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Neue jüdische Presse · 1910-01-07 · Heft 1 (7.1.1910) · p. Seite 10

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
8 (1910)
Issue
Heft 1 (7.1.1910)
Date
1910-01-07
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Perso«atte». Berlin. Fabrikant Dr. Max L e v h wurde zum Hauptmann in der daher. Landwehr-Feld-Artillerie L befördert. Nürnberg. Nachdem Geheimer Justizrat Gustav Josephthai ans Altcrsrücksichten als Präsident der jüd. Gemeinde, der er 40 Jahre Vorstand, abgedankt hat, wurde Justizrat Dr. S i g m. Held zum Präsidenten gewählt. Stratzburg i. Eis. Landgerichtsdirektor Levi erhielt den Charakter als Geheimer J n sti zr a t. Stratzburg. Anläßlich der nächsten SamStag stattfindenden Barmizwah seines Sohnes Leopold hat das Henri Cahn'sche Ehepaar (3 Quai de Paris) eine neue Seferthora gestiftet. Hannover. Eduard Sviegelbera, der Seniorchef des bekannten Bankhauses Ephraim Meyer u. Sohn, ist verschieden. Der Verstorbene gehörte fast 30 Jahre dem Vorstande des Israel. Vereins für Altersversorgung und Krankenpflege an. München. Anläßlich der diesmaligen Neujahrsauszeichnungcn erhielten den Titel Hofrat Dr. Joseph Freudenberger, Augenarzt Dr. K. Hirschberger mid Dr. KarlOpPenheimer. In Oettingen feierte Herr Gabriel Michelbacher sein 25jähriges Jubiläum als Vorsteher der jüd. Gemeinde. Gleiwitz. Stadtverordneter Fabrikbesitzer Joseph Kleczewski feierte seinen 70 Geburtstag. — Kgl. >Kreisbauinspektor Bernstein erhielt den Roten Adlerorden 4. Klasse, Klempnermeister Nathan Adler das Kreuz des allgemcinen Ehrenzeichens. Wien. Titularprofessor Dr. Solomon Ehrmann wurde zum wirklichen außerordent- Prosessor der Dermatologie an der hiesigen Universität, Hofrat Dr. Adolf Lieben zum Herrenhausmitgliede ernannt. — In Budapester Kunstkreisen erregen die Werke der jungen Bildhauerin Elsa Kalmar berechtigtes Aufsehen. Besonders ihre „Salome" und ihr „Moses" sind Gegenstand der Bewunderung. Dem Eisenbahnunglück bei Uhcrsko fielen auch vier Juden zum Opfer: Frau Emilie Kantor, deren Gatte Leo Kantor schwer verletzt worden ist, Frau Ernestine Ornstein und Tochter Klara und Herr Siegm. Bergmann, das langjährige Ausschußmitglied des Prager Jüd. Volksvereins, ein warmer Zionist. Stockholm. Dr. David Josepyson ist zum ordentl. Professor der Gynäkologie an der Universität Upsala ernannt worden. Odessa. Der berühmte hebräiiche Dichter Mendele Mo cher S-eforim (Abramowitsch) feierte am 3. Januar seinen 75. Geburtstag. — Wie aus Petersburg gemeldet wird, hat sich die Frau des bekannten Gehcimspitzels A s s e w vergiftet. New.Uort. Schalom Asch ist hier eingetrofsen. Er will einige Vorlesungen seiner neuen dramatischen Schöpfungen geben, um so Interesse für deren Ausführung au den hiesigen Jargon- L. Alexander, der Präsi- /beat bsS JBöorb ■' of-^Deputics," ist für die Graf- .: schaft;Äondon zum -Friedensrichter gewählt Her»«»» Lehman«^. A. . i-i.i~.Sbem Männe der verkörperten Güte, dem Manne des lauteren Wollens, dem Manne der rastlosen Tat gelten diese Zeilen. Er schritt dahin — ein Fürst in der ruhigen Feinheit 'seines Wesens und ein Knecht in der Demut seines Gehabens. Auf seinem reinen, leuchtenden Antlitz spiegelte sich die klare, zarte Milde seines Herzens, daß sich alles ehrfurchtsvoll ihm zuneigte. Alles — Groß und Klein, Alt und Jung, der im -Gottesgesetz Heimische und der ihm Entfremdete. Dürftige wallten in mizählbaren Scharen zu den Pforten seines immerdar gastlichen