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Neue jüdische Presse · 1909-05-14 · Heft 18 (14.5.1909) · p. Seite 11

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
7 (1909)
Issue
Heft 18 (14.5.1909)
Date
1909-05-14
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Seite 11. ftr. 18. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. bei mehr als achtzehn bis zu 21 Dienstjahren 2800 Mark, bei mehr als 21 bis zu 24 Dienstjahren 2900 JL, bei mehr «ls 24 Dienstjahren 3000 Jt. (bisher von 1600 bis 2400 Jt)." P Schlettstadt i. Eis. Der seit langen Jahren hier amtierende Lehrer B l o ch tritt mit dem 15. Mai in den wohlverdienten Ruhestand. Zu seinem Nachfolger wurde Herr L. B l o ch in Saarunion ernannt. Die jüdische Schule unserer Stadt weist zwar eine geringe Schülerzahl auf, was im allgemeinen in sämtlichen Orten unseres Landes von den jüdischen Elementarschulen konstatiert werden kann; dennoch ist die Stelle eine sehr gute, weil das städtische Gehalt der Lehrer eine nette Skala anfweist. Möhringen (Wüittbg.i Beznksräbbiner Dr. Jaraczewsky feierte seinen 80. Geburtstag. Wilna. Die hier unter Teilnahme der bedeutendsten orthodoxen Rabbinen Rußlands stattgehabte Versammlung beriet über die Rechtsstellung der Rabbinen der Regierung gegenüber — die von der Regierung angestellten sogenannten weltlichen Kronrabbinen haben mit Matrikelführung u. dgl. zu tun —, und über Förderung des überlieferten Judentums. Es wurde beschlossen, die Regierung zu ersuchen, daß sie die Existenz der religiösen Rabbinen anerkenne und ihnen alle religiösen Befugnisse — Trauungen, Scheidungen rc. — übertrage und daß sie die Kinder, die die höheren Schulen besuchen, vom Unterricht an Samstage» und jüdischen Feiertagen befreie. Um die Religion unter der großen Masse zu fördern, wurde eine Kommission eingesetzt, die die Statuten der einstmaligen „Kneseth Jisroel" umzuarbeiten hat. In diese Kommission wurden gewählt: Rabb. Chaim Grodseriski-Wilna, Rabb. Chäjim Soloweidschick-Brisk, Rabb. Resoel-Walosin, zwei chassidische Rabbonim und die Rabbinen Karlin und Raden. Konftantinopel. Chacham Baschi Nahum und die Rabbinen von Karlin und Raden. Gemeinden eine Verordn u n g des Inhalts, daß sie sich in ihre» Eingaben an ihn nur der h c b r 8 r - scheu Sprache bedienen möchten. Aus der ziouistischeu Bewegung. Frankfurt a. M. Im Büro des Jüd. Nationalfonds, Grünestr. 29, Part., gingen ein: Abraham Strauß, anläßlich der Barmizwoh seines Enkels, 3,— Jt Jakob Strauß, anläßlich der Barmizwoh seines. Sohnes Julius . 10,— „ D. Wallach 1,18- K. 691. I. E. 3,72 „ Max Grünebaum 3,60 „ Pension Langer 1,60 .. C. Herzberg 2.78 .. I. Speyer 1.52 L. Janzon 1 - .. Gesammelt bei der Generalversammlung 1,85 „ Ketzler im Pensionat Wolfs, gewonnenes Geld, 0,50 „ H. Rubinstein, Dessau, H. Eichenstem, Berlin, danken Herrn Hamburger für freundliche Ausnahme 1- .. Kantor Neumann, Sandweg 14 0,06 „ 31,81 Jt Ferner Materialien: Grete und Sophie Landsberger, Heilbronn.. Aus Büchsen in Offenbach: S. Oppenheim, Bettinastraße 58 1,11 Jt L. Diamant, Bettinastraße 1,81 „ Wolf Schuster, Geleitstraße 0,62 „ Jsr. Mirdowski, Geleitstraße 0,50 „ Jsr. Milberg, Geleitstraße -2,42 „ G. Milbreit, Geleitstraße 1,— „ H. Betaschnitz, Geleitstraße 0,40 „ Getreide, Biergrund 0,26 „ v'/uiiciuc., \nuyiniu» ,, 8,12 M. Bei der Expedition ging für den Nationalfonds ein: Familien Baum, Wolpc, Gottheimer, Plaut und Gundersheinr, Frankfurt a. M. anstatt Depesche zur Hochzeit Siegmund Rosenes, Genf mit Friederike Baum, Genf \,--Jt Simon 2,— .. Sprechsaal (Ohne Verantwortlichkeit der Redaktion.) Zur Wohltätigkeitsfrage. Die Philanthropie ist ein Produkt der ungünstigen ökonomischen Verhältnisse,- des herrschenden Notstands. Je stärker der Kanipf ums Dasein, je intensiver die Not und das Elend, desto größere Ansprüche werden an die private Wohltätigkeit gestellt, desto . größere Dimensionen nimmt letztere auch an. Die private Wohltätigkeit wirkt oft demütigend und demoralisierend auf die Petenten, bringt sie in ein Abhängigkeitsverhältnis zu dem Spender. Wird noch einmal die Zeit kommen, wo die private. Wohltätjgkejt