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Neue jüdische Presse · 1910-04-15 · Heft 15 (15.4.1910) · p. Seite 11

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
8 (1910)
Issue
Heft 15 (15.4.1910)
Date
1910-04-15
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 15. Seite 11. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. zeichnet, ist charakteristisch für alle wirklich Großen in Israel, sie bezeichnet -das Ideal des Judentums. Und er war ganz Jude: auch das Bewußtsein seiner Pflichten als Mensch und Bürger entnahm er dem Judentum. Daß er dieses nie einseitig auffaßte, liegt teilweise au seinen Jugendeind rücken: er kannte aus dem Elternhause die Kabbala, deren gcmütbildende Kraft er würdigte; in ungarischen Jeschiboth lernte er das talmudische Schrifttum kennen, und in Israel Hildesheimer eine als Gelehrter und Organisator gleich vorbildliche Persönlichkeit verehren. Seine Stellung in der Ans tri t ts s r age. die er bereits vor seiner Berufung nach Frankfurt einnahm, erklärt sich aus seinem ganzen Wesen: als Talmudist erklärte er das Verbleiben in einer Gemeinde mit teilweise neolvgen Institutionen für zulässig; als Mensch hielt er Duldsamkeit für einen integrierenden Bestandteil jeder echten Religiosität: als Jude glaubte er sich befähigt und verpflichtet, die Wahrheiten seiner Ucberzcugnng vor einem weiten Streife zu .vertreten. Die besonderen Schwierigkeiten der Frankfurter Stelle, deren Uebernahme ihm anfangs ein materielles Opfer auferlegt, zwangen ihn zur allseitigen Enrsaltnng seiner reichen Gaben in eine segensreichen Tätigkeit, die, was ihn besonders freute, sehr bald auch Hildesheimers Anerkennung fand. Charakteristisch für den Entschlafenen war, daß eine Seite seines Wesens stets der anderen gleichsam zu Hülfe kanr. In den halachischen Entscheidungen des welberühinten Talmudisten verleugnet sich nie der große Zug inniger Herzensfrömmigkeit: Umgehungen hat er auch dann verworfen, wo sie mit dem Buchstaben des Gesetzes nicht kollidierten. Die „Frankfurter Rabbinen" lassen auf jeder Seite das warme Verständnis des vor ähnlichen Aufgaben stehenden Nachfolgers erkennen. Umgekehrt entnimmt er der Gelehrsamkeit seine religiöse Weltanschauung nnd seine Verpflichtung zu organisatorische Tätigkeit nach dem Muster altjüdischer Wohlfahrtsbestrebungen. „Frömmigkeit war für ihn nicht ein „Standpunkt," sondern eine Eigenschaft, die Grundeigenschaft seines Wesens." Als Organisator suchte und wußte er Männer verschiedenster Lebenssphären und Weltanschauungen zu gemeinsamem Liebeswirken heranznziehen, seine» Standpunkt deutlich, aber stets liebenswürdig zu vertreten und alle Enttäuschungen durch den siegesfrohen Optimismus zu überwinden, den er, wie so viele andere Züge seines Wesens, mit Hillel gemein hat. So hat er die Verkündigung des Judentums) in der seine Lebensarbeit gipfelt, mehr noch als durch Wort nnd Werk, durch seine Persönlichkeit geführt, die, ganz iin Judentum wurzelnd, dessen eigentümliche Begabung in reinster und reichster Entfaltung darstellte. Die nach Inhalt und Form glänzende Rede hatte sichtlich tiefen Eindruck gemacht, alles war ergriffen. Eine Stimmung, die der wundervolle Gesang des