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Neue jüdische Presse · 1909-11-05 · Heft 42 (5.11.1909) · p. Seite 10

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
7 (1909)
Issue
Heft 42 (5.11.1909)
Date
1909-11-05
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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HM C' Sfi^s KSS3£¥S8SKl sas*®ss&**<s Seite 10 Lassar-Cohn iu Königsberg den Roten Adlerorden 3. Klasse mit der Schleife. Am 8. November vollendet S. Jastrow, Flensburgerstr. 10, der Dater des bekannten Professors an der Handelshochschule, sein 90. Lebens - j a h r. Brieg. Aus Anlab des Geburtstags der Kaiserin ist dem hiesigen Stadtrat Emil Friedländer die Rote Kreuzmedaille verliehen worden. Essen. Dem l. Vorsteher der hiesigen Synagogengemcinde Kommerzienrat I s. Hirschland wurde aus Anlaß der Einweihung des neuen städtischen Krankenhauses der Rote Adlerorden 4. Klasse verliehen. Posen. Sanitätsrat Dr. Ko rach, dirigie ender Arzt am städtischen Krankenhausc, erhielt den Titel Professor. (Li) Posen. Im Alter von 59 Jahren verstarb hierselbst der Kaufmann Hermann Lichtenstein, Inhaber eines Zigarrengeschästs. Durch seine Biederkeit und persönliche Liebenswürdigkeit hatte der Dahingeschiedene sein Geschäft aus kleinen Anfängen zur Blüte gebracht, und den größten Teil seiner Kunden verdankte er der überaus sympathischen Art seines Umganges. — In Meseritz feierten die Kaufmann Joseph und Rosalie Rat heischen Eheleute im Alter yon 91 bezw. 74 Jahren das F:st ihrer goldenen Hochzeit. Die ihnen aus diesem Anlaß verliehene Ehejubiläumsmedaillc tvurde ihnen dtirch den Bürgermeister überreicht. Wie«. Horrat Dr. Leopold Oser, ordentl. Universitätsprofessor, Vorsitzender des österr.-ungar. Landessanitätsrates und Direktor des israelitischen Gemeindespitals, war anläßlich seines 70. Geburtstages der Gegenstand vielfacher Ehrungen. Kollegen und Freunde überreichten ihm 20 000 Kr. für eine Leopold Oser-Stiftung. Baron Albert Rothschild hatte von Horowitz sein Bild malen lassen. — Die israelitische Kultusgcmeinde in Teichen erhielt zum Andenken an ihren verstorbenen Präsidenten I. Ph. Glesiugcr von dessen Familie 50 000 Kronen. Florenz. Der hier lebende deutsche Historikkr Dr. RobertDavidsohn erhielt in Anerkennung seines hervorragenden Werkes „Die Geschichte von Florenz" die Würde eines Kommendatore der italienischen Krone. London- Wie „Dewish j World" berichtet, ist Lucien Wolf von seiner Msicht, seine sämtlichen jüdischen Ehrenstellen niederzulegen — auch die im Rate der „Jto" — wieder zurückgetreten. — Im Alter von 47 Jahren ist Adolph Engländer, Präsident der Ostend-Hilfsgesellschaft des Jewish Board of Guardians, Präsident der Bine Court Synagoge rc„ gestorben. Engländer hat die Bambus-Industrie in England eingeführt. — In Liverpool hat I. H. Amschewitz in seinen Wandgemälden für dieStadthalle hervorragende Meisterwerke geschaffen. New-Uork. Der bekannte Kunstfreund James Loeb hat dem „Archäologischen Institut von Amerika" die bedeutende» Mittel gestiftet, damit hervorragende, besonders europäische Gelehrte jährlich archäologische Vortragszyklen in Amerika halten. — In Rockville Centre st a r b Major S a l o m o n Galinger, ein Veteran des Bürgerkrieges und angesehener Politiker. Aus de« Vereine«. Frankfurt a. SB., 3. Nov. Verein .Nachlaß Z w i". Die Gelegenheit, einen jüdischen Schriftsteller von Eigenart über „jüdische Belletristik" zu hören, führte ein großes Publikum, vorwiegend Damen, zum heutabendlichen Vortrage des Herrn Redakteur