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Neue jüdische Presse · 1910-01-07 · Heft 1 (7.1.1910) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
8 (1910)
Issue
Heft 1 (7.1.1910)
Date
1910-01-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Isrartkfrrrter p stttlitischks fauiliFHblatt. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. AbonnementSpreis pro Vierteljahr: In Frankfurt a. M. Mk. 1.— frei inS Haus. Bei der Post abonniert im In- und Ausland Mk. 1,02 (einschließlich Bestellgebühr). Unter Streifband bezogen: Deutfchland und Oesterreich - Ungarn Mk. 1,50, j sonstige Länder Mk. 2.— H-daKtto« und ch-fchäftsstelr-: Frankfurt a. nr.. vilbelerstraße 4/6, Ecke Lleichstraße P-r-fo« 10507. Herausgeber: K a ktz ch e i^. r .. ..- — " JnsertionSPreise: Dir viergespaltene Petitzeile. 25 Psg. Die Reklamezelle. 100 .. Platz- und Daten-Borschrift ohne Verbindlichkeit. Beilagen: Preis nach Nevereinkunst. - - -- 8. Jahrgang. Freitag, de» 26. Tewes 5670 (7. Januar 1910). Rr.1. .! Inhalt des Hauptblattes. Artikel: Resümee. — Der g. Zionisten-Kongreß. — Das Projekt der Arbeiter-Siedlungsgenossenschaften in Palästina. — Der Misrachi in den Debatten hes Zionisten-Kongresses. — Aus aller Welt. — Feuilleton: Auge um Auge. — Wochen- .,kalender. — Familien-Nachrichten. Resümee. Im Zionismus haben sich zum ersten Male Juden des Westens und des Ostens brüder- E^-.lich auf gemeinsamem Boden zusammengefunden. ^.H'.Koch schon bald, nachdem der Zionismus ans ' em Stadium des Werdens herausgctreten war, Neigte cs sich, daß die Juden des Westens und Me des Ostens zwei verschiedenartige Strömungen Min der Bewegung darstellen: im östlichen Juden churzelt die Liebe zum Lande seiner Väter noch MMm vieles tiefer als im westlichen, er hat wenig « WHteigung zu kühl rechnerischer Ueberlegung, — *nnd so entsteht gegen den politischen Zionismus Herzl' s bald eine immer stärker anwachsende Opposition, die als erstes praktische Arbeit in Palästina fordert. Das stürmische Dränge,: nach energischer Betätigung in Palästina als erste und , wichtigste Aufgabe der Bewegung erhielt dann . 'neue Anfeuerung, als vor U/2 Jahren aus der absolutistisch regierten Türkei ein konstitutioneller Staat wurde, dessen wirtschaftliche Entwicklungs .Möglichkeiten es schnell auszunutzen gilt, sollen - nicht andere Nationen vorauskommen. ,>-J Doch Wolffsohn, der Präsident, der Trä - ger Herzlicher Traditionen', zögerte. Gewöhnt, sich nicht von einer Augenblicksstimmung fort- . Meißen zu lassen, gewöhnt, mit Ruhe alle Mög .lichkeiten ins Auge zu fassen, konnte er sich nicht dazu entschließen, die ganze materielle Kraft der Bewegung auf eine Karte zu setzen. Und so . wandte sich der Unwille der östlichen zionistischen Masse gegen ihn, und alle Sympathie .strömte seinem Kollegen im Engeren Aktionskomitee Prof. Marburg zu, dem als Fach- ' Mann im Kolonisationswesen vor allen Dingen 7 Me Ausführung seiner Ideen am Herzen liegt. Wann fiel noch wenige Tage vor dem Kongresse "'^>ie eine Bombe ein Brief Cowen's, des Di- .i, ektors der Jüdischen Kolonialbank, gegen W a r- •!%§ ‘ut9 i" die öffentliche zionistische Meinung, in Brief, der in der Form überaus scharf war, und das SchHWMöZffs0 A^K-'Wien beegelt. So begann. denn'. tH. ,9. -Kongreß mit einer timmung Sege«E?klMM«chDMe Stimung kam in Mi>Permanenzaüss^ntz/ der die Mahlen vorzubereiten hat, sowie auch in den Rednern zur Generaldebatte, von denen die ersten acht° sämtlich gegen Wolffsohn sprachen/ zur - Um. , ergriff Wolffso hn das Wort, wird mir , :'' 7. r „ . 7 und Zuruf.- .-E°chfolger eines Herzls Ayä mies ohm Äuung nicht gebracht hatten, das ^.ML-ihat die geStunde: die Autorität; denn ^^ka»ken,^^bte es sich», daß der bisher vielfach unterschätzte Mann der alle überragende Führer ist. Ans dem drohenden Mißtrauensvotum wurde das uneingeschränkte Vertrauensvotum der erdrückenden Mehrheit des Kongreses; und als am Schluß des Kongresses der zu Anfang gewählte Permanenzausschuß ein Präsidium ohne Wolffsohn vorschlug, da fand er keine Majorität: Wolffsohn ist auch der Präsident der neuen Periode geworden. Aber die zionistische Mehrheit Ivill unbedingt die Konzentrierung aller Tätigkeit der Bewegung auf Palatina. Wie sehr die zionistische Mehrheit von diesem Willen beherrscht wird, illustriert am besten die Tatsache, daß der Kongreß zu den Punkten der Tagesordnung, die nichts mit Palästina zu tun haben, überhaupt nicht kam. Diesen Willen wird die Leitung respektieren; während