Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 8 (1910)
- Issue
- Heft 1 (7.1.1910)
- Date
- 1910-01-07
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus der Lehrerwell. Petersburg. Die russ. Rabbinerkonferenz wird hier im März stattsinden; es sind vier Wochen für ihre Verhandlungen vorgesehen. 2luf der Tagesordnung stehen u. .a. folgende Punkte: Verhältnis der Kronrabbiner zu den Gemeinderabbinem, Ehegesetze Neuregelung der Gemcinden- und der Wohltätigkcitsinstitutioncn, religiöse Erziehung, Mittel zur Hebung der Religiösität und Fleischsteuer. New-Aork. Rabb a. D. Joseph S. Shoninger. von 1856 bis 1886 Rabbiner in Boston, feierte seinen 80. Geburtstag. Rabb. Shoninger wurde »Bayern geboren und besuchte die Universitäten irzburg und Heidelberg. — Rabb. Dr. Stephen S. W i s e ist aus der Zentralkonferenz der amerikan. Rabbiner ausgetreten, weil dieselbe aus ihrer jüngsten Tagung eine Debatte über das Thema „Die Synagoge und der jüd. Arbeiter" verhinderte. — Die Unzufriedenheit mit der letzten Tagung der Zentralkonferenz wird übrigens noch von mehreren geteilt; so erklärte Rabb. Dr. I. L. Magnes, daß der Verlauf der Sitzungen ein so unbefriedigender war, daß mehrere Teilnehmer ihren Austritt erklärt haben würden, wenn sie nicht die Hoffnung auf bessere Zeiten daran gehindert hätte. Aus der zionistische« Bewegung. Frankfurt a. M. Die Frankfurter Zion. V c r e i n i g n n g und die M i s r a ch i - Ortsgruppe veranstalten Dienstag Abend 81/2 Uhr im Börsenrestanrant (Schillerstraße) gemeinsam eine B,e r s a m m l n n g. Tagesordnung: Bericht über den 9. Kongreß. Referenten: Rechtsanw. Dr. S. Schwarzschild und Lehrer B. Stern. Frankfurt a. M. Nachdem der Misrachi eine . Föderation geworden ist, hat er von seinem ihm als Föderation Anstehenden Rechte, inr Großen -Aktionskomitee vertreten zn sein, Gebrauch gemacht und Herrn Dr. I. Fenchtwanger ins Aktionskomitee delegiert. Berlin. Zum Montag Abend hatte der Bund zionistischer Vereine Berlins eine jüd. Volksversammlung nach dem Tiergartenhof einberufen, um über den letzten K 0 n g r e tz Bericht zu erstatten. Nachdem der Vorsitzende die von über 1000 Personen — darunter auch zahlreiche Nichtzionisteii — besuchte Versammlung eröffnet hatte, nahmen die Herren Dr. Wittkowsky, Dr. Heinrich Löwe und Dr. Klee das Wort, um "in großen, allgemeinen Zügen über den Verlauf und die Ergebnisse des Kongresses zu sprechen. Die Musführungen der Redner wurden mit großem Beifall ausgenommen. Vor allem verstand es Dr. Löwe wieder einmal in meisterhafter Weise, durch die Straft seiner Worte seine Zuhörer zu überzeugen |imb ihre Begeisterung anzufacheu. Man nahm Gelegenheit, die große Oeffcutlichkeit von der prin ^zipiellen Einigkeit der Zionisten aller Länder zu Merzeugen und die falschen Ansfassnngen vom Kon- Meß, die durch gewisse Zeitungen verbreitet woriden waren, zu widerlegen. f Im Laufe der nächsten Woche findet der Rechcn- -schaftsbericht der Berliner Delegierten in einer in-; kernen Versammlung statt. I '1 Hamburg. Während der Kongreßwoche veranistaltete der „Misrachi" eine öffentliche Verisümmlung im Saale des Logenheimes, die stark Msucht war. Der Leiter der Versammlung war rTsr. L. F r a n ck - Altona. Dr. A b r a h a m s 0 h n - g a r n. erstattete ein Referat über die Atlfgaben (des „Misrachi", die er als zweierlei bezeichnete:; eure passive Aufgabe — für die Erhaltung der Religion zu sorgen und eine aktive in der ^zionistischen Arbeit. — In der Diskussion! Iwandte sich I a k 0 b s 0 h n - Hamburg gegen Zionio- "uismus und /,Misrachi". Er bezeichnete es als (unzulässig, daß Gesetzestreue mit Irreligiösen zut sammen in einer Bewegung arbeiten. Ihn widerlegte sin überzeugenden Worten Lebowitz-Budapest. Auf seinen zweiten Angriff von seiten Rabbiners Dr. -Lieb ermann-Königsberg, antwortete n. a. Dr. -Rud. Leszynski. Sodann sprach noch.Kantor rBlitz-Dessau über seine Eindrücke in Palästina, ^besonders über die dortigen Schulen, dem sich andere rRedner. anschlossen. i . Dies Versammlung hinterließ einen sehr guten ^Eindruck auf die Anwesenden, was auch durch