Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Presse · 1909-02-19 · Heft 7 (19.2.1909) · p. Seite 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Presse
Volume
7 (1909)
Issue
Heft 7 (19.2.1909)
Date
1909-02-19
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2692297-2692614-2692621--04537-2699355
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

beite 10. ' Frankfurter AsraelktWeS FavritienölaÜ " Nr. 7 leitete Schule umzugestalten. Die Leitung der Schule, die den Namen hebräische Mittelschule Tachkemoni in Jaffa" führen wird, wurde dem geprüften Oberlehrer für Mathematik und Physik, Herrn N. Schlesinger aus Hamburg, übertragen Als Lehrer wird von dem Komitee zunächst noch Herr Dr. I. Engel, der nach längerer Lehrtätigkeit an dem Jung'scheu Gymnasium in Ung. Brod noch eine Zeit lang speziellen pädagogischen Studien obgelegen hat, nach Jaffa entsandt'werden. Beide Herren werden chr Amt nach Pessach antreten. Schatzmeister des Komitees, das sich demnächst mit einem Aufrufe an die weitere Oeffentlichkeit wenden wird, ist Herr Josef °2S. Hacke nbroch, Frankfurt a. M., Röderbergweg 30. Gnesen. Eine öffentliche Bersammlung hätte am 13. d, Monats der Gruppenverband Posen nach hier einberufen, die von ca. 150 Herren und Damen besucht war. Mühlendirektor I. Rosenthal -Posen eröffnete die Sitzung mit einem Dank an die Anwesenden, deren zahlreiches Erscheinen ihm der beste Beweis sei, daß trotz aller Wandlungen, die Zeit und .Verhältnisse gebracht, in der alten Gemeinde Gnesen die Beschäftigung mit der so aktuellen Judenfrage einen breiten Raum cinnehme. Hierauf ergriff Dr. Kollenscher-Poscn das Wort und schilderte in kurzen, scharfen .Umrissen die Lage der Juden in. den letzten Jahren in allen Kulrurländern. Ueberall das gleiche Bild, wohin wir schauen, Willkür und Gewalt im Progromlande Rußland, Ausschreitungen in Oesterreich, Beweis Prager Krawalle, England und Amerika mit seinen Einwanderungsverboten, Deutschland mit den Zurücksetzungen der Juden trotz aller tönenden Worte von Gleichberechtigung. Seit durch die Menbelsohn'sche Aera die Ghettomauern für die deutschen Juden gefallen, sei fm politischen und wirtschaftlichen Leben derselben ein ewiger Zickzackkurs bemerkbar. Wohl schien die frische Brise, die durch die französische Revolution zu uns hcrüberwehte, wohltuend zu wirken, die Jahre der Stein und Hardenberg vorübergehend eine Besserung zu bringen; doch die Reaktion tritt schnell genug ein, wir' sehen uns bald dem schärfsten Absolutismus gegenüber. Die Revolutionstage von 1848 gaben uns neue Hoffnung, die 50er Jahre machen sie wieder zu nichte. Das neue deutsche Reichsgesetz bringt uns wohl Versprechungen, doch sie bleiben auf dem Papier, denn Gesetze können nur nützen, -wenn sie aus der Stimmung des Volkes hervorgehen. And das deutsche Volk wollte sich keineswegs unsere angebahnte Assimilation gefallen lassen, — und der Volkswille ist stärker als das Gesetz, - sagt Lassalle. So treibt der Antisemitismus, hervorgegangen aus dem Konkurrenz - Kampf, die ' schönsten Blüten und zieht für die jüdische Bevölkerung die größten wirtschaftlichen Schäden »ach sich. Zwar treten die liberalen Parteien, den die Juden in großen Mengen zugeströmt sind, für den Schutz des Mittelstandes ein; wohl stellen sich .beherzte christliche Männer wie Rickert, Gneist u. .a. m. an die Spitze des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus, doch können sie nur auf einzelne Gebildete wirken, die breiten Massen des Volkes verschließen sich ihnen. Die Judenfrage ist eben eine .Rassenfrage, nur da kann sich eine Rasse wirklich entfalten, wo sie ihrer Eigenart Rechnung tragen kann. Darum heißt es, jüd. Zentren