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Neue jüdische Presse · 1909-05-14 · Heft 18 (14.5.1909) · p. Seite 10

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
7 (1909)
Issue
Heft 18 (14.5.1909)
Date
1909-05-14
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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AranHwcker ZsraEWe« FamllisiWM. Nr. 18. Seite 16. Also ist die Magd mit dem Kind und ihre Gesellschaft nebbich vor Hunger zusammen auf dem Feld spazieren gegangen, vor großem Hunger. Als das Kind nebbich meinen Mann — das Andenken des Gerechten zum Segen — gesehen hat, ist es nebbich voll Freudegewesen und wollte auf den Vater zulaufen, wie ein Kind. Da hat mein Schwager Rcb Leffmann geschrieen, inan sollte das Kind zurückhalten und der alte Mann sollte konuncn und das Essen holen. Meinen Mann — das Andenken des Gerechten zum Segen — haben sie müssen wie mit Stricken halten, daß er nicht zu'dem lieben Kind gekommen ist. Also hat er und das Kind geheuft, deim mein Mann — das 'Andenken des Gerechten zum Segen — hat gesehen, daß das Kind, Gott sei Dank, frisch und gesund gewesen ist, und hat nicht dürfen zu 'ihm kommen. Also haben sie das Essen und das Trinken auf das Gras niedergestellt und die Magd mit ihrer Gesellschaft haben es geholt. Mein Mann — das Andenken des Gerechten zum Segen — mit seiner Gesellschaft ist wieder hinweggegangen. Nun, das hat bis zum achten Tag des Laubhüttenfestes gewährt. Der alte Mann und -die alte Frau haben Pflaster bei sich gehabt und Salbe, und. was sonst noch dazu gehört, einen Schwären zu heilen. Sic haben dem Kind den Schwären auch hübsch ausgeheilt und das Kind ist ftisch und gesund gewesen und ist auf dem Feld wie ein junges Hirschchen hcrumgesprungen. Da haben wir zu den Hannoverschen gesagt: „Was wird aus Eurer Dummheit werden? Ihr sehr ja, daß mein Kind, Gott sei Dank, frisch und gesund ist, und daß, Gott sei Dank/ , keine Gefahr mehr in der Welt ist. Laßt nun bag Kind wieder herein kommen." Also haben sie wieder Konsilio gehalten unft es ist dabei geblieben, daß man das Kind erst am Tage der Gesetzesfteude sollte nach Hannover kommen lassen. Nun, was haben wir tun sollen? — Wir haben uns solches auch müssen gefallen lassen. Also ist Reb Michael am Tage der Gesetzesfreude hinausgegcmgen und hat das Kind mit den Leuten wieder nach Hannover gebracht. Wer damals die Freude von mir und meinem Mann — sein Andenken zum Segen — und allen .Anwesenden nicht gesehen hat, die wir zusammen gehabt haben. — Daß wir vor großer Freude haben schreien müssen: „Das Auge weint und das Herz ist froh." Ein Jeder hätt' das Kind gern anfgesressen, denn es ist gar ein schönes, leidliches Kind gewesen, das kein gleiches gehabt hat. Also hat man das Kind lange Zeit nicht anders geheißen als die Jungfer von Peinholz. Also, meine lieben Kinder, ist die Zuschickung, Gott sei Dank, glücklich abgelaufen, und das Ende ist Freude und Lust gewesen, wofür wir denr Höchsten nicht genug loben und danken können, der mir — als seiner unwürdigen Magd — so viel Gutes und Barmherzigkeit erzeigt hat, daß, wenn ich zehn Bücher voll schrieb, ich nicht alles erschreiben kann. Demi alles, was der große, gnädige Gott zuschickt, spür' und sehe ich, daß seine große Gnade und Barmherzigkeit dabei ist. Ich will verschweigen, was für große Krankheiten (nicht an uns gedacht) ich oftmals mit meinen lieben Kindern ausgestanden habe, daß ich mir oft gewunjchen habe, wenn ich nur die Hälfte von dem meinigem (meinem Leben) hätte hergeben können, um damit meinem Kind zur Gesundheit zu verhelfen. — Aber der einzige gerechte Gott hat fast in einem Augenblick jo gnädiglich geholfen, daß ich nicht gewußt habe, wo das geblieben ist, womit wir uns viele Jahre herumgeschleppt und gepflegt haben. Das hat der gerechte Gott mft einm Mal von uns genommen imfc uns ein gesundes, frisches Kind gegeben. Wofür dem Höchsten immer und ewig gedankt sei. Der große Gott wolle es dabei halten. Seht nun, was der getreue Gott tut, wenn wir meinen, daß wir ganz hilf- und trostlos sind, dann schickt er seine Hilfe am ehesten, wenn wir gar nicht daran denken. Und wenn solches auch nicht nach