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Neue jüdische Presse · 1910-02-18 · Heft 7 (18.2.1910) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
8 (1910)
Issue
Heft 7 (18.2.1910)
Date
1910-02-18
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Nr. 7. & 5 ••j Mg ,FZch sollte meinen, cs hat trotzdem keinen Grund, stolz zu sein." „Das aber ist wirklich nicht Misere .Schuld. Wir haben wirklich alles ausgeboten, um es so stattlich wie möglich herauszuputzen, aber der Rcgcngott hat uns einen bösen Streich gespielt. Aber Sie haben Recht. Ditomsk ist noch weit. entfernt, eine schöne Stadt zu sein oder überhaupt irgend eine interessante Unterhaltung zu bieten." „Das letztere möchte ich doch nicht unterschreiben. Ich glaube sogar, daß es hier sehr viel zu tun gibt." ,Mer viel zu tmi? Da bin ich wirklich neugierig und wäre Ihnen für jeden Wink nach dieser Richtung sehr dankbar, Herr Volkmann." „Im Ernst, Komtesse?" fragte er mit gerunzelter Stirn. „Ganz gewiß, obwohl Sie eine solche bärbeißige Miene aufznsetzen belieben," antwortete sic, die Sache noch inrmcr scherzhaft auffassend. „Nun, ich sollte meinen, wo das Elend auf Schritt und Tritt einem entgegcnstarrt, wo Not und Jammer jedem Gesichte ihre vernichtenden Spuren aufprägt, da dürste es doch einem liebenswürdigen Mädchen durchaus nicht schwer fallen, die schönsten und erhabensten Frauentugenden zu üben, Milde und Hilssbereitschast walten zu lassen und dadurch dem eigenen Leben erst den-wahren Wert zu geben." Sie brach in unbändiges Gelächter aus. „Welche komische Ideen Sie doch haben! Das ist wirklich ulkig! Einen Zeitvertreib zu finden, indem mm, das menschliche Elend betrachtet!" Sie lachte noch immer. „Wie damals in Odessa, Ihr Vorschlag, die Juden nach dem heiligen Kremel zu führen, so scheint Ihr heutiges Anerbieten nicht ininder spaßhaft zu sein..." „Nicht das Betrachten des Elends habe ich Ihnen dorgeschlagen, Konrtesse, sondern das Lindern desselben." Sie merkte jetzt seinen vollen Ernst und riß die Augen weit auf. - «„Wie meinen Sic das eigentlich- Herr Volkniann?" „Sollte ich mich nicht deutlich genug ausgedrmkt haben? Oder gibt es etwa kein Elend, keine Hungersnot hier?" „Freilich gibt es all das; wenigstens wird Papa unausgesetzt von Bettlern heimgesucht und belästigt." „Nun?" Er schleuderte ihr das kurze Wort wie einen Fehdehandschuh zu, — und in demselben Augenblick änderte sich auch ihr ganzes Benehmen. Sie trat einen Schritt zurück, imd in der Art, wie sie es tat, erkannte er deutlich, daß sie die Herausforderung kampfbereit anfnahm. „Das ist doch etwas stark," sprach sie rot vor Austegung. „Oder — treiben Sie etwa gar Scherz mit mir, Herr Sekretär?" „Durchaus nicht, Komtesse. Sie fragten mich um ein Mittel, die Langweile zu pertreiben — und ich habe Ihnen ein solches vorgeschlagen;" „Ihre Phantasie scheint sehr weit ausgebildet zu sein, Herr Sekretär. Die Gesellschaft des Pöbels aufsuchen und mit seinen schmutzigen Angelegenheiten sich befassen, ist — ist — eine ziemlich starke Zumutung an eine Komtesse Koratow! Oder, Herr Bolkmann," ihre spitzen Zähnchen kamen zum Vorschein, während ihre Augen gleich einer wilden Katze funkelten, die sich sprungbereit macht, „ich frage Sie nochmals, wollen Sie mit mir Ihren Spott treiben? Das möchte ich Ihnen in keinem Falle raten!" „Das haben Sie mir bereits bei unserer ersten Begegnung gesagt. Sie