schaffen, Arbeitmöglichkeiten, die die Kräfte in richtiger Weise verwenden lassen. Und was läge heute für uns Juden näher als eine Besiedelung Palästinas, unseres alten Stammlandes? Der kranke Manu am Bosporus ist gesundet, die stammesvcrwandte Türkei bietet die beste Arbeitsmöglichkeit und die Aussicht, eine dauernde .rechtlich gesicherte Heimat für alle diejenigen zu werden, die in den jetzigen Golusländern nicht weiter leben können oder wollen. Darum heißt es jetzt, alle Kräfte zu sammeln, jeder Jude hat heute die Pflicht, seine Schekel zu entrichten und sich den' großen zionistischen Organisationen anzuschließen. An den Vortrag, der ein klares Bild der Gegenwart und lichtvolle Ausblicke auf die Zukunft unseres Volkes bot, schloß sich eine lebhafte Diskussion an. — Lehrer Hirschberg- Gnesen suchte klarzulegen, daß Patriotismus sich schlecht mit Zionismus vertrage; auch könne er heute das Judentum nur noch als Religionsgemeinschaft anerkennen; ein Volk sei vor allem durch die gemeinschaftliche Sprache verbunden. — Referendar Ohnstein stellt den Zionismus als Utopie hin; eine Judennot gäbe es für die deutschen Juden durchaus nicht und eine Wanderung nach Palästina für diese sei ein Unding. — Mühlendirektor Rosenthal und Rechtsanwalt Cohn- Gnesen erwidern. Gradtz der Zionist sei sich seiner doppelten Verpflichtungen, seiner Liebe zum gegenwärtigen und zukünftigen Vaterlandc bewußt usw. Betreff der gemeinschaftlichen Sprache weist Dr. K o l l e n s ch c r auf die Iren hin, die trotz der glühendsten Vaterlandsliebe die englische als Umgangssprache haben; im übrigen werde in dem Neuhebräischen eine gemeinschaftliche Sprache geschaffen. — Nach Schluß der Diskussion melden sich 27 Kamen Pld Herren als Mitglieder einer zion. Ortsgruppe Gnesen. Rechtsanwalt Cohn wird zum Vorsitzenden dieser Ortsgruppe gewählt. Odessa. An die hier tagende Generalversammlung der „C h o w e w e Z i o n" gelangten unter zahlreichen telegraphischen Glückwünschen auch Telegramme Na houms.desneuenChachamBaschider Türkei und Nissim Mazliachs, des Abgeordneten des türkischen Parlaments. Die Generalversammlung beschloß die Gründung einer Agrarbank. In die Leitung wurden neugewählt: Dr. Klausner, Bjalik und Lewensoyn. New-Bork. Dr. Schemarjabu Lewin propagiert energisch für das neue Technikum in Haifa. Allein in Baltimore brachte er 3000 Dollars zusammen. Aus der Lehrerwett. Frankkurt a. M. Vakanzen. Vlotho an der Weser, Lehrer und Kultusbeamter per 1. April oder später. Anfangsgehalt 1500 Mark. — Berlin. In der Freitag-Sitzung des Abgeordnetenhauses stand folgender Antrag Eickhoff (Frs. Vg.) auf der Tagesordnung: „Die Staatsregierung zu ersuchen, im nächstjährigen Etat Mittel zur Gewährung von dauernden Beihilfen an leistungsunfähige jüdische Kultusgemeinden für ihre Geistlichen, und derenHinterbliebenen bereitzustellen." Der Antrag wurde, trotzdem sämtliche Redner ihr Wohlwollen äußerten, gegen die Stimmen der Freisinnigen und eines Teiles der Nationalliberalen abgelehnt. Aus der der Abstimmung vorangegangenen Debatte sei folgendes wiedergegeben. Ministerialdirektor v. Chappuis sprach gegen den Antrag. Daß staatliche Beihilfen nur der evang. und kathol. Kirchengemeinden gegeben werden, beruhe auf der geschichtlichen Entwicklung; ein Korrelat dafür bilde das weitgehende Aufsichtsrecht des Staates. Der Herr Minister stehe den Bestrebungen der jüd. Religionsgemeinschaft durchaus wohlwollend gegenüber: er werde seine Hilfe, wenn es sich um die Anstellung eines jüd. Religionslehrers in leistungsschwachen Gemeinden handelt, niemals versagen; ebenso werden Beihilfen aus den „Unterstützungsfonds'für Geistliche aller Bekenntnisse" in