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Neue jüdische Presse · 1910-03-11 · Heft 10 (11.3.1910) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
8 (1910)
Issue
Heft 10 (11.3.1910)
Date
1910-03-11
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Sk. 10. Frankfurier HfrarMfcheS FamMenblatt. Seite 3 Jede Konfession, welche dem ungar. Nationalstaat dient, ist ein wertvoller Faktor- und wird mein sympathisches Wohlwollen genießen. Ich bin von der Wahrheit meines katholischen Glaubens durchdrungen. Weil ich nun diese feste Ueberzeugung habe, kenne ich den wahren Wert der Macht des konfessionellen Bekenntnisses und weiß die religiöse Ueberzen gung jedes positiven Glaubens gehörig zu werten und zu achten." Wie sich das alles mit der politischen Vergangenheit in Uebereinstimmung bringen, wie mit dem Liberalismus der freigeistigen Regierungsstützen zusammenstimmen läßt, darüber ist der edle Graf, der Freund des kommenden Herrschers und Vorposten einer nicht zu fernen Zukunft, der Antwort enthoben . . . Für jetzt sind schon die Christlichsozialen — das hat man seinem Liberalismus zu verdanken — oben gut Kind ... Zioni. Krakau. Wie der „Hamizpeh" mitteilt, hat die hiesige Israel. Kultusgemeinde beschlossen, wegen des bekannten antisemitischen Artikels in der „Allg. Ztg. d. Judeiit." über die galizischen Juden Klage gegen die Redaktion dieser Zeitschrift und den Verfasser des Artikels, den Renegaten Lessing, einzureiche». Rußland. Radomisel tKiewer Gouv.) Wenn es schon schwer ist, die geschriebene Geschichte vergangener Tage zu verstehen, d. h. die Zusammenhänge der Geschehnisse in Ursache und Wirkung zu erkennen, so ist es noch viel schwieriger, die Geschichte zu begreifen, die wir jetzt hier in Rußland erleben. — Fortgesetzt erscheinen — und es ist, als nähmen sie kein Ende — neue Verordnungen gegen uns Juden. Unter der Deckadresse eines vermeintlichen „Patriotismus" wird unseren Rechten Hohn gesprochen, die haarsträubendsten Gesetze werden gegen uns angewendet. — In Kiew sind plötzlich viele Tausende jüdischer Handwerker und Arbeiter den Berwaltungsbeamten ausgeliefert worden. Bisher bekam ein jeder, wenn er sein 30. Jahr erreicht hatte, einen Paß auf Lebenszeit; jetzt ist nun eine Verordnung gekommen, daß den Juden lebenslängliche Pässe nicht mehr gegeben werden, ein jeder Jude muß vielmehr alljährlich seinen Geburtsort persönlich besuchen, um seinen Paß zu holen. — Wie bekannt, haben die Läden der Gesellschaft „Echte Russen" vielen jüdischen Krämern das Brot genommen. Doch nicht genug damit; errichtet jetzt' die Regierung überall Niederlagen von Getreide und gibt den Bauern für die Aussaat das Getreide gegen allmähliche Abzahlung. Die Juden, die bis jetzt von den Bauern gelebt haben, hören gänzlich auf zn existieren, sie können nur den ganzen Tag-„Thillim" sagen und verhungern! Doch was tun? Die Einen greifen zum Gifte, andere nach dem Taufschein, kurz das Oellämpchen der jüdischen Religion geht hier zur Neige, und wenn keine schnelle Hilfe eintritt, so müssen die Juden Rußlands auswandern, wie einst unsere Väter aus Spaniens I. I. Braun^ Odessa. Der bekannte Augenarzt und Philanthrop Dr. M. Mandelstamm veröffentlicht soeben jn der russisch-jüdischen medizinischen Revue „Jewreiski medizinski Journal" einen Aufsehen erregenden Artikel, worin er feststellt, daß