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Neue jüdische Presse · 1910-01-07 · Heft 1 (7.1.1910) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
8 (1910)
Issue
Heft 1 (7.1.1910)
Date
1910-01-07
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4.- FrMkfurLr JsraeMsches Familtenblatt. Nr. 1. rung. Der Vorsitzende erwidert, daß das freiwillige Steuersystem sich ausgezeichnet bewährt habe. Herr Sanitätsrat Dr. Rosenbaum ist der Ansicht, daß die Gemeinde, die jetzt 1022 Mitglieder zählt, und die Schule ist durchaus normal entwickeln. Herr L o e b begründet seine Anschauungen, und die Herren Leopold Mosbacher, Wolfs und Eugen Ettlinger machten noch kurze Bemerkungen. Die Wahl ergab als Resultat: Wilh. Hackenbroch für den Vorstand und Naphtali Schwabacher und E in a n u e l Ettinghausen für den Ausschuß. ist ein Frankfurt a. M. Recbneigravenstratze 6 Modell der Stiftshütte ausgestellt. Frankfurt a. M. Die „Hirsch S a l o m o n Cahn'sche Stifung" vergibt ein Brautlegat von Jk 771,43 an ein hiesiges jüdisches Mädchen, dessen Vater noch am Leben' ist. (Näheres siehe Inserat.) Berlin. Me aus Wirrballen mitgeteilt wird, sind am 22. Dezeniber auf sämtlichen preußischen Kontrollstationen das Bad und die Desinfektion für Auswanderer abgeschafft worden, nur die ärztliche Untersuchung ist geblieben. Berlin. Inder Generalversammlung der Gesellschaftzur Förderung der Wissenschaft des Judentums, erstattete der Vorsitzende Prof. Dr. Martin Philippson den Jahresbericht. Die Mitglicderzahl ist von 1105 auf 1209 gestiegen. Die wissenschaftlichen- Unternehmungen der Gesellschaft haben wiederum einen großen Fortschritt zu verzeichnen. Es sind wieder zwei Bände von „Me systematische Theologie des Judentums" von K. Köhler und der zweite Band der „Neuesten Geschichte des jüdischen Volkes" von M. Philippson erschienen. Den Mitgliedern der Gesellschaft stehen im neuen Geschäftsjahre der zweite Band der „Gesanimelten Schriften" von D. Kaufmann gegen eine Versandgebühr von 50 Pfg., ferner eine Reihe anderer Schriften zu bedeutend ermäßigten Preisen zur Verfügung. Nach Erledigung der geschäftlichen Angelegenheiten hielt Prof/ Sr! Lewp old Eohn (Breslau) einen Vortrag über „Die griechische Bibelübersetzung und das Christusbild in den Evangelien." Nach einigen einleitenden Bemerkungen sprach der RÜ»icr zunächst über die Entstehung der alexandrinischen Bibelübersetzung (Septuaginta), die nur aus dem praktischen Bedürfnis der gricchischredenden Juden in der hellenistischen Zeit hervorgegangen sei und hob die Bedeutung der griechischen Bibel hervor, die dadurch gewonnen habe. Sie habe zuerst bei den griechischen Juden der Diaspora, später im Christentum kanonisches Ansehen als „heilige Schrift" erhalten und - sei die Grundlage zahlreicher anderer Uebersetzungen geworden. Dann ging der Vortragende zu seinem eigentlichen Gegenstände über, zur Schilderung des Einflusses der Septuaginta auf die Evangelien und die Gestaltung des Lebensbildes Jesu. Die Schriften des Neuen Testaments lehnen sich in Stil und Ausdrucksweise eng a» die Septuaginta an. Bestimmte Ausdrücke und theologische Begriffe seien aus der Septuaginta in das Christentum gelangt und durch dieses in das allgemeine Bewußtsein übcrgegangen. Z. B. Kyrios (Herr) für „Gott," weil das Tetragrannnaton von de» Juden Adonaj (mein Herr) ausgesprochen wurde; daher „der Herr" für „Gott" in der Lutherschcn Bibel und im heutigen