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Neue jüdische Presse · 1910-02-18 · Heft 7 (18.2.1910) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
8 (1910)
Issue
Heft 7 (18.2.1910)
Date
1910-02-18
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 7. Frankfurter JsraeWWes Familienblatt. Seite 3. auch de» Absolventen des Lchrgutes bei Erlangung einer Stelle und bei einem späteren Sclbständigmachen zur Seite stehen. Oesterreich-Ungarn. Budapest. Verschiedenes. Die „Budapestcr Katholische Korrespondenz" meldet: „Anläßlich des Geburtstages des Fürstprimas wurde diesem auch seitens des neuernannten ungarischen Landwehrministers Samuel H a z a y die Answartung gemacht. Der Minister, ein geborener Jude, namens Hausner, machte im Primatialpalais höchst interessante Aenßernngen. Die bissigen Anspielungen der Presse auf seine Abstammung und Konfession hätten ihn höchst peinlich berührt. Er finde es höchst sonderbar, daß die katholische Presse seine militärische Qualifikation innner außer acht lasse und immer seinen Geburtsort beschnüffele. Er erkläre ein für alle mal, daß er sich noch in frühester Jugend getauft habe und sonach die christlichen Glaubenswahrheiten nicht nur gründlich kenne, sondern auch mit ganzer Seele durchfühle und beobachte." — Der arme General glaubt in seiner schlichten Naivität, mit dem Taufbecken ein ganzes Systeni wegspülen zu können. Und wenn ihn: auch der Episkopat den Geburtsfehler verziehe, die Masse wird ihin die historische Rasse nie vergessen. — Der Bürgermeister Josef Ugrv der Stadt Nenpest hat in dem Aufruf, den er zur Gründung einer „katholischen Volksbank" ergehen ließ, den Ausschluß jedweden geschäftlichen Verkehrs in i t d e r inferioren jüdischen Rasse z n m Grundprinzip ausgestellt. Er will eine rassenreine katholisch-römische Bank haben. Z i o n i. Budapest. Zur Förderung der kulturellen und religiösen Aufgaben und zur Wahrung der politischen und wirtschaftlichen Interessen der ungarländischen orthod. Judenheit hat sich ein Orthod. Landesverband gegründet. — Wie in einer der vorbereitenden Sitzungen des neuen Verbandes mitgeteilt wurde, werden Vertreter der Orthodoxie Deutschlands nach hier kommen, um wegen Bildung eines Weltverbandes der orthod. Judenheit mit den hiesigen führenden Persönlichkeiten der Orthodoxie zu konferieren. Preßburg. Anläßlich des 50 jährigen Jubiläums des 72. Regiments begab sich im Aufträge des Obersts ein Hauptmann zu Rabbiner Dr. Funk, um diesen zum Regiments-Festbankett einzuladen; es sei für ein streng rituelles Gedeck gesorgt. Dr. Funk erklärte, daß er nur an einer Tafel speisen könne, an der auch die anderen jüd. Gäste rituell speisen. Das Festkomitee entsprach sofort diesem Wunsche, Auch zu Oberrabbiner Schreiber begab sich der Hauptmann, der Oberrabbiner nahm die Einladung gleichfalls an, nachdem er von dieser befriedigenden rituellen Erledigung gehört hatte. Tarnopol.<- Das von Frau Julie Fleischmann geb. Hammer begründete Leon. Julie F le i s ch m an n ' s ch e Waisen- , haus fiir jüd. Mädchen entwickelt sich unter der persönlichen Leitung der Stifterin und der Leitung ihrer Gehilfin Fräulein Helene Krämer aus Frankfurt a. M. ganz vorzüglich. Es sind bereits 15 Mädchen in dem Waisenhause untergebracht, die neben dem regelmäßigen Schulunterricht in jeglicher Haus- und Handarbeit ausgebildet werden. Einer der Hauptunterrichtsgegenstände bildet erfreulicher Weise die hebräische Sprache. Der das Waisenhaus begründende Stiftungsakt, der Frau Julie