die Augenuntersuchnngen der Einwanderer in Newyork höchst mangelhaft und unfachmännisch vorgenoinmen werden. Me Aerzte der amerikanischen Einwanderungsbehörde in Ellis ~ Island lassen grundsätzlich die Feststellungen der europäischen Aerzte völlig außer acht und bezeichnen alle Augenkrankheiten ohne weiteres als Trachom«, auf diese Weise einen gesetzlichen,Grund für die Verweigerung der Einlvandernngserlaubnis erhaltend. Der Artikel weist darauf hin, daß ungeachtet der starken jüdischen Einwanderung nach Amerika seit den Pogromen des Jahres 1881 nichts von einer Verbreitung des Trachoma in Nordamerika oder auch nur in Newyork bekannt geworden sei, obgleich bis vor kurzem die Repressionsmaßregeln gegen die Einwanderer nicht angewandt würden, die heute gang und gäbe sind. Das beweist, daß das Trachoma nicht jene Verbreitung unter den Juden hat, die ihm die amerikanischen Einwanderungsärztc zusprechen wollen. Dr. Mandelstamm behauptet, daß die vonden amerikanischen Behörden getroffenen Maßnahmen weniger den Schutz des amerikanischen Volkes vor dem Trachoma, dessen Ansteckungsgefahr übrigens noch nicht erwiesen ist, als vor der Einwanderung selbst zum Zweck haben. einhalten und demgemäß ihre Felder während dieses ganzen Jahres nicht bebauen wollen. Rabb. Ridbaz befindet sich im Gegensatz zu anderen rabbinischen Autoritäten Palästinas, die ihre Zustimmung dazu gaben, unter den obwaltenden Umständen das Schmittagesetz ruhen zu lassen. Niederlande. Amsterdam. Hier wurden in den zehn Jahren 1899—1908 3810 j ü d. und 426 j ü d. - ch r i st l. Ehen geschlossen. Türkei. Konftantinopel. Zum Besten der Schulen des Hilfsvereins der Deutschen Juden ,^Or-Thora" und „Achrida" gab der Verein „Jeunesse israslite de Balat" vorigen Sonntag in der „Teutonia" eine Theatervorstellung. Das Stück trug zwar keinen spezifisch jüdischen Charakter, die Schauspieler, welche sich Wohl die größte Mühe gaben, führten auch ihre Rollen nicht tadellos aus, dennoch war der moralische Erfolg groß. Schon das Interesse, welches den Schulen des Hilfsvereins seitens gen. Verekirs wie des zahlreich herbeigeströmtcn Publikums entgegengebracht wurde, ist anerkennenswert. Den noch gar nicht verwöhnten Zuschauern genügten die Leistungen der strebsamen jungen Leute, die, einmal den Anfang gemacht, eine ganze Serie von Dramen — und zwar schon jüd. Natur, wie „Esther", „Don Abarhanel" usw. — darzubieten beabsichtigen. Diese Aufführung trug wesentlich dazu bei, den FreundekreisderHilfsvereinsschul e n bedeutend zu erweitern. Schon früher erfreuten sie sich großer Sympathie unter der sephardischen wie aschkenasischen Bevölkerung. Die in ihrem Lehrplan hervortretende scharfe Betonung der hebräische nundtürkischenSprache beweist, daß sie mit den lokalen Bedürfnissen zu rechnen verstehen. Neulich wurde in der Or-Thoraschule der Handfertigkeitsunterricht eingeführt — fiir die Volksschulen im Orient eine ganz neue Erscheinung. Stark besucht sind die Abendkurse der ,L)r- Thora" für Türkisch und Hebräisch. Seit dem Regimewechsel in der Türkei fühlt ein jeder dringend das Bedürfnis, die Landessprache mehr oder weniger zu beherrschen. An den Kursen nehmen auch viele junge Leute, die vor kurzem aus Rußland eingewandert sind, teil. Den hebräischen Unterricht leitet Direktor Dr. Markus selbst. Ben-Haamitti.. Rumänien. Bukarest. Die rumänischen