Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 8 (1910)
- Issue
- Heft 1 (7.1.1910)
- Date
- 1910-01-07
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr 1 Frankfurker -Jsra'elitiWs Familienblatt. Sette 3 einigt werden. Sie..sollen ihren festen Lohn bekommen und eine nach den Erfolgen des Unternehmens abgestuste Gewinnbeteiligung über ihren Lohn hinaus. Davon verspreche ich mir dreierlei gewaltige Vorteile: pädagogische, technische und finanzielle. Wir werden gezwungen sein, das ausgesuchte- Material erst körperlich zu kräftigen, genossenschaftlich zu stähle» und zu schulen.. Das Risiko schlechter Ernten können wir nicht auf die Schultern armer Arbeiter ivälzen, die nichts besitzen. Da? muß die genossenschaftliche Organisation tragen. Allein dafür sind wir nicht da. Hierfür kann die D:?C. sorgen. Diese bietet auch den zweiten Botteil, 'den technischen. Auch sie stellt das Geschäft zunächst auf den Großbetrieb, der die Kapitalsintensivität mit der Arbeitsintensivität vereinigt. Soweit ist also der von Prof. Marburg eingeleitetc Plan dem meinigen gleichwertig. Aber er steht außer Konkurrenz in bezug auf die finanziellen Mittel. Prof. Marburg setzt Bauern an, die niemals die vorgeschossenen Kredite hoch verzinsen werden. Wenn mein Plan gelingt, in welchem der Großbetrieb selbst nicht als dauernd gedacht ist, sondern nach einer gewissen Zeit in die Hände der zu Genossenschaften vereinigten Arbeiter übergeht,' so liegen finanzielle Möglichkeiten vor, die kein anderes System erreichen.kann. Nicht der Kleinbetrieb und nicht der Großbetrieb ist das Rentabelste, sondern der Großbetrieb mit einer Arbeitsleistung, die der des Kleinbetriebs gleichwertig ist. Ich habe bestimmte Grundlagen für meine Annahme, daß schon in der ersten Zeit die Roherträge eines genossenschaftlicl,en Betriebs um.mindestens 50°/o höher sein werden als die eines normalen Großbetriebs, und daß der vermeidbare Verbrauch an toten: und lebendem Inventar auf kaum mehr als l/10 sich vermindern wird. So werden wir die Kreditbasis schaffen, die wir brauchen. , Wir wollen der Schnorrerei ein Ende machen. Wir brauchen Milliarden, um unser Ziel zu erreichen. Mindestens Hunderte von Millionen. Und das schenkt uns kein Mensch, das borgt man nur, wenn man aus Verzinsung rechnen kann. Wir sind kein Wohltätigkeitsverein. Handelte es sich nur darum, ein paar Juden - wohlhabend zu machen oder 20 000 geschulte -Arbeiter zu Bauern zu machen, dann hätte ich Wichtigeres zu tun. Hier handelt es sich nicht um eine Oelbaumspende — oder doch: Ja, wir wollen den Oclbanm des jüdischen Volkstums' wieder ins Land pflanzeir, einen Herzlwald, einen einzigen Baum, aber der soll so hoch wachsen, - daß er daS ganze-Land überschattet. (Lebhafter -Beifall.) . ■f -Ich bin ein ehrlicher Mensch und will Ihnen nicht uerhehlen, daß das, was wir versuchen wollen, scheitern kann. Die Schwierigkeiten sind ungeheuer, auf unerprobtem Lande, mit unerprobien Menschen unter immerhin politisch noch unsicher» Verhältnissen gilt es zu .arbeiten. M gilt, das Land zu suchen, das geeignet ist, es gilt, die Menschen zu finden, die die Leitung haben, .und die Menschen, die sich nnterordncn sollen. Das sind kolossale Schwierigkeiten. Es ist ein hoher Preis, aber auch ein hohes Ziel. Selbst ein Mißerfolg würde nichts weiter bedeuten als von vorne anzufangen. (Zustimmung.) Versügten toir über die Millionen der Jca, dann Iväre ich sicher, denn wir würden an sechs Stellen zugleich anfangcn, und vier davon würden glänzend gelingen. Zu den andern Schwierigkeiten kömmt die des Unternehmens selbst. Aber ich verlange von Ihnen, ich fordere von Ihnen, daß Sie helfen. Ich fordere es im Namen ihrer eigenen Worte. Es ist furchtbar leicht, mit Reden