aufhören, an ihre Stelle die lautliche Versorgung treten wird? Wird dieser Zeitlunkt, man bezeichnet ihn mit sozialer Revolution, je eintresfen? Jedenfalls ist und bleibt für un absehbare Zeiten die Philanthropie eine soziale Notwendigkeit. Was die jüdische Philanthropie betrifft, so ist die eine Begleiterscheinung der ökonomischen und nationalen Unterdrückungen und Verfolgungen, denen die Juden in gewissen Staaten unterworfen sind. Die Philanthropie ist ein zweischneidiges Messer: Einerseits heilt sie die tiefen Wunden, rettet so viele aus der drückendsten Not, verschafft vielen die Möglichkeit, zur Selbstständigkeit und materieller Unabhängigkeit sich hcraufzuarbeiten. Andererseits aber schafft die private Wohltätigkeit — Parasiten, professionelle Schnorrer, indirekt sogar Betrüger. Diese traurigen Folgen haben dazu geführt, daß eine „Schwarze L i st e" angelegt lvurde über diejenigen, die die Wohltätigkeit mißbrauchen. Jeder Mißbrauch von Philanthropiegeldern ist ein Diebstahl nicht und an dem Spender, sondern auch an denjenigen unglücklichen Notleidenden, denen das gespendete Geld zu gute kommen sollte. Herr Jakob ben Elijah hat vollständig recht, wenn er in. seinem Aufsatz „Philanthropie" in Nr. 16 des Frankfurter Israelitischen Familienblattes loszieht. Gewiß, diese „Schwarze Liste" ist nicht weniger verwerflich und verstößt gegen die guten Sitten, ebenso, wie die „Schwarze Liste" über Arbeiter, wie sie in manchen industriellen Betrieben eingeführt ist. Der Wohltäter aber, sowie der Philanthropie-Bürokrat — wie Herr Jakob ben Elijah sich so schön ansdrückt — kümmert sich herzlich wenig um die „Schwarze Liste". Fast im Gegenteil. Die Philanthropen und die Philanthropie-Bürokraten nehmen sich vorbestrafter, verkommener Petenten in der Regel viel wärmer an. Es ist ihr Bestreben, solchen unglücklichen Leuten die Möglichkeit zu geben, sich wieder anfznrafsen und anständige Bürger zu werden. Wen» den armen, unglücklichen Petenten teilnehmend und lvariu eutgegengetreten werden soll, so darf mau andererseits diese Petenten auch nicht idealisieren. Nicht alle Petenten sind fromme, unschuldige Waisenkinder. Und es ist eine Tatsache, das; uieinaud so m ißbraucht wird, wie d i e P h i l a n t h r o p i e. Ungeachtet der häufigen Mißbräuche und Betrügereien, walten die Philanthropen und die Philanthropie-Bürokraten durchaus nicht bürokratisch und lassen sich auch von solchen traurigen Erfahrungen keineswegs beeinflussen. Das segensreiche Wirken der zahlreichen jüdischen Humanitären Anstalten spricht auch dafür, daß man wegen der prosessionelle» Schnorrer und Betrüger — und deren gibt es leider — doch nicht die hilfreiche Hand den würdigen Notleidenden entzieht. Selbst unsere Gegner und Feinde müssen die Großzügigkeit des jüdischen Wohltätigkeitssinirs anerkennen. Welche Nation kann solche philanthropische Organisationen ausweisen, wie die Alliance Jsraolite Universelle, die amerikanischen Jewish Aid Societies, die Baron Hirsch'sche Stiftung, Jca, oder gar der Hilssverein der Deutschen Juden! Baron Hirsch und seine Stifturrg. Der Einzelne und sein Eigentunl! Der Einzelne, der sein Eigentum, »ach Hunderten von Millionen zählendes Vermögen, für sein Volk vermacht hat, für die Juden! Mit sein größtes Verdienst ist cs, daß er mit seiner in der Weltgeschichte einzig dastehenden Schenkung es bezweckte, keine Almosennehmer zu machen, sondern bestimmte, daß mit seinem Gclde den notleidenden Juden die Möglichkeit gegeben werde, zu selbständigen und unabhängigen Menschen sich emporzuarbeiten, durch Arbeit und Fleiß. Sein Verdienst ist es und der Segen seiner Millionen, daß jetzt schon ein jüdischer Ackerbauer- und Viehzüchterstamm sich herausgebildet, der nach vielen Tausenden zählt. Als ich' vor einigen Monaten im Aufträge des Hilfsvereins der Deutschen Juden in Argentinien weilte, zum Studium der dortigen Einwanderer- und Arbeitsverhälrnisse, habe ich Gelegenheit gehabt, mich zu überzeugen, von dem Wohlstand der von der Jca gegründeten jüdischen Kolonien. Wohl herrschen noch verschiedene Differenzen zwischen den jüdischen Kolonisten und der Administration