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Neue jüdische Presse · 1909-10-22 · Heft 40 (22.10.1909) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
7 (1909)
Issue
Heft 40 (22.10.1909)
Date
1909-10-22
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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»isgJsssftaäBss® Leite 4: Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Nr. -40. Paris. Infolge der Ernennung des Obersten H e Y m a n n zum Brigadegeneral, hat F-rankreich jetzt drei aktive jüdische Generäle, nämlich: H e y m a n n, Valabreguc und D e n n c r t). Konftantinopel. Das Saloniker Tribunalmitglied I. Israel wurde zum Chef des Polizeikomm a u d o s in Pera, der Vorstadt Konstantiiwpcls, ernannt. Rew-Aork. Der bekaimte Journalist Albert Pult her, der Bruder Joseph Pulitzer's, des Eigentümer der New Jork World, st a r b in Wien. — Die „Vereinigung der amerikanischen Stadtverwaltungcn" hat David E. Heinemann aus Detroit, bekannt als den besten Kenner des amerikanischen städtischen Lebens und seiner Einrichtungen, einstimmig zu ihrem Präsidenten gewählt. Aus der ziouisttsche» Bewegung. Hamburg. Mitteilung des Büros des IX. Zionisten- Kongresses (Große Bleichen 65 I.). — Für die Ausgabe von Tribünenkarten für Gäste ist die Bestimmung getroffen worden, daß ein Teil der verfügbaren Plätze als numerierte Sitze für Voranmeldungen reserviert wird. Solche Anmeldungen sind unter Beifügung einer Vormcrkungsgebühr von 1 JL (auch in Briefmarken aller Länder) pro Platz an das Kongreß-Büro zu richten. Hamburg. Ende September verstarb eine treue christliche Freundin der zionistischen Bewegung, die 72jährige Frau Pastorin Fromm zu Teterow in Mecklenburg. Die Heimgegangene stand jahrelang mit der Leitung der Hamburger zionistt scheu Ortsgruppe in Fühlung und bewies ihr leb Haftes Interesse durch rege Anteilnahme an dem Fortgang der Bewegung, soivie durch häufige und reiche Spenden für die verschiedenen zionistischen Institutionen. Die Ortsgruppe pflanzte in dankbarer Erinnerung 5 Oelbäume im Herzlwald auf den Namen der Entschlafenen. . Nürnberg-Fürth. Zionistische Ortsgruppe. Am 10. er. hatten wir die Ehre, Herrn Dr. Mose s'- Mannheim bei uns sprechen zu hören. Ein zahlreiches Publikum fand sich ein zu seinem Vortrage „Zionismus in Deutschland". In vorzüglicher Disposition und meisterhafter Weise begründete er die historische und logische Notwendigkeit des Zionismus in der von Herzl ins Lebe» gerufenen politischen Form als einzig mögliche Lösung der Judenfrage. Herzl habe durch seine politische und diplomatische Betätigung das jüdische. Volk bei den andern Kationen zumersten Male wieder akkreditiert. Eingehend .behandelte der Redner die Gründe, die die deutschen Juden veranlaßtcn, sich dcni Zionismus fernzuhalten. Die scheinbar ernsten und * stichhaltigen Eit »Wendungen bis zur erfolgten Denunziation unterzog Herr Dr. Moses einer scharfen Kritik, er widerlegte die Gegengründc so treffend, daß für xine Diskussion ein Stoff nicht mehr blieb. Der Erfolg war denn auch ein guter. Sofort und auch nachträglich erfolgten Anineldungen, so daß wir Aussicht haben, zum IX. Kongreß allein einen Delegierten entsenden zu können. ,-Odessa. Die Gesellschaft zur Unter» stützung jüd. Ackerbauer und HandwerkcrinSyrienundPalästina veröffentlicht folgenden Aufruf: . Am 18. Chcschwan d. I. (2. November) werden es 25 Jahre sein, seitdem in der Stadt Kattowitz die. erste Konferenz der Chowcwc-Zion zusammen getreten ist, jene Konferenz, die von