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Neue jüdische Presse · 1910-03-24 · Heft 12 (24.3.1910) · p. Seite 10

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
8 (1910)
Issue
Heft 12 (24.3.1910)
Date
1910-03-24
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Berlin. Die Frequenz der Religionsschule der Jsr. Synagogen-Gemeinde (Adaß Jisroel), welche Schule unter der Leitung des Herrn Dr. Meier Hildesheimer steht, betrug im verflossenen Schuljahre 244 Knaben und 173 Mädchen. Breslau. Der 60. Jahresbericht der Religions- Unterrichts-Anstalt I (Dirigent: Rabb. Dr. Rosenthal) entnehnien wir, daß die Anstalt am 1. Februar von 338 Schülern und 160 Schülerinnen besucht wurde und daß an: 18. Januar in Budapest im Alter von 83, Jahren Herr Simon Gradenwitz starb, der der Anstalt von 1869—1897 als Lehrer angehört hatte. -üStratzburg i. Elf. Das Israel. Konsistorium versetzte Rabbiner Dr. Bloch aus Westhofen «ms 1. . April nach Straßburg, wo er jetzt schon als Stellvertreter des leidenden Herrn Oberrckbbiner Uri tätig ist. In der Sitzung des Landesausschusses vom 16. März stellte der Zentrumsabg. Dr. Ricklin .einen Antrag dahingehend, die Rabbinerstelle in Sennheim, solange der derzeitige Inhaber der- -selben lebe, beiz u behalten. Zur Begründung dieses Antrags führte der Abgeordnete aus, daß der derzeitige Rabbiner sich durch seine ideale Wohltätigkeit auszeichne und zwar ohne Unterschied der Konfession. Hinter seinem Wrtrage stehe die Bevölkerung der ganzen Gegend. — Ebenso'sprach sich der Abg. Remy für den Antrag aus. — In ganz besonders ehrenden Worten zeichnete den hochherzigen Mann Unterstaatssekretär Dr. Petri aus. — .So wurde denn der Antrag des Zentrumsabgeordneten angenommen, obwohl das Rabbinat an diesem Orte nur 145 Israeliten umfaßt. Aus Äe« Bereiueu. Kraukfurt a. M. Die vor Jahresfrist von dem „Verbände der Sabbatfreunde" und der „Jüdischen Frauenvereinigung" ins Leben gerufene „P e a h", Jüdische Brockensammlung in Frankfurt a. M. versendet soeben ihren ersten Jahresbericht. Wie wir demselben entnehmen, hat sich die Anstalt über Erwarten gut entwickelt. Trotz der geringen Preise, die die „Peah" für die von ihr verkauften Gegenstände berechnet, gingen während der ersten elf Monate ihres Bestehens rund Jk 8400 ein. Zirka 65<Vo hiervon, nämlich über Jk 5000, wurden für Löhne verausgabt und damit einer recht bedeutenden Zahl Arbeitsloser teils dauernd, teils vorübergehend Beschäftigung gewährt. Es steht zu hoffen, daß die „Peah" in der Folge sich kräftig weiter entwickelt und ihrem doppelten Ziele, jüdischen Arbeitslosen Arbeit und Existenz zu schassen und zugleich den Minderbemittelten Gelegenheit zu geben, ihnen unentbehrliche Gegenstände zu geringen Preisen anzuschaffen, immer besser Nachkommen kann. Speziell jetzt, in der Zeit vor Pesach, möchten wir es auch unseren Leserinnen in Frankfurt und Umgebung ans Herz legen, das, was ihnen beim „S ch ü t t e l n" als entbehrlich in in die Hand kommt, doch der „Peah" zu überweisen. Ein telephonischer Anruf unter 5070 oder eine Postkarte genügen, um sofortige kostenfreie Abholung zu bewerkstelligen. Frankfurt a. M. Auch an dieser Stelle sei auf die große öffentliche Versammlung hingewiesen, die die Ortsgruppe des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdi- , schen Glaubens Mittwoch Abend im großen Saale .des Kaufmännischen Vereins veranstaltet. Sowohl die beiden hervorragenden Redner — Rabb. Dr. Werner-München und Landtagsabg. Dr. Cohn- Dessau —, als auch das Thema — Judentckufen und Staatsinteresse — lassen «warten, daß der Andrang ein sehr großer sein wird, sodaß rechtzeitiges Erscheinen dringend geboten ist. <L.