Sprachgebrauch, ebenso die entsprechenden Bezeichnungen in anderen Sprachen. Derselbe Ausdruck wird im Neuen Testament auch von Jesus gebraucht. Ebenso wurden andere Bezeichnungen Gottes im Neuen Testament auf Jesus übertragen, wie der „Erlöser," „Retter," und der Heiland. Der Redner ging dann auf die alttestamentlichen Zitate im Neuen Testament ein, die größtenteils nach dem Text der Septuaginta gegeben werden. Auch Jesus, der nur aramäisch sprach, wie aus den Evangelien klar hervorgeht, zitiert in seinen Reden die Bibel nach der Septuaginta. Das ist ein Argument gegen die Annahme, das die Reden Jesu in authentischer Forni überliefert sind. Diese Reden sind von den Verfassern der Evangelien, die Hellenisten waren und für griechisch redende Lehrer schrieben, verfaßt und Jesus in den Mund gelegt. Und bei der Ver Wendung der Bibelzitate waren dogmatische Tendenzen vorherrschend, die Jesus und der urchristlichen Gemeinde fernlagen; denn die Evangelien sind Glaubensschristen, sie wollen darstellen, was zur Zeit ihrer Entstehung in der christlichen Ge nieinde geglaubt und gelehrt wurde; sie haben die Tendenz, Jesus als den von den Juden erwarteten Messias und zugleich als Gottes Sohn zu erweisen. Diesem Zweck dient auch die Anführung der zahlreichen Bibelshellen, die häufig willkürlich verändert, messianisch gedeutet und auf Jesus bezogen werden und zum Teil auch gerade- . zn -Neranlnis'ing.gaben,, das Lebensbild Jesu ausbstfur«. EwEMtg MH vom hebräischen Urtext abweichende' Fassung der Septuaginta von Bedeutung gewesen istwie Jesai 7, 14, l^i 5, 1, Hosea 11, 1 in ihrer Verwendung für die Geburt Jesu, und Jesai 42, 1 Psalm 110, 1 für die Lehre von der Gottcssohnsrhaft Jesu. Der Redner bespricht dann den Ausdruck „Menschensohn," zeigt seine Herkunft aus der Daniclstclle 7, 13 und weist nach, daß Jesus den Ausdruck nhcht von sich gebraucht haben kann und daß er sich nicht für den Messias gehalten habe, daß also auch seine Prophezeiungen von dem Leiden, Sterben und Auferstehen des „Menschensohnes" nicht von ihm herrühren können; ihren Ausgangspunkt bildeten wahrscheinlich Bibelstellen, wie die Reden des Jesai über den leidenden Knecht Gottes und Hosea 6, 2. Zum.Schluß betonte der Redner gegenüber der widerspruchsvollen Haltung der liberalen christlichen Theologie, den jüdischen Standpunkt Jesu und den jüdischen Charakter der Predigt Jesu, die in religiöser wie in ethischer Beziehung nichts Neues für das damalige Judentum gebracht habe. Der Ruf: „von Paulus zurück zu Jesus" bedeute im Grunde nichts anderes als: „von Paulus zurück zum Judentum." — Die zahlreiche Zuhörerschaft spendete dem Redner lebhaften Beifall. Der Vortrag selbst wird demnächst im Druck erscheinen. — Der Generalversammlung war eine Sitzung des Ausschusses vorangegangen, die sich hauptsächlich mit den Arbeitsplänen der wissenschaftlichen Kommissionen für die nächste Zeit befaßte. Der Ausschuß hat beschlossen, eine Neuauflage der gesammelten Schriften von H. S t e i n t h a l, zu veranstalten, deren erste Auflage großen Anklang gefunden hat. Der Ausschuß bewilligte sodann eine Reihe von S u b v e n t i o n e n. Die jüdische Gemeinde Berlin hat der Gesellschaft für die Etats- Periode 1910/1913 einen Zuschuß von 2500 Jk, statt wie bisher 1500 Jk bewilligt. Der Jahresbericht der Gesellschaft, sowie ausführliche Projekte über die von ihr herausgegebenen Schriften sind von dem stellvertretenden Schriftführer