Hauses. Fanden Trost, Nahrung, Erquickung, Erhöhung dort. Da kamen von weither Hungrige, die lechzten nach Brot — und er speiste sie. Da kamen aus aller Welt Kranke mit abgezehrten Wangen, mit müdem, hoffnungslosem Blick — und er machte sie genesen. Da kamen mit sorgenschwerer Stirn ernste Väter, die ihre Töchter dem ersehnten Eheglück zu« führen wollten — und er befreite ihre Stirn. * Da kamen aus fernen Landen gedankenreiche Boten jener heiligen Stätten, deren Lebensinhalt Erforschung und Erfüllung der Thora ist — und er hieß sie reichbeladen heimkehren. Sie alle, alle umfaßte seine große, warme, herrliche Liebe. Sie liebte er, liebte er endlos, liebte er mehr, als sich selbst. Sein Selbst war vergessen, verschwunden, untergetaucht in dieser großen Liebe, in diesem heißen Drang nach Beglückung. Schwielig ward sein Fuß oft, und matt seine Kraft vom Wandern. Hätte er nur ein Fünkchen von Ichsucht besessen, wäre er nicht ein Großmeister der Selbst¬ Franifurker Israelitisches Familitznblatt. ‘ Nr. 1. beherrschung und der Selbstverleugnung gewesen — er hätte diesen Wanderschaften nicht standhalten können. O diese Wanderschaften, auf denen er zusammenraffte und zusammenschaffte, was seine Schutzbeohlencn bedurften. Bei denen sich ihn« Türen oft weit und freudig' austaten, bei deii/n sich ihin Türen manchmal auch rasch und mürisch verschlossen. Und er, gepeitscht von den Hülferufe» seiner Armenarmee, ertrug dieses und jenes mit gelassener Geduld. Ertrug auch tiefste Schmerzen seines persönlichen Daseins mit gelassener, heiterer Geduld. Ueberwaud in seiner stillen Ergebung das Hinscheiden der adligen Genossin seines Lebens, der adligen Genossin seines Strcbens. Ließ sich Leid nicht verdrießen, ließ sich vom Glück nicht übermannen. Sah sich umringt von Achtung, von Würden, von Ehren und blieb der schlichte, bescheidene, treue Diener seines Herrn im Himmel. Weihte Ihm alles, was in ihm war, weihte Ihm alles, was um ihn war. Dem köstlichen Stamme entsproß köstliche Frucht. Kinder und Enkel iouchsen und ließen sich von der gleichen Sonne dnrchglühen, von dem gleichen Lichte dnrchhellen. Hell dem Manne, der im hieniedigen Leben unvergängliche Schätze sonder Zahl und .sonder Maß aufgespeichert hat. Sie werden sich türmen zu goldenen Mauern, zwischen denen er schreitet zur ewigen Seligkeit. M. Sp. AuS den Vereine«. Frankfurt a. M. Der Verein zur Pflege jüdischen Wissens „Tiseres B a ch u r i m", der cs sich zur Aufgabe stellt, im Kreise jüdischer junger Leute für deren Wellerbildung in jüdischer Geschichte und Literatur tätig zu sein, hielt letzten Sonntag seine ordentl. H a u p t v e r s a m m - l u n g ab. — Aus dein voll dem Vorsitzenden des Vereins, Herrn Enril Gottlieb, verlesenen Jahresbericht sind folgende Punkte von besonderem Interesse: Die Tätigkeit des Vereins erstreckte sich auf 15 Vortragsabende mit anschließender Diskussion; cs wurden folgende Referate — zum großen Teil von jugendlichen Rednern — gehalten: „lieber altjüdisches - Frauenleben"; „Das jüdische Gebet"; „Gegenwartsaufgaben der gesetzestreuen Jugend"; „Die erstell Ainoräer"; „Die Tosafisten"; „Die Juden unter Pascha Mehmet-Ali"; „Der Fettmilch- Ausstand"; „Jüdische Nation und jüd. Religion"; „Prophetisches und mosaisches Judentlun"; „Die wirtschaftlichen Verhältnisse der Jltden im Reiche Karls des Großen"; „Aus den Schriften des „Dubuo'er Maggib"; „Nachmanides, sein Leben und Wirken"; „Pädagogisches im Talmud"; „Die Festgesetze nach Hoffmanns „Leviticus""; „Die Psallnen