| Posen In der hi« stattgehabten Generalversammlung des Armenhilfsvereins, die von dem Vorsitzenden. Stadtrat Schleyer geleitet wurde, wurde der Bericht über das Jahr 1909 erstattet. Danach wurden an laufenden Unterstützungen 6286 JL gegen 6341 Jk im Jahre 1908 verausgabt. Die Aufwendungen an außerordentlichen Unterstützungen, die erforderlich waren, um Mitgliedern d« Gemeinde in vorübergehender wirtschaftlich« Not zur Erhaltung ihrer Existenz zu helfen, betrugen 7766 Jk gegen 5806 Jk im Vorjahre, die Unterstützungen an Durchreisende 3456 Jk gegen 3895 Jk im Jahre, 1908. Auch im abgelaufenen Jahre wurde au arme Glaubensgenossen Brot zu ermäßigtem Preise verteilt. Leider aenügten die Mitgliederbeiträge und Spenden nicht den Anforderungen, sodaß der Vorstand genötigt war, vom Res«vefond 3000 Jk zu verwenden. Frankfurt a. M. Der Vorlesung eigener Dichtungen seitens Dr. Löwenberg-Hamburg im hiesiKenMserenn jsürIüd. Geschichte undLiteratur sah'man mit einer gewissen Spannung entgegen. Wie wir hörten, wurden zahlreiche Zu- . hör« in ihren Erwartungen befriedigt, wir aber wurden e§ nicht. Wir lernten in Löwenberg einen Dicht« kennen, wie es in den Hallen der Dichtkunst dutzende gibt, und das, was ihn uns wert gemacht Frrttckfmcker KsraiMWs FamMönAatt. hätte: die jüdische Note, können wir leider nicht rühmen. Ihm fehlt die echte jüdische Begeisterung, bei allem guten Willen kommt immer wieder sein Kosmopolitismus zum Durchbruch, ein Mangel, der seinen Schöpfungen die Originalität nimmt. Frankfurt a. SB., 23. März. Für seine diesmalige Purim fei er, die der „Montefiore"- Verein gestern Abend vor ausverkauftcm Hause in der Frankfurt-Loge abhiclt, verdient der unermüdliche Vorstand des Vereins einen besonderen Dank, und zwar durch die Aufführung des Grillst a r z e r' s ch e n Fragments „E st h e r". Man muß sijch unwillkürlich fragen, warum diese an dichterischen Formcnschönheite» und klassischen Sentenzen so reichen vier Aufzüge bisher in den Programmen jüd. Vercinsfestlichkeitcn nicht figuriert haben; die Antwort dürfte darin zu suchen sein, daß nur Vereine von der ideellen und materiellen Leistungsfähigkeit eines Frankfurter Montefiore-Vereins die Aufführung wagen dürfen. •' Das Stück wurde gut gespielt. Jeder der Darsteller — die Damen Claire Bauer und Hedwig Jacoby und die Herren A. Maurer, Fritz Lehr, S. Oppenheimer, Beruh. Marx, Leefsma, M. Schönberger, Fritz Strauß, I. Neuhaus und Oberdörfer — hatte seine Rolle 'richtig erfaßt. Der Aufführung war ein musikalisch-deklamatorisches Programm vorausgegangen. Ein von dem Vereinsmitgliede H c i n r. B a ch r a ch gedichteter und von Fräulein Tilly Frankenthal gesprochener Prolog cröffnetc den Abend. Es folgten dann Klaviervorträge des Fräulein R o s y M a r s ch a l l, Gesangsvorträge der Frau Clara Stern-Selig, auf dem Klavier begleitet von Fräulein Ella C a h n, Rezitationen des Herrn Fritz Lehr, ein Flötenspiel des Herrn Georg Hildebrand und schließlich ein von den Damen Ella Ca hu und Thessie Kauffmann aüsgeführter Phantasietanz. Mit der Purimscier beschloß der Montefiore- Verein in einer seinem längst feststehenden Rufe entsprechenden Wesse die Wintersaison. Möge er weiter ein Mittelpunkt frischen, jüdischen Lebens in Frankfurt seist. Hamburg. Die „Jüdische Turnerschaft von 1902" hielt am 8. d. M. ihre Generalversammlung unter der Leitung des ersten Vorsitzenden, P. Mark, ab. Aus dem der Versammlung vorgelegten Jahresbericht entnehmen wir, daß in der Männerabteilung an 90 Turnabenden 1728 Personen — das sind durchschnittlich 19 Personen pro Abend — turnten; in der Damenabteilung war der Besuch