die Aufgabe gestellt,' den Entschlafenen als einheitliche Persönlichkeit zu erfassen. Wie kam es, daß so reiche Gaben des Geistes und des Herzens sich so harmonisch verbindenkonnten, daß nie eine mit der anderen in Konflikt kam? Die Antwort liegt darin, daß der Entschlafene diese eigenartige Verbindung von Gelehrsamkeit, Herzensfrömmigkeit und Weltkunde in den großen Persönlichkeiten des Judentums vörfand, an denen er sich und andere emporbildete. Dieselbe Wieseitigkeit die ihn aus-