Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Presse · 1910-03-04 · Heft 9 (4.3.1910) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Presse
Volume
8 (1910)
Issue
Heft 9 (4.3.1910)
Date
1910-03-04
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2692297-2692665-2692674--05250-2700147
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

Nr. 9 Seite 2. Aemtern, im Verein mit Herrn Justizrat Max Fuchs, den Geist der Brüderlichkeit bewähren, zum Segen für die Alliance Jsraelite Universelle und für ganz Israel/' „Das öffentliche Vertrauen der Glaubensgenossen!" — Wir bringen Justiziar Timcndorfer Vertrauen entgegen und hoffen, daß er die Fehler seines Vorgängers nicht wiederholt; — aber das öffentliche Vertrauen der Glaubensgenojfen hat ihn nicht in sein Amt gesetzt, da der ganze Aufbau der Alliance undemokratisch ist und ihre Mitglieder — genau genommen — nur das Recht zu zahlen haben. Interessant ist jedenfalls, daß die Alliance bereits das „öffentliche Vertrauen" als Vorzug anerkennt; vielleicht erleben wir es noch, daß sie rm vollen Sinne dieses Wortes auch handeln wird und ihre Maßnahmen gemäß den Wünschen der breiten Schichten des jüd. Volkes vornimmt, wie es einer „Alliance Jsraelite" gebührt. * * * 'Noch sind nicht die Schatten des 9. Zionistenkongresses geschwunden, und schon beginnen die Rnstnn gen zum 10. Zionistenkongrcß. Auf dem 9. Kongreß trat eine starke Opposition gegen die Prinzipien der bisherigen Leitung auf; aber diese Opposition war nicht fest genug gefügt, um sich Geltung verschaffen zu können, — und so brachte der Kongreß keinen Ausgleich, er vertagte den Entscheidungskampf für den nächsten Kongreß. Die Opposition. bestand aus der Mehrheit der russischen und der österreichischen Landsmannschaft und zersprengter Häufleins der anderen Landsmannschaften. Diese zersprengten Häufleins sind cs nun, die bereits jetzt zur Sammlung ihrer Mannschaften blasen, um so auch ihrerseits ein Ganzes zu bilden. Sie sind mit einem Aufrufe an die Oeffentlichkeit getreten, der folgende Unterschriften trägt: Rechtsanwalt Dr. Ascher-Dessau, Dr. Elias Auerbach-Haifa, Dr. Israel Auerb ach -K« nstantino pel, Dr. Julius Becker-Charlottenburg, Herbert Bentwich- London, Dr. Martin Buber-Zehlendorf, Berthold Feiwel-Bcrlin, Dr. Georg Halpern-Hamburg, Rich. Lichtheim-Charlottenburg, Ed. Pool-Hengeloo, Dr. Aron Sandler-Breslau, Wladimir Schabotinski- Konstantinopel, Hugo Schachtel-Breslau, Julius Simon-Mannheim, Dr. S. Soskin-Wilmersdors, Dr. I. Straus-München, Davis Trietsch-Schmargendorf, Prof. Dr. Ch. Weizmann-Manchester und Arnold Wiener-Kattowitz und folgendes Programm aufstellt: 1. inniges Zusammenarbeiten zwischen den Zionisten des Ostens und des Westens, 2. großzügigstepraktisches Arbeiten in Palästina, 3. reale, moderne Politik, die sich auf die tatsächlichen moralischen und materiellen Grundlagen der Organisation stellt und sich des weiteren auf die wirklichen Machtsaktoren der konstitutionellen Türkei, auf die Zustimmung und Mithilfe der türkischen Völker stützt, 4. demokratische Leitung der Organisation, indem die eigentliche Leitung in die Hand des Großen Aktionskomitees gelegt wird, dessen gcschäftsführendcr Ausschuß' dann das Engere Aktionskomitee ist. Das Programm enthält nur zwei positive Forderungen. Punkt 2 und 3 verlangen erncrgischste Tätigkeit in