sehen, auch ich habe manche Erinnerung von jenem historischen Ereignis in meinem Innern aufbewahrt." ,H»err Völkmann, mir will es scheinen, als ob wir keinen guten Faden zusammen spinnen werden." „Gnädiges Fräulein, ich will Ihren Worten durchaus nicht widersprechen," war seine gleichmütige Antwort. Zornig aber wortlos wendete sie sich von ihm weg und nahm ihre frühere Beschäftigung wieder auf; doch wurden die Blumen jetzt nicht mehr so zart angefaßt. „Arme Blumen," dachte Baruch, hütete sich aber wohlweislich, eine Bemerkung laut werden zu lassen. „Wo mögen nur die andern bleiben," sprach sie endlich nach einer Weile, um die cingetretene Spannung nicht noch zu verschärfen. Zu gleicher Zeit schickte sie sich auch an, das Zimmer zu verlassen, als ein hübscher junger Mann, in der kleidsamen Uniform eines Garde-Dragoner-Offiziers eintrat, wobei er etwas überlaut mit Sporen und Säbel rasselte. „Ah, Vetter Karöl!" rief Alma froh aufatmcnd, der peinlichen Situation mit Volkmann ein Ende machen zu können. „Ich lvar gerade im Begriff, mich nach Dir umzusehen. Herr Bolkmann, Baron- Glogowskh's Privatsekretär'— mein Vetter Karol," stellte sie die Herren einander vor. „Kapitän Lamorin," vervollständigte der letztere die Vorstellung, sich steif vor Volkmann verbeugend. „Ach, entschuldige nur, Vetter," rief Alma etwas spöttisch; „ich hatte ganz vergessen, daß der Komet auch einen Schweif har. Denken Sie nur, Herr Volkmann, mein Vetter Karol hat uns gestern mit stillem Besuche überrascht. Nicht wahr, Karol, Du wirst recht lange bei uns bleiben." „Das hängt von gewissen Umständen ab, Consinchen," war seine Antwort. „Etwa von Deinem Jagdergebnis?" neckte sie weiter. Sich ^wieder Völkmann zuwendend, fuhr sie unbefangen fort: „Mama wünschte, daß ich nicht init zur Bahn fahren, sondern die letzten Vorbereitungen zum Empfang unserer lieben Gäste hier treffen ollte, und Vetter Karol war so liebenswürdig, mir. dabei Gesellschaft zu leisten." Karol bebte vor innerer Wut. „Ich sehe nicht ein, wie dieses Gespräch Herrn — Herrn —" „Volkmanii," half dieser ihm ans der Vergeßlichkeit. „Herrn Volkmann interessieren kann," vollendete er grimmig. «Insofern, als cs vielleicht dazu beiträgt, daß Herr Volkmann sich recht heimisch in unserer Gesellschaft fühlt. Ucbrigcns hast Du es gar nicht lange bei mir ausgchalten. Wo warst Du denn eigentlich, Karol?" „Ich habe das Gehölz mit meiner Flinte durchstreift." Er gab sich alle erdenkliche Mühe, seinen Unmut bei diesem Verhör zu verbergen. ,Dast Du wenigstens Glück gehabt?" ,O, ja; ich habe zwei Hasen geschossen und einige Juden fast zu Tode geängstigt," lachte er übermütig. „Bester als nichts," lachte auch Alma. „Meinen Sie nicht auch. Herr Volkmann?" „Ich verstehe nichts von dieser Art Sport," erwiderte er trocken. „Sie sagen dieses mit einem Tone, als hätten Sie Ursache, »och besonders stolz darauf zu sein," sprach Karol, Volkmann einen verächtlichen Blick znwerfend. Der Eintritt der älteren Herrschaften überhob Volkmann einer Antwort, die sicher sehr scharf ausgefallen wäre und sicherlich zu unliebsamen Konsequenzen geführt hätte. Die Unterhaltung wurde jetzt allgemein, und cs herrschte bald eine frohe Stimmung, die auch das momentane Unbehagen der jungen Leute beseitigte. Der Diener meldete, daß serviert sei, und man begab sich zu Tische. ,O>h weh!" rief Gräfin Koratow mit komischer Verzweiflung. „Wir haben