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Neue jüdische Presse · 1910-01-28 · Heft 4 (28.1.1910) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
8 (1910)
Issue
Heft 4 (28.1.1910)
Date
1910-01-28
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Sette 2 Frankfurter Israelitische» Familienblatt. 'Hx 4 größere Vereinigung auszubauen. Da es eine mehr als religiöse Verknüpfung sein soll, muß dieser Vereinigung auf sozialem und politischem Gebiete, wenn es chr gelingt, die Hunderttausende, die nur «if die Parole harren, zu umfassen, eine große Zukunft prognostiziert werden. Mir liegt ferner ein Aufruf der orthodoxen Frauen Budapests vor, der auch dem schwachen Geschlecht durch Bereinigung mit Gleichgestimmten und Gleichgesinnten neue Kraftquellen «fthüllen soll. Bis jetzt hat die Orthodoxie für die freie Entfaltung ihrer Glieder nur einen heftigen Angriff von der Seite der Neologen auszuhalten gehabt. Der Sekretär der neologischen Landeskanzlei, Franz Mesey, hat in einem Denunziamento an das meistgelesene Tagblatt „Pesti Hirlap" einen Ausfall gegen die Orthodoxie und ihre feste Burg, das „Cheder", gemacht, der in den weitesten Kreisen unliebsames Aufsehen erregt hat. Jüdisch organisches Leben entwickelt sich von innen heraus. Wird sein Fortkommen durch den Druck äußerer Umstände bestimmt, dann muß «s verkrüppeln. Das Cheder darf nicht von Mesey und dem Chauvinismus, «s wird — das deutet das Wachsen des weltsroheu Geistes unserer Gesetzestreuen — vom Lheder überwunden werden. Zioni. Zur Frage der Aeuderuug der daher. Judeugesetze. Wie in diesen Blättern schon öfter berichtet wurde, ist die Frage der Reformbedürftigkeit des Judenediktes von 1813 immer drängender geworden, und wenn nicht alle Zeichen trügen, so ist die Zeft doch nicht mehr fern, in der eine gesetzgeberische Tätigkeit auf diesem Gebiete einsetzt. Es ist nur bedauerlich, daß die Einigkeit auf jüdischer Seite, welche bei der Neuordnung auf diesem Gebiete so überaus notwendig 'ist, noch immer nicht erreicht ist. Besonders die Seite innerhalb der Judenheft, welche eine Aenderung am meisten nötig hat, nämlich die Orthodoxie, scheidet sich noch immer in zwei Parteien, Revisionisten und Gegner der Revision. Schreiber dieser Zeilen ist nicht so cingeweiht, um konstatieren zu können, wie die Sache bei der Wankelmütigkeü gewisser Gegner der Revision in deren Rechen heute steht; allein so viel mag den Herren doch allmählich llar werden, baß eine Revision mft oder ohne deren Zustimmung im Anzuge ist. Zurzeft wird in einem Ausschüsse der bayerischen Abgeordnetenkammer eine neue Kirchengemeindeordnung für die christlichen Konfessionen beraten, und bei dieser Gelegenheft kam in der Generaldebatte auch die Aenderung ber Judengesetzgebung zur Sprache. Auf eine Anregung eines Abgeordneten hin erklärte nun Herr Kultusminister von Wehner, „daß eine Revision unter allen Umständen komme, und daß es wünschenswert wäre, daß sich die verschiedenen Richtungen innerhalb des Judentums auf eine gemeinsame Basis, die dem neuen Entwurf zu Grunde zu legen wäre, einigen würden." Loyaler und entgegenkommender kann sicher «ne Staatsrcgierung nicht auftreten; Sache der verschiedenen Parteien dürste es nun sein, auf ' dem Boden des Landesvereins sich zusammenzufinden, um hier einen Entwurf fertig zu stellen, welcher der Regierung als geeignete Stütze dienen kann. Die Liberalen werden wohl so llug sein einzusehen, daß eine konservative Regierung, wie die bayerische es ist, eine Gesetzgebung, wie chre Richtung sie plant, ebensowenig gittheißen wird, wie sie allen Wünschen der extremen Elemente in der Orthodoxie Nachkommen könnte. Der goldene Mittelweg ist sicher auch hier die beste Bahn, die «ys Ziel fiihrt. Gewissensfreiheft und Toleranz für alle Richtungen muß die Richtschnur des neuen Gesetzes sein, wenn dasselbe sich zum Segen der jüdischen Bürger Bayerns erweisen soll. München. st. 1.. Austritte aus dem Judentum iu Frankfurt a. M. Laut Erklärung vor dem Amtsgericht Abteilung ll sind im Jahre 1909 aus dem Judentum ausgetreten: 1. am 9. Febr. 1909 Kurt Adolf Zedner, Arndtstraße 47, 2. 9. Febr. Ludwig Kurt G. Haarburger, Bornwiesenweg 18, 3. 