den Schöpfern und den ersten Führern unserer nationalen Bewegung, wie Dr. Pinsker, David Gordon, Rabbi Samuel Mohilewcr, P. Rabinowitz u. a. ins Leben gerufen wurde und nachmals in der Enttvicklung unserer Bewegung einen Ehrenplatz cinnchmcn sollte. .Bescheiden und anspruchslos war die .Kattowitzer Konferenz, ihre Bedeutung in der Geschichte unserer Bewegung kann. aber nicht hoch genug cingeschätzt werden. — Der Gedanke der nationalen Wiedergeburt, der damals erst im Entstehen begriffen war und in der Chibath - Zion - Bewegung feinen bescheidenen Ausdruck fand, war in jenen Tagen nicht mehr als das intime Ideal einiger weniger Männer, die von praktischer Betätigung sehr weit entfernt waren. Er hatte keinen konkreten Inhalt, keine konkrete Form. Die vereinzelten und versprengten Kräfte der ersten Chowcwe Zion . fanden vor sich nichts, was das Objekt ihrer Tätigkeit, oder Bestrebungen hätte bilden können, und cs braucht nicht erst gesagt zu werden, daß' für eine nationale Tätigkeit in planmäßiger, organisierter g-orin kein Raum war, da die notnotwendige Voraussetzung hierfür fehlte: cs fehlte die zentrale Institution, das berufene, autoritative, unentivegt wirkende Zentrum, wo sämtliche Fäden der Arbeit zusammenliefen, die die Keime der zukünftigen Entwicklung in sich berge. Eine solche Institution gab uns die .Kattowitzer Konferenz. Das Odessaer Palästina - Komitee, das im Jahre .1890 die offizielle Sanktion crhielt, ist. ein Produkt .der Kattowitzer. Konferenz. Mt der Gründung des Komitees trat unsere Bewegung in ein neues Stadium ein, in das Stadium vereinheitlichter, planmäßiger und organiicrter Arbeit. Auf diese Weise betrat unsere Bewegung den für jede öffentliche Betätigung, ganz besonders aber für jede große Bolksaktion einzig gangbaren Weg. Die Kattowitzer Konferenz darf also als der erste Keim angesehen werden, dem unsere nationale Arbeit in den verschiedenen Formen entsprossen ist, die sie im Lause ihrer fünfundzwanzigjährigeu stufeuweisen Entwicklung augeuommcn hat. Das Odessaer Palästina-Komitee sieht es daher als seine heilige Pflicht an, seinen Freunden allerorts zu empfehlen, das 25 j ä h r i g c Jubiläum der Kattowitzer Konferenz feierlich z u begehen und am Sonntag, 23. Chcschwan, dem Schlußtage der Konferenz, folgende Veranstaltungen zu treffen: 1. In den Synagogen soll das Andenken jener verewigten hervorragenden Chowcwe - Zion, die sich an den Kattowitzer Beratungen beteiligten,*) allen voran das Andenken des Vorsitzenden der Konferenz Dr. Pinsker durch eine Gedenkfeier (Haskorath-N'schomaus) geehrt und entsprechende Gedenkreden gehalten werde». 2. -Des Fernern soll an diesem Tage zu gunstcn des vom Odessaer Palästina - Komitee gegründeten und den Namen Dr. Pinslers führende» palästinensischcn Schulfonds eifrig gesammelt werden. Wir hoffen, daß unsere Freunde und . Gesinnungsgcnosscn bestrebt sein werden, unseren Anregungen zu entsprechen und so das Andenken der ersten zionistischen Konferenz und der ersten hervorragenden Führer unserer Regenerations-Bewegung würdig zu feiern. Das Odessaer Palästina-Komitee Der Präsident M. U s s i s ch k i n. 25. Tischri 5670. Aus der Lehrerwett. Breslau. Der oberlchlesische Gemeindeverband hat für die rabbinerlosen Gemeinden ' seines Bezirks Dr. N i s.ch k o w s k i aus Berlin alsWandcrr a b b i n c r in Aussicht genoinmen. Solingen. Lebrer Josef feiert am 31. Oktober feilt 25 jähriges Jubiläum als Kantor und Rcligionslehrcr der hiesigen jüd. Gemeinde. Sierenz. Soeben kommen