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Neue jüdische Presse · 1909-12-10 · Heft 47 (10.12.1909) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
7 (1909)
Issue
Heft 47 (10.12.1909)
Date
1909-12-10
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr 47 Frankfurker Jsraelüifches FamilieMatt. Seite 3. „Ich wäre Ihnen sehr verbunden, wenn Sie mir eine Auswahl von Talmudsprüchen übermitteln wollten. Nicht nur ich allein werde Ihnen dafür dankbar sein, sondern — was viel wichtiger ist — auch jene Millionen Leser, die durch eine billige Ausgabe in die Lage verseht würden, die religiöse Weisheit der altjüdischen Volkslehrer kennen zu lernen." — Der Departementsleiter im Kultusnlinisterium S. A. Anziperow hat dem Rektor des Medizinischen Fraueninstituts mitgeteilt, daß jüdische Aerztinnen, die an einer ausländischen Universität den Doktorgrad erlangt haben, kein Wohnrecht in Rußland außerhalb des Ansiedlungsrayons besitzen. Ebenso dürfen sie sich in Petersburg nicht aufhalten, um das ärztliche Staatsexamen im Medizinischen Fraueninstitut zu machen, was ihnen bisher stets gestattet war. Nur in Ausnahmefällen würde das Ministerium eine besondere Erlaubnis hierzu erteilen. — Die neue Beschränkung bezieht sich auch auf die jüdischen männlichen Aerzte, die im Auslande studiert haben. Sie ist ein schwerer Schlag für die zahlreichen russischen Juden, die wegen der hier herrschenden „Prozentnormen" gezwungen sind, im Auslande zu studieren. „N. I. K." Kowno, 2. Dez. 150 Delegierte unb ein Regierungsvertreter sind zu dem allgemeinen russ.- jüd. Kongresse, dessen Verhandlungen in hebräischer Sprache geführt werden, erschienen. Rechtsanwalt Dr. Wieiner der'gesuchtesten Anwälte der Stadt, ist n a w e r - Petersburg, Mitglied der ersten Duma, — - - ----- - - wurde zum Präsidenten gewählt. In das Präsidium wurden n. a. gewählt: Rabbiner Rab inow itz-Kowno, I. B. Wolfs, der Jca-Bertretcr Dr. Feinberg und Rechtsanwalt Sliosberg-Petersburg, Brodsky-Kiew, das Mitglied der ersten Duma Dr. Katzenelsohn, Brutzkus - Minsk, Rabbiner M a s e - Moskau und Rabbiner Dr. Kantor- Riga. Die erste Sitzung wird von einem zweistündigen gründlichen Referate des Rechtsanwalts Slios b e r g . über „Die O r g a n i s a t i on der jüdischen Gemeinden" ausgefüllt. Referent schlägt insbesondere die Abschaffung der Licht- und Fleische abgaben (der „Korobka) und die Einführung einer progressiven Einkommensteuer vor. — In der Abendsitzung behandelt der Dnmaabgc ordnete Friedmann die S ch u l f r a g e. Wie er mitteilt, werde demnächst ein bereits fertiggestcll ter Entwurf zur Reforniierung der jüdischen Elementarschulen in der Duma zur Beratung gelangen Die Schulfrage steht im Vordergründe des Interesses und der Debatten und wird mit ernstester Gründlichkeit behandelt. Nicht weniger als 35, Red. ner haben sich zu diesem Punkte gemeldet. All gemein wird das „Cheder" in seinem gegenwärtigen Zustande als ungeeignet und unzweckmäßig bezeichnet. L. Brodsky-Kicw sprach sodann über die jüdische Fleisch-Akzise und wies nach, daß ein großer Teil der daraus erzielten Einnahmen, die gesetzlich für Hie kulturellen und religiösen Bedürfnisse der jüdischen Bevölkerung bestimmt sind, in den Kassen der städtischen Verwaltung perbleibe. Die Kiewer Stadtduma verwendet z. B. aus dessen Einnahmen 15 000 Rubel jährlich für die 'Ausweisung und Hinausbeförderung der Juden, die sich ohne Wohnrecht in Kiew aufhalten. der kleinsten Tat. Gegen diese