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Neue jüdische Presse · 1909-07-23 · Heft 28 (23.7.1909) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
7 (1909)
Issue
Heft 28 (23.7.1909)
Date
1909-07-23
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. FrsnffM« AraeKlWeS FmnMeMM. - Nr. 28. verzweifelte Lage geraten. Mit dem „Rindam" der Hamburg « Amerika - Linie sind über 300 Passagiere der Dl Klasse und 800 Zwischendecchaffagiere angekommen. Bon den ersteren befassen 215, von den letzteren etwa 500 keine 25 -Dollars. Sie alle sollten nun als „unerwünschte Elemente" zurückgeschickt werden. Herzzerreißende Szenen spielten sich unter diesen Unglücklichen ab. In den Einwanderer-Logis auf Ellis-Island herrschte eine nie dagewesene Enge und Ueberfüllung. Auf das Flehen und Jammern der Betroffenen erklärte der Kommissar, er werde diesmal noch ausnahmsweise gestatten, daß sie von ihren Verwandten abgeholt werden, wenn diese die Garantie dafür übernehmen, daß die Einwanderer dem Staat „nicht zur Last fallen" würden. Bon der neuesten Beschränkung werden die jüdischen Emigranten' am harte sien getroffen, da sie nach den statistischen Feststellungen am wenigsten Barmittel besitzen. Und wenn die neue Bestimmung in der Weise Anwendung finden sollte, daß jeder einzelne Emigrant, nicht jede Familie, 25 Dollar besitzen muß, s o bleibt Nordamerika für die jüdische Massenemigration so gut wie geschlossen! „N. I. K." New-Aork. Die 850000 Juden New-Jorks besitzen 1191 öffentliche Institutionen, und zwar 7 nationale, 809 philanthropische, 148 Krankenhäuser und Asyle und 227 Bildungsanstalten. Für diese Institutionen werden insgesamt ca. 40 Millionen Mark jährlich aufgewendet. Palästina. Jerusalem, im Juli. Durch die segensreiche Tätigkeit, welche Herr Dr. Erlanger hier entfaltet, ist der Verein Lemaan Zion in der heiligen Stadt und Umgebung zu großer Popularität gelangt. Keine Sprechstunde, in der weniger als 100 Patienten behandelt würden. Dabei werden alle zufrieden gestellt, indem bei keiuem Hilfesuchenden der Erfolg ausbleibt. Besonders verdienen zwei Operationen von Graustaar erwähnt zu werden. Herr Heilpern, ehemaliger Direktor des Cookschen Reisöbureaus, bekannt von der deutschen Kaiserreise her, bekam plötzlich den Graustaar. Nach längerer Behandlung.seitens des englichen Augenarztes wurde er als unheilbar entlassen. Herr Dr. Erlanger, an den sich der Patient in seiner Not gewandt hatte, nahm jedoch eine Operation vor, die vortrefflich gelang und „ dem Patienten sein Augenlicht zurückgab. Ein zweiter Fall von Graustaar trug Herrn Dr. Erlanger den Königstitel von Abu Dis ein. Abu Dis ist ein kleines Dorf, unweit vom toten Meere gelegen. Touristen, die sich in der Regel von hier aus nach dem 5 Stunden entfernten Kloster Mor Saba begeben, hatten an den Schech von Abu Dis, heute ein Mann von einigen 70 Jahren, eine Medjidi zu zahlen, indem er allein in dieser unwirtlichen Gegend das Recht der Eskorte hatte. Zu diesem Zwecke unterhielt Schech Reschid ein eigenes Heer von etwa 50 Mann. Daß er infolge seiner Macht allgemein gefürchtet war, ist leicht denkbar. Als Belohnung dafür, daß er über seine Schutzbefohlenen mit sorgsamem Auge wachte, erhielt er von fremden Hpfen mehrere Auszeichnungen, von Cook et Sons aber eine schwere goldene Uhr. Unser Schech hatte nun das Unglück, den Staar zu bekommen. Da blieb ihm, dem Armen, der gewohnt ist, zu nehmen, nichts anderes übrig, als sich in Behandlung des Herrn Dr. Erlanger zu begeben. Gleich nach glücklich bestandener Operation rief der biedere Schech aus Dankbarkeit den 'Erretter seines Augenlichts zum König von Abu Dis aus! H. Jerusalem. Im Monat Juni wurden durch die Aerzte des Vereins Lemaan Zion 1154 diverse Kranke und 2460 Augenkranke behandelt. Ferner wurden 4 kleinere und 3 größere Äugenoperationen ausgeführt und 127 Impfungen vorgenommen. Die Apotheke verfertigte 1567 Rezepte. Die Tochter des Kardinals. Historische Erzählung von Friedrich Rott. Fortsetzung). „Der Schein kann trügen," erwiderte der Hochwürdige. „Ich muß Euch offen gestehen, lieber Doktor, die Angelegenheit, die