Dr. N. M. Nathan, Berlin N. 24, Artilleriestraße 35a, kostenlos zu beziehen. Hugo Friedlaendcr. Milislaw. Am 30. Dezember wurde das 50 j ä h r i g e Bestehen d e r .S Y n a g o g e estlich begangen. Die Festrede hielt Rabbiner Dr. L c w i n - Wreschcn. An dem Festessen nahmen sämt liche Gemeindemitglieder teil. Bürgermeister W a l - kowski war als Vertreter der Stadt erschienen. Rußland. Vorzimmer einen Keller /warfen ihn und seine alte gebrechliche Frau in 'den Keller, versperrten die Türe und fingen, an,, alles auszuräumen. Nach einigen Stunden erwachte ' das Paar von seiner Betäubung, und der Mann öffnete langsam die Türe und kroch heraus. Er fand alles genommen, was er besaß. — Gestern Abend 10 Uhr überfielen drei bewaffnete Räuber auf der Hauptstraße eine -Familie Rabinowicz. Der Herr war nicht zu Hause. Niemand wagte zu reden, und die Räuber , banden alles fest in ein Bündel und wollten schon das - Weite suchen, da ertönte die Glocke, der Haus» °' Herr war znrückgekommen und verlangte Einlaß: , Niemand öffnete ihm. Er begann tüchtig zu klopfen, aber kein Lebenszeichen. Nun merkte er, daß 'in. seinem Hause etwas passiert sein müsse und fing mi, Lärm zu schlagen. Die Leute strömten herbei, darunter auch ein Schutzinann, aber in betrunkenem Zustande. Die Räuber drangen durch die Menge, verwundeten den Schutzmann, der sich ihrer bemächtigen wollte und entflohen, und es ist, keine Spur von ihnen vorhanden. I. I. Braun. mi Frankreich. Petersburg. Die Handwerkerinnung hat 37 j ü d. Handwerker ausgeschlossen. Die Betroffenen verloren dadurch ihr Wohnrecht und mußten Petersburg auf polizeilichen Befehl verlassen. Petersburg. Auf Einladung des Kiewer General gouvernemcnts war der bekannte Bildhauer A r o n - ' o h n aus Paris nach Kieiv gekommen, um die Errichtung eines Denkmals (nach seinem Entwurf) für den Kaiser Alexander II. in die Wege zu leiten. Auf Vorschlag des Generalgouverneurs und mit dessen Briefen an die hiesigen Staatsmänner versehen, ging dann Aronsohn nach Petersburg, um auch dort sein Projekt für das Denkmal Alexanders II. zu unterbreiten. Ahnungslos stieg er in dem vornehmsten hiesigen Hotel ab, händigte seinen Paß dem Portier vorschriftsmäßig aus und fuhr in die Stadt, um Besuche zu machen. Als er aber zurückkam, ivurde ihm schon sein Paß, mit dem speziellen Stempel versehen, zurückerstattct mit der Aufforderung, weil er als Jude nicht wohnbercchtigt sei, die Residenz binnen 24 Stunden zu verlasse». Also widerfuhr einem Manne, dessen Werke die russischen Staatsgalcricn, die Paläste des Kaisers und der Großfürsten schmücken; nicht einmal einige Tage darf hier ihr Schöpfer verweilen, um mit den Ministern in einer so staatserhaltenden Angelegenheit wie der Setzung eines Denkmals für einen verstorbenen Zaren Rücksprache zu nehmen. Aronsohn glaubte anfänglich, cs läge irgend ein Mißverständnis vor, aber seine Versuche, die Polizei zur Zurücknahme ihres Verbots zu überreden, blieben erfolglos. So machte er sich reisefertig und ging noch an demselben Tage nach der Stätte seines Wirkens, nach Paris, zurück, ohne von der ihm verspätet gewährten Erlaubnis, einige Tage in Petersburg verweilen zu dürfen, Gebrauch machen zu können. Denn nachträglich sah auch die russische Polizei ein, welche Blamage sie sich durch diese Ausweisung vor der europäischen Oessentlichkeit zugezoge» hatte. Radomisel. Wenn auch keine Progrome mehr stattsinden, so werden wir Juden