6. Jan. Raphael Rudolf Mastbaum und dessen Ehefrau Amalie geb. Mayer und deren 3 Kinder Wllly, Grete und Nelly, Körnerwiese 5, ' 4. 1. Febr. Ludwig Gerngroß, Arndtstr. 9, 5. 16. März Karl Mathias Simon, Praunheimerstraße 5, 6. 22. März Julius Wertheimber, Myliusstr. 29, 7. 27. März Julie Cahn, geb. Löwenthal, Feuerbach str. 44, 8. 31. März Hugo Metz, Holzhaufenstr. 69, 9. 7. April Amalie Goltermann, geb. Cahn, Myliusstraße 55, 10. 18. Mai Adolf Kahn, Ottostr. 21, 11. 4. Juni Carry Auguste Adler, geb. Wolfs, Wiesenhüttenplatz 28, 12. 9. Juni Betty Mayer, Eiserne Hand 31, 13. 17. Juni Jules Neugaß, Wöhlerstr. 13, 14. 1. Sept. Heinrich Halle, Wöhlerstr. 9, 15. 2. Sept. Dr. phll. Otto Hehmann, Taubenbrunnenweg 31, 16. 4. Sept. Alfted Frankfurter, Roseggerstr. 11, 17. 9. Sept. Bernhard Schwab, Finkenhofstr. 3, 18. 22. Okt. Dr. phll. Detmar David Wasserzug und 2 Kinder Gertrud und Charlotte, Elbestraße 52, 19. 30. Nov. Josef Westerfeld, Baugraben 10, 20. 6. Dez. Bertha Roth, Seestr. 11, 21. 17. Dez. Helene Königsberger, Reuterweg 66, 22. Ludwig Hofheimer, Röderbergweg 185. Aus aller Welt. Deutsches Reich. Frankfurt a. M. Durch Erlaß des Ministers für Handel und Gewerbe wurden der Handelsfachschule für Mädchen, Schwanenstraße 8 (Leitung Herr I. G a n s) dieselben Rechte verliehen wie der städtischen Handelsschule für Mädchen. Die Schule zerfällt demzufolge in eine a) einjährige Handelsschule für Mädchen; b) zweijährige Handelsschule für Mädchen. In Abteilung a werden Mädchen ausgenommen, welche die Reife für die zweite Klasse einer zehnstufigen höheren Mädchenschule erlangt haben. Abteilung d nimmt Mädchen auf, die den Nachweis einer abgeschlossenen Volks- oder Mittelschulbildung erbringen können. (Mittelschulzeugnis von Klasse II. Lffenvach, 24. Jan. Der Ende Dez-mder vier verstorbene Rentner Jos. Meyer hat der jüdischen Gemeinde ein Legatvon 30000 Mark hinterlassen Straßburgi. Elf. Unterstaatssekretär Dr. Petri empfing in einstündiger Audienz eine Abordnung, bestehend aus den Herren Rechtsanwalt Dr. Ed. Dreyfuß, Jsac Weiß -Mülhausen, Max Epstein und Silvain Hirsch-Straßburg, die eine Petition betteffs Reorganisation der israel. Kultusverfassung überreichte. Die Aussprache, der auch der Kultusreferent Ministerialrat Dr. L a u ch e r beiwohnte, trug selbstverständlich durchaus unverbindlichen Charakter, doch steht die Regierung unverhohlen auf dem Standpunkt, baß das Gesetz von 1844 reformbedürfttg sei. Die Regierung anerkennt und würdigt die Bestrebungen der Israeliten des Landes und ist bereit, der Frage näherzutreten, sobald die zuständigen Instanzen (d. i. die Bezirkskonsistorien) die Regierung damit befassen. Sie wünscht zunächst, die Stellungnahme 4>er drei Bezirkskonsistorien kennen zu lernen und erwartet auch von diesen die Einreichung eines Entwurfes zur Neuregelung. — Rechtsanwalt Dr. Dreyfuß-Mülhausen wird im Aufträge der drei Komitees in Straßburg, Mülhausen und Metz eine Eingabe an die drei israelitischen Bezirkskonsistorien noch im Laufe dieses Monates richten, um dieselben zur Stellungnahme zu veranlassen. Oesterreich-Ungar«. Wie«. Im verflossenen Jahre ließen sich hier 613 Juden taufen. Die hiesige jüd. Gemeinde hat den größten Prozentsatz der Taufen aller jüd. Gemeinden der Welt. Budapest. Verschiedenes. In interessanter Weise erzählt „Egyenlöseg", wie Ungarn zu seinem neuesten Kriegsminister gekommen sei. Vor Wochen ist in diesem Blatte eine Zusammenstellung aller gewesenen und aktiven jüd. Minister in Europa erschienen, in welcher Stattstik aber Ungarn natürlich nicht figurierte. Der damals designierte ungarische Ministerpräsident hätte dies gelesen und hätte sich vorgenommen, diese Schande zu -löschen. Er suchte und fand eine« General: Hazai Samu. Samuel: sehr verdächtig, Familienname scheinbar magyarisiert, Physiognomie auch nicht ganz arisch: also Hazai wurde Kriegsminister und behielt diese Würde auch im neuen Hedervarh'schen Kabinett. Die Rechnung stimmte nur insofern nicht, als Hazai dem Judentum tatächlich angehört hatte, aber nicht mehr angehört;, ebenso wie einer seiner Vorgänger, der gewesene Kriegsminister