die Lust zu erschüttern und sich als großen Anhänger des Gedankens auszugeben, tvenn es -licht weiter geht als bis in den ersten Vorhof des Portemonnaies. (Sehr gut.) Jetzt hören wir sorttoährend von einem begeisterten Patriotismus, von einem, überquellenden Nationalgesühl. -Für solche Ziele gingen früher Brüder und Schwestern ins Meer und ins Feuer. Da tun Sie wenigstens das lumpige Bißchen und geben Sie soviel' Geld kür die, die Sie an Ihre Spitze gestellt haben, von denen Sie verlangen, daß sie nicht nur die Direktive und Initiative üben, sondern daß sie auch etwas leisten (sollen. (Lebhafte 'Zustimmung.) Dann geben -Sie wenigstens da? lausige Geld. (Stürmischer Beifall.) Es ist verdammt billig und einfach, alle zwei Jahre nierherzukommen und uns, die wjch mit blutigen Knöcheln am . Steuer stehen, -zu5' sagen: Ihr leistet nikchts. leistet erst etwäs! - (Lebhafter Beifalls Seid/) Ihr so begeisterte Zio- KNisten,.'dann gebt nicht, ^ar das, was ihr ent- .behrest könnt, ohne daß ihr euch ein Diner ab- ^spart, dann gebtsoviel, daß es euch ins Mark Mchneidet. Wir führen. einen Krieg, und zum Kriegführen gehört-, erstens. Geld, zweitens Geld und drittens Geld- Werrn wir fortwährend vor der pupillarischen Sicherheit. des Nationalsonds stehen, wenn wir. für drn- Bakschich für eine Reise der - UntersuchüngsknNlmission kein Geld haben, dann wird/Mir-.mldichnikül 'mies und moos. (Heiterkeit und'-ZÜMst)//W.'wird mir zugerufen: Es wird uns mies. .ohne Wöos- (Große Heiterkeit.) Der N. F. „die geKtzeejche Bestimmung, daß er zwar-Laich "-vz-tffichtin- Valeur setzen darfaber - sich' kekttze Hosen machen lassen. Wir bringen folgende Resolution ein: „Der IX. Zionistenkongreß hält an den Beschlüssen der früheren Kongresse fest, die genossenschaftliche Siedelungsmethode in den Tätigkeitbereich der zionistischen Organisation aufzunehmen. Uni die Durchführung dieses Beschlusses zu ermöglichen, überläßt der Nationalfonds pachtweise der zu errichtenden genossenschaftlichen Kolonie den erforderlichen Boden. Um das Betriebskapital aufzubringen, wird durch eigene Sainmlung ein Genossenschaftsfonds gebildet, der an den Jüdischen Nationalfonds angegliedert wird. Er wird verwaltet von einem Komitee, bestehend aus Vertretern des Direktoriums des Nationalsonds und der Arbeiterschaft." Ich bitte um einstimmige Annahme. (Lebhafter Beifall.) Wir brauchen Ihr Geld, aber vor allem brauchen wir Ihr Vertrauen. Der jüdische Arbeiter hat schon so viel Theorie im Leibe, daß es schwer fallen wird, mit ihm auszukommen. (Heiterkeit und sehr wahr!) Es gibt zahlreiche Arbeiter, die selbst das Verhältnis zwischen einem genossenschaftlichen Leiter und seinen Arbeitergenossen, über die er kommandiert, ansehen, als - ob es sich um eine kapitalistische Ausbeutung des Proletariats handelt. Das ist das Schwere für uns, daß wir nicht nur aus dem Acker, sondern aus den Gehirnen viel Unkraut ausroden müssen. (Sehr wahr.) Und dazu brauchen wir das Vertrauen aller Kreise. Wenn niemand Unkraut sät zwischen uns und denen, die uns das erarbeiten .sollen, dann wird es gehen, sonst wird es nicht gehen. Im übrigen möchte ich der Resolution.hinzufügen: Die Arbeiter, die wir dort ansiedcln. die sollen nichts geschenkt haben. Wir wollen das uns gegebene Geld verzinsen und zurückzahlen, und ich hoffe hochverzinsen. Die Form wird schon gefunden werden. Gestern früh sind in unserm engern Kreise in 4 Stunden 11000 Frs. gesammelt worden für den Genossenschaftsfvnds. (Beifall.) Wir werden die Liste herumgehen lassen. Inda erwartet, daß jedermann seine Schuldigkeit tun wird. (Lebhafter Beifall.) Es handelt sich nicht um milde Gaben, es handelt sich um den ersten Versuch jüdischer Großkolonisation, und da soll man mehr