de§ Morgengebetes". Aus der Vereinsbibliothek wurden nrehrsach Entleihungen vorgenommen. — Aus dem diesjährigen Kassenüberschuß sollen Nenanschaffungen für dieselbe gemacht werden. Bei der nach Verlesung des Jahresberichtes vorgenommenen V o r st a n d s w a h l wurden die Herren Emil Gottlieb und Wilh. Rosen wiedergewählt, während für die ausscheidenden Herren Georg Freudenstein, Salo Posen und Jakob Ginsberger die 'Herren Eugen Ne nberger, Max Bender und Max Mais uz neugewählt wurden. Es sei noch benierkt, daß cs dem Vorstände, der in rühriger Weise für die Förderung der Bestrebungen des „Tiseres Bachurim" bemüht ist, gelungen ist, für das Anfangs Januar beginnende neue Quartal mehrere Herren als Dozenten zu gewinnen. Es ist zu hoffen, daß durch diese Neuerung im Interesse der weiteren Ausgestaltung der Bereinsabende auch 'die Zahl der Besucher der Veranstaltungen des Vereines anwächst. Wir wünschen dem „Tiseres Bachurim", der nunmehr auf eine dreizehnjährige Tätigkeit znrückblickt, ein welleres recht gedeihliches Wirken auf dem wellen Gebiete jüdischen Wissens. Fraukfurt a. M., 6. Januar. Gestern hielt Prov.-Rabb. Dr. H i r s ch f e l d im „R a ch l a ß Z w i" einen Bortrag über den „Universalismus im Judentum". Anschließend an die Versuche der christlichen Theologen, dem Juden seinen Universalismus abzusprechen, unternahm es der Redner-ä» zahlreichen Beispielen, diese Angriffe der christlichen Gelehrten abzuweisen. Schon an der Verschiedenheit der Behandlung des Fremden im Judentum, chas den Fremden als den Bruder bezeichneH- und z. B. bei den Germanen, die das Wort „G aA aus bostis (im Lateinischen Feind) bildeten, er* kennt man, wie hoch das Judentum in Hinsicht -er Menschenliebe stand. Das Judentum betont schön gleich am Anfang der Thora '.die Er i t .des Menschengeschlechtes durch die 'Lehre), daß jeder Mensch im Ebenbild Gottes geschaffen ses. SDiie; Ansicht des Judentums ', ist, iebejei Nichtjube auch in seinem Gla>«be^^ligsweft«mkö«me/: und aus diesen« Grund war es auch stets gegen die Missionstätigkeit. Und noch zahlreiche andere Beispiele vorführend/ soivohl aus der Halachah wie aus der Hagabah, . aus der mittelalterlichen Literatur wie aus dem jg täglichen Gebete kam der Redner zu dem Schlüsse,'-. M daß das Judentum Jahrhunderte vor dem Christen- <> ‘ tunt universalistische Tendenzen gelehrt habe, dse •- ihren erhabensten Ausdruck in den Worten der Propheten gefunden.haben. Nach dem mit starkem Beifall aufgenommenen! Bortrage erinnerte der Vorsitzende, Herr Juli us Lew in, an den bald .wiederkehrenden Todestag . S. R. Hirjch ' s und gedachte sodann in warmen ' Worten dos dieser Tage dahingegangenen H. Lehm a n n, dessen nur der Wohltätigkeit geweihtes Lebe» er als vorbildlich bezeichnctc. Frankfurt a. M. Verein „Mekor Chajim". In seinem 3. Bortrage über die Zeit des 2. Tempels behandelte Rabb. Dr. B 0 u d i - Mainz die Herrschaft der Griechen. Unter den Persern lebten die in Palästina ansässigen Juden treu ihren: Gesetze und im ungestörten Frieden, denn den Persern lag das Land der Juden zu iveit, als daß .sie sich um es kümmerten. Mit dem Siegeszuge Alexander des Großen, kam auch Palästina unter griechische Herrschaft. Doch der Hohepriester Simon der Gerechte verstand es, den griechischen Geist fernzuhalten. Erst unter seinem Nachfolger Jochanan (-Onias ll.), der über 80 Jahre als Hohepriester amtierte, begann es langsam anders zu werden. Es entstand die Septuaginta, die griechische Bibelübersetzung, deren