wir vom Friedhofe in Hcgcnheim zurück, wo wir einen trotz seiner Jugend tief gebildeten und äußerst gelehrten Mann, Herrn Rabbiner H. L e v y zur letzten Ruhe gebettet haben, der am vergangenem Mittwoch seine reine Seele ausgehaucht hatte. Der Verblichene,'der Feit fast 15 Jahren krank war, hatte die letzten Monate seines Lebens im israel. Spital in Basel zugebracht, wo ihm die sorgsamste Pflege zuteil geworden; doch die tückische Krankheit machte immer mehr Fortschritte, und so mußte er denn seinem Leiden im schönsten Lebensalter erliegen. In Basel bedauerte den Heimgang des frommen Dulders im Namen der dortigen jüdischen Gemeinde Herr Rabbiner Dr. Cohn, den Tod seines besten Schülers Herr Rabbiner Dr. Staritz o l s k y - Zabcrn und den seines Kollegen im Namen seiner Heimatstadt Oberehnhcim und im Namen des Nabbincrverbandes dessen Präsident Herr Dr. Bloch. In der Leichenhalle, des israel. Friedhofes zu Hcgenheim wechselten die Rede des Herrn Dr. Schüler-St. Ludwig, der den Tod seines intimen Freundes und Nachbarkollegen beklagte und den großen Verlust der Gemeinden schilderte und . diejenige seines Freundes Herr Dr. Marx- Westhofen mit Rezitationen von Psalmen durch den Hegenheimer Kantor Herrn Warsz a w s k i ab. Nachdem am offenen Grabe Herr Rabbiner Dr. Meyer-Thann von dem Verstorbenen als Verwandten Abschied genommen hatte und die üblichen Gebete gesprochen waren, rollte Scholle auf Scholle hinab, und wir schieden mit dem festen Vorsatze, daß wir dem so früh Entrissenen stets ein ehrendes Andenken bewahren werden. Die Tochter des Kardinals. Historische Erzählung von Friedrich Rott. (Fortsetzung). Die Nacht verging ohne jeden störenden Zwischenfall, und als der Papst am Morgen erwachte, fühlte er sich so frisch und so wohl, daß er das Bett verlassen hätte, wenn Rabbi Jizchak cs zugegeben hätte. Jedoch erst gegen Mittag war es Rabbi Jizchak möglich, den Vatikan zu verlassen. Er begab sich *) Dr. Leon Pinsker, Rabbi Samuel Mohilewcr, Dr. I. M. Rabbinowitz, Alexander Zederbauni, David Gordon, Klvnimvs Wissotzky, Jakob Daiches, L. Kliwansky, M, Moses, I. M. Mayersohn, Dr. Drübinowitz, L. Schalit, H.-Kalischer. ' zunächst in seine Wohnung, seine Kleidung zu wechseln, und dann in das Ghetto, um bei einem Glaubensgenossen sich ein Mittagessen bereiten zu lassen. Hier war cs auch schon bekannt, daß ein fremder jüdischer Arzt den» Oberhaupt der herrfchendcii Kirche das Leben gerettet; überall begegnete man ihm mit freudiger Zuvorkommenheit, und mehrere der Reichsten drangen in ihn, wenigstens vorläufig ihre Gastfreundlichkeit anzunehmen. Doch inr Augenblick wollte er sich auf nichts einlassen, es zog ihn vor allem nach dem Palast des Kardinals, wo er sich von seinem Liebling erwartet wußte. Gleich nachdem er gegessen hatte, machte er sich daher auf den Weg, und bald hatte er sein Ziel erreicht. Die Diener begrüßten ihn mit übergroßer Höflichkeit und geleiteten ihn zur jungen Contessa. Mit lautem Jubclschrei flog Tirza ihm entgegen und hing sich an seinen Arm. „Baterkc, Vaterle! Gott sei Dank, daß Du endlich da bist! Ich habe schon geglaubt, daß Du mich ganz vergessen hättest." „Wirklich?" „Aber nein, so dumm bin ich nicht, wenn ich auch zuweilen dummes Zeug plaudere. Und dann habe ich's doch auch gewußt, daß Du nicht früher kommeii konntest, tvcil Du den kranken Papst behandelst. — Ach Vaterle, wie habe ich mich gestern Abend gefreut, als mein Oheim so viel Schönes von Dir erzählt hat, wie Du Dich mit den dummen italienischen Aerztcn