Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 8 (1910)
- Issue
- Heft 1 (7.1.1910)
- Date
- 1910-01-07
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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HsräÄMMes UäMlieMaÄ ' q .AM iften und Manieren hervorzukehren such- ,.Mir unnötigen Streit dadurch entstehen ließen und die am letzten Ende doch nur ein Produkt des Golns sind, allein eine internationale Föderation, die sich nur nach Anschauungen gruppiert,, hatten wir nicht; die „demokratische Fraktion" war nur von der Dauer des einstigen Kikojaun des Propheten Jauno, und außer einer unsinnigen Demonstration ist uns . ' nichts von ihr in Erinnerung geblieben. — Das Verhalten des Misrachi hat dem gesamten Kongreß imponiert, und dieses Verhalten kann lmr der Bewegung und dem Misrachi selbst zum * Segen gereichen. . Mit all diesem können wir uns -zufrieden geben; was uns aber mißbehagt, ist der Umstand, daß die R u s s e n vom c n g e r n A. C. und damit von der unmittelbaren Leitung der Partei .ausgcschalt e t sind. Man kann für die Dauer WMöglich die Russen, die die eigentliche Wurzel Her Bewegung bilden, unberücksichtigt lassen; besonders jetzt, da der Kongreß im Prinzip ihnen HPefi immt hat, wird sich ein solcher Fehler - harter rächen^,Zumindestens muß verlangt werden,..daß man die russischen Führer zu den Beratungen des E. A. T. hinzuzieht und keine wichtige Unternehmung ohne ihre Zustimmung au.sfnhrt. Nur auf diese Weise kann die Partei vor weiteren Zwistigkeiten bewahrt und ihr jene ~ innere Ruhe gegeben werden, ohne die wir eine gedeihliche Fortentwicklung für ausgeschlossen halten. 8. 8. G—n. Der 9. Ziorristev-Kougreß. Mittwoch. Nachmittagssitzung. In der Fortsetzung der Palästi n«-Debatte spricht Dr. Abrahamsohn-Sarbogard für die in dem „Misrachi"-Verbände vereinigten jüdisch-orthodoxen Zionisten. Er stellt fest, daß diese durchaus willens sind, ihre Fordermrgen im Rahmen der Gesamtorganisation zum Ausdruck zu bringen. Frl. Goldin-Jerusalem spricht sehr temperamentvoll für die jüdischen Arbeiter in Palästina, rügt ein mangelndes Entgegenkommen der leitenden jüdischen Kreise den Arbeitern gegenüber und stellt eine Reihe diesbezüglicher Forderungen auf. Cohen- Jaffa verlangt, daß die Mitglieder der Leitung in. Palästina wohnen müssen. Aronowitsch rügt die Art der Verwendung des Jüdischen Nationalfonds in Palästina. Dieser sei in erster Lüne für die Arbeiter bestimmt, indessen trage die Verwaltung diesem Umstände nicht Rechnung. Er verlangt stärkere Berücksichtigung der jüdischen Arbeiterinteressen, Bau von Arbeiterwohnungen und Schaffung einer besonderen Zentralinstanz in Palästina. Dr. Bodenheimer-Cöln, der Vorsitzende des Jüdischen Nationalfonds, verteidigt diesen gegen die erhobenen Vorwürfe. Er widerlegt eine Reihe der gemachten Vorwürfe und betont die Arbcitcrfreundlichkeit der Leitung. Dr. Ko Han-Bern sie in-Jaffa verlangt gleichfalls eine Zentralinstanz in Palästina. Er kitisiert die 'Art der Verwaltung der zionistischen Institutionen in Palästina und rügt den angeblichen Jnteressenmangcl der Leitung gegenüber den palästinensischen. Forderungen. Präsident Wolffsohn wendet sich gegen diese Vorwürfe, die durchaus unberechtigt seien. Er habe sich bereits die größte Mühe gegeben, um - die verlangte Zentralinstanz in Palästina zu schaffen, alle 'Bemühungen seien aber am Widerstande in Palä- . selbst gescheitert. Die zionistische Palästina- ^arbeite vorzüglich, und auch der Borwurf, dsic nicht zionistisch arbeite, sei unbegründet.!? die Bank gut arbeitet, arbeitet sie zionistisch, aen bisher fast