unser» Verdiensten sein mag, so geschieht cs doch aus Barmherzigkeit von dem himmlischen Vater. Ich Sündigerin finde mich unwürdig genug, die Gnade von miserm getreuen Gott anzunchmcn, daß er mir das Leben geben und mich bis dato ehrlich gespeist hat. Ohne die anderen tausend Gnaden, dir der große Gott so mildiglich gegeben. — Wenn ich alle Tage auf meine Kniee fiele und den barmherzigen Gott anruste, so ist es doch nichts für das, was er uns sündigen Menschen tut. Und ob es auch zeitweise nicht nach nnseriu Willen gehet und wir menschlichen Verdruß haben — sowohl mit Kindern als mit Fremden — 'so glaube ich, daß das Heimzahlungen auf unsere Taten sind. Denn wir sündigen alle Tage, alle Stunde und alle Augenblick, und dienen dem Höchsten nicht wie es gehörte und wie wir sollten. — Dennoch tut uns Gott — er fei gepriesen — alles Gute, wofür wir ihni immer und ewiglich danken. Ich bitte den großen Bcschafser um nichts mehr, als um gute Geduld, damit »vir arnie, sündige Menschen alle unsere Zuschicksale in Liebe annehmen mögen und den großen Gott für alles loben und danken. Denn es kommt alles von dem Höchsten, Gott gebet und Gott nehmet, der Herr sei zu ewig gelobt und gepriesen. Personalien. Berlin. Wie der ,.AIlg. Ztg. d. Indent." mitgeteilt Ivird, hat der Vorstand der jüd. Gemeinde den Fabrikbesitzer Karl L. Netter an Stelle des verstorbenen Justizrats Dr. L a ch m a n u in den Ausschuß der Jewish Colonisation Association („Jca") delegiert. — Frail Franko Minden, Gattin Direktors Dr. Georg Minden, wurde das Fra neu- Verdienst kreuz in Silber und Geh. Sanitätsrai Dr. Herzberg und dessen Gattin, geb. Gronau, die japanische Rote Krenzinedaille verliehen. Berlin. Dr. med. Alfred Neumann, ärztlicher Direktor der chiurgischen Abteilung des städtischen Krankenhauses, erhielt den Titel Professor. — Dr. phil. Martin Waldeck, 25 Jahre hindurch deutscher Korrespondent des „Standard" und als Schriftsteller durch seine Forschungen über Humboldt und Uebersetzungen aus dem Spanischen bekannt, verschied im 68. Lebensjahre. ch Slratzburg i. Elf. Be, gangen en Samstag verschied nach langein, schweren Leide» der zweite Präsident des hiesigen „Jüdischen Turnvereins", Ferdinand Mayer. Der Verstorbene erfreute sich allseitiger hoher Beliebtheit und Achtung. Seine Verdienste um den jüdischen Turnverein werden bei allen Mitgliedern in ehrendem Andenken behalten werden. Metz. Bankdirektor Max Hannaüx wurde heute zum Präsidenten des israel. Konsistoriums von Lothringen gewählt. (ll> Kosten lPosen). Kreisarzt Geh. Medizinalrat Dr. L i ß n e r tritt — nach öOjähriger ärztlicher Tätigkeit — am 1. Juli in den Ruhestand. Wien. Oberstabsarzt Dr. Salomon K ir ch ende rger wurde znm Generalstabsarzt ernannt. Diese Ernennung zeigt, daß Professor R. von Kratschmer, der neue Chef des militärärztlichen Offizierskorps, nicht gewillt ist, in dem Geleise seines Vorgängers Uriel zu gehen. Mitzlitz Mähren). Der von hier gebürtige Major Josef Neumann in Pilsen wurde znm Oberstleutnant befördert. Budapest. Die Philantropm Sophie Ritter von Wechselmann geb. Neuschloß erhielt den Elisabeth-Orden 2. Klasse. Tarnopol (Galizien) Dr. St. Mandel wurde zum Bürgermeister und Dr. I. B. Landesberg, der Präsident der israelit. Kultusgemeinde, zum Bizebürgermeckster gewählt. Nachod (Böhmens. Am 28. Avril wurde hier der 91 jährige.Seniorchef der weltbekannten Firma Jsaac Schur u. Söhne, eheinaligcr Vorsteher der Kultusgemeinde und Gemeinderat der Stadt Nachod, Mitglied der Bezirksverttetung Herr David Schur zu Grabe getragen. David Schur war eine einzigartige Persönlichkeit unserer Gemeine. In ihm waren vereinigt eine unentwegte Treue zu den Traditionen unserer Lehre, eine prosonde Gelehrsamkeit auf tulmudischem Gebiete und in den sonstigen Zweigen der hebräischen Literatur, eine ungewöhnliche allgemeine Bildung und eine makellose Ehrbarkeit in seinen ausgedehnten Handelsbeziehungen. Aus einer seit uralten Zeiten in Nachod erbgesessenen, angesehenen und reichen Familie stammend, mt it mit seinem grundgelehrten Vater Jsaac Schur der Hauptbegrüuder unserer durch nationale Reibereien oft arg gefährdeten jüdischen Volksschule. Mit seinem