Ihr mir da vorgetragen habt, ist mir nicht fremd; fremd ist mir nur, daß das betreffende Weib Eure Tochter ist; das hat mir der dortige Pfarrer, der mich in dieser Angelegenheit instruiert hat, nicht mitgeteilt. — Wozu hätte er das apch mitteilen sollen? Wer richten soll, darf sich um das Ansehen der Person nicht kümmern!" — „Wer doch um die Unschuld des Angeklagten, hochwürdiger Herr. — Ich beschwöre Euch, rettet mein unschuldiges Kind!" „Wenn die Unschuld Eurer Tochter erwiesen wird, wird ihr kein Haar gekrümmt werden, dafür stehe ich Euch. Wer die Anklage ist auf Tatfachen gegründet, die Ihr schwerlich werdet wider, legen können. Und dann — Ihr seid doch ein einsichtsvoller gottgläubiger Mann — und wer mit offenen Augen sich unischaut in der Welt, der'wird nur allzu oft die Spuren des Bösen erkennen, der darin lein Wesen treibt. Ist er doch selbst unserm Heiland als Versucher entgegengetreten! — Wer ist es denn zu verwundern, wenn ein unbeschütztes junges Weib der Versuchung unterliegt?" „Meine Tochter war nie unbeschützt," stammelte der Rabbi, mehr und mehr die Nutzlosigkeit seines Flehens erkennend, „nie hat sie zur Abendzeit das Haus verlassen." „Wer Ihr wäret .den größten Teil des Tages nicht daheim, habt auch oft in der Nacht Euer Haus verlassen müssen, — und da habt Ihr es nicht wehren können, daß in Eurer Wwesenhcit der Böse sich in Euer Haus geschlichen hat, daß er in ihrem Kämmerlein mit Eurer Tochter gebuhlt hat." Ein Aechzen entrang sich des schwer getroffenen Mannes Brust bei diesen hirnverbrannten Anklagen. „Tröstet Euch," bat der Bischof in salbungsvollem Tone, „gedenket des Schriftverses: Schmerzt dich dein Auge, so reiße es aus." „Mein Kind, ist mir teuer wie mein Augapfel, und nie hat es mir auch nur den geringsten Schmerz verursacht." „Das glaube ich Euch, denn es gebrach Euch an Zeit, ihr Treiben zu gewahren, sonst hättet Ihr selbst sie dem Gericht überliefert, das traue ich Euch zu, denn Ihr seid ein gottesfürchtiger Mann vom Scheitel bis zur Sohle; und darum werdet Ihr auch einschcn, daß jede christliche Gemeinschaft verpflichtet ist, den Spuren des Bösen nachzuforschen, und wo sie solche findet, selbe auszurotten mit Stumpf und Stil. — Doch ich wiederhole: dein Unschuldigen wird kein Haar gekrümmt, aufs sorgfältigste wird die Angeklagte verhört, untersucht und der Probe unterzogen, und nur wenn alle Ergebnisse stimmen, wird sie verurteilt." Kalter Schauer durchrieselte den Rabbi, wenn er des Verhörs, der Untersuchung und der Probe gedachte, denen das unschuldige junge Mädchen unterzogen werden sollte. Es schien ihm unmöglich, daß sie all dieses werde überleben können. Der Bischof, der seinen Schmerz sah,, schüttelte mißbilligend das Haupt. „Ihr gebt Euch zu viel hin, Doktor, das ist nicht wohlgetan. — Bedenket doch: wohin käme die Christenheit, wenn sie alle Ränke des Satans ungesühnt lassen würde?" Der Doktor antwortete nicht sofort, er schien in fieses Sinnen versunken. Endlich richtete er sich stramm auf, und zwar noch mit heiserer, doch mit seltsam ruhiger Stinime sprach er: „Gestattet mir, hochwürdiger Herr, die Frage zu wiederholen, die ich bereits einmal an Euch gerichtet habe: welcher Schuld ist meine Tochter angeklagt?" „Ihr wißt es doch, daß sie beschuldigt wird, die verstorbene Gräfin Turnek und deren Sohn, den Grafen Arnulf verhext zu haben." „Das weiß ich allerdings. Aber ich möchte Euch bitte», hochwürdiger Herr, mir mitteilen zu wollen, worin sich dieses gezeigt haben soll." „Die Frage will ich Euch gern beantworten. Graf Turnek soll um ihretwillen mit seiner bisherigen Verlobten, der Baronesse Holms, gebrochen haben, und weil sein Oheim, der Vater der Baronesse, ihn dieserhalb zur Rede gestellt und ein ihm mißliebiges Wort über Eure Tochter geäußert haben soll, darum hat er dem Baron von Holms, dem Bruder seiner Mutter, sein Haus verboten." „Das war mir nicht bekannt," erwiderte Rabbi Jizchak, „und liegt es mir fern, das Vorgehen des Grafen Turnek rechtferfigen oder auch nur beschönigen zu wollen. Aber hochwürdiger Herr, Ihr seid durch Euer» Stand zwar gefeit gegen dasjenige, was