ausschließlich Palästinenser ,rt und befaßte sich die Debatte daher auch mit Palästinaangelegenheiten, so gab der nächste Redner, Julius Simon-Mannheim, in längeren Ausführungen eine eingehende Kritik der Leitung der zionistischen Banken. Die Palästinabank arbeite sehr gut, und mit ihren Fortschritten könne man sehr zufrieden sein. Auch die Bank in Konstantinopel entwickele sich offenbar ausgezeichnet. Dies sei leider bei dem Mutierinstitut, . der Jüdischen Kolonialbank in London, nicht der Fall. Der Umstand, daß man bei dieser Bank von Anfang an der Meinung gewesen sei, man müsse ihre Mittel flüssig halten, um sic für eventuell eintretende politische Ereignisse in Reserve zu haben, habe eine geschäftsmäßige Entwicklung der Bank verhindert. Auch die Absicht, die Kapitalien der Bank mündelsicher anzulegen, sei natürlich mit einer gesunden geschäftsmäßigen Entwicklung unvereinbar. Dann sei aber die ganze Bank nicht nötig. Um diesen Zweck zu «reichen, genüge ja der Ankauf von Staatspapieren. Im Uebrigen müsse man mit diesem Prinzip brechen, wie man überhaupt mit den politischen Begriffen der früheren Zeit im Zionismus gebrochen habe. Die Bank müsse der zionistischen Arbeit in Palästina dienstbar gemacht werden. Darum stelle er den Antrag, die europäischen Geschäfte der Jüdischen Kolonialbank zu liquidieren und die frei werdenden Mittel nach Palästina zu überführen. Gegen diese Kritik und Vorschläge wendet sich Dr. Katzenelsoyu, der Präsident der Kolonialbank, der einige Vorwürfe des Vorredners zurückwehst und darlegt, daß' in Palästina jetzt für größere Mittel gar keine Verwendung sei. Im weiteren Verlaufe der Debatte kommen noch Pasmanik, Trietsch und andere zum Wort, die sich wiederum in einer Kritik der Palästinaarbeit der Organisation ergehen. Zu Beginn der Sitzung hatte Präsident Wolffsohn aus Anlaß eines von der Leitung der A l l g e m. I ü d. Kolonisations-Organisation in Berlin gegen gewisse Vorwürfe erhobenen Protestes an Hand von Dokumenten deren autizionistisches Vorgehen nachgewiescn und für seine Behauptung der Verleumdung durch diese Organisation dokumentarische Beweise erbracht. Donnerstag. V o r m i t t a g s s i tz u n g. Masse Cohen erstattet sein Referat über „D i e jüdische Einwanderung in die Türkei". Er ging aus von der Toleranz, die die Türken den Juden gegenüber immer gezeigt haben und die von vornherein eine der größten Garantiecn für die jüdische Einwanderung in die Türkei darstcllt. Es gibt keinen Antisemitismus in der Türkei, und er ist dort unmöglich Die Fülle von Nationalitäten, die im ottomanischen Reiche vereinigt sind, schließt insbesondere unter dem neuen Regime auch die Möglichkeit einer Unterdrück,tng der Minorität durch die Majorität.aus. Darin liegt auch eine Gewähr dafür, daß dem einwandernden Juden die Entwicklung seiner nationalen Eigenart möglich sein wird und daß auch gar kein Grund dafür vorhanden ist, sich seiner Nationalität zu entäußern. Selbstverständliche Voraussetzung ist natürlich, daß der einwandernde Jude voll und ganz ottomanischer Bürger wird und den Pflichten gegen seine neue Hemmt im weitesten Maße nachkommt. Und diese Gewähr ist gerade für eine jüdische Einwanderung gegeben. Die Interessen der jungen Türkei verlangen es, daß sie eine jüdische Einwanderung unterstützt. Sie findet darin das, was sie am meisten braucht, arbeitsame, intelligente, friedliche und nicht unbemittelte Einwanderer. Und auch die Juden finden in der jungen Türkei das, was ihnen fehlt, ein gastfreu,idliches Land,. dessen weite unbebaute Strecken ihnen die Möglichkeit der äußersten Entwicklung ihrer