Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 8 (1910)
- Issue
- Heft 11 (18.3.1910)
- Date
- 1910-03-18
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10. gpfliilfmfet JfraeMfches FemrilisMatt. Nr. 11. lereien in den Tod ging, dürfte hier eine ebenso traurige Analogie gefunden haben. Der jetzt im hiesigen Lazarett befindliche jüdische Rekrut Hermann Pick aus Bütow, machte nämlich einen Selbstmordversuch durch Schuß in das Herz, zu welcher Verzweiflungstat chn antisemitische Hänseleien und Quälereien seitens mehrerer Kameraden gebracht haben sollen. Vorläufig sind die Ermittelungen über die Affäre noch nicht abgeschlossen. Wandsbek. In der Ouarta des hiesigen Gymnasiums stellte der Klassenlehrer die Frage: ,Mer kann wohl sagen, warum die Inden so verhaßt sind?" Ein sich meldender Schüler gab zur Antwort: „Weil sie betrügen." „Ganz recht," bestätigte der Oberlehrer. — Der hiesige Rabbiner Dr. Bamberger wandte sich infolge dieser Aeußerung an den Direktor des Gymnasiums, — dieser aber lehnte es ab, Erhebungen anzustellen.. Der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüd. Glaubens hat sich dann an das Königliche Provinzialschulkollcgium zu Schleswig mit der Bitte gewandt, in dieser Angelegenheit das Geeignete zu veranlassen. Darauf ist der folgende, vom 18. Februar datierte Bescheid erfolgt: „Auf das Schreiben vom 10. Januar d. I. teilen wir ergebenst mit, daß der Oberlehrer Jachmann am Gymnasium nebst Realschule in Wandsbek auch von uns darauf aufmerksam gemacht worden ist, daß er sich im Unterricht jeglicher die Schüler des jüdischen Glaubens verletzenden Aeutzerungen zu enthalten hat." Personalien. Bamberg. Noch einem Zeitraum von m>hr als zwanzig Jahren ist bei dem hiesigen Infanterie- Regiment zum ersten Male wieder ein jüdischer Einjährig - Freiwilliger zum Leutnant der Reserve befördert worden; es ist dies cand. jur. Max Bretzfelder. (L.) Tremeffeu. Zwei Gymnasiasten stießen beim Spiel mit den Köpfen zusammen. Einer derselben, der Sohn des Kaufmannes Hirsch, ist jetzt a n d en Folg en des Anpralls ge st orben. Kattowitz. Reldtsanwat Steinfeld ist zum Notar ernannt worden. Budapest. Sektionsrat Edmund Klein wurde zum Chef der Preßabteilung des Ministerpräsidiums ernannt. Klein, ein gewesener Jeschiwah-Bachur, führt einen streng rituellen Haushalt. Budapest. Hier veifch ed vorige Woche die Gemahlin des Redakteurs Max Szabolesi in zienilich jungen Jahren. Die Teilnahme war eine ganz imposante, da die Verblichene sowohl in humanitären, als kulturellen Vereinen tätig und ihrem Mantre auch als Mitarbeiterin behilflich war. Letzterer veröffentlicht jetzt in seinem Blatte „Egyenlösög" ihr geistiges Vermächtnis: eine Polemik gegen eine Streitschrift „Das Kreuz", welche Broschüre in weiten Kreisen verschiedene Anklagen gegen Talmud und Talmudjudentum verbreiten will. st. Rom. D>e italienische geographische Geselllchall ernannte Dr. Aurel Stein, den bekannten Zentralasienforscher, zum Ehrenmitgliede. Loudo«. In dm Stadtrat find folgende el Juden gewählt worden: Nettie Adler, Tochter des Chief Rabbi, H. H. Gordo », P. A. Harris, A. „S. Leon u. C. Stettauer als Fortschrittler und Jocelyn Brandon, N. L. Cohen, D. Davis, Mchor Lewis-Barnet, I. Salmon, R. M. S eb a g-M ontefi or e als Munizipal-Reformer. In dem vorigen Stadtrat saßen nur acht Juden. — Das Kabinett.hat nun das dritte jüd. Mitglied erhalten: Rufus Jsaacs wurde zum Soli citor-General, dem höchstbezahlten Minister Posten, ernannt. Aus Ser Lehrerwett. Frankfurt a. M. Die unter