Oberkautors Ö g u t s ch — er sang die Arie: „Dann werden die Gerechten leuchten" — noch erhöhte. Darauf bestieg Herr Dreifuß zum zioeiten Male das Podium rmd schloß mit dem Gelöbnis, daß die Frankfurt-Loge im Geiste des großen Bruders weiter wirken werde, die würdige Feier. Frankfurt a. M. Verein »Mekor Chajim". Der Lehrplan für das Sommerhalbjahr weist insofern eine Neuerung auf, als ab 2. Mai Montags und Donnerstags früh nach Schluß der Synagoge Friedberaer Anlage ein Mitglieder-Schiur in der Dauer von etwa >/r Stunde stattfindet. Frankfurt a. M Die Vereinigung zur Pflege k l a s s i s ch e r L i t e r a t u r, die sich vor einigen Monaten durch die Aufführung des Dramas „Ketten" rühmlichst bekannt machte, veranstaltet Samstag Abend 9 tlhr in den oberen Räumen des Zoologischen Gartens ein Frühlingsfest. Marburg. Die diesige .Jüdische wissenschaftlich-gesellige Bereinigung" ist in stetiger Entwicklung begriffen und zählt z»ir Zeit mit Inaktiven und alten Herren 62 Mitglieder. Die Tendenz her Vereinigung gelangt in, ihrem Namen zuni Ausdruck. Als ein Sammelpunkt für Akademiker und gebildete Kaufleute will sie soivohl zum sozialen Ausgleich beitragen, als auch durch eingehende Behandlung allgemein-wissenschaftlicher und speziell jüdischer Probleme die geistigen Interessen ihrer Mitglieder anregen und in freier offner Aussprache über alle Fragen jüdischen und öffentlichen Lebens zur ernsten Würdigung einer jeden ehrlichen Ueberzeugung erziehen. Allwöchentlich findet ein wissenschaftlicher Bereinsabend mit anschließender Kneipe statt. In gemeinschaftlichen Ausflügen und Festlichkeiten gelangt die Geselligkeit zu ihrem Recht. Im vergangenen Wintersemester fanden 10 Vorträge über folgende Themen statt: „Das Buch des Propheten Jonah," „Gekrönte Proselyten im Judentum," „Jüdische Politik", „Der psychische Jmpressionisiilus der jüngsten deutschen Vergangenheit," „Ans dem Rechtsleben einer kleinen jüdischen Gemeinde Hessens," „Die universelle, historische Bedeutung des jüdischen Kaufmanns," „Menasse ben Israel," „Die Geschichte des Antisemitismus," „Krankenbesuch und Trauergebräuche nach Bibel und Talmud," „Diskussionsabend über die Lösung der Judenfrage." — Der Vorstand besteht zur Zeit aus den Herren stud. med. Otto Strauß (I. Bors.), cand. ined. Hugo Meyer (Kassierer) und sind. med. Julius Nagel (Schriftführer). Cassel. Was im Wandel der Zeiten aus einer Gemilus-Chassodim-Kippe iverden kann, zeigt die hiesige „Gesellschaft der Humanitä t". Denn nicht allein der alte Name schwand, sondern auch mancherlei von der alten Art. So wird das Jahres - Festmahl nicht mehr beliebt, so begnügt man sich mit einem einmaligen Vortrage im Jahre, den der hierortige Rabbiner im vorigen Jahre über „Die Juden in der bildenden Kunst der Gegenwart" hielt, ein Thema, von dem die alten Kippen wahrlich nichtsgewußt haben. Doch eines ist geblieben: die alte jüdische Wohltätigkeit. Schlagen wir den Jahresbericht auf — auch der gedruckte Jahresbericht ist modern, 107 Jahre hindurch hatte die 1802 gegründete Vereinigung einen solchen nicht gekannt —, so finden wir eine reiche Betätigung: an 11 Seminaristen, 15 Studenten und 9 Schüler wurden insgesamt 3567 Mark