der Jca. Diese Differenzen sind aber unr ans gewisse Mißverständnisse und andere Gründe zurückzuführen, auf die hier jetzt nicht crngegangen werden kann. Ueber die Tätigkeit des Hilssvereins der Deutschen Juden zu sprechen, erscheint wirklich überflüssig. Ein jeder, der im jüdischen Leben steh^ kennt das kulturelle und humanitäre Wirken dieser Organisation, das sich auf alle Länder erstreckt, wo nur „Judennot" herrscht. Wer sich für das Leben der Judenheit interessiert, die breiten Spuren der jüdischen Philanthropie verfolgt, der muß staunen und bewundern die Leistungen der jüdischen Wohltätigkeitsanstalten. Wer den jüdischen philanthropischen Institutionen näher steht, der weiß noch mehr: der weiß, wie viel nicht getan wird, ivie viel »och übrig bleibt zu tun, um der jüdischen Not zu steuern. Doch die Mittel der jüdischen Wohltätigkeit sind begrenzt. Der cs mit der jüdischen Philanthropie ernst Meinende darf nicht an deren Wirken nörgeln, und nur kritisieren: 1» eritigao est aisee, l’art eafc diffieile. Es soll die Aufgabe eines jeden Juden sein, der noch ein Herz für jüdische Wohltätigkeit hat, zu ergänzen »nd zu schaffen: man soll stets ans das noch in der jüdischen Wohltätigkeit Mangelnde und Fehlende aufmerksam machen. Denn noch gibt es manche Lücken, die ausgefüllt toerden müssen! S. B l o ch. Kunst uud Literatur. S ch a m s ch e, Roman aus dem jüdischen Gemeindeleben von S. Lnß-Mannheim. 262 Seiten. Selbstverlag des Verfassers. (3 Jt, geb. 4 „#£.) Ich erinnere mich nicht, von einer jüdischen Erzählung eine solch' reine Freude gehabt zn haben, als mir „Schamsche" von Anfang bis zum Ende bereitete. Endlich einmal eine Erzählung, die vom künstlerischen wie vom jüdischen Standpunkte durchaus einwandsfrei ist. Wie lebenswahr sind die Typen der jüdischen Kleinstadtgemeinde! Längst verblaßte Bilder gewinnen wieder Form und Leben vor dem geistigen 'Auge des Lesers; er meint, an all’ den Gestalten i» seiner Jugend vorübergegangen zn sein, lind dann der hochinteressante Rechtsstreit, der der Erzählung zu Grunde liegt und so seine Lösung findet, wie es die bei aller Gefühlswärme unveränderliche Prinzipientrene des jüdischen Bolkscharakters verlangt! B y the Rivers of Babylon for Mezzo Soprano or Tenor with Piano accompaniment and First and Second Violin or Viola obligaio composed by Rev. Marcus Hast. „The Bibliophile Press“, Edgware Rd.. London W. Der greise Chason der „großen Schul" ist noch immer frisch und tätig. Diese Komposition zum Text des 137. Psalms, die Herrn und Frau Adolph Tuck in London zu ihrer silbernen Hochzeit gewidmet ist, ist ei» herrlicher Beitrag zur synagogalen Musik, um die sich der große Nachfolger des großen Mombach so verdient gemacht hat. Rev. Hast behandelt dieses so erhabene Thema in einer ganz neuen Weise, die reizend und durch und durch jüdisch klingt. Alle Freunde unserer nationalen Musik werden dem greisen Meister sehr dankbar sein für dieses herrliche „ben sekunim". I. M. S—d. Uebersetzungen in alle Sprachen. Nationale Lehrkräfte. Kaiserstrasse 31. Mr.Percy Gill’s Institut Bereius-Kaleuder. Samstag. Verein „Mekor Chajim", 12 Uhr im Hörsaale Friedberger Anlage: Menäüras Hamoaur (Kantor Steinberger); 43/i Uhr, Schützen-' straeß 2: Mikro-Vortrag. — Hatchio, 5(4 Uhr: Vorletzter Vortrag vor den Sommerferien. Montag. Zion. Vereinigung,!L Saal des Kausm. Bereinshauses, 8Pt Uhr: Der Zionismus als soziale Bewegung (Prof. Dr. Margulies). Donnerstag. Jüd.- Liter. Gesellschaft, Schützenstraße 2, nachm. 3 Uhr: Mitgliederversammlung. Vortrag: Eduard von Hartmann und das Judentum (Dr. Unna). Tapezier u. Dekorateur Lm Donfzaun, Bornestrasse 27. Dttr. Auskünfte! fVÄSmÄ; Siosm Betectlv-Zentnilel!! obachtnngen, Ermittelungen an allen Plätzen der Welt. Telepbon 4350. Sialzhans G. I- Arbeitsnachweis für Israeliten. Wir bitten dringend uns Vacanzen und jede Art von Arbeitsgelegenheit aufgeben za wollen. langeitias.se 30, I. Telephon 3728. Wir bitte« unsere Leser, ihre» Bedarf urtter Bezugnahme auf n»ser Blatt bei nuferen Inserenten zu decke«. Frankfurter Israel. Familienblatt.

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