dem Dinktorate des Herrn Rabbiner Dr. I. Horovitz stehende Israel. Lehrerbildung sanft alt entließ letztm Montag die Schüler der ersten Klasse nach einer von allen glänzend bestandenen mündlichen und schriftlichen Prüfung. Die Absolventen haben vier Jahre hindurch die Anstalt besucht und nehmen sämtlich ein reiches allgemeines und jüd. Wissen mit nach Hause. Büht. Bezirksrabbiner Tr. Baruch Mayer feiert Freitag sein 25jähriges Amtsjubi l ä u m. Zur Feier dieses Tages werden dem Jubilar seine Gemeindm eine Ehrcnplatte überreichen, die, als ein hervorragendes Kunstwerk, verdient, befchriebm zu werden. Die große Platte aus getriebenem Silber ist am Rand von 25 Mogen-Davids, jeder einzelne mit einem Opal in der Mitte, umrahmt, die von den Emblemen für Tauroh, Awaudoh und Gemilus-Chassodim unterbrochen werden. In der Mitte ist der Kopf Dr. Mayer's in getriebenem Silber mit der eingravierten Widmung, welche lautet: „Dem geistlichen Oberhaupt der Bezirks synagoge Bühl Se. Ehrwürden Herrn Bezirksrabbiner Dr. Baruch Mayer zur 25jährigen Jubelfeier in Dankbarkeit gewidmet von den Gemeinden seines Bezirks." Zwischen der mittlerm Plakette und dem Rand sind 5 Radierungen, darstellend die Synagogen Baden-Baden, Rastatt, Ettlingen, Kehl und Bühl, die während Dr. Mayers Amtstätigkeit erbaut wurden. Das Kunstwerk ist nach dem Entwürfe des Ziseleurs Leo Horovitz in dem kunstgewerblichen Atelier Felix Horovitz, Frankfurt a. M., hergestellt worden. Breslau. Dr. Spiegel, bisher an der Fuchs'schen Synagoge und an der Kober'schen Stiftung, erhielt einen Ruf als Klausrabbiner nach Hamburg. Budapest. Eine interessante Entscheidung traf in letzterer Zeit das Kultusministerium. Der Rabbiner einer kleinen Gemeinde, Kiirima, erhob beim Ministerium Klage, daß er seinen Gehalt nicht erhalten könne. Und die höchste Instanz entschied, für die materielle Entschädigung des Rabbiners sei der Kultusvorstand verantwortlich. Natürlich wird dieser nicht versäumen, seine Ausgaben von den Mitgliedern gerichtlich einzuziehen. st. Aus der zionistischen Bewegung. Frankfurt a. M. Es gibt kein besseres Agitations- Mittel für Palästina als Palästina selb. Und wenn alle Juden das Land selbst in seiner paradiesischen Schönheit sehen würden, sie würden — glaube ich — Zionisten werden. Doch eine Schilderung des herrlichen Landes allein genügt schon, um die in jedem Juden schlummernde Liebe zu Palästina neu zu wecken und zu beleben. So war es wirklich ein guter Gedanke, daß die Frankfurter Ortsgruppe des M i s r a ch i Herrn Kantor Blitz- Dessau zu eurem Vorträge cinlud über seine Reise ,in P a l ä st i n a. In leichtvcrstäudlicher Art schilderte der Redner eine Reise bis nach Palästina von Triest über Cairo rach Jaffa. Nachdem er ein Bild von dieser vom Mischen Einfluß beherrschten Hafenstadt gegeben hatte, ging er dazrr Aber, seine Beobachtungen in den jüd. Kolonien zu schildern, und zwar begann er mit P e t a ch - T i k w a h. Er tat dies in wohlgelungener Weise, indem er die Notizen, die er an Ort und Stelle sich ausgeschrieben hatte, vorlas. Da aber Herr Blitz sich über alles, was irgendwie von Interesse ist, Notizen machte, so erhielt man ein klares, übersichtliches Bild von dieser größten jüd. Kolonie. Der Redner schilderte die paradiesische Umgebung der Kolonie, ihr schönes Aussehen, ihre Bevölkerung, ihre Verwaltung, ihr Schulwesen, und Mer alles dieses konnte Herr Blitz nur das Beste berichten. In überzeugenden Worten zeigte er, welch glückliches Leben die jüd. Kolonisten führen. Gegen Mer der