Palästina, wozu ja die Leitung bereits auf dem Kongresse ihr bereitwilligstes Einverständnis ausgesprochen hat. Die sich ergänzenden und bedingenden Punkte 1 und 4 betreffs Demokratisierung der Leitung sind so berechtigt, daß kaum jemand etwas dagegen einzuwenden haben wird. Wie wir bereits früher ausgeführt haben, bedingt das Demokratische innerhalb des Zionismus dessen Kraft, es ist daher zu bedauern, daß Präsident Wolffsohn unserem damaligen ernsten Mahnruf an ihn nicht bereitwillig gefolgt ist und seine Hand zur Einigung auf Grund des demokratischen Prinzips nicht gereicht hat, eine Kooptieruyg der Führer der russischen Zionisten in das Engere Aktionskomitee vorzunehmen, es wäre dann eine Opposition wie die jetzt in Bildung begriffene von vornherein überflüssig gewesen. ' Aus aller Welt. Deutsches Reich. Berlin. Der Verband der Sabbathfreunde veranstaltet seinen IV. Delegiertentag am 27. uni» 28. März. Auf der Tagesordnung stehen u. a. folgende Punkte: Handwerkerzcntrale, Sonntagsruhe, Abwanderung aus den Kleinstädten und Brockensammlungen. Hamburg. Im Büro der Deutsch-Israel. Gemeinde fand jüngst in Sachen der Wanderbettelei eine Versammlung statt, in welcher die Gemeinden Hamburg, Altona, Wandsbek, Elmshorn und Bremen vertreten waren. Der Vorsitzende, Herr Alfred Levy, wies einleitend auf die am 5. Dezember 1909 in Berlin erfolgte Konstituierung des „Zentral-Bureaus gegen Wanderbettelei" hin, von Frankfurter Israelitisches Familienblatt. dem der Hainburger Gemeinde der Auftrag geworden sei, die Gemeinden der Hansestädte, Schleswig- Holsteins, Mecklenburgs zu einer Zusammenkunft in Hamburg einzuladcn. Nach längerer Debatte wurden von der Versammlung folgende Beschlüsse gefaßt: „Die Versammlung beschließt: 1. daß sie im Prinzip mit dem Anschluß der Gemeinden und Vereine an die geplante Zentralorganisatio» zur Bekämpfung der Wanderbettelei einverstanden ist und diesen Anschluß den durch sie heute hier vertretenen Organisationen empfiehlt; 2. daß den heute nicht vertretenen 'Gemeinden und Organisationen des Bezirkes von diesem Beschluß baldigst Kenntnis zu geben ist und sie dringend zum Anschluß an die Zentralorganisation einzuladen sind." Ferner soll zur Vorbereitung der Organisationen eine Provinzialkommisfion gewählt werden. (L) Posen. Aus der letztausgenommenen Statistik über die Stiftungen der Poscner Stadtgemeinde geht folgendes hervor. Posen verfügt über 72 Stiftungen, deren Gesamtbetrag sich auf rund 1900 000 Mark beläuft; hiervon sind 566 000 JL von jüdischen Erblassern. Oesterreich-Ungar«. Wien. Zu Ehren des vor zwei Jahren verstorbenen Begründers des jüdischen Theaters Abraham Goldfaden erläßt der „A k a d. Verein Jüdische Kultur" (Blumauergasse 20) einen Aufruf, in dem er um Spenden zur Schaffung eines Goldfaden preis es ersucht. Dieser Preis soll alle drei Jahre im Betrage von 1000 Kronen zur Verteilung kommen und dem besten jüd. Drarna, das während dieses Zeitraumes geschaffen wurde, zuerkannt worden. Krakau. In allernächster Zelt wird hier ein Museum für jüdische Kunstwerke und Denkwürdigkeiten eröffnet werden. — Die Verwaltung der hiesigen jüd. Gemeinde hat bereits eine Anzahl wertvoller Dokumente erworben, die sich bisher im Besitze von verschiedenen Privatpersonen oder öffentlichen Instituten befunden haben. Unter diesen Erwerbungen befinden sich auch