wohlwollendster Weise auch den jüd. Geistlichen gewährt werden. — Abg. ÜB in cf [er (kons.) sprach seine Anerkennung und Bewunderung für die Opferwilligkeit jüd. Gcnicinden aus. — Auch Abg. Viereck (fk.) erkennt an, daß Billigkeitsgründe für den Antrag sprechen; aber es lägen staatsrechtliche Bedenken dagegen vor. — Für den Antrag sprachen Eickhoff und Aronsohn (Frs. Vg.) und Friedberg (natl.). Stuttgart. Stach dem gelegentlich der Beratung der Volksschulgesetznovelle von Abg. ,H i e b c r erstatteten Berichte giebt es jn Württemberg 24 cinklassige israel. Volksschulen (15 unterstehen der evangel., 9 der kathol. Schulbehörde, 6 sind offcntl., 18 freiwillige Konfessionsfchnlen). Die israel. Volksschulen werden nunmehr dem einheitlichen Oberschulrat unterstellt; die Einzelheiten ihrer Beaufsichtigung überläßt das neue Gesetz der Verordnung des Ministeriums. HidalmüSiUngarn). Unser Oberrabb. Samuel Pancth ist 74jährig gestorben. Sein Sohn, Rabbiner Majer Paneth zu Varmezö, wurde noch vor der Bestattung zum Amtsnachfolger ausgerufen. AuS den Vereinen. Frankfurt a. M. Im Jüd. Frauenverein beendete am vergangenen Montag Herr Jacob R o 1 e «i) e i m seinen Vortragszyklus „Jüdische Gebete". Der diesjährige Kurs schloß sich dem des Vorjahres, der das Morgenlied „Schachar awakeschcho", „Wann aulom" und „Elaukai neschomoh" behandelt hatte, an und zeichnete sich gleich jenem durch die klare, begeisterte Darlegung des. gedanklichen Gehalts unseres Morgengebetes aus. Nur in den äußersten Umrissen läßt sich die ungeheure Fülle des Gebotenen wiedergeben. Herr Rojenheim begann mit den „Birchaus haschacher", die den Menschen nach der Unfreiheit des Schlafes zu fteiem, sittlichen Handeln, das sich auch in der Lobpreisung Gottes und der Anerkennung seiner Wallung ausspricht, ausrufen wollen. In „Boruch scheomar" finden ivir die Eigenschaften Gottes und sein Verhältnis zu allem Erschaffenen, Welt und Menschen, wobei der. Redner den Unterschied zwischen. dem rabbinischen und dem naturwissenschaftlichen Entwicklungsgedanken besonders beleuchtet. Jedes Wort des „Boruch scheomar" gewann durch Herrn Rosenheim's geist- und gemütvolle Auslegung seine besondere Bedeutung. Mit einem Ueberblick über die Einteilung des Morgengebetes, das uns gleichsam durch 4 Welten führt, die des Menschen, die der Natur und Geschichte, die der Engel und die des Höchsten, schloß der Zyklus, der den Teilnehmerinnen viel Belehrung gegeben hat. Es sei noch mit Dank des interessanten Vortrages gedacht, den Herr Prof. Dr. Fink auf besonderen Wunsch des Frauenvereins gehalten hat, nachdem er bereits int Nachlas Zwi mit großem Beifall ausgenommen worden war. „Naturwissenschaftliche Hypothesen im Lichte der jüdischen Anschauung." Da in diesem Blatte von anderer Seite schon über den Vortrag berichtet worden ist, erübrigt es sich, nochmals darauf einzugehen. Frankfurt a. M. Der Verein «Nachlaß w i" wird Montag, den 8. März im Saale der iederhalle (Langestr. 26), eine Purim fei er in Form eines Herren-Kommerses veranstalten. Frankfurta.M. Eine .Scholaum Aleichem"- Feier wird, wie uns mitgeteilt wird, von einer Anzahl Verehrern dieses hervorragendsten jüdischen Humoristen vorbereitet. Die Feier wird Mittwoch, den 3. März im Saale der Liederhalle (Langestr. 