Wilhelm Nyiri. Das neue K a b i n e t hat sich übrigens dem Lande mit einer liberalen, direkt judeureundlichen Tat vorgestellt. Der provisorisch auch das Kultusportefeuille versehende Justrzminister Dr. Franz Szekely hat den bisherigen Leiter der Mittelschulangelegenheiten i*t Ministerium, den Baron A. v. B a r k o c z y — einen der berüchtigsten Stützen des klerikalen Regimes —, seiner derzeitigen Stelle enthoben und ihm einen anderen, weniger „gefährlichen" Posten angewiesen. Das Organ der klerikalen Volkspartei beginnt eben dieser Tage eine erbittert^ Hetze gegen einen jüdischen Universj« tätsprofessor, wobei es auch die Autonomie der Universität nicht schont. Das Blatt wirft de« wohlbekannten Gcfchichtsprofcssor Dr. Heinrich Marczali vor, er habe einem Kandidaten deS Doktorexamens, dem Redakteur Arthur Singer — einem übrigens getauften Juden — die Frage», worauf er antworten werde — vorher gesagt. Der Rektor, von klerikalen Abgeordneten beeinflußt, hcht die Promotton tatsächlich verschoben. Prof. Marczali aber hat die Disziplinaruntcrsuchung gegen sich verlangt. nt. Budapest. Aus der jüd. Gemeinde. — Als ich vor nicht gar zu langer Zeft die Meldung von der Kirchenstifttmg des jüdischen ZuckerbaronS Karl Deutsch de Hat van brachte, wußte ich, baß mit dieser hochtöleranten Tat nur die Expositio» jener Handlung gegeben war, die bei duftendem Weihrauch und Orgelgebrause ihren feierlichen Abschluß findet. Daß aber die Handlung so rasch vom Gar« rollen werde, hat selbst das edle Bruderpaar vom neologen Rabbinerseminar, die als vollblütige,Hatvans" von heute und „Deutsch" von gestern — „Deutsch" klingt hier jüdisch und verrät den geborenen Demokraten — als Trauzeugen bei ihren arischen Kindern in der katholischen Kirche assistierte«, überrascht. . . In der Gemeindekanzlei wird wegen des „Ereignisses" noch ein wenig rumort; die jugendlichen Brausewetterköpfe von Zionisten lassen derartige Erscheinungen nicht durchschlüpfen. Man geht aber bald zur Tagesordnung über. Natürlich, nachdem man den Kündern der neuen Aera etwelche Konzessionen gemacht hat. Die Turnerschaft der jüdisch-nationalen Vereine hat für ihre Uebungen den Gemeindesaal zur Verfügung gestellt bekommen. Auch dem nationale« Verein „Makkabäa" wurde eine hübsche Subvention überwiesen. Hauptsache bleibt selbstredend: nicht immer das jüdisch-nationale Moment betonen, den Zionismus hervorheben; das klingt so schrecklich und macht Männer, die an Stubenlust gewohnt sind: nervös. Zioni. Palästina. Jaffa. Verschiedenes. Welch gewaltige» Aufschwung Handel undWandel in Pmästina genommen haben, ^illustriert recht deutlich die Tatsache, daß im Hafen von Jaffa jetzt täglich 2 Dampfschiffe anlaufen, während er noch vor wenigen Jahren wöchentlich 2—S Dampfer waren. Im abgelaufenen Jahre habe« 694 Dampfschiffe angelegt. Das jüdische Krankenhaus in Safeb, dessen Kosten von etwa 100000 Frcs. Baronin Edmund de Rothschild -Paris bestreitet, ist nunmehr im Rohbau fertig. Das Krankenhaus wirb nicht nur für die Juden Safeds, sondern auch für die der obergaliläischen Kolonien von Segen' sein. >—i , Die aus den Einkünften der deutsch-holländischen Chalukah von «Rabbiner I. Horwitz i» Jerusalem begründete Jüd. Schlosserschule besteht nunmehr seit einem halben Jahre und hat eine solch' befriedigende Entwickelung genommen, daß sie in Kürze erweitert werden soll; es ist die Errichtung einer Abteilung für Tischlerei und Drechslerei, besonders für Arbeiten aus Olivenholz, für Knaben und einer »Abteilung für Stickerei und Handarbeiten für Mädchen in Aussicht genommen. Die gegenwärtige Schülerzahl der Schule beträgt 88. Es bürgert sich immer mehr ein, die Briefadressen in hebräischer Schrift und/ S p r ach e zu schreiben. Die Post befördert die Briefe, ohne Verzögerung. Amerika. New-Uork. In den Vereinigten Staaten dürste es etwa ' 2000 Synagogen geben. — Es ist erfreulich, daß die alte Tatsache daß der Jude überall, wo er sich auch nur in wenigen Familien ansiedelt, an die Errichtung eines Gotteshauses denkt, auch für die jüd. Neuansiedlung tit Amerika sich bewahrheitet.

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