S. Schachnowitz. In etwa anderthalbstündiger Rede geleitete der Referent die Zuhörer, ausgehend von einer Definition des Begriffs „Belletristik" im allgemeinen, durch alle Perioden jüdischer Literatur, um an zwanglosen Stichproben die Kennzeichen jüdischer Belletristik, Lebenswahryeit und Formenschöne, zu demonstrieren. Die Form der Bibelerzählungen ist eine Kunstofsenbarung herrlichster Art. Schlichte Zeichnung psychologischer Entwicklungen, tiefer Seelenkämpse in fast realisttscher Kleinmalerei, die allen etwa heute gültigen Kunstnormen entsprechen, finden wir in den Lebensschilderungen eines Abraham, Jakob, Moses ic. Besonders in den Büchern der Richter, Könige und Propheten, vorzüglich in den Psalmen sehen wir heute angestrebte künstlerische Jde. > verwirklicht. t o die erhabene Weise, in der der Psalmensänger auf ihn einstürmende Naturereignisse in ihrer Gesamterscheinung auf sich wirken läßt. Die talmudische Literatur wieder birgt die herrliche Haggadah, welche abstrakte Begriffe, Lehren der Ethik in reizendes Gewand kleidet. Die Sammlung der Midraschim, die Kinnaus und Selichaus des Mittelalters, in denen der Schmerz der jüdischen Volksseele widerballt, sind eine unerschöpliche Quelle für Schristsuller. Die Blütezeit der Frankfurter Israelitisches Familienblatt. spanischen Dichterperiode bringt eine jüdische Belletristik von bunter Mannigfaltigkeit hervor, die alle möglichen Gebiete umfaßt. Durch die Wogen, die die Befreiung aus dem Ghetto in der jüdischen Literatur schlug, führt uns der Redner, um an einer ganzen Reihe sprechender Beispiele die Absenker zu illustrieren, die der, der allgemeinen Zeitstimuiung entsprechende, jüdische Schmerz in der Poesie der Dichter des Weltschmerzes hinterließ (Byron, Heine). Der plötzliche Ausschwung, den die osteuropäische Ghettoliteratur nahm, und seine Ursachen ziehen in sehr eingehender Betrachtung an uns vorüber, und dem vortviegcnd pessimistischen Unterton dieser Erzeugnisse stellt der Redner die innerlich harmonische Kunst eines Lehni a u n gegenüber. Jedoch fordern die heute geltenden Kunstregeln und' die Geschmackrichtung der Zeit in der Hauptsache zweifellos eine andere äußere Form. Diese Aufgabe, die Merkmale echt jüdischer Belletristik, nicht nur Lcbeuswahrheit, sondern auch Formenschöue, einer ueuerscheiueuden Literatur wieder zuzusühren, will der „Jüdische Bolksschristcnverlag" erfülle», der schon schöne Ansätze zeigt. Es ist das lesende Publikum, so schließt der Redner, dessen Urteil die einzige Instanz für die Approbation des Schriftstellers darstcllt, das durch seine Unterstützung an einer „jüdischen Belletristik" mit zu schaffen geeignet ist, die sich den Idealen altjüdischer Erzählungskunst wahrhaft nähert. Perl. . . Frankfurt a. M., 4. Nov. »Monte fiore"- Verein. — In seinem gestrigen Vortrage „D i e Geschichte der jüdischen Wohltätig!?i t" verstaird cs Herr Dr. B. M a h, einen einförmigen Stoff lebendig zu gestalten. Er schilderte zunächst die Verordnungen der Bibel, die sich mit dem Armen beschäftigen. Durch eine weise Sozialgesetzgebung, besonders durch die Verpflichtung der Besitzenden, Abgaben an die Nichtbesitzenden zu leisten, wird eine eigentliche Armut zur Unmöglichkeit gemacht. Mit der Zerstörung des jüdischen Reiches tritt eine durchgreifende Acnderung ein, indein die Verpflichtung, für die Armen zu sorgen, auf die Gemeinde übertragen wird. Ein Vorsteher (Gabbai) hatte selbständig und nach keiner Seite hin zur Rechnungsablage verantwortlich die Armenpflege unter sich, während das Einsammeln