Juden propagieren seit einiger Zeit den Gedanken eines Indischen Kongresses, der Wege zur Erleichterung ihrer unhaltbaren staatsrechtlichen, ökonomischen und kulturellen Lage suchen soll. Die Erörterung dieser Angelegenheit in der jüd. Presse erregte nun die Aufmerksamkeit der rumänischen Oeffentlichkeit, und so sah sich der bekannte antisemitische Hetzapostel Abg. I o r g a veranlaßt, in der Kammer zu interpellieren. Der Ministerpräsident und Minister des Innern Bratianu beeilte .sich, eine Erklärung abzugeben, die den bekannten jesuitischen Geist atmet, der allen rumänischen Regierungserklärungen über die Judenfrage eigen ist. Er führte aus, die Verfassung gewähre Preß- und Versammlungsfreiheit sowie Freiheit der politischen Betätigung einzig und allein den Staatsbürgern. Und da bekanntlich die Juden Rumäniens als Ausländer gelten, so schließt diese Erklärung in sich, daß der geplante Judenkongreß von der Regierung nicht zugelassen werden wird» weil eben „Ausländes in Rumänien das Recht der politischen Betätigung nicht besitzen. Amerika. New-Kork. Die Postverwaltung hat verfügt, daß Postbeamte, die die jüd. Sprache .beherrschen, von jetzt ab in den Postanstalten des jüd. Viertels Newyork's und der anderen großen Zentren anzustellen sind, um so den Verkehr mit der ausschließlich jüdisch sprechenden Bevölkerung zu erleichtern. 0 Muk 0 Auge um Auge. Großbritannien. London. Hier weilt Rabb. Jacob David Ridbaz zu dem Zwecke, die großen jüdischen Organisationen, insbesondere die Jewish Cölonisation Association,- .für eine Unterstützung derjenigen jüdischen Kolonisten in Palästina zu gewinnen, die die Vorschriften des diesjährigen Schmittajahr.es Roman von Sam. Gordon. Frei übersetzt von M. Pulvermann. (Fortsetzung). Schon während Nimans Erzählung hatten sich Baruchs Augen mit Tränen gefüllt, ein krampfhaftes Beben erschütterte seinen Körper, und es dauerte lange, eh er mit schluchzender Stimme die Worte hervorstoßen konnte; „Mman, warum hast Du mich dieses alles nicht bald wissen lassen?" ,Mozn? Weißt Du denn, was geschehen wäre? Ich will es Dir sagen. Mit sinnloser Raserei wärst Du herbeigeeilt, gewaltsam hättest Du Dir einen Weg zum Mörder gebahnt. Du hättest gezetert. Du hättest zwei oder drei Minuten Deiner Zunge freien Lauf gelassen-länger würden seine Mirmidonen Mr keine Zeit gelassen haben — was aber dann? Ketten, Gefängnis, ein unterirdisches Pestloch, Sibirien, lebendig begraben, wenn nicht gar der Galgen! — Sage selbst, Baruch, wäre der Luxus, einem tyrannischen Schurken einige Verwünschungen ins Gesicht zu schleudern, um einen solchen Preis nicht zu teuer erkauft? — Nein, Baruch, ich war nicht der Idiot." Baruch hatte sich inzwischen so weit gesammelt, um eine ruhige Antwort geben zu können. „Nein, Du bist kein Idiot, aber ein kaltherziger Verbrecher! Und wäre es selbst mein sicherer Tod gewesen, — Dü durftest nicht das Höllenfeuer unbefriedigter Rache in meiner Brust entfachen und meine heiligste Kindespflicht in die ungewisse Ferne hinausschieben..." „Um Gottes willen, mäßige Mch und höre auf zu rasen", unterbrach ihn Niman, indem er Baruch neben sich niederzog, so daß er dessen Beben an seinem eigenen Körper verspürte. Baruch schien sich endlich so weit beruhigt zu haben, und nur noch sein leises Klagen: „Meine armen, armen Eltern!" war vernehmbar. .Mas soll