Fähigkeiten bietet und dem sie ungeheuer nützlich werden können. Hierauf wurden die zur Palästina-Debatte gestellten Anträge zur Abstimmung gebracht. Prof. Dr. Marburg wurde noch einmal eine einhellige Vertraueuskundgebung zu Teil. , . Der Antrag Dr. Franz Oppenheimers auf Gründung einer Arbeiter-Siedlnngs-Gen offen schüft in Palästina wird unter stürmischen, Beifall e i u st i m m i g a n g e - n o m m e n. Eine längere Debatte entspinnt sich über den Antrag Julius Simon, worin zum Ausdruck gebracht wird, daß die gegenwärtige geschäftliche Tätigkeit der jüdischen Kolonialbank in London außerhalb der zionistischen Interessensphäre liegt. Die Resolution wird mit geringer Mehrheit abgelehnt. Hingegen gelang ein zweiter Antrag Simon, worin,die allmähliche äußerste Einschränkung des europäischen GeschästesderJüdischen Kolonialban k und die Ueberführung des dadurch freiwerdenden Kapitals nach Palästina verlangt tvird, trotz des Widerspruchs der Bankdirektoren zur Annahme. Die Angelegenheit Cowen-Warburg gelangt zur abschließenden Verhandlung. Der Kongreß erklärt, daß er das Vertrauensvotum, das Prof. Dr. Marburg schon mehrfach von diesem Kongresse ausgedrückt worden ist, für genügend ansieht, um über die vorliegenden Anträge, die eine Mißbilligung des Verhaltens' Cowensenthalten, zur Tagesordnung über gehen zu können. Donnerstag. Nachmittagssitzung. Es steht die F i n a n z f r a g e auf der Tagesordnung. Ern von der Leitung ausgehender Antrag, der Bewegung die notwendigen größeren Mittel durch eine Beteiligung der zionistischen Institution an den Kosten der Organisation zu verschaffen, wird hauptsächlich deshalb abgelehnt, weil man die Popularität, die der Jüd. Nationalsonds allenthalben genießt, zu schädigen fürchtete, wenn man ihn zu Zwecken benutzte, die außerhalb seines eigentlichen Wirkungskreises, dem Ankauf von Boden für das jüdische Volk in Palästina, liegen. Um 10 Uhr abends tritt man zu der Schluß, s i tz u n g zusammen, die ausschließlich der Vornahme der Wahlen in die Leitung gewidmet war. Hierbei ergaben sich infolge des Umstandes, daß die Mehrheit der die Wahlvorschläge ausarbeitenden Kommission eiaentümlicherweise nicht auch einer Mehrheit, des dessen ergaben sich tiefgehende Differenzen zw,-' scheu den Vorschlägen deSDermanenzauöschusscS und-.' den Beschlüssen der Mehrheit beS Kongresses, die-? mehrfach zu einer Vertagungder Sitzung zwecks' Ausarbeitung neuer Vorschläge führten. Schließlich wurde nach 3 Uhr nachts beschlossen, es Hinsicht- V lich der Leitung beim alten zu lassen/M'. da alle anderen Kombinationen ans nnübervrück- -v; bare Schwierigkeiten stießen. •£>>" Nach einem kurzen Schlußwort des Vorsitzenden; 'Ä worin dieser der Stadt und Bevölkerung §n;. 1 burgs, den jüdischen Gemeinden und vor allem der Hamburger zionistischen Ortsgruppe den Dank des. Kongresses für die freundliche Aufnahme ausgesprochen hatte, schloß gegen 4 Uhr nachts unter Abjingung des jüdischen Nationalliedes, der „Ha-/ tikwah", der Kongreß. Nach den gefaßten Be-, schliffst» bleiben die bisherigen Leiter, die Herren - D. Wolffsohn-Köln, Prof. Dr. Warburg-Berlin und I. H. Kann-Haag an der Spitze und der. Sitz der Leitung verbleibt in Köln. mtsprach. Jnfolge- Das Projekt der ArbeiterSledlungsgenoffenschaften in Palästina. Rede Dir. Franz Oppen he im er's auf' dem ‘ 9. Zionisten - Kongresse. fc Bor sieben Jahren sprach ich mit Herzl zuerst"' über die Angelegenheit, die ich nun wieder behandle....'; Sieben Jahre hat mich die zionistische Bewegung' . um ineine Braut dienen lassen. Ich hoffe. Sie werden "* mir diesmal gleich sofort die schöne Rahel geben und nicht erst die triefäugige Lea. (Heiterkeit.