der Spenden stets durch zwei Personen geschehen »rußte. Redner schilderte nun, wie sich die Wohltätigkcitspflege innner mehr spezialisierte, und benutzte hierbei besonders die verdienstvolle Schrift des Herrn Rabbiner Dr. M. Horovitz. Aus der Wohltätigkeitspflege unserer Vorfahren im Mittelalter seien hier die „Vereine zum Loskausen von Gefangenen" hcrvorgehoben; auch sei hier festgehalten, daß, ivie Professor Dr. Berliner mitteilt, der „Verein zur Ausstattung von Bräuten" in Rom bereits um das Jahr 1600 eine Vorsteherin hatte. Frankfurt a. M. ..Gekrönte Proselyten im Iudentum" lautete das Thema, das sich Herr Rabbiner Dr. D o c t o r - Cassel zu seinem Vorträge im Verein für j ü d. Geschichte und Literatur gewählt hatte. Wir hörten, wie Mftgliedcr des kaiserlichen Hauses in Rom zum Judentuin übertreten, so Favius Kleiueus, der Vetter des Kaisers Domitian, und wahrscheinlich auch Poppäa, die Geinahlin des Kaisers Nero. Der Redner führte uns sodann nach Palmyra in Klein-Asien, dessen Kaiserin Zenobia, die Freundin des Philosophen Longinus, im Jahre 267 Jüdin wurde. In Atiabane am Tigris trat sogar das ganze Königshaus (etwa um das Jahr 50 unserer Zeitrechnung) zum Judentum über, und viele der Atiabener kämpften als Freiwilligc in den jüdischen Kriegen. Großes Interesse des Publikums erregte auch die Schilderung der geschichtlichen Begebenheiten in Arabien, wo der König von Jemen (Arabien) um das Jahr 500 zum Judentum übertrat, sowie auf der Krim, wo um das Jahr 700 das ganze Volk der Chazaren jüdisch wurde. Frankfurt a M. Die Bereinigung zur Pflege von Literatur u. Geselligkeit ersucht uns bekanntzugeben, daß Eintrittskarten zu 3, 2 unÄ 1 Mk. zu der am 14. November 1909 stattfindcnden Schillerfeier, die obige Vereinigung bekanntlich gemeinsam mit der Frankfurter Ortsgruppe des deutschen Schillerbundes in der Frankfurt-Loge veranstaltet, durch Karte bei Herrn Alfred Leder mann, Weiherstr. 6, zu bestellen sind. Da schon eine große Anzahl Bestellungen vorliegt, ist es angebracht, sich baldigst mit Karten zu versehen. Aus der zionistischen Bewegung. Frankfurt a. M. Wir machen auch an dieser Stelle darauf auftnerksam, daß Herr Dr. Heinrich Löwe-Berlin, einer der hervorragendsten zionistischen Redner, Samstag abend 8% Uhr in der hiesigen Zion. Vereinigung sprechen wird. Der Vortrag, der auch für Damen bestimmt ist, findet Sellerstraße 22 statt, und ist der Eintritt frei. Berlin. Die hiesige jüdisch-nationale Frauenvereinigung hat sich die Ausgabe gestellt, jüdische alleinstehende Kranke zu besuchen und ihnen Lektüre aller Art im Jargon oder in russischer Sprache zu bringen. Es wird daher M 42 an die geehrten Leser dieses die Bitte gerichtet, durch Zuwendung solcher Schriften die Arbeit fördern zu helfen. Gefl. Zusendungen nimmt mit Dank entgegen Frau Lina Wagner - Tauber, Berlin, Prenzlauer Allee 9. Berlin. Aus Konstantinopel erhält die „N. I. -K." von ihrem dortige» Korrespondenten folgendes Telegramm: Die von der „Wiener Politischen Korrespondenz" verbreitete Nachricht, die Zionisten hätten durch Vermittlung der türkischen Abgeordneten, die kürzlich Paris und London besuchten, Verhandlungen n:it der türkischen Regierung tvcgen der Einwanderung jüdischer Kolonisten nach Palästina einzuleiten versucht, seien aber bei der türkischen Regierung auf ein st a r k e s M i ß t r a u e n gestoßen, ist vollkommen e r f u u d e n. Der Minister des Inneren Talaat Bey läßt osfiziell erklären, daß die Nachricht der „Wiener Politischen Korrespondenz" jeder tatsächlichen