Juden betreffende Gesetzesbestimmungen mit Unterschriften verschiedener polnischer Könige. Eine Gesetzesvorlage, die dem polnischen Reichstag vorgelegt werden sollte, enthält verschiedene von: König eigenhändig gemachte Verbesserungen und Aenderungen, sowie eine von ihm selbst niedergeschriebene Einleitung. Mehrere Aktenstiicke tragen die Unterschriften von Woiivoden und hochgestellten Beamten; manche sind vom Papst Miszkowski unterschrieben und stammen ans den Jahren 1627—1638. Ein Dokument aus dem Jahre 1791 reguliert eine zwischen der Krakauer jüdischen Gemeinde und den Vorstehern der heiligen Augustiner schiocbende Geld-Angelegenheit. Ein Schriftstück enthält die Kopie von einem Briefe des Papstes Paulus aus dem Jahre 1596, ivorin sich der Papst in entschiedener Weise gegen die Blutbeschuldigung ausspricht. Eine aus dem Jahre 1300 stammende Thorarolle der jüdischen Gemeinde, jit Ratisban wurde vor einigen Jahrhunderten von jüdischen Emigrairten der hiesigen Universität geschenkt, die sie nun dem jüdischen Museum gestiftet hat. N. I. K. Türkei. Konstantinopel. Gehet bin und lernt von den Türken! kann man den christlichen Staaten zurufen. Während des ganzen Mittelalters waren es die mohammedanischen Länder, die die christlichen beschämten, denn während diese die Juden fortgesetzt beraubten, mißhandelten, ja zu Tausenden hinschlachteten, haben jene sie wie Menschen behandelt. Aber auch in der Neuzeit ist dieses Verhältnis geblieben; es sei nur daran erinnert, daß allein von allen Staaten Europas die Türkei die jüdischen Opfer christlich-russischer 'Nächstenliebe aufnahm. Soeben erhalten wir eine Nachricht, die wieder einmal die menschliche Denkungsart der türkischen Negierung zeigt. Die Nachricht lautet: „Der Händelsminister hat den Oberrabbiner der Türkei angefragt, welche Wünsche er in bezug auf die Lage der türkischen I n d e n in Persien habe. Es solle jetzt ein Handelsvertrag zwischen der Türkei und Persien abgeschlossen werden, und die Regierung würde bei dieser Gelegenheit zu Gunsten der türkischen Juden in Persien eintreten. Es ist das erste Mal, daß eineRegierung beim Abschließen eines Hände lsvertrages auf die Interessen ihrer jüdischen Bürger bedacht ist." Diese Nachricht zeigt, wie notwendig eine Organisation der türkischen Judenheit ist, damit eine wirkliche Volksvertretung deren Interessen wahrnehmen kann, statt sie von der jeweiligen Ansicht eines einzigen Mannes, der auch beim besten Willen einem Irrtum unterworfen ist, abhängig zu machssn. Palästina. Jaffa. Mit Hilfe der 50,000Frcs», die der Jüd. Nation also nds der Häuserban-Gesellschast „Agadath-Achim" in Haifa bewilligte, ist dort am Abhänge des K a r m e l eine jüd. Kolonie gegründet worden, die den Namen „Herzeliah" führt. Sechs hübsche Häuser sind bereits fertiggestellt worden. — Herr Elijahn Saphir hat im Aufträge der. zionistischen Palästina-Kommission in Berlin eine hebräische Wandkarte P a l ä st i n a s fertiggestellt, die im Verlage von Dietrich Rcim er in Leipzig erscheinen wird. Amerika. New-Uork. Verschiedenes. Die Bereinigten Jüd. Wohltätigkeitsgesellsch asten unterstützten im abgelaufenen Jahre 45 374 Personen. — In Buenos Aires wollen die Juden die Jahrhundertfeier der Argentinischen Republik durch Errichtung eines Krankenhauses ehren. New-Uork. Die „Gesellschaft zur Verbreitung der