Demoralisierung« und von einem Juden gemaltes Wandder Religion entstand die Reform als ein glühender! gemälde. Der Spender ist Lord S w a y t h Protest. Die Reform sagte: Ihr wünscht nichts?ing, der Maler I. Salomon nach Jerusalem zurückzukehren, Ihr wünscht nicht. Opfer darzubringen. Es ist nicht wahr, daß wir im Exil sind.! Nits (Vftrcrtnpft Eine schwärzere Lüge wie diese ist noch nie er- ***** 0e* -eyrerive». fiutbeit worden. I Frankfurt a. M Der höheren Mädchen- Jch stimme nicht mit allen Ansichten der Ein-1 s ch u l e von F r a u D r. H e i n c m a n n ist durch _ horn'schen Theologie überein; aber sie strömte wie I Verfügung des Königlichen Provinzialschnlkollegiums eine Flut von Licht in die Finsternis der vrtho-! die An er ke n n un g a ls h ö h e r e L e h r an st al t doxen Gesetzmäßigkeit. Heiligkeit und Heiligung I zugesprochen worden. Die Abgangszeugnisse der Anruhen auf Einhorn. Frömmigkeit, nicht mechanische I stakt berechtigen daher von jetzt an ohne P r ü - Starrheit des Gesetzes, ist die Stärke des Judentums. I f u n g zum Eintritt in Leyrerinnenseminare und Wir sind der leidende Messias, doch durch I Studienanstalten, unsere Leiden werden wir geheilt. Der Jude ist . Berlin. Der frühere Direktor des Reickennur dann seinem Judentume treu, wenn er besser I heimschen Waisenhauses in Berlin, Professor Dr. als jeder andere Mensch ist." IMoritzJutrosinskiisr im Alter von 84 Jahren 'gestorben. Professor Dr. Jutrosinski stammt aus Sandberg in Posen. Er besuchte das Gymnasium in Lissa und jR»»iimitH»lt. | studierte dann in Breslau Philosophie und Geschichte. v ' Als Mitglied der Burschenschaft der Raczeks nahm Amerika. New-Aork. Eine Folge der Tagung der Konferenz amerikanischer Rabbiner war ein Massenmeeting der „Hebrew League", auf dem Dr. Bernhard Drachmann, Dr. H. Pereira Mendes, Dr. Henry S. Morais, Rev. Glaser, Rev. H. Orliansky, Rabbi •©. Iaffe, H. G. Adelmänn und A. A. S e l i g s o n sprachen. Die Versammlung nahm Resolutionen gegen d i c 91 e f o r nt»SR a 6 * biner an, die besagen, daß die Resormrabbiner sich selbst zu Vertretern des amerikanischen Judentums gemacht haben, daß sie allen Gesetzen des Judentums Trotz geboten, die religiösen Gefühle der jüdischen Rasse und das traditionelle Judentum verspottet haben. Philadelphia. Gelegentlich der Feier des hundertjährigen Geburtstages David Einhorns, des Pioniers der jüd. Reformbcwegung in Amerika, im hiesigen „Keneseth Jsrael"-Tempel erlaubte sich der bekannte Reformrabbiner Dr. E. G. Hirsch einen maßlosen Angriff auf die Orthodoxie. Er sagte nämlich: „999 von je 1000, die für die Rückkehr nach Jerusalem beten, würden wie voni Schlage gerührt werden, wenn der Messias sie plötzlich auffordern würde, zurückzukehren. Es war eine Lüge aus den Lippen des Juden in Deutschland, wenn er wegen der Rückkehr nach Jerusalem betete. Das war Religion von der Moral getrennt. Mechanische Religion ist die. Linie des geringsten Widerstandes. Sie sägen, Resormjudentum sei eine Religion der Bequemlichkeit. Guter Gott! Orthodoxie ist ja ganz eine Sache der Anordnung, ihr. Bedürfnis hat keine Skrupel. Der orthodoxe Jude wünscht den größten Nutzen von Berlin. Die jüd. Gemeinde hat den Verlust I er regen Anteil an der freiheitlichen Bewegung der Frau Erna Pakscher geb. Silberstein zuI im Jahre 1848. Rach dem Abgang von der Unibeklagen, einer Frau, die sich um das Wohltätigversität war er mehrere Jahre lang in Wien als keitswesen in der Gemeinde