Stipendien, an 28 Lehrlinge 1482 JL Beihilfen und an 20 invalide Kaufleute re. 876 Jfe Unterstützungen gezahlt: außerdem wurden einige kleinere Darlehen gewährt und 275 M an Arme verteilt. Benthe« in Lberschles. Am 3. April fand hier eine von etwa 500 Personen besuchte und glänzend verlaufene Propagandaversammlung des Hilfsvereins der deutschen Juden statt. Dr. Karl Ellstätter, der Vorsitzende des Lokalkomitees, eröffnete die Versammlung rmd erteilte Landtagsabg. Geh. Justizrat Cassel- Berlin das Wort. Dieser gab in einem lVä ständigen, fesselnden Bortrage einen Ueberblick über die Aufgaben und die umfangreiche und vielseitige Tätigkeit des Hilfsvereins. Köln a. Rh. Die Generalversammlung der C h e w r 0 h G' m i l l u s C h a s s 0 d i m nahm einstimmig den 'Antrag Feilchenfeld cm, % des Betrages derjenigen Unterstützungen, die jmä der Chewroh-Kasse an Passanten gewährt werden, nach dem Durchschnitt der letzten drei Jahre der demnächst ins Leben tretenden Zentralkasse für Wanderbetiler zuznknhren. Aurich. Im hiesigen Montefrore-Berein hielt cand. phil. LevyWolff von hier, z. Zt. Marburg a. L., einen Bortrag über: „Modernjüdische Zeitfragen." In einer lr/2 ffündigen begeisterungsvollem, Rede verstand es her noch jugendliche Vortragende die Bewegungen im Judentnme bis zur Gegenwart klarzulegen. Eine rege Diskussion, an der sich Lehrer B. Wolfs, Pfifferling, Referendar Binheiin und G0rd0n, sowie Frl. Selma Hoffmann beteiligten, schloß sich an, in der u. a. der Vorsitzende des Vereins auch dem jüngst dahingefchiedenen Rabbiner Dr. Marcus Horovitz einen warmenlpfundenen Nachruf widmete. Mödling bei Wie«. Am 10. d. Mts. fand im „Jüd. Bildungs - und Gefelligkeitsverein" ein jung jüdischer Abend statt, der eine Blütenlese der neuesten jüdischen Poesie darbot. Bon Schauspieler Josef Torczyner-Wien wurden meisterhaft vorgetragen verschiedene Dichtungen Rosenfelds, dann aus Münchhausens „Inda," „Der kranke Knabe" vo-n Perez, „Peter Swansens Konzert" von Max Barber und einige Gedichte von Beda. Ferner rezitierte Frl. Gis «Stein „Die Landstreicher" von Moris Rosenfeld. Sprechsaal. (Ohne Verantwortlichkeit der Rümktion.j ■"! Löbl. Redaktion! Sie brachten in Ihrer jüngsten Runrmer einen Artikel über den Verein der Sabbat- .fertige JKnzüge : M-i ■- 1 - - in eleganter Form, ans neuesten Stoffen. — - — — Für Herren.zu Mk. 27, 30, 33, 35, 38, 40, 42, 45, 50—85 Für Jünglinge.zu Mk. 22, 25, 28, 30, 32, 35, 38, 40, 45—50 Für Knaben.zu Mk. 16, 18, 20, 22, 25, 28, 30, 33, 35—45 fertige JKnzüge .— in einfacher Ausführung, ans soliden Stoffen. - » ■ Für Herren. zu Mk. 14, 16,' 18, 20, 22, 25 Für Jünglinge. zu Mk. IO, 12, 14, 16, 18, 20 Für Knaben.zu Mk. 3, 4, 5, 6, 7—15 Wir fertigen die Anzüge zum grössten Teile selbst an nnd erreichen so eine unübertroffene Leistungsfähigkeit. — Unsere Auswahl ist hervorragend. — Eingang von Neuheiten täglich. VM- Verkauf zn billigen, festen Preisen, welche mit deutlichen Zahlen auf jedem Kleidungsstücke vermerkt sind. Gustav Carsch L Co. Spezial haus für Herren- und Knaben-tfleidung Iiiebfranenstrasse 8—10 und Neue Eräme 27. Filiale in Höchst ». M.: Königsteinerstrasse 5.

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