Landwirtschaft unter den Juden" hat beschlossen, große Landerslächen im Texas anzukauscn und mit russischen Jtlden zu besiedeln. Die „Jca" ist bereit, das Projekt zu unterstützen. Personalien. Frankfurt a. M. Gegenwärtig weilt hier der greise Gelehrte Rabb. Michel Hvwfcha aus Schkudy (Rußland), der als Verfasser verschiedener Werke in hebräischer und deutscher Sprache (u. a. auch über die Babel - Bibel - Frage) bekannt ist. Besonders fein jüngstes Werk verdient die Aufmerksamkeit weitester Kreise. In diesem 300 Seiten starken Buche, das „Der Zukunftsglaube" betitelt ist, hat sich der Verfasser die Aufgabe gestellt, die Weltanschauung des Judentums und die Göttlichkeit der Thora in einer Weise darzustcllen, die reiche Anregung nicht nur dem Kenner, sondern auch dem Laien bietet. Die Schönheit und Erhabenheit der jüd. Gesetzesvorschriften wird mit begeisterten Worten zuerst im allgemeinen geschildert und dann einzeln in übersichtlicher Zusammenfassung besprochen. Das Werk, dessen logischer Aufbau dazu angetan ist, religiöse Zwcifelsrcgungen zu überwinden, ist von hervorragenden Fachleuten, wie Professor Dr. W ü u s ch e - Dresden und Rektor Dr. Hoffman n- Berlin, enipfohlcn ivorde». Den Erlös aus seinem Absatz will Herr Rabb. Howscha dazu verwenden, eine Ausgabe in russischer Sprache und im Jargon herzustellen, um so der Verwirrung unter der jüd. Jugend Rußlands entgegen zu arbeiten. Hoffentlich findet er bei den Inden Frankfurts das Verständnis, ivclches er gerade von ihnen erwartet. Berlin, vr. xbil. Walter Rathenau e-hielt das KomthnrkreuzdesOrdensderWürtt e m b e r g. Krone. — Der Unterprimaner Perl entleibte sich in einem Anfall von Geistesgestörtheit. Aachen. Jacov Llppmann. Präsident der jüd. ^Gemeinde, feierte seinen 80. Geburtstag. Unter den Gratulanten befand sich auch der Oberbürgermeister, begleitet von den Führern der liberalen Partei und des Zentrums. (L > Schrimm. Im Alter von 73 Jahren verschied der Kaufmann und Ratsherr H e y m a n u Breslauer, eine der angesehensten jüd. Persönlichkeiten unserer Stadt. Wien. Das Salomon und Julie H o f fm a u n' sche Ehepaar (Zirkusgasse 35) feierte die diamantene Hochzeit. — Richard Wilhelm, Mitherausgeber der Korrespondenz Wilhelm, erhielt das Ritterkreuz des Franz Joseph-Ordens. Budapest. Dr. Samuel Rossa, austerordentlicher Titular-Proscssor an der hiesigen Universität, ist ein Opfer seines Berufes geworden. Prof. Rossa hatte, nachdem er einen Rotlaufkranken im Spital untersucht hatte, mit der Hand an seinen Kopf gefaßt, ohne auf eine kleine Wunde, die er am Kopfe hatte, zu achten, und er zog sich so eine Gesichtsrose zu. Rossa, der nur ein Alter von 53 Jahren erreicht hat, war einer der hervorragendsten Dermatologen. London. Das Parlamentsmitglied Edwin S. Montagu, der zweite Sohn Lord Swaythling's, ist zum Unter st aatssekretär für Indien ernannt worden. Er ist erst 30 Jahre alt. Rom. Magiktratsmitgiied Luduvico Mostara, Sohn desverstorbenen Rabbiners Marco Mostara, früherer Generalprokuror am Kassationshofe, nnd Bittorio Potlacco, Rektor der Universität in Padua, wurden zu Senatoren ernannt. New-Uork. In Philadeivlna verschied im 76. Lebensjahre Simon Bacharach, Senior» chef der bedeutenden Engroskleiderfirma Bacharach u. Co., die, solange Simon Bacharach aktiv in

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.