verdient gemacht hat. I Hauslehrer tätig. Im Jahre 1862 wurde er als Sie war u. a. Begründerin und Nestorin der Alters-1 ordentlicher Lehrer in Posen angestellt, doch mußte Versorgungsanstalt IH der jüdischen Gemeinde. I er l-ange Jahre aus die Bestätigung durch das Geheimrat Hermann Senator feierte in I preußische Ministerium warten. Erst im Jahre 1868 aller Stille seinen 75. G e b u r t s t a g.! erfolgte dann die staatliche Anerkennung als Lehrer Mainz. Justizrat Dr. Ferd. Pbil. Mayer, an der Realschule in Posen. Sein Kamps um das c der gesuchtesten Anwälte der Stadt, ist — Recht, der mehrfach zu Debatten im Abgeordncten- 63 Jahre alt — plötzlich gestorben. Er war jahre- Hause führte, hatte die Aufmerksamkeit des Menschenlang Vorsitzender der israel. Religionsgemeinde. I freundes Moritz Reichcnheim auf ihn gelenkt, der Züllichau lBrandenbura). Isidor Fried-!seine Ernennung zum Direktor des von ihm im Jahre länder, Präsident der jüdischen Gemeinde, wurde 1 1872 zu Berlin gestifteten Waisenhauses bewirkte, zum Stadtverordneten gewählt. Hier fand Professor Dr. Jutrosinski seinen eigent- (L.) Posen. Dr. Julius Lißner, ein frühererI lichen Lebensbcrnf. Abgesehen von der praktischen Poscner, der seit einiger Zeit als kommissarischer I Tätigkeit in der Waiseupflege hat er in den Kura- Hilfsarbeiter im Reichsschatzamt tätig ist, wurde zum I torien mehrerer Wohltätigkeitsanstalten lange Jahre Geheimen Regierungsrat ernannt. I gewirkt. Im Jahre 1906 trat er in den Ruhestand. In Ostrowo wurde der Kaufmann Maxi Mannbeim. Herr W. Schuster, der allgemein Spiro zum Mitglicde der H an de ls k ammer I geschätzte Borbeter der Klaussynagoge, feierte dieser gewählt. ITage den Tag, an dem er vor 40 Jahren in Liffa. Kaufmann Sigismund Goldschmidt!den Dienst der hiesigen jüd. Gemeinde trat. Herr ist zum Stadtverordneten gewählt worden. ISchuster, der seine 75 Jahre mit bewundernswerter Mülhausen i. Elf. Armand Bernheim, Frische trägt ist seit 55 Jahren Kultusbeamter Mitglied des israel. Konsistoriums, erhielt den I Barr i. Unter-Elsatz. Der Gememderat erklärte Roten Adler orden 4. Klasse. I il{$! drr 35 e r I c g ii n g de» Rabbi na t » ~ *1 o -x rc , mr c I boit Dambach nach Barr einverstanden. Barr c, §ercenf)<lu§Tmtg(tpb Hofrat R ich a r d I 5000 Einwohner, darunter 130 jüdische Seelen, o rl*!-Cie§' ®ire*£ot öeE Nordbahn, ist im 71. I während Dambach nur 2500 Einwolmer, darunter Lebenslahre gestorben. In seiner Jugend war er 100' iübiftf.e SccIen kmt Offizier im Geniekorps und hat als ftlcher Ar-l Posx«. Als Inspektor und Kantor des Latz'schen ^elttL u&er Feftungsbauten veröffentlicht. I Alters- und Siechenheimes, dessen Einweihung be- Wien. Der Kaiser ge-ubte mittelst Allerböchsten I ».».gebt wurde Kantor Nelken- Briefen berufen Entschließung vom 24. Oktober l. I. durch das! vor,teyt, wuroe rcanwr scelleu-^r,e,rn oerusen. Obersthofmarschallamt laut Zuschrift vom 30. Oktober I 1. I. Zl. 2387 Herrn 3l. H. Z u p n i k, Redakteur I und Herausgeber der „Drohobyczer Zeitung", zu! verständigen, daß die Nr. 14 dieser Zeitung vom! 2. April, enthaltend den Leitartikel: „Die Friedens-! Palme", der Sammlung der k. u. k. Familien- Fideikommiß-Bibliothek einverleibt wurde und daß Majestät Ihren Allerhöchsten Dank ausspricht. Wien, 4. Dezember. Heute besuchte Minister Dr. Ritter von D u l e m b a die vom Galiz. Hilfsverein veranstaltete Spitzenausstellung. Der zion. Reichsratsabg. Prof. Dr. Mahler stellte dem Minister die Herren des Vorstandes vor. I Wien. In Meran starb Dr. Wilhelmin den unerbittlichen Wirbel gezogen in welchem Her sch, der Schöpfer und unermüdliche Förderer I-der dem anderir rede eroberte Scholle Boden neider, des dortigen neuen Genesungsheimes für mittel-!"