erheblich höher, nämlich es turnten an 86 Abenden 2554 Turnerinnen — 29,7 pro Abend —. Den Hauptpunkt der Tagesordnung bildete ein Antrag des Turnrats auf Erhöhung des Turnrats von 7-auf 9 Personen und auf Gewährung des Stimmrechts an die volljährigen Mitglieder der Dameuabteilung. Es hatte sich nämlich eine Gruppe von 110 Personen unter der Leitung der Herren Dr. Ernst Tuch und Dr. Weigert, welche sich anläßlich des zu Ehren des Zionistenkongresses veranstalteten Schauturnens der nationaljüdischen Turnvereine zusammengeschlossen hatten, zum Eintritt in den Verein gemeldet unter der Bedingung, daß die beiden Anträge bei der Generalversammlung gestellt und von dieser angenommen würden. Da die Befürchtung ausgesprochen worden war, daß eine politische Agitation in den Verein getragen würde, hatten die genannten Herren sich ausdrücklich verpflichtet, sich jeglicher Betätigung in nationaljüdischem Sinne innerhalb des Vereins auf Jahre hinaus zu enthalten. Trotzdem machte sich eine energische Opposition, geführt von denjenigen Herren, welche in letzter Zeitden Bruch im jüdischen Jugendbund herbeigeführt haben, in der Versammlung geltend. Für den Antrag auf Zusammenschluß im Interesse des Friedens und der Einigkeit sprachen außer sämtlichen Vorstandsmitgliedern die Herren Dr. Tuch, Dr. Victor, Cahn,Roscuberg, Kornberg und besonders Dr. R. Cohen als Vorsitzender des Vereins ehemaliger Schüler der Talmud-Tora- Realschule, welcher Ehrenmitglied der Turnerschaft ist. Gegen den Antrag sprachen besonders die Herren Bieter, Mehrgut und Alfred Behrens, der Vorsitzende des jüdischen Jugendbundes. In namentlicher Abstimmung fanden die Anträge des Turnrats nur eine einfache Majorität, es stimmten 21 Herren däfür und 11 dagegen; da aber zu ihrer Annahme nach den. Statuten des Vereins eine sk Majorität nötig ift, so gelten sie als abgelehnt. Die versuchte Einigung ist demnach trotz erheblichen gegenseitigen Entgegenkommens gescheitert. Hamburg. Ein neu« jüdischer Turnverein ist hier unter dem Namen „Jüdischer Turnvere i i?. B a r K.o ch b a" gegründet worden. Die konstituierende Versammlung fand am 14. März unter dem Vorsitze Dr. Ernst Tuch's im Logenheim statt. ■ ' . - .; Dr. Tuch führte in seinem einleitendeul Referate aus; daß sich nach dem in Hamburg anläßlich des Zionistenkongresses im Dezember stattgehabten Schauturnen der nationaljüdischen Turnvereine, welche sich m der „Jüdischen Turnerfchaft Rr. 12. zu Berlin" zu einem D«bande zusammengeschlossen hätten, die Notwendigkeit herausgestellt habe, die jüdische Turnbewegmrg in Hamburg energisch zu fördern. Es hätten sich auch schon über 100 Damen und . Herren aus der jüdischen Bevölkerung Hamburgs und Altonas unter seiner und des Herrn Dr: W. Weigerts Leitung zur Begründung eines solchen Vereins zusammengefnnden. Im Interesse des Friedens und der Einigkeit sei man jedoch mit dem bereits bestehenden Verein „der jüdischen Turnerschaft von 1902 zu Hamburg E. V." in Verbindung getreten, um einen Zusammenschluß beider Parteien herbeizuführen. Er habe mit dem Turnrat dieses Vereins nähere Bedingungen vereinbart, unter welchen die'von ihm geleitete Gruppe in den Verein, eintreten sollte; er und Dr. Weigert hätten sogar persönlich sich verpflichtet, sich innerhalb der „Jüdischen Turnerschaft von 1902" jeglicher Agitation im nationaljüdischen Sinne zu enthalten. Da die vereinbarten Bedingungen eine Statutenänderung zur Voraussetzung gehabt hätten, so sei eine Gene.ralversammlung einberufen worden, in welcher trotz den energischen und durchaus anzuerkennenden Bemühungen des Turnrats die vorgeschlagenen Statutenänderungen von einer allerdings sehr