ja eine Dame zu wenig!" „Dem kann leicht abgeholfen werden," schmunzelte ihr Gatte. „Die jungen Burschen müssen sich in Alma teilen." Die „jungen Burschen" beeilten sich auch, ihrer Dame den Arm zu bieten. Doch diese sah beide schelmisch lächelnd von oben bis unten an und schlüpfte geschickt zwischen beiden durch. „Ach, nein, Papa. Das mag ich nicht; es ist wirklich gar nicht so angenchyi, schon bei lebendigem Leibe sich in zwei Hälften teilen >zu müssen." Alle lachten; Karol aber war geradezu'entzückt, außer sich vor Wonne.. Alle Frauen sind ja wahre, echte Teufel an List und Schlauheit; doch Cousine Alma überttifft darin alle. — Um nur diesem unausstehlichen Menschen nicht den Arm reichen zu müssen, hat sie es über sich gewonnen, sogar auch auf meinen zu verzichten! — (Fortsetzung folgt.) Kunst und Literatur. Geschichte der badischen Juden seit der Regierung Karl Friedrichs (1738 bis 1909) von Adolf Lcwin. 508 Seiten. 6.— JL Kommissionsverlag der G. Braunschcn Hofbuchdruckerei -in Karlsruhe. Das Werk ist im Aufträge des bad. Oberrats der Israeliten anläßlich der Jahrhundertfeier der bad. Judenorganisation von dem.Freiburger Stadt- und Konferenzrabbiner Dr. Adolf Lewin verfaßt worden und enthält eine eingehende aktenniäßige Darstellung der Geschichte der badischen Juden während der letzten 170 Jahre. Die zahlreichen Urkunden, die in ihm wicdergegcben sind, machen es zu einem Quellcnwerke. Naturgemäß muß bei einem Geschichtswerke die subjektive Anschauung seines Autors von bestimmender Bedeutung sein, und Dr. Lewin, der überdies stets ein treuer Befolger oberrätlicher Intentionen lvar, ist gleich diesem ein ausgesprochener Anhänger der Reform. Ein traditionell gesinnter Autor hätte einen ganz anders gearteten Ton in seine Geschichte der badischen Juden gebracht. Heinrich Heines sämtliche Werke in 10 Bänden. Unter Mitwirkung von Jonas Fränkel, Walther Gensel, Albert Leitzmann und Julius Petersen, herausgegeben von Oskar Walzel. Jeder Band geheftet 2.— Jt. In Halbpcrgamciit 3.— M. Insel-Verlag, Leipzig. Eine Heine - Ausgabe, die in der Textgestaltung und Kommentierung alle erreichbaren Quellen gewissenhaft ausschöpft, fehlte bisher. Oskar F. Walzel, der bekannte Literaturhistoriker, war wie kein andrer zur Leitung eines solchen Unternehmens berufen. So'hat er denn auch schon in der Anordnung her Werke mit der gewohnten Schablone glücklich gebrochen. Während bisher, um nur ein Beispiel anzuführen, die verschiedenartigsten prosaischen Schriften unter dem Sammeltitel. des „Salons" vereinigt waren, ist hier der ganze Stoff in drei große Gruppen, die Jugendschriften, die Werke der Pariser Kampfzeit und die der Matratzengruft, organisch geteilt. Bis jetzt liegt der neunte Band vor. Ihm wird zunächst der erste Band mit einer Einführung Watzels folgen, der dann in einem ausführlichen Schlußwort zum zehnten Band noch eininal die wissenschaftlichen Ergebnisse der neuen Ausgabe zusammenstellen wird. Jeder Band enthält am Schluß die Stellen, die Heine bei der letzten Redaktion gesttichen oder durchgreifend umgestaltet hat, sowie erläuternde Anmerkungen; ein ausführliches Personen- und Sachregister ist dem Schlußband Vorbehalten. Mysteriös oder der krumme Mosas. Humoristische Erzählung ans dem Leben einer jüd. Landgemeinde von Distrikts-Rabbiner Dr. S. Meyer. 122 Seiten. J&, 1,50. 