ich jetzt tun, Nimans ftagte er tonlos. „Mchts", war die lakonische Antwort. „Dü lügst!" rief Baruch wieder aufbrausend. „Ich weiß es bestimmt, daß Dü irgend einen! Zweck verfolgst, daß Du eine bestimmte Tat von mir erwartest, oder es wäre auch heute keine Silbe von alledem über Deine Lippen gekommen. Sage mir also bald, was Dü von mir erwartest." Niman zog den Freund noch dichter an sich heran: ln Baruchs keuchenden Atemzügen glaubteer den unversöhnlichen Haß gegen Koratow zu erkennen und darum hielt er mit seiner Antwort nicht länger zurück. „Du hast recht, mein bisheriges Schweigen sowohl, als auch mein jetziges Reden ist nicht unabsichtlich geschehen. Das erstere habe ich Mr doch schon erllärt; es kommt noch hinzu, baß ich mich nicht stark genug fühlte, auch Dich dem moralischen Tod entaegenznführen, nachdem ick selbst moralisch gestorben bin. Nun aber höre den Grund auch für das zweite. Dü kannst es Dir denken, Baruch, daß ich mich mit Dir gft und viel im Geiste beschäftiqt habe: das rebellische Herz läßt sich einmal nicht so leicht zur Ruhe zwingen. — Heute besonders habe ich den ganzen Tag an Mch denken müssen — warum Beute mehr als sonst, weiß ich selbst nicht —, als Du aber so vlötzlich und unerwartet vor mir standest und als ich auch von Dir erfuhr, zu wem Du gekommen bilk. da fuhr es mir blitzartta durch den Kopf, daß der Himmel vielleicht endlich Zeit gefunden» die verworrenen Mäne der Erdenviloer doch wieder grade zn richten, und Du, Baruch, sollst das Werk-eng dazu sein. Aber ich weiß nicht . . . ." ..Warum quälst Dü mich erst mit der langen Einleitung," unterbrach ihn Baruch voller Wut. „Sprich endlich, was geschehen soll!" „Wozu erst diese Frage?" war Nimans verbissene Gegenfrage. „Für Dich kann es doch nur einen Weg geben: Blut für Blut! Und bas Schicksal selbst hat es günstig für Mch gefügt und Mr die Wege geebnet; Du wohnst in seinem Hause, niemand ahnt, daß Du Ursache hast, sein Feind zu sein, und in einer Minute kann das große Werk vollbracht sein! Ich habe meine Chemie noch nicht ganz vergessen, ich verstehe »noch Nytroglyzerin herzustellen, und eine Blechschachtel ist bald gefunden. Lege es hin, wo er am wenigsten entrinnen kann! Mmm keine Rücksicht auf andere — und wenn die ganze Brut zur Hölle fährt — desto besser!" Mit verhaltenem Atem und mit glühenden Augen harrte er der kommenden Antwort. An Bäruchs keuchender Brust mertte er wohl, wie schwer er mit sich kämpfte; aber er legte sich eiserne Geduld auf, um jenen nicht zu stören. Er wußte ia, je länger Baruch darüber nachdenkt, desto tiefer wird die Rache sich einftessen, desto fester wird sein Entschluß werden. Doch er irrte sich in einer Hinsicht. „Nein, Niman", sprach Baruch nach einem.längeren Zögern, „Du hast weit über das Ziel hinausgeschossen." „Weil Dü feig bist, weil Du Dich fürchtest", zischte Mman außer sich. Zornfunkelnd wies Baruch diese Unterstellung zurück. „Ich würde ihn wie einen tollen Hund Niederschlagen, mit der gleichen Empfindungslosigkeit, wie ich eine giftige Spinne zertrete! Ich würde ihm das Herz ans dem Leibe reißen, inmitten all seiner Myrmidonen, und wenn sie mich dafür mit glühenden Zanaen stückweise zerreißen sollten! Mich Deinen Vorschlag kann ich nicht gutheiße»; auch die absolute Sicherheit des Erfolges ist kerne

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