Wolffsohn die Gewähr dafür bietet, daß diese Arbeit im Rahmen des großen zionistischen Gesamtgedankens bleiben wird. Wenn wir. also die Ergebnisse des Kongresses überschauen, so können wir den sachlichen Ausgleich der beiden innerhalb der Bewegung bestehenden Strömungen feststellen. Außerdem brachte der Kongreß den Wiederanschluß der sozialistisch en Arb eiter, die auf dem 7. Kongreß den Auszug unter Zangwill mitgemacht hatten, und ein Beken neu des Misrachi zu der Politik, die wir stets als die für ihn einzig richtige betont haben und wegen derer man uns seitens gewisser führender Persönlichkeiten des Misrachi bekämpft hat. Er brachte außerdem ' ein überaus wichtiges, im 'Sinne der Mischen Weltanschauung liegendes Projekt seiner Verwirklichung näher, indem er den Dr. Franz Oppenheimer'schen Antrag auf Gründung einer Arbeiter-Siedlungsgenossenschaft in Palästina einstimmig annahm. Hoffen wir, daß das Projekt in wenigen Wochen durch freiwillige Gaben gesichert ist; ein sehr verheißungsvoller Anfang hierzu ist ja bereits auf dem Kongreß gemacht worden! 8. 6. * * * * Scheinbar handelte es sich um einen Streit über Personen, der eine sichtbar im Vordergründe des Gespräches und des Angriffes, der andere fast unsichtbar, sich ganz im Hintergrund haltend; Wolffsohn, Ussischkin waren es, die den Kongreß in zwei Lager gespalten haben, in eine Majorität, überwiegend aus Westeuropäern, und in eine Minorität, deren Gros die Oestler ausmachten. Wolffsohn vereinigte um sich die Majorität, Ussischkin blieb also in der Minorität. Und doch war es mehr als ein Streit um Personen! Zwei Systeme waren es, die da stritten: der sogenannte politische Zionismus, der in Untätigkeit verharrt, anfangs auf einen Charter mit Zustimmung der Mgchte, später aber beim Eintritt von geordneten Verhältnissen in der Türkei ans einen Charter seitens der türkischen Regierung wartend, also eine Methode, die das Große im Auge hat, aber auch mit dem Großen beginnen und zu dem Kleinen — der praktischen Arbeit — erst nachher überzugehen gedenkt, und der praktische Zio- nismus, der, eine Entwicklung voraussetzend, vom Kleinen zum Großen allmählich gelangen will und daher die praktische Arbeit in Palästina wünscht. Die Oestler, die allerhand Verfolgungen ausgesetzt sind und deren Massen im Elend leben, sind naturgemäß Anhänger des praktischen Zionismus, die besser gestellten Westler dagegen Verfechter des politischen Zionismus. Dieser Streit tobte noch zu Lebzeiten Herzl's und setzte mit noch größerer Heftigkeit ein, als Wolffsohn das Erbe Herzl's angetreten hatte. Schon H e r z l mußte in manchem den Männern der praktischen Arbeit nachgeben, und Wolffsohn noch mehr. Allein Nach geben ist noch lange kein Zustimmen. Und siehe! der neunte Kongreß hat stillschweigend eine Entscheidung indem alten und neuen Streit der Systeme gebracht; in seiner überwiegenden Mehrheit war der Kongreß für intensive Arbeit in Palästina, also gegen ein untätiges Verharren bis zur Erlangung eines Charters. Es klingt sonderbar und doch ist. es wahr: Ussischkin persönlich hat eine Niederlage erlitten, sein System aber kam zur Geltung. Wolffsohn dagegen trug einen persönlichen Sieg davon, sein System aber fiel. Wolffsohn hat sich als sehr geschickter Taktiker erwiesen, und dank seiner Taktik hat er ein fast verlorenes Spiel gewonnen, und so wurde der zionistischen Welt Gelegenheit geboten, wahrnehmen zu können, was „David Litwak", ausgestattet mit europäischem Takt, vermag und was er der Bewegung wert ist. Dasselbe merkwürdige Schauspiel bot nuLder^ Kongreß noch einmal; das Baseler H gramm ist es, dem es so wie dem Wolffsohn ergangen ist. Auch das Baselep..Prögramm blieb unverändert bestehen, alleiir senk Inhalt hat eine andere Interpretation erhlMckr nicht die Mächte sind es, die ihm zu seiner Verwirklichung verhelfen sollen, sondern die ottomanische Regierung, das ottomanische Volk, und seine Verwirklichung soll nicht vor einer Tätigkeit in Palästina stattfinden, vielmehr soll ihr eine ehrliche, verdiente Arbeit im Lande der Väter vorangehen. Diese Auslegung ist die einzig richtige und kann unter der konstitutionellen Türkei nicht anders ausgelegt werden. Und noch ein drittes erfreuliches Moment hat uns der nennte Kongreß gebracht: das Auftreten und Verhalten der Misrachi-Föderation. Wir hatten und haben noch Landsmannschaften, die, indem sie bisweilen ihre besonderen L a nn d e s-

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