tun, als einem leicht ist. Wir brauchen im ganzen 100 000 F-rs., denn die andere Hälfte gibt uns der Nationalsonds, wenn ivir sie aufbringen. Diejenigen, die cs am nächsten angeht, die jüdischen Proletarier in Palästina, sind opferwillig, die werden ihr Scherflein sammeln. ,Wir haben oben am Tisch gesammelt, und der erste Beitrag war eine hohe vierstellige Zahl, die der Prächtigste unter uns mit großem Opfermut gegeben hat. (Lebhafter Beifall.) Es wäre eine Schande, wenn unten im Saal dieselbe Summe nicht noch einmal zusammenkämc. (Stürmischer langanhaltender Beifall.) Der Misrachi in den Debatten des Zioinsten-Kongresses. Prof. A. W e y l - Frankfurt a.M.: Der Misrachi sei die jüngste Föderation, der Benjamin unter der zionistischen Organisation. Um so mehr fteue er sich, über manches Positive ans seiner bisherigen Wirksamkeit berichten zu können. Zunächst habe er die Tachkeinonischule übernommen und nach modernen pädagogischen Grundsätzen umzugestalten begonnen. Die religiösen und profanen Fächer seien in gleicher Weise berücksichtigt. Man kann mit den: bisherigen Erfolge zufrieden sein, und man mußte wegen des Andrangs zu dieser schule schon eine ganze Anzahl von neuen Anmeldungen znrückweisen. Dabei haben wir uns entschlossen, keinerlei Unterstützungen von den zionistischen Institutionen anzunehmen. Ferner habe der Misrachi mit palästinensischen Gesinnungsgenossen Fühlung genommen, um demnächst einer Kvloniegründung näher zu treten. Der Nationalfonds sollte überhaupt keine Schulen unterstützen, weil er für andere Zwecke bestimmt ist, und weil es zu religiösen Konflikten führen muß, wenn es sich um Schulen handelt, die zu religiösen Bedenken Anlaß geben. Die Leitung der zionistischen Organisation sollte überhaupt die Regungen der jüdischen Volksseele belauschendie am leidenschaftlichsten vibriere, wenn man ihre religiösen Heiligtümer antaste. Aus den Büros sollten nicht nur trockene Reskripte hervorgehen, sondern auch ideelle Anregungen und Belehrungen, die besonders den jungen zionistischen Wortsiihrern ans Herz legen sollten, im Ueberschwang ihrer jugendlichen Begeisterung nicht zuviel zu tun und von jeder Verletzung des Religionsgesetzes sich fernzuhalten. Es ist vorgekommen, daß zionistische Feiern und Aufzüge auf den Sabbat gelegt wurden, was viele, von uns und weitere Kreise schwer verletzt hat. Auf diese Weise kann die Bewegung nicht neue Anhänger gewinnen. Die Heilighaltung des Sabbats muß ein unantastbares Prinzip sein und bis in die höchsten Büros der Leitung streng beobachtet werden. Heine habe die Juden die Schweizergarde des Gottesglaubens genannt, Herzl nannte die traditionellen Inden die zuverlässigste-Garde im Zionismus- Beide^Ans» 'ei gehören zusammen: Der ZimAMiS. werde Äde E^mhe-erzielen, wenn^er^sichWS 1 *>“- ' jie für ihre Tradition begeisterten jüdischen Scharen stützen könne. Auch Goethe, der kein Misr ach ist war, sage irgendwo, daß Großes in der Weltge.chichte nur von solchen Völkern geleistet worden, in denen der Quell der religiösen Begeisterung noch frisch gesprudelt. In den Zeiten Esras wie auch der Makkabäer habe sich die religiöse Begeisterung in erster Reihe fähig gezeigt, das Volk zu verjüngen und den Staat zu erneuern. Die Anhänger und die Gefolgschaft Esras wie der makkabäijchen Führer, sie waren die Misrachistcn ihrer Zeit, die die Scharen der Assimilanten schließlich mit sich fortgerissen hätten. Und auch heute werde es auf diese- und nur ans diese Weise gelingen. Tausende und Abertausende der zionistischen Fahne zu gewinnen. Solchen Erwägungen sollten die Leiter der Bewegung ihre ernste Aufmerksamkeit widmen. Es sind dieselben Gedanken, denen Herr Dr. B. Levh, der Präses des Hamburger Deutsch- Israelitischen