Befürchtung, die JMen in Palästina könnten allzuleicht ihre jüd. Religion und TrMition aufgeben, ist hervorzuheben, daß Herr Blitz mitteilte, er hMe Merall ein inniges religiöses Leben bei den Kolonisten gefunden. Von Petach-Tikwah führte der Referent seine Zuhörer nach den anderen Kolonien, wie Rischonle-Zion,Rochoboth,Ekron,Kathra, und ging dann zur Schilderung Jerusalems und seiner Umgegend über. Er berichtete üb:r seine Ausflüge, die ihn nach Jericho, nach dem Jordanthal, dein Toten Meere führten und gab dann ein schönes Bild von Mittelpalästina und Galiläa. Nachdem er dann nochmals gezeigt hatte, wie geeignet Palästina zur Kolonisation sei, schloß er mit einem begeisternden Appell, diese Kolonisation mit allen Kräften zu unterstützen, denn nur auf diesem Wege lasse sich die Judenfrage lösen. In der sich anschließenden Diskussion stellte Herr Rabinowitz dem Referenten verschiedene Fragen. Sodann ergriff der Vorsitzende, Herr Prof. e y l, das Wort, uin seiner Freude über das innige, religiöse Leben, das der Redner geschildert hatte, Ausdruck zu geben. Anknüpfend an ein Wort Mösers betonte er, wie wichtig es für jeden Men schen sei, ein eigenes Stück Land zu besitzen und schloß mit der Aufforderung, den „M i s r a ch i in seiner Arbeit für Palästina zu unterstützen. Es sprach sodann Herr L a m s ch - Jerusalem der auf die Notwendigkeit einer landwirtschafi lichen Schule, sowie Einführung der In dustrie für Palästina hinwies und die Gründung von Schulen nach der Art des T a ch k e m o n wünscht. Herr Heß machte gegenüber den Ausfüh rungen des Referenten darauf aufmerksamdaß auch in Palästina Verstöße gegen die Religion Vorkommen, wie er es aus eigener Erfahrung bezeugen könne. Ihm hielt Herr G o i t e i n entgegen, daß jedenfalls in Palästina die Möglichkeit gegeben sei, religiös zu leben, während in der Diaspora das Leben die Beobachtung der Gesetze sehr erschwert, man denke nur an die Schwierig feit der Sabbatbeobachtung. In seinem Schlußwort erwiderte der Referent auf die diesbezügliche Anfrage, daß das religiöse Leben in Palästina anders geartet sei, als' bei uns wollen die Orthodoxen, daß es sich dort nach ihrer Auffassung entwickeln soll, so sei es nicht richtig, bei Seite zu stehen, oder gar zu schimpfen, sondern erforderlich, sich dort anzusiedeln, um so Einfluß ausMen zu können. Sehr nachdrücklich betonte Red ner zum Schluß die Notwendigkeit des Bodenerwerbs, als die erste und höchste Pflicht. Köln. In der Zion. Vereinigung fand am verflossene» Samstag ein Diskussionsbend über den in der „Welt" erschienenen Artikel Dr. Franz Oppenheimers: „Stammesewußtsein und Volksbcwußtsei u" tatt. ' Die Diskussion wurde durch ein kurzes Referat des Redakteurs Dr. K l a tz k i n eingeleitet,' der ii. folgendes ausführte: Stellt auch der Anssatz Oppenheimer einen ymptomatischen Versuch dar, den Zionismus zu entnationalisicren, so kann er uns jedoch keineswegs beunruhigen, vielmehr sollen wir darin das Symptom eines weiteren Fortschrittes in der Entwickelung des zion. Bewußtseins erblicken. Der Enthuiasmus und das Pathos, die das erste Stadiuui des Zionismus kennzeichnen, haben sich ausgelebt, und nun tritt die zion. Idee in ein zweites Stadium ein, das der Erkenntnis, wobei natrirgemäß manche unserer westeurop. Gesinnungsgenossen angesichts der immer mehr hervortretcnden Prägnanz und Strenge des Kulturmoments in dieser Idee als enttäuscht sich entdecken müssen. Dies mußte kommen und ist vom geschichtlichen Gesichtspunkte als eine Erläuterung der zion. Gesinnung