?., nran sich die Luft streitig macht und einen lose kranke Israeliten, und in Biarritz GeheimratIBifsen Brot dem andern nicht gönnt. I. S. von Poljakow, Präsident der Donischen I Was hier tun, um zu leben? Dem Manne, Agrarbank und einer der bekanntesten Finanz-1 dessen Bild zwar die Strommellen ihr nicht vormänner Rußlands. —! gespiegelt hatten, in der schweren Arbeit behilflich Im hiesigen israelitischen Versorgungshause be-! sein; die Kinder, die in einer immer zahlreicheren ging die aus Duro-Szardahely in Ungarn stam-! Schar sie umgaben, aufpappeln, erziehen. Sie bemende Frau Kath arina Lustig ihren 111. Ge-I sorgte eine Menge Sachen. Sie trug winzige Waren, burtstag in.'geistiger und körperlicher Rüstig-!mit denen sie sich so behängte, daß sic von weitem keit. Interessant ist, daß der Mann der Frau Lustig, I wie eine vorne und hinten bucklige Frau aussah, mit dem sie 70 Jahre, verheiratet, war, 105 Jahre! dann hausierte sie mit Früchten in großen alt . geworden ist. i. I Körben, deren Last ihren Gang zu beiden Seiten □ Bern (Schweiz! Den diesjährigen historischen so schaukelnd machte, als wäre sie arg lahm; dann S e m i n a r v r e i s beim Dies Academicus erhielt I wiederum . . . cand. Phil. Meier Thenen aus Verlad,I Aber ich werde nicht weiter erzählen, was sie Rumänien, für das Thema: „Die Wirren des Jahres I sonst noch war und was Chaje während ihres langen 1848 in Rumänien". — | Lebens getan hat. Nur eine Sache mutz ich sagen. Herr Louis Picard ist von der französischen tzje ging sehr oft auf den Friedhof. Er lag eine Regierung durch Verleihung des Ordens los palmes Werst vor der Stadt, auf sandigem, hügeligem Boden, academiques jur sein^ langjähriges Wirken als inmitten einer niederen Umzäunung. Chaje ging Vorstandsmitglied der Soriets franqaise de bien-! häufig nach jenem sandigen Hügel, und wenn sie saisance in Bern ausgezeichnet worden. ging, fuhr ihr voran auf dem holprigen Master Paris. Der Präsident der französischen Republik! schwankend und klappernd ein Wagen mit einer hat durch Dekret die Namen derjenigen festgesetzt, I länglichen Holzkiste. Dem Wagen folgend, weinte die als die großen Förderer des Natio-lChajc gewöhnlich bitterlich; wenn sie dann von n a l - M u s e u m s auf einer Marmortafelver-I diesem Wege hcimkehrte, hatte die sandige Anhöhe e w i g t werden sollen. Wir finden da die Barone I noch einen Stein aufzuweisen. In diesem Steine Gustav, Eduard, Adolph und Arthur Rothschild und! wurden dann verschiedene Namen eingemeißelt: die Baroninnen Nathaniel und Adolph Rothschild, iChajes Mann,, ein Bruder, der zu ihr sehr gut Noel Bardac, Graf Jsaac de Camondo und Salomon I war, die Mutter, die auf ihre alten Tage bei ihr Reinach. «gewohnt hatte, ein Sohn, der in ihren ausgeweinten London. Das Vestibül des Unterhauses!Augen ein Brillant war, eine Tochter, die in ihren, erhielt ein von einem Juden gespendetesIDornenkranze wie eine Rose geblüt hatte... Chaje. Erzählung von Elise Orzeszko. Deutsch von S. H 0 r 0 w i tz. (Fortsetzung). Die Stadt hatte sie au sich gerissen, — sie fiel wie ein winziges Atom, in die Masse tausender anderer Atome und wurde zusammen Mit ihnen

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