Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 7 (1909)
- Issue
- Heft 18 (14.5.1909)
- Date
- 1909-05-14
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Rumänien. Bukarest. In Botofchani zwingt man die jüd Einwohner, die antisemitische Lokalzeitung „Libertatca" zu abonnieren. — Im Blindeninstitut der Königin, „Vatra Luminoasa" genannt, wurde der Sohn des Herrn Samuel Pineles (des Zionistensührers) anläßlich des Besuches des deutschen Kronprinzen der Königin vorgestellt. Die Königin dankte ihm für ein dem Blindeninstitute gelvidmetes trefslichcs Gedicht in sehr freundlicher Weise. — Zwei antisemitische Universitäts- Professoren in Jassy rauften und prügelten sich schändlich in Gegenwart der Studenten und Hörer, als sic sich über Nationalpolitik (Antisemitismus) ereiferten. Die Studenten verhöhnten ihre Professoren. Da dieses in der. Schule geschah, — ist Untersuchung eingcleitet worden. H-r. Ans der zionistische« Bewegung. Frankfurt a. M. Z i o n i st. B e r e i n i g u n g. Nächsten Montag Abend, S3,k Uhr, wird int kleinen Saale des Kanftnännischen Bercinshauses Professor Dr. M a r e k M a r g u l i c s - Krakau über das Thema „Der Zionismus a l s s o z i a l e B e w c g n n g" einen Vortrag halten. Frankfurt a. M. Die Misracki-Ortsgruvpe wählte in ihrer von Herrn Professor Weyl geleiteten Generalversammlung die Herren Professor Weyl (Vorsitzender), Rabbinatsassessor L ipinsky und Joseph Hackenbrach wieder itnd die Herren Benz io n Bamb erger und Isidor Hirsch neu in den Vorstand. - Frankfurt a. M. Eine Anzahl Mitglieder der hiesigen Zion. Ortsgruppe hat einen S h a r e k l n b für die Anglo-Palcstine Co. gegründet, und werdeit diejenigen, die diesem Klub beizutrctcn wünschen, gebeten, ihre Adresse dem Frankfurter Israelitischen Familienblatt einzusenden. Der Mindestbeitrag ist M. 0,25 per Woche; jedoch steht cs jedem frei, einen größeren Beitrag zu leisten. Die Einzahlungen finden Donnerstag Abends von 91/2—11 Uhr am Zion. Stantmtisch im Cafe Bauer statt. Fraukfurt a. M. Der Vorsitzende. Dr Schwarzschild, erstattete in der am 29. April stattgchabtcn Generalversammlung der hiesigen Zionistischen Vereinigung folgenden, hier gekürzt wiedergegebenen Bericht: Die Zunahme der Mitgliederzahl unserer Vereinigung ist eine stetige. Wir glauben, ferner konstatieren zu dürfen, daß auch in Frankfurt a. M. der zion. Gedanke immer weitere Kreise erfaßt, und wenn auch dent einzelnen der Etrtschluß oft schwer fällt, sich offen durch Erwerb der Mitgliederschaft unserer Ortsgruppe zum Zionismus zu bekennen, so sind doch bestimmte Anzeichen dafür vorhanden, daß wir uns fortgesetzt der Sympathie weiterer Kreise zu erfreuen haben. ' 'Die Zahl der öffentlichen Veranstaltungen steht hinter den vergangenen Jahren etwas zurück. Wir hatten uns zu Anfang des Jahres an eine außerordentlich große Anzahl bekannter Gesinnungsgenossen und tüchtige Redner gewendet, um einen großzügigen Vortragszyklus zu Stande zu bringen. Leider hatten wir jedoch fast nur Absagen erhalten. Trotzdem gelang cs uns, eine Reihe gut besuchter und auch wirkungsvoller Veranstaltungen zu Stande zu bringen. Zu Beginn der Wintersaison referierte Herr Rechtsanwalt Dr. Siegfried Schwarzschild in einer öffentlichen Versammlung über „Die Vorkommnisse innerhalb der zion. Bewegung im Laufe des Sommerhalbjahres", woran anschließend der Direktor des Deutsch-israelitischen Waisenhauses in