Fleischmann, mit welchem sie ein Haus mit Garten im Wert von über 50 000 Kronen schnt einer musterhaften Einrichtung und einem jährlichen Betrag von 2000 Kronen spendete, wurde im Laufe des vorigen Jahres seitens der Statthalterei bestätigt und die Anerkennung der Regierung dadurch dokumentiert, daß der Stifterin das goldene Verdienstkreuz mit der Krone verliehen wurde. Aus den Einnahmen seien erwähnt: 586 Kr. von dem »Hilfskomitee für notleidende osteurop. Juden in Frankfurt a. M.", 410 Kr. von der „Weiblichen Fürsorge in Frankfurt a. M", 878 Kr. von dem „Hilfsverein der Deutschen Juden", 300 Kr. von dem „Magistrat der Stadt Tarnopol" und 500 Kr. von dem „Bezirksausschuß in Tarnopol". Amerika. New-Uork. Für die nächste Zeit stehen im Kongreß heiße Kämpfe um die Jmigration in Amerika bevor. Von Anhängern, und Gegnern einer freien Einwanderung sind .dem Parlamente mehrere, ganz verschieben geartete Imigratisns-Bills zugegangen, die in Bälde zur Beratung gelangen werden. Aus ganz besonderer Engherzigkeit ist die vom Senator Overmann eingebrachte Gesetzesvorlage hervorgegangen, die u. a. Erhöhung der Kopfsteuer von 4 auf 10 Dollars und. jährliche Lösung eines Aufenthalts-Erlaubnisscherns, der 10 Dollars kosten soll, verlangt. Angesichts der drohenden weiteren Eiuwauderungsb e s ch r ä n k u n g e n bemüht sich das „America Iew i sh Co mm it e e" denselben entgegen zu wirken. In seinem Aufträge verwendete sich der Richter I u l i a n W. M a ck bei der „U nited Staates I m Migration C o m m i s s i o n" in Washington zu Gunsten der jüdischen Emigranten, deren Nützlichkeit für das amerikanische Volk er hervorhob. Mr. Mack wendete sich besonders gegen die ungenauen, jede willkürliche 'Auslegung zulassenden 'Bestimmungen betreffs der „schwächlichen" und „zur Last fallenden" Einwanderer, wie auch gegen die in Aussicht geiioniincnen Forderung eines heiniatlichcii Wohlverhaltungsattcstes. Aus der zionistischen Bewegung. Berlin. Am 12. d. M. fand ein von der Misr ach igrUpp e einberufener allgemeiner D i s k u s s i o n s a b e n d statt. Es wurde in der Hauptsache über die Begriffe jüdische N a t i o n und Religion debattiert, außerdem über das Verhältnis des Zionismus z u d c n messt a u i s ch e n E r l ö s u n g s i d c e n. Es wurde hierbei viel die außerordentlich anregende Broschüre des Papaer Raws s. A. (Der Zionismus im Lichte der Orthodoxie) herangezogen, die für Interessenten der hiesigen Misrachigruppe bei Dr. R. Loszinsky, Grunewald, Rheinbaben-Allee, zu minimalem Preise zur Verfügung steht. Die Diskussion, die wohl alle Anwesenden außerordentlich befriedigte, zog sich bis gegen Mitternacht hin; die Sammlung für den MiSrachifonds ergab eine beträchtliche Summe. Berlin. Der .Jüd. Turnverein Bar Kochba" ist der Herausgabe der dritten Auflage des Jüd. Bercinsliederb uches herangetreten und bittet um die Zusendung weiterer geeigneter Lieder in deutscher und hebräischer Sprache, sowie Noten an das Büro der Jüd. Turnerschast (Alexanderstr. 