zu begrüßen. Zur logischen Analyse des Oppenheimer'schen Aufsatzes übergehend, versuchte Redner, die Willkürlichkeit der Begrisfsbildung und die mangelhafte Methodik in der Disposition dieses Artikels darzutun — wobei er ganz besonders sich gegen die Herabsetzung der ostjM. Kultur wendete — und warnte zum Schlüsse vor dem Versuche, den Zionismus' durch Verdunkelung oder gar Ausschaltung deines nationalen kulturellen Moments zu erweitern und somit auch für unsere bisherige» Widersacher annehmbar zu mache». Auch die folgende» Redner, die sich an der Diskussion beteiligten, die Herren: G r o ß, Dr.R u b c n- ' ohn, Berger und Weither, verurteilten die lOppenheimer'schcn Ansichten als unzionistisch. Die Diskussion nahm einen ernsten und interessanten Verlauf. Hamburg. JnderZion. Ortsgruppe Hamburg-Altona hielt der Parteisekretär, Herr C u r t B l u m e u f e l d, am Sonntag einen Vortrag über „Probleme des modernen Judentums", der zu dem Schlüsse kam, daß eine Lösung der Judenfrage im jüdischen Sinne nur durch den Zionisnius, d. h. durch einen geographischen Zuammenschluß im eigenen Lande herbeigeführt werden könne. Nach Schluß der öffentlichen Versammlung, verbreitete sich Herr Blumenfeld im Kreise der Gesinnungsgenossen noch eingehend über die Arbeitspläne der nächsten Zukunft und machte insbesondere genauere Mitteilungen über eine am 27, und 28. d. Mts. in Berlin stattfindende erweiterte Sitzung des Zentralkomitees, in der über die verschiedenen Vorschläge zur praktischen Arbeit und damit über die Mittel und Wege zur Ausgleichung der bestehenden Differenzen beraten werden soll. Posen. Die Nation, jüd. Frauenvereinigung hielt am 5. März ihre Generalversammlung ah. Nach Begrüßung der Anwesenden durch die erste Vorsitzende verlas die Schriftführerin den Jahresbericht, welcher ein übersichtliches Bild von der Tätigkeit der Bereinigung im verflossenen Jahre auf folgenden Gebieten gab: Erziehung der Jugend, speziell der Heranwachsenden, zur Liebe und zum Festhalten am Judentum durch Veranstaltung von Kindernachmittagen im Freien, Purimunö Chanukakinderfesten, Lesenachmittagen usw. Pflege des jüd. Gemeingefühls durch einen planmäßigen Krankenfürsorgedienst bei auswärtigen Kranken und Pflege jüd. Kunst und Literatur durch größere Veranstaltungen für Erwachsene. Bei der darauf folgenden VorstaMswahl wurden die Damen Fr. Scheret, Fr.'Lubinski, Fr. Smoschewer und Frl. B e n d i x wiedergewählt, Frl. S a m - ter neugewählt. Den letzten Punkt der Tagesordnung bildeten Anträge der Mitglieder, welche lebhaft erörtert wurden. Im Namen der zionist. Ortsgruppe überbringt deren erster Vorsitzender, Dr. Kvllenscher, die Grütze und den Dank.für-die rege Tätigkeit der Frauen. Budapest. Der .Klub zion. Akademiker „Makkabea" entfaltete im vergangenen Wintersemester eine rege und erfolgreiche Tätigkeit. Im Laufe von 3 Monaten wurden 15 Vortragsabende Mgehalten über jüd. Geschichte, Vorgänge im Zionismus und Palästinakunde. Der Lesesaal war stets gut besucht. Die Wahl der Leitung für das XlV. Semester ergM folgendes Resultat: Präses: cand. med. Viktor Jordan, Vizepräses: cand. med. Eduard Jzsak, Sekretär: cand. inr. Franz Friedmann, Kassier: cand. art. com. Miksa Mayer. Sitzungen finden jeden Samstag, abends 8 Uhr im Klublokal (V. Arany Janos u. 33) statt, Aus de« Vereinen. Frankfurt a. M., 17. März. Jm „Montefiore"-Äerein machte gestern Abend Herr Rechtsanwalt Dr. A. Horovitz seine Zuhörer mit Leopold Komperts Leben und Werken bekannt. Er zeichnete Komperts Werdegang, besprach