Jerusalem Herr Dr. Grünhut, einen Vortrag über „Die gegenwärtige Lage in Palästina und der Zionismus hier" hielt. In weiteren öffentlichen Versammlungen sprach Herr Trietfch über „Die Kolonisation und die Ar- Lei tsmöglichkcit in Palästina", während Herr Dr. Margulies aus Trautenatt i. Böhmen seinem Vortrag den Titel „E i n W e g i n s F r e i e“ gegeben hatte. Diese Versammlungen waren sehr stark besucht. Mit dem „inneren Leben der jüdischen Gemeinden vom zion. Standpunkt ans" beschäftigte sich eine andere gleichfalls gut besuchte öffentliche Versammlung, in welcher Herr Martin Levigard über aktuelle Fragen aus dem jüd. Gemeindeleben referierte. „Allgemein Zionistische Fragen" behandelte sodann in einer weiteren Versammlung cur Vortrag des Herrn Bertram Stern. Auf Anregung einiger Mitglieder fand sodann vor kurzem noch eine Mitgliederversammlung statt, in welcher nach einem Referate des Herrn W 0 l s G 0 l d s ch m i d t eine . .Frankfurter Israelitisches FamilieMaÜ. freie Aussprache über „das Verein sieben" statffand. Der Glanzpunkt unserer Veranstaltungen war jedoch unstreitig die diesjährige „Makkabäer- Feier". Sie fand in dem großen Saale des neuen kaufmännischen Vereinshauses statt vor einem 2000 köpfigeil Publikum. Als Festredner hatte sich uns Herr Dr. Blöde zur Verfügung gestellt. Das Arrangement des Abends lag in Händen des Vorstandsmitgliedes Herrn Levis 0 hn. Nicht nur der ideelle, sondern auch der materielle Erfolg dieses Abends war ein außerordentlich günstiger, sodaß wir von dem Reinertrag auch anderen zion. Organisationen Spenden zukommen lassen konnten. Wir haben, ferner einen Teil des Reinertrags dazu benutzt, um zum erstenmal einen, wenn auch kleinen Betrag des Vermögens der Ortsgruppe in Wertpapieren anzulegen, um so einen festen Fond zu schaffen, dessen Zinsen für die Verbreitung unserer zion. Idee dienen sollen. Selbstverständlich wurden diese Gelder in Aktien der Jüd. Kolonialbank angelegt, und wir wollen nühr versäumen, unsere Freunde zu bitten, durch häufigere Spenden diesen Fond zu vergrößern. Wir hielten auch in diesem Jahre in S ch l ü ch t c r n eine Versammlung ab, welche unsere dortigen Freunde in der Zugehörigkeit zu unserer Organisation bestärkte. Herr Levigard hatte den Bortrag übernommen. Der Ortsgruppenverband Frankfurt hielt seinen diesjährigen Derbandstag in Mainz ab. Wir hatten davon abgesehen, besondere Delegierte zu diesem Verbandstag zu wählen, vielmehr unsere sämtliche Mitglieder durch Zirkular gebeten, dort zahlreich zu erscheinen. Eine große Anzahl ist auch dieser Aufforderung gefolgt. Der Delegiertcutag der gesamten deutschen Zionisten fand dieses Jahr itt Breslau statt. Trotz der großen Entfernung waren wir durch zwei Delegierte, die Herren Goitein und Levigard, 'dort vertreten. Die Herren haben in einer Mitgliederversammlung über ihre Tätigkeit Bericht erstattet. Abgesehen von diesen Borträgeit und Veranstaltungen versuchten wir auch noch weiter, für die Verbreitung des Zionistischen Gedankes tätig zu sein, indem wir zion. Lektüre verbreiteten. Auf Anregung der Berliner Zentrale versandten wir im Laufe des Winters 1200 Exemplare der von der Zionistischen Vereinigung für Deutschland herausgegebenen Broschüre „Wirtschaftliche Tätigkeit in Palästina", 200 Prospekte der Jüd. Rundschau, 1000 Schekel- und 1000 Nationalfondflugblättcr. Ferner brachten wir ein von der Nationalfondverwaltung herausgegebenes Flugblatt während des Chanukafestes zur Verteilung, während die hiesige Nationalfondskommission ihrerseits auch noch am Purimfeste ein hierauf bezügliches Flugblatt verteilen lies. 300 Prospekte der Anglo Palestine Co. liegen jetzt noch in unserem Büro zur Versendung bereit. Wir hoffen, daß unsere Mitglieder eine größere Anzahl Aktien dieses Instituts erwerben werden. 