Synagogenverbandes, bei seiner Begrüßung Ausdruck verliehen, und denen auch Herr Dr. M. Nordau ausdrücklich z»gestimmt h a b e. (Lebhafter Beifall.) Redakteur L e b o w i tz -Budapest: Eine Kulturarbeit, die mit jüd. Gefühl, jüd. -Geschichte, jüd. Traditionen in Widerspruch ist, muß perhorresziert werden. Man darf den Misrachistcn nicht nachsagen, daß sie kulturfeindlich oder daß sie nicht Zionisten seien, weil sie in Bezug auf die Religion ihren Standpunkt fest vertreten. Das hat mit Kulturfreundschaft und -feindschaft nichts zu tun. Die Schule in Palästina ist den Ortsverhältnissen anzupasfen. Ich freue mich, daß zwischen Misrachi st en und Zionisten jetzt ein gutes Verhältnis ist, daß vollständige Harmonie herrscht. (Lebhafter Beifall.) Niemand von den Misrachisten hat ein Recht, gegen den Zionismus etwas zu sagen. Wir werden alleunsereKräfteeinsetzen, um für den Zionismus zu arbeiten. (Lebhafter Beifall.) Aber wenn man uns ftagt, was wir lieber wollen: das versprochene goldene Band oder das alte Arbakanfaus, dann sage ich: das alte Arbakanfaus ist uns nicht nur mehr, sondern auch heiliger. (Lebhafter Beifall.) Misrachismus ist ein Stück echt jüdischer Arbeit. Rabb. Dr. A b r a h a m s o h n - Sarbogard: Hinter uns steht das jüd. Volk. Denken Sie an das Wort Herzls: „Vorerst muß das Volk, dann muß das Land erobert werden." (Lebhafter Beifall.) Der Kulturkampf wird nicht ansbleiben. Ilber jetzt darf er noch nicht ausgetragen werden. Wenn der Misrachi sich separiert hat, so verbindet er damit nicht die Zlbsicht, den Zionismus zu schwächen, sondern ihn zu stärken. (Beifall.) Werden wir verstehen, die richtige Parole auszugeben, dann ist die Invasion der Juden in Erez Jisroel ein historisches Faktuni. (Lebhafter Beifall.) Prof. Marburg: Sehr wohltuend war die maßvolle Art der Diskussion der Anhänger de? Misrachi. Wir werden uns i n d e r Praxis mit den Anhängern des Misrachi dauernd versöhnen können, dauernd aus ihre Wünsche ein gehen, soweit es unsere eigenen Unternehmungen betrifft. Soweit es sich um Unterstützung von Privatunternehmungen handelt, werden die Unterstützungen nach anderen Grundsätzen eingerichtet werden müssen. Aus aller Wett. Deutsches Reich. Frankfurt a. M. Den schönsten Beweis für das lebendige Interesse der Mitglieder der Israelit. Religionsgesellschaft für die Angelegenheiten dieser Synagogengemeinde bietet die alljährliche Generalversammlung. Auch diesmal war der Besuch der Generalversammlung ein überaus zahlreicher. Herr Michael S ch w a r z s ch i l d - der Vorsitzende, erstattete den Bericht, nach welchem die Rechnung mit 8000 Jk Defizit abschließt Hauptsächlich infolge des neuen Lehrerbesoldungsgesetzes dürften sich die Ausgaben für die Realschule und die Höhere Töchterschule von 160000 JL ans 178000 .lk erhöhen, weshalb eine Erhöhung des Schulgeldes um.17 Jk erforderlich sei. Die Frage einer etwaigen Satzungsänderung sei in Kommission und Verwaltung eingehend beraten worden, aber noch nicht endgültig zum Abschluß gelangt. In der Debatte über den Bericht weist Herr Moritz A. L o e b darauf hin, daß das Wachstum der Gemeinde und die Vermehrung der Schulfrequenz zu wünschen übrig lassen: es komme das daher, well Gemeinde und Verwaltung nicht mehr im engen Kontakte stehen: das Gremium der Verwaltung sei zu klein; es müsse eine Art Repräsentantenkollegium geschaffen werden. Herr Lazarus Klau und Herr Michael Schwarzschild treten in verschiedenen Punkten den Ausführungen des Vorredners entgegen. Herr L. W o r ms e r wünscht Verwendung der Synagoge in der Schützenstraße, damit sich die Einnahmen, .vergrößern^ Herr I cekob W o l sif tzniufthb gleichsaW Loeb eine der Stututzupssiki!«» -w‘-'«fr-1 verlang Hatt der freiwilligen eine Zwans