geringen Opposition abgelehnt worden seien. Daher sei ihm und seiner Gruppe ein Eintritt in die jüdische Turnerschaft von 1902" unmöglich gemacht worden. Er schlage daher der Versammlung vor, einen neuen Verein in Hamburg zu gründen, welcher sich auf stammestiimlicher Grundlage aufbaue. Die Versammlung nahm diese Ausführungen mit großen: Beifall auf, und es schlossen sich dem dadurch neu gegründeten Verein sofort etwa 150 Damen und Herren als Mitglieder an. Die vorgelegten Statuten wurden im Prinzip genehmigt, und in den ersten Vorstand wurden Dr. Tuch als Vorsitzender, Dr. W e i g e r t als zweiter Vorsitzender, ferner die Herren Abraham, Zadik, Letzmann, Werner, sowie Frl. Burchard und Hecker gewählt. Schließlich teilte Dr. Tuch noch mit, daß es den Bemühungen des vorbereitenden Komitees bereits gelungen sei, eine Turnhalle und einen Sportplatz zu mieten, sowie einen jüdischen Turnlehrer, eine jüdische Turnlehrerin und verschiedene Damen und Herren für die Leitung der Uebungen zu gewinnen. Bunte Chronik. Der Hosenkönig von New-Aork. In New-Jork ist kürzlich eine der populärsten Persönlichkeiten gestorben, der mehrfache Millionär James Fagott, der als der größte Kleiderfabrikant der Vereinigten Staaten galt. Im Volke führte er allgemein nur den Beinamen der „Hosenkönig", »eine Bezeichnung, die er selbst erfunden hatte und in seinen Reklamen als Fabrikmarke für sein Haus gebrauchte. Fagott war nicht immer so mit Glücksgütern gesegnet wie jetzt; er war vor 40 Jahren aus seiner galizischen Heimat nach New - Jork gekommen, und er hieß auch damals bereits Fagott, allein sein Vorname besaß nicht den englischen Klang, denn die Eltern hatten das Kind nicht Janies, sondern C h askel genannt, und bei seinem Einzuge in New- Dork besaß der junge Mensch so gut wie nichts; nur einige Dollar, die seine Ersparnisse bildeten, stellten sein gesamtes Vermögen dar. Aus seiner Heimat aber hatte er eine gewisse Geschäftstüchtigkeit,. Fleiß und Genügsamkeit mitgebracht, und er warf sich, ohne lange zu experimentieren, auf den Handel mit alten Kleidern. Vom frühen Morgen bis zum späten Abend zog er durch die Straßen, besuchte die Höfe der Häuser und schrie mit gellender Stimme die bekannte Frage, ob keine alten Kleider zu verkaufen seien, zu den Bewohnern empor. Allein trotz. allen Fleißes, hätte er es wahrscheinlich nicht weiter gebracht, als so viele tausend andere arme jüdische Einwanderer, die mit Kleidern handeln, wenn er nicht schon frühzeitig den großen W«t einer marktschreierischen Reklame erkannt hätte, und in dieser Erkenntnis legte er beinahe alles, was er erübrigen konnte, in Ankündigungen an, die ihm bald einen großen Kundenkreis vermittelten. Er war bald in der Lage, sich einen Meinem; Laden zu eröffnen, und als sein Geschäft aufzublühen begann, konnte er sich in nicht allzu langer Zeit bedeutend vergrößern. Den Trödelkräm gab er jedoch auf und' legte sich als Spezialität billige Anzüge für die großen Massen bei> die ungeheueren Absatz fanden. Jedoch er begnügte .sich nicht mit New-Jork allein als Absatzquelle, sondern sandte im ganzen Lande Agenten umher, die mit dem Schlagworte vom „Hosenkönig" in . jede Farm drangen. Das Sonderbarste aber war, daß. der vielfache Millionär selbst stets, in der, allerschäbigsten Weise umherzugehen pflegte. Kunst und Lil^ratur^ , D e r Ko s m o s, sein Ursprung^istA femeAltnncklung von Prof. Dr. Konstantin Gutberleth, Paderborn.. Schöning, 1908. ' - Die deutsche Apologetik hat auf naturwissenschaftlichem Gebiete in Gutberleth zweifellos ihren allergrößten Vertreter. <S:'ist nicht bloß einer der

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