23 Shares der Anglo Palestine Co. sind schon im Laufe dieses Winters für Mitglieder unserer Ortsgruppe bestellt worden. Auch für Verbreitung des von der Zion. Bereinigung für Deutschland herausgegebenen AVC-Buches waren wir tätig. Dieses grundlegende Werk müßte jedoch eigentlich in der Hand eines jeden Mitgliedes unserer Ortsgruppe sein. Wir können nur dringend bitten, dieses Werk zu den crntäßigten Prciseir durch uns zu beziehen. Die Tätigkeit für den Nationalfonds lag nach wie vor in Händen der hierfür eingesetzten Kommission, an deren Spitze Herr David Hamburger in selbstloser Weise'unermüdlich tätig war. Der V 0 r st ä n d hat auch eine ausgedehnte Tätigkeit in der inneren Verwaltung der Ortsgruppe entfaltet. Es sanken im Laufe des Jahres eine sehr große Anzahl Vorstandssitzungen statt. , In ständigem Verkehr standen wir mit der Berliner Zentrale, von welcher wir fortgesetzt Anregungen für die zion. Arbeit empfingen. Ein Bild von der ausgedehnten inneren Verwaltungstätigkeit des Vorstandes ergibt sich daraus, daß im Laufe des Jahres etwa 180 Briefe an den Vorstand gelangten, darunter allein 70 von dem Zion. Zcntralbureau in Berlin, während vom Vorstande selbst etwa 120 Briefe ausgegangen sind. Der Bericht beschäftigt sich dantt zuin Schluß mit dem diesjährigen zion. Kongreß und betont, daß der Verein sich im ne ».beginn enden Jahre in ganz besonderem Maße der Schekels a m m l u n g zuzuwende» habe, damit er auch aus dem nächsten Kongresse durch eine größere Zahl Delegierter vertreten sein könne. Der Bericht wurde von den Zuhörern mit lebhaftem Beifall cntgegengenominen. Hamburg. Am 4. Mai vielt die Z i 0 n i st. Ortsgruppe Hamburg-Altona im Logenheim ihre Schckcltags-Versammlung ab, zu der Herr Dr. Heinrich Löwe -Berlin das Referat übernommen hatte. Er sprach über die „Rückkehr zum Jude,, tu m" und fiihrte ans. Nr. 18. daß sich auf allen Gebieten eine Abkehr vom Judentum zeige. Der Referent wies insbesondere in eingehender Darlegung nach, daß die Taufe die schwerste Schädigung des Judentums sei. Dieser Abkehr gegenüber bedeute der Zionismus die „Rückkehr züm Judentum". Am Schlüsse seiner trefflichen Ausführungen, die den lebhaften Beifall der sehr zahlreichen Zuhörer fanden, forderte der Redner auf, die Zugehörigkeit zum Zionismus durch Entrichtung des Schekels zu dokumentieren. In der Diskussion übte Herr Deutschl ä n d e r, der selbst Vorstandsntitglied der Hamburger Ortsgruppe des Zentralvereins Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens ist, Kritik an dem Verhalten des Zentralvereins in der Affäre Mugdan und wandte sich besonders gegen die Haltung des Herrn Justizrats Levinsohn in dieser Angelegenheit. Nach dent Schlußwort des Referenten, in dem er sich nochmals besonders gegen diejenigen wandte, die ihre Kinder taufen ließen, selbst aber zu feige seien, sich selbst auch taufen zu lassen, schloß die Versammlung, durch die 21 neue Schekelzahler gewonnen wurden. — — Am Sonnabend, 8. Mai, veranstaltete die Ortsgruppe eineir „Iarg0nabenL der