gestritten hast und wie der kranke Papst zuletzt gesagt hat, sie sollen fortgehen und Du allein sollst ihn behandeln, und wie Du gleich augefangen hast und wie man gleich gesehen hast, daß alles, was Du angeordnet und gemacht hast, dem Kranken gut tut. Du kannst Dir gar nicht denken, Vaterle, wie mich das gefreut hat und noch freut. Aber warum schaust Du mich so an, Vaterle? — Gefalle ich Dir nicht in dem neuen Kleid?" „Warum nicht? Aber ich habe nicht viel Zeit, und möchte nur hören, wie es Dir geht." „Vaterle, ich müßte wirklich undankbar sein, wenn ich sagen wollte, daß cs mir nicht gut geht. Und wenn Du nur ein bischen mehr bei mir sein könntest, oder ich bei Dir, dann würde ich sagen, daß es mir sehr gut geht. Denn der Oheim ist sehr, sehr gut gegen mich, ich glaube, er möchte am liebsten meine Wünsche erraten, um sie zu erfüllen, noch bevor ich sic ausgesprochen habe. Und er muß auch sehr reich sein, sonst könnte er doch nicht so ungeheuer viel Geld für meine Kleider ansgcbcn. Die schönsten sind beinahe so dünn wie Spinnweb, ich glaube, wenn ich sie zweimal getragen habe, werde ich sie fortwerfen müssen. Das habe ich ihm gejagt, da hat er gelacht und hat gesagt, ich sollte nur fortwersen, was vcrdorben ist und was mir nicht gefällt, er würde mir Geld geben, so viel ich haben wollte. Und da habe ich mir nun vorgenommen, mir Mühe zu geben, um möglichst rasch gut italienisch sprechen zu lernen, und dann werde ich viel ausgehen und mich nach armen Leuten umsehen." Er nickte ihr liebevoll zu. „Mein gutes Kind! — Ich hoffe auch, daß es Dir vergönnt sein wird, viel Gutes zu'tun; das Wie. müssen wir aber-noch überlegen." . - „Nun ja, ich allein würde mit dem vielen Geld vermutlich auch viel dummes Zeug machen; aber Du wirst mir raten, wirst mir helfen; das ist doch selbstverständlich? Nicht wahr?" „Daß ich rate und helfe, wenn Du meinen Rat oder meine Hilfe verlangst, ist freilich selbstverständlich; aber —" „Aber denke Dir nur, was der Oheim gesagt hat, ich sollte Dich doch nicht Vater nennen, das wäre so lächerlich, denn Du wärst doch viel zu jung, um in Wirklichkeit wein Vater zu sein. Ist das nicht komisch?" „Das ist allerdings komisch, denn wenn sic mir nicht als kleines Kind durch den Tod entrissen wäre, so hätte ich eine Tochter genau in Deinem Alter." . „Wirklich? das werde ..ich dem Oheim sagen, dann kann er es nicht mehr lächerlich finden." „Ich würde Dir raten, nicht wieder davon anznfangen, sondern in seiner Gegenwart mich nicht wieder Vater zu nennen." „Das würde ihm nicht genügen; er will, daß ich Dich überhaupt nicht mehr Vater nennen soll. Zuerst hat er gesagt, ich sollte Dich einfach bei Deinem Namen nennen; aber als ich ihm erwidert habe, daß das unmöglich wäre. Dein Name wäre mir heilig, den würde ich nie über meine Lippen bringen, da meinte er, ich könnte doch Freund zu Dir sagen, amico. Was meinst Du, aniico mio?" Sie hatte die beiden letzten Worte mit solch unyergleichlicher Innigkeit ausgesprochen und dabei mit ihrem liebreizendsten Lächeln zu ihm aufgesehen, daß er unwillkürlich mit der Hand nach dem Herzen fuhr, cs klopfte plötzlich übermäßig rasch. „Nenne mich wie Du willst," erwiderte er mit seltsam verschleierter Stimnie. „Also gutamico mio. Aber ich muß Dir noch etwas sagen. Dem Oheim gefällt auch mein Name nicht, er höre sich so hart an, für die harte deutsche Sprache,, wäre er vielleicht passend, aber im. italienischen könne man ihn - nicht gebrauchen.

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