2. Auflage. Frankfurt a. M., Sänger n. Friedberg. Der Erzähler .hat den einfachen, aber doch tiefen religiösen Sinn, wie er in unseren jüdischen Landgemeinden noch vor einem halben Jahrhundert vorherrschend >var, festgehalten. Wenn auch der Erzähler alles von der humorvollen Seite zu nehmen versucht, so steigt einein doch unwillkürlich ein ernster Gedanken auf, denn inan fühlt, wie diese schlichten Menschen dem Anstnrme der neuen Zeit nicht gewachsen waren. Vom g r ü n g o l d n e n Baum. Humoristische Plaudereien von Otto Ernst, brosch. 2,50 JL Leipzig, L. Staackmann. Vom grüngoldnen Baum, vom Baum des Lebens sind diese köstlichen hnmoristischen Plaudereien, die uns Otto Ernst hier geschenkt, hat, gepflückt. All diese längeren oder kürzeren Erzählungen übersttahlt ein Schein von Humor, nicht von jeneni Humor, der uns aus vollcni Halse lachen läßt, sondern der einen fein und still behaglich lächeln läßt.- Dieses Werk reiht sich ebenbürtig den früheren humoristischen Plaudereien des Autors an die Seite. Erwähnenswert ist auch die gefällige Ausstattung, die der rühmlichst bekannte Verlag dem Buche hat geben lassen. Jüdische Universalbibliothek. Von dieser im Berlage von Richard Brandeis in Prag erscheinenden und bisher 94 Nummern umfassende» Bibliothek werden dcinnächst einige neue Bändchen, welche u. a. Rom und Jerusalem von M. Heß, Ansgc wählte Geschichten und Skizzen von Perez, Gedichte von Morris Roscnfeld enthalten, ausgegeben. Wie uns gleichzeitig mitgeteilt wird, bereitet die genannte Berlagsfirma für das Jahr 1910 50 neue Bändchen vor. Mitteilungen zur jüd. Volkskunde. .Herausgegeben von Doktor Max Grunwald, 13. Jahrgang, 1. Heft 1910. 40 Seiten. — Ad. Löwinger, Der Schatten in Literatur und Folklore der Juden. — B. Wachstein, Die Gründung der Wiener Chewra-Kadischa im Jahre 1763 (Schluß). — A. Marmorstein, Zur Geschichte der Juden in Jamnitz. — Sch. Ochser, Der Pinkas der Gemeinde Knttenplan. — S. Seeligmann, Das Machsor Moguntia 5344. — Beilin - Marmorstein, Jüdische Spriihwörter und Redensarten aus Rußland. — Notizen. — Büchcrschau. Adresse des Herausgebers: Wien, XV., Mariahilferstraße 167. Der Preis für den Jahrgang (14 Hefte, 10 Bogen) beträgt 5 Kronen. Bausteine u n d Denk st eine. Religiöse Betrachtungen von Dr. M. Krakauer. 386 Seiten. 6.— JL Kommissionsverlag von Jakob B. Brandies, Breslau. Die in einem guten Deutsch geschriebenen Aufsätze enthalten. Betrachtungen zu. den Wochcnabschnitten der ersten drei Bücher der Thora und zeigen, daß der Verfasser ein gründlicher Kenner des Judentums ist. Die Aussätze sind eine anregende und belehrende Sabbatlektüre, und wäre es daher zu wünschen, daß das Buch, das übrigens vornehm ausgcstattet ist, in' recht vielen jüdischen Häusern Stätte finde. Auch für religiöse Vorträge bieten die Aussätze reichen Stoff. Kaiser Friedlich Quelle - Offenbach a. H. - Gegen Gicht und Khenmatlsnins bewährt. Alleiniger General-Vertreter: Friedrich Stahl, Frankfurt a. M., Stallburgstr. 9. Tel. 259 u. 714. Wocherr-Kalender. (Zeitangaben nach dem Lunch.) Samstag, den 19. Februar (— 10. Adar): Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 5 Uhr 20 Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 6 Uhr 40 Min. in Berlin 6 Uhr 10 Min. . Wöchenabschnitt: Lezawe. — Die Herrichstung des - goldenen Leuchters. - Tagtäglich hatte ihn der Priester zu reinigen, mit reinstem Olivenöl m

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