die Tatsache illustriert wird, daß sich 15 Hamburger 'Herren der Misrachi-Ortsgruppe in Altona anschlossen. Kowuo. Die russische Regierung kennt in ihrem Haß gegen die Juden kein Ende, sie sucht die Juden zu chikanieren, wo und wie sie nur kann. So erfahre ich soeben aus guter Quelle, daß ein ministerieller Erlaß an die zehn Gouverneure Polens ergangen ist, darauf bedacht zu sein, daß die jüdischen Wohltätigkeitsvereine sich vom Zionismus fern halten. Da nämlich zion. Vereine verboten sind, wird in den jüd. Wohltütigkeitsvereinen häufig Zionismus getrieben. Spenden. Bei der Geschäftsstelle des Frkf. Jsr. Familienblattes gingen ein: . 1 Oelbaum auf den Namen Frl. Bertha Pappcnheim, Frankfurt 6,— Jf. Briefkasten. Synagogenrat, Ladenburg. Ihrem Wunsche gemäß sei darauf hingewiesen, daß Ihnen im Sommer ein silbernes Brustschild (2 bewegliche Löwen) entwendet wurde und daß zweckdienliche Mitteilungen an Sie gerichtet werden mögen. 100. Chics-Rabbi Dr. Adler, London. I. Neubauer, Leipzig. Ihr Hinweis, daß nach dem Freispruch des Adventisten, der den Dienst am Sabbat verweigerte, es religiöse Pflicht der Juden der Schweiz ist, gestützt auf dieses Urteil, für sich die Befreiung vom Dienst am Sabbat zn verlangen, ist berechtigt und hat unsere volle Uebereinstimmung. I. Markus, Assenheinl. Rußland ist wohl noch heute das Zentrum der Judenheit — in inancher Stadt ist dort mehr jüd. Wissen vereinigt, wie in ganz Deutschland, einschließlich Frankfurt —, aber auch das jüdische Leben in Rußland ist in den letzten 10 Jahren von Jahr zu Jahr schwächer geworden. Zwischen Söhnen und Vätern ist hier ein klaffender Riß entstanden, die Frage, wie die Jugend wieder für das, was den Vätern heilig ist, gewonnen wird, ist eine ernste Sorge. Bereins-Kalender. Samstag. „M 0 n t e f i 0 r e" - V e r e i n, 11 Uhr, Seilerstr. 22: Vorlesung über Kedauschim (Dr. B. May).—Verein „M ek 0 rChajim," 3Ve Uhr, Schützenstr. 2: Mikro-Vortrag (Emanuel Landau). Sonntag. Verein „Mekor Chajim," 6 Uhr, Schützenstraße 2: „Schnlchan Aruch"-Vortrag (Rabb. Dr. S. Breuer). Montag. H a t ch i j 0 h: Vortrag fällt aus. Dienstag. Franks. Zion. Vereinigung und Misrachi-Ortsgruppe, 8V2 Uhr, Börsenrestaurant : Bericht über den Kongreß. — I ü d. Frauen Vereinigung, 4 Uhr, Cafe Kursaal, Friedberg. Anlage: Gemütliche Zusannnenkunft. Mittwoch. „Montefiore"-Berein, 9Uhr, Seilerstr. 22: Luftschiffahrt (Dr. W. Epstein.) In» kleinen Saal des Saalbaues wird der Baritonist Sergei Klibansky, Konzertsänger und Hauptlehrer deS Kunstgesangs am Stern'schen Konservatorium zu Berlin, Donnerstag, 13. Januar, seinen Lieoerabend geben. Dlsii. Auskünfte! Grosse Detectlv-Zentrole!!! obaehtangen, Ermittelungen an allen Plätzen der Welt. Telephon 4359. MT Salzhans 6, I- Kurrst und Literatur. Theorie, Ursprung und Geschichte der Friedensidee. Kulturphilosophische Wanderungen von Dr. S. M. Melamed. Stuttgart, Verlag von Ferdinand Enke. 1910. Die Friedcnsidee in ihrer heutigen Form wird gar manchem als ein Erzeugnis und eine Segnung der modernen Kultur erscheinen. In Wirklichkeit ist dies ganz falsch. Vielmehr ist diese Idee so alt, daß die Geschichte ihrer großen und reichen Vergangenheit den Inhalt eines ganzen Buches ausmächen kann, so alt wie jede Ethik, weil die Friedensidee eben der Bestandteil jeder wahren Menschheitsethik sein muß. Den inneren Zusammenhang dieser Idee mit der Ethik einerseits, ihre rechte Geschichte andererseits uns vorzuführen, das ist die schwierige Aufgabe, die sich Herr Dr. s. M. Mel a m e d in seinem vorliegenden Werke gebellt hat. Schwierig aus doppeltem Grunde: erstmals, weil es schon an sich schwierig ist, der Geschichte einer Idee bei den Denkern aller Zeiten nachzuforschen und klar darzustellen, wie jeder Denker diese Idee aufgefaßt und ansgebildet hat; und dann, da der Verfasser als e r st e r aus diesem Gebiete sich betätigt, denn unseres Wissens ist dies die e r st e systematische Darstellung der Friedensidee und ihrer Geschichte. Wir haben schon vor einigen Monaten auf dieses Werk kurz hingewiesen und wollen eS nun versuchen, eine genauere