durch Gelehrsamkeit und ungewöhnliche Wohltätigkeit ausgezeichneten Bruder, dem sel. Herrn Samuel. Schur, vermehrte er das Ansehen 'einer Firma. Sein Schwager war der Nachoder Kreisrabbiner und Herausgeber der Scholien zum Talmud Jonas Mesner s. A. Auch dessen Nachfolger der nachmalige -Kopenhagener Rabbiner Dr. Goitein war nahe niit dem Verblichenen verwandt. Einer seiner Söhne Herr Dr. Heinrich Schur wirkt als Universitätsdozent und Primanius in Wien, sein Schwiegersohn als Chefredakteur des N. W. Tageblatt. — Das Leichenbegängnis, an »velchem die meisten städtischen und staatlichen Behörden teilnahmen, gestaltete sich demgemäß zu einer würdigen Feier des großen Toten. Die Schüler der jüd. Schule, von der eine Trauerfahne hing, eröffiieten den langen Zug der Trauergäste. Im Hause des Verblichenen sprach dessen Schwiegersohn I. U. Dr. Richard Löbl aus Aussig herzliche, vom allgemeinen Schluchzen unterbrochene, Abschiedsworte. Vor dem Hause widinete Herr Rabbiner Dr. Sicher dein privaten Leben des Verstorbenen einen ehrenden Nachruf. Mitglieder des Vorstandes trugen sodann die Bahre zu der Synagoge, die geöffnet und beleuchtet »var und vor deren Eingang der greise Vorsteher der Kultusgemeinde Herr Jacob Pick in warmen Worten das Wirken David Schurs sür die Geineinde pries. Hierauf dankte Herr Oberlehrer Bäumet für das Wohlwollen, welches der Verblichene der Schule zeitlebens gespendet hatte. In weitem Umkreise über den Hauptplatz der Stadt zog der Trauerzug znm Friedhofe, woselbst Herr Rabbiner Dr. Sicher in böhmischer Sprache den Verblichenen als seltenen Gelehrten und Ehrenmann pries. Bei offenem Grabe spendete der Obmann der Chewra Kadischa dem ältesten Mitgliede dieser Körperschaft wohlgesormte Worte des Abschiedes. Unter den zahllosen Kondolenzen, welche im Trauerhause einttafen, befinden sich auch solche von Friedrich Prinz zu Schaumburg-Lippe, dem ehemaligen Leiter des Unterrichtsministerium k. k. Sektionschef, Josef Ritter von Kanera, dem Stadtrate von Nachod, zahlreichen Großindustriellen, dem Oberrabiner Dr. Ehrenfeld und vielen Rabbinern. David Schur kann »nan mit Recht die Abschiedsworte Jonatans an David, welche auch unser Rabbiner in seiner Rede gebrauchte, Nachrufen: „Du wirst vermißt werden, denn Dein Platz ist leer!" Basel. Cpmnereibesiher Marc Bernheim wurde zum französischen Officier de l'Acad e m i e ernannt uild Bankier Ln eien Picard in Frankfiirt a. M., der aus einer alten Basler -Familie stammt, znm Revisor der eidgenössischen Gotthardbahn gewählt. Paris. Die Akademie der moralischen und politischen Wissenschaften in Paris hat den Staatsminister und Staatsrat Ass er im Haag zum korrespondierenden Mitgliede ernannt. Die geograph. Gesellschaft hat Herrn Paul Helbronuer den Preis Charles Grad für seine Ausmessung der französischen Alpen zuerkannt. Airs den Vereinen. Frankfurt a. M. In dem vorwöchentlichen Bericht des Zentralvereins israelitischer Geineinbeinitglieder ist statt „Das Gesetz gibt den Gutsituierten ein vielfaches Wahlrecht" zu lesen: „Das Gesetz gibt dem Gutsituierten die Möglichkeit zu einein vielfachen Wahlrecht." Ans -er Lehrerwett. Frankfurt a. M. Vakanzen. Halle ä. S. Kantor und Religionslehrer per 1. Januar .1910. 3600 M Anfangsgehalt, 4500 M Höchstgehalt. — Liibben, N.-L. (74 j. S„ 7200 E.). Vorbeter, Schächter und Religionslehrer per 1. Juli. 1300 bis 1500 M. Einkommen. Stratzburg. Der Entwurf eines Gesetzes betr. die Gehalts-undPenfionsverhältnisse der staatlich besoldeten Meligionsdicner und ihrer Hinterbliebenen ist soeben veröffentlicht worden. Wir entnehmen demselben folgendes: „Die Ob errabbiner und Rabbi ne r erhalten Gehälter nach folgenden Sätzen: 1. Die Oberrabbiner bis zu sechs Dienstjahren 4000 Jk, bei mehr als sechs' Dienstjahren .4400 M (bisher 4000 M). 2. Die Rabbiner bis zu drei.Dienstjahren 2000 M, bei mehr als drei bis. zu sechs Dienstjahren 2200 M, bei mehr als sechs bis zu'neun Dienstjähren 2400 M/ bei ^mchr als neun bis zu zwölf Dienstjahren 2500 M; bei mehr als zwölf bis zu fünfzehn Dienstjähren 2600 JL, bei mehr als fünfzehn bis zu achtzehn Dienstjahren 2700 M,

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