-) Sieben Jahre ist das her. Ein halbes Jahr bnf raus haben Sie mir in Basel zugejubelt. Es ist-' beim Jubel geblieben. Und doch hat . es sich., um Pläne gehandelt, die uns ein zieinlichcs Stück-., hinühergeführt haben über das, was man neuerr dings mit einem zierlichen Ausdruck als Schnorrer»?-.: Unternehmung zu beizeichnen liebt. Als Herzl mich? für seine Pläne warb, wußte er, daß es sich mehr handelt, als um Kleinkolonisation, als .um.'? Rachmones, um mehr als nur großzügige Philach?/" thropie: um eine Bolkssache, und darüber hist»-? aus um eine Menschheitssache, um eineUM. Sache, die den besten Extrakt zweihundertjährige^W wissenschaftlicher Arbeit bildet, von der ich nuWW die letzte Creme abgeschöpft habe. Es ist meh8Ds als eine rein-jüdische oder gar nur eine ostjüdischMA Sache, um die es sich hier handelt, was J in Palästina machen wollen: Ein Vorbild für die -, Menschheit, damit die alten Prophezeiungen, wahr werden, die' von unfern, Volke sagen, daß es i]j die Welt zerstreut worden ist, um aus seinem Lebens^' Wege der Welt die Erlösung zu bringen (Beifall)'.'"-. Heute komme ich zum letztenmal. Nicht um zu betteln, nicht um zu schnorren, sondern um zu fordern, um streng zu heischen, was Ihre Pflicht ' und Schuldigkeit ist dem Schaffen des ManiuL gegenüber, der sein Wort hier verpfändet hat, Ihr« . Schuldigkeit Ihnen selbst gegenüber, dem ganzen jüdischen Volke gegenüber, das auf Sie Mckt. Was ich will, und die gesamte Leitung Mit: mir, ist die genossenschaftliche Kolonisation. Mast, hat mich gefragt, ob ich auch die jüdische Jndt-.. vidualität bedacht hätte, ob sie die Genossenschaft?, auch ertrage. Ich kenne nur eine Vollendung des -- Individualismus, d. i. die Genossenschaft. Nicht '-?, im Kommunismus oder Kollektivismus, wie sjHM' irrtümlich der Sozialismus zu nennen pflegt, tarij&j' der freie Mensch atmen. Die Genossenschaft be»? deutet eine Freiheit. Wir wollen Ketten brechen, nicht -• neue Ketten schaffen (lebhafter Beifall), mit allen ■ Mitteln, die möglich sind, erprobten und uner-- . probten. Aber wenn wir das Volk ansiedeln wollen, als eine gleichmäßig organisierte Masse, sicher vor jeder fremden Invasion, politischen und Wirtschaft lichen, da predigt Ihnen alle Weltgeschichte einen?, einzigen Satz, und der muß unheilbar blind seist? .? der dieses geweihte Gesetz der Welt- und Wirt' schaftsgeschichte nicht sieht, und dieser Satz lautet?: Wer Städte schaffen will, muß Bauern schaffest?' (Lebhafter Beifall.) Wenn wir Erfolge haben wollest? -. wenn unsere Sache nicht im Sande versickern joM ' dann heißt es für uns: Bauern/schaffen. (BeisalA Auf welche Weise, das ist gleich. Aber es mit aller Energie und allen Mitteln' auf '.das eine; . Ziel hingearbeitet werden, uns eine agrarische GrunA-., läge zu geben. Was ich Ihnen empfehle, ist nicht mein ( aber ich biu^ vstlleichtLMmenblmlich - in der Söeräfeü der einzige^ gmmw Mststkr rvWÄ Spezialgebiet^M^ Ich Habe einen lejblich'.sjvkssenschastlichen Namen zu^W riskieren, Mid.. ich'chlNWtz.vost, Ihnen verlangen§/-'^ n abgeMmr., dchwstPKH.. Mr. Zusagen gemacM^--. en sivM/dast'S«>.-demMcüme, den Sie znP- Jhrem verNMeiWBWM gechWt -haben,, so wckM/ über den Weg trauest, daß Sie ihm. die Mitfel geben, wenigstens einen Versuchzu machen. (Lebhafter .Beifall.) Ich will den bekannten?-ilmtveg nehmest/' der. . am nächsten zum./ Ziele rübrL 'S*® will diebäuerlichen Kleinb -. ' auf dem Umweg über best Ich will die Ge stoffen sch q-f t -, dem Weg über die.Gewinn Es soll eine Anzahl ausgesuchte' ausgezeichneter Leitung in.