Unterlage entbehre und der Negierung ein übelwollendes Verhalten zum Zionismus inauguriere, das zu zeigen sie keinerlei Veranlassung habe. Es handelt sich also hier wieder einmal um eine jener Jntriguen, die geeignet sein könutcu, die jüdische Kolonisation Palästinas ernstlich zu schädigen, wenn die Haltlosigkeit der geflissentlich verbreiteten Gerüchte sich nicht glücklicherweise immer gar so schnell erwiese. Bedauerlich ist nur, daß von jüdischer Seite die öffentliche Meinung Westeuropas innner wieder s y st e m a t i s ch i r r c - geleitet wird — zu keinem anderen Zweck, als um eine manchen Leuten mißliebige Bewegung zu diskretieren. Hamburg. Donnkrslag. den 23. und Freitag den 24. Dezember wird hier einDelegiertentagderrns.sischenzionistischenOrganis a t i o n abgchalten. Pretzburg. Samuel Bettelheim, Mitglied des zionistischen Aktionskomitees, hatte gelegentlich dessen Aufenthalts in Prcßburg eine Unterredung mit Teivfik Riza Bey, dem Führer der Jungtürken. Tcivfik Riza Bey erklärte, daß.er der zionistischen Sache seine besten Sympathien eutgegcnbringe. Werde die zionistische Sache cinmal vor das Parlament kommen, so werde er mit aller Entschiedenheit dafür eintreten, und er glaube, daß sein Wort gehört werden wird. Was die Registrierung der jüdischen Einwanderer betreffe, so geschehe diese nicht mit Einwilligung der Oeffentlichkeit, sondern nur auf Anordnung des gegenwärtig grade amtierenden betressendcn Ministers. London. Friedensrichter Moser- Leeds, einer der angesehensten Zionisten, besonders bekannt durch seine große Spende für das Hebräische Gymnasium in Jaffa, feiert am 28. November seinen 70. Geburtstag. — „Jewish Chroniclc" meldet aus Konstantinopel: In ciucm von dem Wakufminister H a m a d a Pascha dem Großvezier überreichten Projekte regt der Minister die K u l t i v i e r n n g von Mesopotamien an, tvelchcs ein unbebantcsAreäl von 67 Mill. Hektar umfaßt. Die für die Kultivierung in Betracht kommende Region erstreckt sich von der Provinz Diarbekir bis zum persischen Golf. Trotzdem der Boden der fruchtbarste und ergiebigste in der ganzen Welt ist, liefert er dem Staat keinen Ertrag. Vor zehn Jahrhunderten, zu Zeiten des Harun-al-Raschid, war Mesopotamien von 30 Millionen Menschen bewohnt und vollständig bebaut. Hamada hofft dieses Gebiet mit Inden und Sudanesen zu bevölkern. Aus der Lehrerwett. Gleiwitz. Am 31. Oktober 'feierte Rabbiner Dr. W i l h e l m M ü n z sein 25 j 8 hriges Amtsj u b i l ä u m. , Dr. Wilhelm Münz wurde als Sohn des Rabbiners von Kempen geboren und erbte von seinen: Vater die literarische Begabung. Er hat veröffentlicht: „Die Grundlagen der Kant'schen Erkenntnistheorie," „Ritualmord und Eid," „Die Judenmctzeleien in Rußland," „Es werde Licht" und das belletristische Buch „Einsames Land." Markirch in Ober-Elsaß. Im Alter von 63 Jahren v e r s.ch i e d der sehr geachtete Religionslehrcr und Kantor Jakob Lang. Metz. Das Israel. Konsistorium hat beschlossen, je ein neues Rabbinat in Diedenhofen und in Mörchingen zu gründen. Reichshofen. Lehrer I. Jacob erhielt anläßlich seines 50jährigen Dienstjubiläums den K r o - nen-Orden 4. Klasse. Würzburg. Im Alter von'64 Jahren verstarb hier Lehrer SamuelKurzmann,der ein frommer Jehudi und Talmudgelehrter war. Bereius-Kaleuder. Samstag. „Montefiore"- Verein, 11—12 Uhr, Seilerstr. 22: Vorlesung über Kedanschim (Dr. B. Matz). — Verein „Mekor Chajim," 3hd Uhr: Mikro-Vortrag (Fritz Wohlfarth). — Franksnrter Zionistische Vereinigung, 83{i

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