Analyse dieses für Juden doppelt interessanten Buches — doppelt interessant aus den Gründen, die man sofort verstehen wird — zu geben. In seinen ersten 4 Kapiteln gibt uns der Autor eine philosophische Begründung der Fricdensidee, von dem Standpunkt der Ethik ausgehend. Er zeigt vorerst, daß man nach der Stellung der Denker zu der Friedensidee sie alle in zwei große Klassen einteiten kann, in die Denker des Seins und die des Sollens. Während sich erstere fast ausnahmslos für den Krieg entscheiden, befürworten die letzteren alle den Frieden. Er zeigt ferner, wie alle Fragen nach der Berechtigung der Friedensidee zuletzt auf die eine Frage hinauslaufen: Ist der Krieg in der Natur des Menschengschlechtcs begründet oder nicht? Zur Beantwortung dieser - Frage untersucht der Autor die 3 Antworten, die auf die Frage, ob der Mensch von Natur gut ist oder böse, gegeben worden sind und beivcist, daß selbst nach der Theorie des T h ü c y d i d e s und der S o p h i st e n, die von Epikur, Macchiavclli und H o b b e s wieder aufgenommen worden ist, die den Menschen zur Bestie stempelt, daß also selbst nach dieser Theorie der Krieg nicht unbedingt als in der menschlichen Natur begründet, notwendig ist. Vielmehr lehren selbst Spinoza und H o b b c s, die neueren Vertreter dieser Theorie, den Krieg nicht als Endpunkt, sondern als Ausgangspunkt, und als Ende betrachten auch sie den Frieden. Der Autor zeigt dann weiter, wie der Frieden unmittelbar mit dem Rechtsbegriff, mit dem sittlichkeitsbegriff zusammenhängt, wie mit einem Worte die Sache des Friedens identisch ist mit der Sache der Kultur u u d Zivilisation. Nach dieser mit warmen, überzeugenden Worten gegebenen philosophischen Begründung der Friedensidee komnit der Autor, nachdem er noch vorher kurz den Ursprung der Friedensidee in den ältesten Weltanschauungen und Religionen wie im Brahmanismus und Parsismus nachgewiese» hat, zu dem eigentlichen Thema des Werkes, zn der Geschichte der Fri.edensidee. Diese beginnt er — und damit kommt er auf den für uns Juden interessantesten Teil des Buches — mit der Behandlung der Friedensidee in I u d ä a. Er behandelt anfangs den Gottesbegriff im Judentum und zeigt, wie schon in der Bibel, wo der Gott noch wesentlich ein Gott des Krieges ist, die Religion einen humanisierenden Einfluß auf die Kriegsführung ausgeübt hat. Er konimt dann weiter znm Einheitsbegriff im Judentum .und betrachtet diesen Begriff als das Charakteristische des Judentums. Sowohl diese Einheitsidee, als auch die reine Fricdensidee finden wir aber erst scharf ausgeprägt bei den Propheten. Von diesen entwirft nun der Autor eine Charakteristik, die in der scharfen Gegenüberstellung vom Propheten als dem Verkünder des Sollens und dem Mythos als dem Seienden, von dem Propheten als dem Herold der Zukunft und dem Mythos als dem der Vergangenheit unseren Lesern durch die publizistischen Artikel des Autors wohl bekannt ist. Aus dieser Eigenart der Propheten leitet dann der Autor auch ihre Friedensidee ab, die er als die reinste und erhabenste im ganzen Altertum und Mittelalter bis auf Kant bezeichnet. An diesenr Abschnitt über Judäa müssen wir mm in einer Hinsicht eine Kritik üben, was uns bei den übrigen Teilen des Buches zu unserer Freude erspart geblieben ist. Und zwar beruht der Fehler, auf den wir jetzt Hinweisen müssen, offensichtlich nicht so sehr an einer falschen Auffassung des Autors von der prophetischen Friedensidee als vielmehr an seiner Ä a r st e l l un g. Er stellt nänilich die Friedensidee bei den Propheten Gustav JSchmidt-Bangel ^pßsidigtc Taxationen beeidigter Taxator und Sebadenabsebttzer vieler fersiebernnflen. Bmpl. Wohnungseinrichtungen m .. , —. . . und einzelner Stücke Taxations- und Kommissionsburo bei Nachlassen, Versicherungen, ««Lh A W ■ ■ -Konkursen, Bilanzen. ÄmMiJl M JLM.* wenige Soliritte vom _A_rbert Sdiumaiiii - Theater. Telephon 10 251. Prima Referenzen. Billigste Bezugsquelle für Kontormöbel, eich. Biptomatenscfcreibtis von M. 63.— an. Handgeknöpfte Smyrnateppiche in 3 Qualitäten. Kleiderständer 6,30 M. Copiermaschinen und Pressen.