die Menschen verlieben nennen; dennoch wird es Euch bekannt sein, daß es keineswegs zu den Seltenheiten gehört,' daß ein junger Mann sich in ein schönes Mädchen vergafft und sich um ihretwillen zu den größten Dummheiten verleiten läßt. Dabei mutz doch nicht gerade Hexerei im Spiele sein, denn meine Tochter ist von seltenem Liebreiz." „Dem kann ich freilich nicht widersprechen, und wenn auch nicht aus eigener Erfahrung, so weih ich doch von Hörensagen, daß das Verlieben keine Seltenheit ist und daß man von Verliebten selten Gescheites hört. Und darum will ich auch zugeben, wenn es sich um den Grafenallein gehandelt hätte, so wäre man schwerlich darauf gekommen, daß der Gottseibeiuns oa mitgewirkt haben muß. — Wer es handelt sich keineswegs um den Grafen allein, sondern auch um die verstorbene Gräfin, die vor Schrecken gestorben sein soll, weil ihr fälschlich berichtet worden war. Eure Tochter wäre verunglückt. — Wie wollt Ihr das erklären? — Kommt es vielleicht auch alle Tage vor, daß hochgeborene Damen sich in schöne Judenmädchen der. maßen verlieben? — Nein, Doktor, nein, Ihr möget rede», was Ihr wollt, aber das geht nicht mit richtigen Dingen zu." „Ich werde Euch überzeugen, hochwürdiger Herr, daß alles auf natürlichem Wege vor sich gegangen ist," erwiderte Rabbi Jizchak, indem er in die Brusttasche griff. Der Bischof schüttelte den Kopf. „Davon werdet Ihr mich nicht überzeugen, denn man muß auch in Anschlag bringen, daß die verstorbene Gräfin Eure Tochter erst seit wenigen Tagen gekannt hat. — Aber gleich wie sie sie zum ersten Mal gesehen hat, soll sie ganz entzückt gewesen sein, soll sie ge. stteichelt und umarmt und sogar geküßt haben! — Ich bitte Euch, eine hochgeborene Gräfin, die ein frenides Judenmädchen stteichelt und umarmt und küßt! — Und wenn das Mädchen noch so schön wäre, — darauf -verwette ich mein Priesterwort, das ist nicht mit richtigen Dingen zugegangen!" „Verzeihung, hochwürdiger Herr, daß ich wider, spreche, aber Ihr selbst werdet Euch überzeugen, daß keine Hexerei dabei im Spiele war, wenn ich Euch, allerdings nur iw strengsten Verttauen mitteile, daß die Betreffende nicht meine Tochter ist, sondern daß sie als Kind von wenigen Stunden mir in's Haus gelegt worden, ohne daß ich eine Ahnung hatte, welcher Familie sie entsprossen." „Uni so schlimmer für sie." „In diesem Falle ist es wohl um so besser für sie, denn auch Ihr, hochwürdiger Herr, werdet zugeben, daß die gegen sie erhobene Beschuldigung, vollständig tviderlegt ist, wenn Ihr erfahret, daß es sich um die leibliche Tochter der verstorbenen Gräfin Turnek handelt." Der Bischof fuhr bettofsen zurück. „Wa — wa — was sagt Ihr?" stotterte er. „Daß das der Hexerei angeklagte junge Mädchen die Tochter der verstorbenen .Gräfin ist, daß es daher nicht Wunder nehmen kann, daß die Mutter ihr Kind geliebkost hat." (Fortsetzung folgt.) Kaiser Friedrich Quelle ——— Offenbach a. X. - Segen Gicht and BhenmatiBmiiB bewährt. W MMg. MN im nütDep.Prinzenhof. Prospekt gratis. Max Hecht. ffoback Inhaber: JSS.. "VV"SildlZ. Perlon, «Juwelen, Ooldwaronm ■ Auf Wunsch Auswahlsendungen. Mk. 1.35. H. Schmidt Sandweg 85 akluk. KerrelislKimckereü Reparaturen prompt n. billig. Anzug anfbflgeln Mk. 1.20. Wocherr-Kazerr-er. (Zeitangaben nach dem Duach.) SamStag, den 24. Juli 6. Aw): Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 7 Uhr 45 Min. Sabbat-AuSgang in Frankfurt o. M. 9 Uhr 15 Mn. in Berlin S Uhr — Min. Wochenabschnitt: Hadeworim. — MoseS wirst einen Rückblick auf die Wüstenwanderung, berührt die mannigfachen Verfehlungen, wie die Sünde der Kundschaster, des goldenen Kalbes, das Vergehen bei den Haderwassern, das Verhalten gegen die stammverwandten. Völker Edom, Moab und Ammon, die Besiegung der Riesenkönige Sichon und Og und die Verleihung deren Länder an die dritthalb Stämme.' Dieser Wochenabschnitt wird stets am Sabbat vor dem 9. Aw verlesen. Nach der Haftora des Tages wird der Sabbat „Schabbos-Chassaun" genannt. In vielen Gemeinden schaltet man im Morgengebet die „Ahawo" vom Sabbat vor dem Wochen-

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