Deutsch- Amerikanischen Carbarettruppe „Masse r m a n n" im Logenheim. Nach Schluß der Borträge vereinigten sich die außerordentlich zahlreich Erschienenen zu einem geselligen Beisammenlein, in dessen Verlauf eine Verlosung von Büchern des Jüd. Verlags stattfand. Der gute Erfolg dieser Verlosung dürfte es empfehlen, auch in anderen Ortsgruppen bei ähnlichen Veranstaltungen den Versuch zu inachen, ans diese Weise die Schriften des Jüd. Verlags einem größereit Publikum zugänglich zu machen. Köln a. Rh. Einen erfreulichen Auf s ch >v u n g hat der H e r z l - K l u b genommen. Die neuerliche Einführung, Dramen jüd. Tendenz mit verteiltet! Rollen zu lesen, hat sich als sehr glücklich erwiesen. Die sich an den Leseabend anschließende Diskussion bietet Gelegenheit, das Thema sowohl gründlich zu beleuchten, als auch die Beziehungen desselben zur Literatur und zum Zionismus gründlichst zu erfassen. Die Bibliothek des Klubs hat Samstag zum ersten Mal durch Ausleihen von Büchern ihre Tätigkeit begonnen. — In der kürzlich stattgchabten Ergänzungswahl zum Vorstand wurde Herr Golde zum Schriftführer Fräulein Schneider zur Bibliothekarin gewählt. Ben Jair. Wie«. Wie die .Jüd. Ztg." mitteilt werden die zion. Zentralkomitees in Wien und Lemberg das Aktionskoinitee ersuchen, den nächsten Kongreß in Wien äbhalten zu lassen. Wien liege den jüdischen Massen in erreichbarer Nähe, sei selbst ein hervorragendes jüdisches Zentrum, und biete alle Vorteile der westliche» Metropole. Ans de» Vereinen. Breslau. Jsr. Speisehaus. Die Besuchsziffer betrug tm Jahre 1908 55 970. Der Rückgang, welcher seit 1905 (mit 79173 Besuchern) eingctreten war, Ivar 1906 zum ersteu Male mit einer Minder-Besuchszisfer von rund 22 000 in die Erscheinung getreten und hatte auch noch im Jahre 1907 fortgedauert, in dem die Besuchsziffer noch um ca. 3500. herunterging. Dieser bedenklichen Erscheinung gegenüber hat die aussteigende Tendenz im Jahre 1908 wenig zu bedeuten, weil die Differenz gegen 1907 nur zirka 1700 beträgt, die Besuchsziffer noch nicht einmal die von 1906 erreicht und gegen die von 1905 um 23000 zurückbleibt. # Auch die Einnahmen gingen, wie der Kostenabschluß zeigt, zurück. Gegen 1906 weist das nächste Jahr ein Minus von 21000 JL auf, das im folgenden Jahre 1908 (init eitiem Plus von 15 000 JL) nicht wett gemacht wurde. Darin steckt natürlich auch der Rückgang der Besuchsziffer, aber nur teilweise. Alle Positionen zeigen eine Minder-Einnahme: Geschenke, Beiträge, Gemeinde, Zinsen, sodaß im Jahre 1908 schon das Vermögen angegriffen werden mußte, für 2000 Jt. mußten Papiere verkauft Iverden. Meran. Der Verein.Asyl für mittellose kranke Israeliten" hat nach einjähriger erfolgreicher Tätigkeit durch den Betrieb des herrlichen Genesungsheims, in welchem seit Februar 1909 die zur Verfügung stehenden 86 Betten mit über hundert Pfleglingen dauernd belegt waren, den Beweis seiner Tüchtigkeit erbracht. Am 28. März legte der Vorstand der G e n e r a l v e r s a m ml u n g Rechenschaft ab. Der Präsident Herr Dr. med. M. Ko res begrüßte die Anwesenden. Der Geschäftsbericht des Herrn Dr. W. Hersch, des geschäftsführenden Vizepräsidenten des Vereines, bot durch die Fülle des Materials und statistischer Daten einen ungemein klaren Einblick in das Getriebe dieses großen Werkes und zeigte, wieviel Voraussicht und Planmäßigkeit notwendig war, um ans den.vorhandenen Mitteln ein Hans aufznstellen.