39). Mainz, 13. Febr. Einen schönen und anregenden Verlauf nahm die zionistische Versammlung, die heute hier i,i> blaneu Saale der Stadthalle stattfand. Nach begrüßenden Worten des Vorsitzenden der hiesigen Ortsgruppe, H. Bloch, erstattete Rechtsanwalt Dr. Siegfried S ch w a r z s ch i l d, Frankfurt a. M. ein gediegenes Referat über den IX. Kongreß, in welchem er von der hohen Warte einer über den Parteien stehenden Beurteilung ein packendes Bild des Kongresses entrollte, die mannigfachen Eindrücke und Ereignisse desselben zu einem einheitlichen Ganze» gestaltete, das in der Würdigung der positiven Arbeit ansklang, die von der Leitung bis zum Kongresse geleistet ward und als Parole für die Tätigkeit n a ch dem Kongresse von ihr ausgcgeben wurde. Als zweiter Redner referierte Herr Bendorf üjber die O p p e n h e i in e r' s ch e Sicdlungs- 'ge> n o s s e n s ch a ft, indem er ein klares Bild dieses großangelegteu Projektes entwarf und dessen Vorzüge ideeller und sozialer Natur überzeugend zum Ausdruck zu bringen wußte. In der anschließenden Diskussion legte Herr L. Perlmutter -Frankfurt a. M. scharfen Protest ein gegen die allerueuesteu Attentate auf Judentum und Judenheit seitens sogen, „liberaler" Juden, über die erst ein christliches Blatt als über „jüdischen AntiscmitismnS" seine ganze Entrüstung äußern mußte. Ein gemütliches Beisammensein, das einen regen Gedankenaustausch über das Gehörte veranlaßt, beschloß den schönen Abend, der der hiesigen Ortsgruppe einige neue Mitglieder zuführte. P—r. Hamburg. Das lebhafte und anhaltende Interesse für den Zionismus, das der Kongreß geweckt hat, fand einen überzeugenden Ausdruck in dem außerordentlich zahlreichen Besuch der von der Zion. Ortsgruppe Ham bürg -Altona einbcrufenen öffentl. Versammlung, in der Rechtsanwalt Dr. Klee, Berlin, über den „Zionismus nach d em IX. Kon g re ß, Rü ckb l ick nn d A usblick" sprach. Der Redner erinnerte zunächst daran, daß schon einnial ein Kongreß — der erste — in Deutschland geplant, aber durch einen „Protest" vereitelt worden war. Es sei ein Fortschritt, daß jetzt, kaum 12 Jahre später, von keiner Seite den Vorbereitungen und den Verhandlungen des Hamburger Kongresses irgend ein Widerstand entgegengesetzt worden sei. Denn die vor einigen Tagen in Hamburg-Altona von einigen Orthodoxen gegründete Organisation „Moria", über die in wichtig aussehenden Telegrammen in der Tagespresse berichtet worden sei, sei ernsthafter Beachtung nicht wert. Wie die „Moria" auch in den offiziellen nichtzionistischen Kreisen bewertet wird, geht aus einer von Herrn Dr. Klee im ausdrücklichen Auftrag der offiziellen Vertretung der deutschen Orthodoxie abgegebenen Erklärung hervor, daß ohne ihr Vorwissen die „Moria" ins Leben gerufen sei, und daß die offizielle Vertretung der deutschen Orthodoxie es weit von sich weise, sich in irgend einer Weise an einem gegen den^ Zionismus gerichteten Unternehmen zu betelligen.' Im weiteren Verlauf seiner 'Ausführungen ging der Redner auf die allbekannten Einwürfe gegen den Zionismus ein. Der erste Vorwurf, daß er mit dem Patriotismus nicht zu vereinbaren sei, werde kaum noch erhoben, und wie unberechtigt er sei, gehe aus der häufig von maßgebender Stelle» auch vom deutschen Kaiser anerkannten Loyalität des Zionismus hervor. Gerade wer seinem uralten Bollstuni die Treue bewahre, biete die sicherste Gewähr, daß er auch alle Pflichten eines Staatsbürgers treu erfüllen werde. Ebenso haltlos sei auch der jetzt noch hin und wieder erhobene Vorwurf, daß der Zionismus die Religiösität untergrabe, denn gerade der Zionismus schaffe den Boden, von dem aus dem iminermchr drohenden religiösen Abfall gesteuert werden könne, und gerade der Zionismus erhebe am lautesten seine Stimme gegen die charakterlose Assimilation, als deren beschämendste Auswüchse einen der Redner die kürzlich von Herrn Professor Ludwig Geiger erhobene Forderung brandmarkte. Wie unberechtigt der Vorwurf der Utopie sei, zeige das bereits in Palästina Erreichte. Der Referent wandte