doch fortgesetzt in Aufregung gehalten und zwar durch räuberische Ueberfälle. So lassen sich von hier wieder zwei Fälle jbe- .richten. In der Vorstadt „Rudnia" kamen zu einem Herrn Käufer vor 10 Tagen 4 bewaffnete Männer in Larven, hielten ihm Säbel und Revolver entgegen und befahlen, seine ganze Habe in Bar und leben--- Er--bat,? zMLesMn,- Parts. Der von Baron James von Roths ch i l d geleitete Verein: „Oeuvre philantropique d'assistance Par le travail, l' A t e l i e r" über dessen überaus segensreiche Tätigkeit wir jüngst ausführlich berichteten, veranstaltete einen Wohltätigkeits - V e r k a n f, an dem die gesamte jüdische Notabilität, u. a. Frau Baronin Edmund von Rothschild, ihre Tochter und Schwiegersohn, teilnahmen. Diese Veranstaltung brachte .dem „Atelier" über 30000 Fr. ein. — Die Universite populaire juive hat *für Januar wieder ein äußerst inhaltreiches Programm ausgestellt. Außer allabendlichen französischen und hebräischen Kursen bringt sie eine- Fortsetzung des Vortrags-Zyklus des Herrn Rabbiner H. Stourdzö über „Jüdische Geschichte"; ferner sprechen: Frau Dr. Kritschewsky über „M obetne Hygien c", Herr Grand - Nabbin Julie» Weil! über „Die Reform bewegu n g i n D c u t s ch l a n d", Herr Shinjtmatcr L. Be rf o fl u über „Die französi sche K u n st", Herr Andre Spire über „Der jüdische Roman I s r. Z an gw ill's", Herr Dr. Eh. R app o- Port über „D er Sozialismus in Theo rie s uu.d Praxis". S. S. .! Amerika. New'Nork. Infolge der wirtschaftlichen Besserung ist die Einwanderung wiederum sehr st axt angewachsen; im November kamen allein 60 000 Menschen an. Ellis - Island ist überfüllt, >vozu das M u s k e l e x a m e n nicht Ivenig beiträgt. Die Einwanderer müssen häufig auf das „Examen" lange warten, und diejenigen, welche dasselbe „nicht bestanden" haben und deshalb zurückgeschickt werden, verweilen auf der Insel bis zu ihrer Rückwanderung. In welchem Maße die jüdischen Einwanderer von dieser drakonischen Maßregel betroffen werden, läßt sich durch genaue Angaben schwer feststellen, da die offizielle Statistik über die Zurückgewiesenen keine 'Einteilung nach Konfessionen enthält. Es steht jedoch fest, daß der Prozentsatz der betroffenen Juden ein unverhältnismäßig großer ist. Die „N e w y o r k e r Times" weist in einem ausführlichen Artikel nach, daß sich unter der Maske der medizinischen Untersuchung antisemitische Bestrebungen und Neigungen verbergen. Gegen die jüdischen Einwanderer verhielten sich die Kontroll- und Prüfungsbeamten viel strenger als den anderen gegenüber. Die Appellationen der bctrosfenen Juden an die höheren Instanzen sind bisher stets erfolglos geblieben. Rew-Nork. DaS Beth-Jsrael-Hospital, das einzige streng rituell geleitete jüdische Krankenhaus Newyorks, soll in einen ' modernen Neubau/' verlegt werden. Das nötige Geld ist, bereits vorhanden. . ‘ .'V m A«ge sm Roman von SaNtn. ©fttboit. Frei übersetzt von M.\ Pulverm tun. J (Fortsetzung), z ir Nim an warf wieder einen forschenden Blick auf Baruch, als erwarte er/vpn ihm'»tzeine Antwort. Doch dieser schlief noch immeriund nur die verzerrten AesichtSzüge -imbhie-.•Mdjjfoefattetc Stirn ließen auch bei ihm die'seelchcheäyWjgende Arbeit seines Gehirns erkenne««^.WEgäMWveile sah Niman mitleidsvoll auf dem-SchhäseÄMieder; bald,.,aber, umspielte.^wieder..ein^bittMr/Z in. LWen^^WaruiyiWW x^rMn^M FrenwenÄverschipenhenV'dL <MZD

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