Einfluß der Mendelsjohn'schcu deutschen Bibelübersetzung gleicht, welch' letztere den Abfall vom Judentum vorbereitet, ja veranlaßt .hat. Auch trat Jochanan nach einem langen mustergültigen Leben am Ende seiner Tage zu der Sekte der Sadduzäer über. Größeren Einfluß gewann das.Griechenllun durch das Treiben des'Steuerpächters Josef, eines Neffen des Hohenpriesters Jochanan. Dieser Joses war ein niederträchtiger Charakter, er saugte das Land aus, und aus ihm und seinen Freunden entstand sin jüd. - Volke ein Patriziertun«, welche Klasse dem demokratischen Volke bis dahin gefehlt hatte. Redner schilderte dann llr kurzen Strichen die Entwicklung bis. . Antiochus Epiphanes. Frankfurt a. M. Im Verein „Nach!aßW Z w i" sprach Lehrer N. Mannheimer- DetteU. bach über „I ü d. S p r i ch w ö r t e r u n d R e d e n s>^ £ arte n." Der interessante Vortrag beschäftigte sich'- eingangs mit den Sprichwörtern im allgcineincnj ihrer Entstehung, Verbreitung und Beliebtheit, und-' ging dann zu den jüd. Sprichwörtern über, deren Alter seit biblischer und talmudischer Zeit datiert. Redner behandelte die Eigentümlichkeiten der jüd. Sprichwörter nach Form und Inhalt und führte eine größere Anzahl solcher Sprichwörter und Redensarten mit kurzen Erklärungen vor. Frankfurt a. M. Die Vereinigung zur Pflege klassischer Literatur hat -sich ein unbestreitbares Verdienst erivorben, indem sie dem Frankfurter Publikum Gelegenheit gab, das Reichenbach'sche Drama „Ketten" kennen zu lernen. Wir nehmen an, daß auch das jüdische Milieu und Probten«, das es behandelt, die Bereinigung zur Wahl gerade dieses Stückes veranlaßt hat, obwohl der Vorsitzende, Herr Siegfried Oppenh c i m e r, in seiner Begrüßungsansprache nichts dergleichen erwähnte. Die starke, sympathische Tendenz und eine vortreffliche Darstellung brachte das Stück zu außerordentlicher Wirkrmg. Unter den Darstellern sind insbesondere die Herren Fritz Straus, C. Jssel, Iacques Weil, Siegfried Oppenheimer und die Damen Fräulein Lina Mai und Frl. M. Bachrach, die alle besonders schönes leisteten, zu nennen. Wir wünschen der aufstrebenden Vereinigrmg weiterhin schöne Erfolge., Pose«. Am 26. d. M. fand unter großer Beteiligung in der Neuen Gemeinde-Synagoge eine Seelengedenkseier als Vorfeier des Beth- Schemoth- Tages statt. Rabb. Blum hielt die Ansprache, lvährend Oberkantör Leibowitz unter Mitwirkung des vor«. Herrn Seligmann geleiteten Synagogenchors den liturgischen Teil überMM nommen hatte. Hierbei wurden die Namen tav-jg verewigten Legataren und Mitglieder der Gesellschaft '--m verlesen. — Am nächsten Abend vereinigten sitAM die tätigen Mitglieder der Gesellschaft mit ihre^,^ zahlreichen Gästen in den Stern'schen Festsälen einem F e st e s s e n, das einen überaus schönem « ’ Verlauf nahm. Zum ersten Male nahmen, auch^/) - die Ehrendamen der Gesellschaft fast vollzählig amW der Veranstaltung teil. Der stellvertretende Vor-. sitzende begrüßte die Erschienenen und erstattete; Berühr über das vergangene Vereinsjahr. RabbT Blum hielt iu Vertretung des Herrn Gemeinde^ rck! üiners eine längere Ansprache, in der er der hi« gebungsvollen Betätigung der Nächstenliebe durch die aktiven Mitglieder der Gesellschaft gedachte. Es folgte eine Reihe von Toasten und Gesangsvot träge, die reichen Beifall ernteten. Ein Tafel? -lies Vorträge der Kantoren Kürz und „«u n nwcschlossen den Abend, der allen Teilnehmern jfich gäap? noch lange in bester Erinnerung cWei-^^ 5

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