sich dann den Ergebnissen des Kongresses zu, als deren wichtigste er die unbedingte 'Aufrechterhaltung des Basler Programmes und die Förderung intensiver Palästiner Arbeit bezeichnetc. In letzterer Beziehung sei besonders wichtig die Schaffung der Agrarkreditbank, oer Beschluß, die Bankpolitik möglichst auf Palästina zu konzentrieren und die Bewilligung von Mitteln für das Oppenheiinersche Siedlungsprojekt, dessen Arbeit einen erfreulichen Fortgang nehmen. Bon nicht geringer Bedeutung sei auch die Tatsache, daß zum IX. Kongreß zum ersten Male Vertreter der türkischen Judenheit erschienen seien. Und wie dieser Teil der Judenheit sich jetzt zu uns gefunden habe, so sei auch der ganze Kongreß, trotz der tiefgehenden Differenzen wieder ein Beweis für die Einheit des jüdischen Volkes gewesen, denn aller Widerstreit der Meinungen habe doch bei allen denselben Ursprung, die Liebe zu unserem Bolle und zu unserem Lande, und nur durch die Verschiedenheit des Milieus der Kultur und der Lebensanschauungen erscheine dasselbe Ideal den einzelnen in verschiedener Gestalt. Mit dieser Liebe müsse man auch in Zukunft treu und fest zur selbstgewählten Leitung stehen und sie durch tätige Arbeit unterstützen. Unerläßlich sei es, immer und immer wieder die Gesamtjudenheit zu tatkräftiger Mitarbeit zu werben. , Die vollendeten Ausführungen des Redners lösten stürmischen Beifall aus. — Einschließlich der durch den Bortrag neu gewonnenen Mitglieder sind jetzt in den 6 Wochen seit dem Kongreß bereits über 150 neue Mitglieder der Ortsgruppe beigetreten. 0 leuillefon. 0 Auge um Auge. Roman von Sam. Gordon. Frei übersetzt von M. Pulvermann. (Fortsetzung). „Ich heiße Sie herzlich willkommen, Herr Bottmann! Wie geht es Ihnen?" „Ich bin entzückt. Sie wieder zu sehen, gnädiges Fräulein," sprach er mit steifer Höflichkeit, die im scharfen Gegensatz zu ihrer offenen Herzlichkeit stand. Und jetzt hatte er Gelegenheit, die Veränderungen auch eingehend zu studieren, unbekümmert um das Unschickliche seines Gebahrens, zumal sie ein gleiches Studium ihrerseits für angebracht hielt. Das Kindische, Eckige schien aus ihrem Wesen verschwunden zu sein, aber das Elfenhafte, Porzellanmäßige war geblieben, nur, daß es eine härtere, festere Färbung angenommen hatte. Ihr Blick war zwar strenger, aber zugleich freier und offener geworden, und die zusammengezogenen Mundwinkel erzählten von Kraft und Widerstand, schienen aber dafür das Lachen ganz und gar verlernt zu haben. Als Bollmann mit . seiner Betrachtung fertig war, mußte er unwillkürlich über sich selbst lachen. Wieder einmal hat er seiner Phantasie die Zügel schießen lassen und aus ihr mehr herausgelesen, als sie sicherlich dem forschenden Auge darzubieten geneigt war. — Seine Steifheit machte sie etwas zurückhaltend, und sie blieb schweigsam wie er, und als sie endlich eine Bemerkung machte, schien diese nur die Eingebung des Augenblickes zu sein. „Allem Anscheine nach haben Sie sich doch nicht vor dem Unglück schützen können." ,A§ie soll ich das verstehen?" „Sagten Sie nicht damals in Odessa, daß nur ein Unglück die Möglichkeit bietet. Sie nach Ditomsk zu bringen?" ,Zabe ich das wirllich gesagt? Das war mehr als ungalant von mir. Und Sie, gnädiges Fräulein, haben es nicht Bergeisen?" ,Hst das etwa ein weiteres Unglücks fragte sie leicht errötend. Um aber ihre zunehmende Befangenheit zu verbergen, fuhr sie schnell fort: „Und wie gefällt Ihnen Ditomsk in seinem Festgewand?"

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