26) stattfinden, und ihr Reinertrag fällt dem Dichter, der jüngst sein 25 jähriges Schriftstellerjubiläum feierte und.krankheitshalber in Italien leben inuß, zu. M kommen Lieder, Monologe und Erzählungen znm' Vortrage und ein Hustspiel zur Aufführung. Eintrittskarten.sind im Vorverkauf in der Buchhandlung von SängerLFriedberg zu 90 und 40 Pfg. erhältlich und kosten an der Abendkasse 1 Mk. und 50 Pfg. Kunst und Literatur. Verein Mekize Nirdamim. Allen denjenigen, die vom Judentum und vom jüdischen Leben Kenntnis haben, ist es nicht unbekannt, welche außerordentliche Bedeutung die hebräische Literatur sür die Jndeoheit gehabt hat. Die Forscher wissen aber auch, daß viele literarische Schätze, besonders in den Jahrhunderten vor Erfindung der Buchdruckerkunst, verloren gegangen sind, und daß viele wertvolle Schriften aus allen.Gebieten der jüdischen Literatur — religiöse, poetische, historische usw. — nur in einer einzigen oder in ganz wenigen Handschriften erhalten sind, welche es voll verdienen ans Licht gezogen und zeitgemäß herausgegeben zu werden, bevor sie, in Bibliotheken verschlossen, vermodern. Es ist beßhalb eine heilige Pflicht aller, welche ein Herz für die jüdische Literatur haben, dazu beizutragen, daß diese wertvollen Schriften ans 'Tagelicht gefördert werden können. Kritische Ausgaben, nach den modernen Editionsprinzipen veranstaltet, sind nötig, damit sowohl die Männer der Wissenschaft — Juden und Nicht - Juden —, als auch das jüdische Publikum, das noch die hebräische Literatur mit berechtigter Liebe .umfaßt, unsere Geistesschätze kennen lernen. Da nun bekanntlich auf jüdischem Gebiet sich kerne Akademien finden, die, mit reichen Geldmitteln ausgestattet, solche.Editionen veranstalten könnten, und da die jüdischen Institutionen, die etwa in Frage kämen, der Aufgabe sich nicht speziell widmen können, .ist es nötig, daß ein .besonderer Verein die Aufgabe zu lösen sucht. Schon im Jahre 1864 stiftete .deshalb Dr. E. L. Silberrnann s. A. den Verein Mekize Nirdamim, und es gelang ihm in den 10 Jahren, in welchen er ihn leitete, eine Reihe wertvoller Werke zu veröffentlichen. Der aus verschiedenen Gründen aufgelöste Verein wurde von Professor Dr. A. Berliner im Jahre 1885 neugegründet, und .in 20 Jahren ist dann unter seiner Leitung eine sehr große Zahl von bedeutenden Werken ans den verschiedensten Gebieten der jüdischen Literatur erschienen, bis er vor. 3 Jahren, seines vorgerückten Alters wegen, cs wünschte, daß jüngere Hände die Leitung übernehmen sollten. Jn den verflossenen 3 Jahren ist der Verein schmerzlich vermißt worden, und wir sind deshalb zusammen getreten, um zu versuchen, denselben wieder ins Leben zu rufen. Herr Prof. Berliner hat uns feinen wertvollen Beistand zugesagt und hat uns die Güte erzeigt, das Ehrenpräsidium übernehmen zu wollen. Eine Anzahl kundiger Forschern haben schätzbare handschriftliche Werke teilweise oder ganz bearbeitet und sind gewillt, ihre Arbeit unter der Aegide des Vereins erscheinen zu lassen. Es hängt jetzt von dem materiellen Beistand ab, den wir bei denjenigen finde», welche die hebräische Literatur schätzen, ob es uns gelingen wird, unser Vorhaben glücklich durchzuführen. Als die Werke, die wir schon für das Jahr 1909 herauszugeben denken, nennen wir: 1) Die Kommentare des Eliezer von Beaugency, Schüler des .R. S. B. M., zu Ezekiel und den 12 kl. Propheten. 2) Erklärung des Talmudtraktates Mo'ed Katon von Salomo b. H'ajathom, einem der wenigen Vertreter der süditalischen Schule. Nach einer einzigen jüngst bekannt gewordenen Handschrift. 3) Ma'aseh Hageonim, inhaltlich mit S. Hapardcs verwandt. 4) Forsetzung der Ausgabe vom Diwan des Jehnda Halevi.' Wir fordern deshalb alle früheren Mitglieder des Vereins Mekize Nirdamim und auch alle, die für unseren Plan Interesse hegen, dringlichst auf, in den Verein einzutreten. Jedes Mitglied, das den Jahresbeitrag von 10 Mark*) zahlt, erhält die Jahresschriften des ' Vereins zngestellt. - *) Einzahlungen nimmt Herr LeoMainz, Frankfurt a. M., Uhlandstr. 4L entgegen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.