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Neue jüdische Presse · 1909-02-05 · Heft 5 (5.2.1909) · p. Seite 10

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
7 (1909)
Issue
Heft 5 (5.2.1909)
Date
1909-02-05
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Nr. 5 beite 10. Frünkftkrtrr UxMUWS FaMlisnUM. seinem reichen Wissen, seine Charakterfestigkeit, die eiserne Konsequenz, mit dem er an dem einmal für Recht erkannten, sesthielt. Diese Rückgratsscstigkeit konnte derjenige am deutlichsten erkenne», der mit ihm in Verwaltungen zusanimen arbeitete. Cr kannte keine Scheu, furchtlos und offen sagte er seine Meinung, ohne darnach zu fragen, ob diese gefalle oder nicht, und auch nicht darnach, welche Konsequenzen dieser Bekennermut seiner Person bringen würden. Unbekümmert um Lob und Tadel ging er seinen Weg und verfolgte seine Ziele; auch Kränkungen konnten ihn nicht anfechten. — diese sind ihm leider nicht erspart geblieben —, und in Situationen, >vo ein anderer sich unmutig zurückgezogen hätte, wenn ihm Verkennung seiner Wirksamkeit zuteil geworden, da hielt unser verstorbener Freund zu unserer aller Bewunderung an seinem Platze fest, persönliche Kränkung konnte ihm nichts anhaben, weil er die Sache über' die Person stellte. In unserer alles nivellierenden Zeit, die schlecht dazu angetan, Charaktere zu bilden, werdeir Männer vom Schlage R. Ettlingers immer seltener, sie sind schwer zu ersetzen. Die Kreise, die er in der Gemeinde vertrat, haben mit ihm eine ihrer tatkräftigen Persönlichkeiten verloren. W. H. Aus der zionistischen Bewegung. Frankfurt a. M. Bei der Expedition gingen für den Nationalsonds ein: Die „Jbryah"-ä>ruppe zu Frankfurt a. M. spendete zum 50. Geburtstage N. Sokolows am 5. Schwat einen Baum im Hcrzlwald 0,— JL Q £). o, Frankfurt a. M. Donnerstag, ll. Februar, 8?/i Uhr abends, wird in einer von der hiesigen zionistischen Vereinigung veranstaltete» öffentlichen Versammlung im großen Börsensaale Herr Dr. Margulies aus Trantenan (Böhmen) einen Vortrag über das Thema Der Weg ins Freie! halten. — Herr Dr. Margulies gehört zu den - Vorkämpfern der jüdisch-nationalen Bewegung in Oesterreich, deren Bemühungen die Schaffung eines jüdischen Klubs im österreichischen Reichsrat gelungen . ist. Dr. Margulies ist zur Zeit aus einer Tournee durch Deutschland im Aufträge des zioikistifchen Zentralbnreans in Berlin begriffen. Eine Diskussion im Anschlüße an den Vortrag ist erwünscht. Müuche«. Gelegentlich der letzten hiesigen Kultusgemeindewahlen ist der Zionismus Gegenstand vielfacher Erörterungen innerhalb der jüdischen Bevölkerung Münchens gewesen. Es hat sich dabei gezeigt, daß in weiten Kreisen der.Gemeinde, insbesondere auch bei inaßgebenden Persönlichkeiten der Verwaltung, über das Wesen der zion. Bewegung, ihre Grundlagen und Ziele gänzlich unrichtige Vorstellungen herrschen. Deshalb sah sich die hies. Ortsgruppe veranlaßt, die einschlägigen Fragen in einem Vorträge behandeln zu lassen. Obwohl München z. Z. im Zeichen des Carncvals steht, hatten sich doch einige Hundert Personen, worunter auch Mitglieder der Kultusvcrwaltuug, eingefundcn, um den interessanten Ausführungen des Redners, Herrn Julius S i m o u - M a n n h e i m, zu lauschen. Es ivürdc Lu weit führen, hier die trefflichen Worte wicderzugebcn; es sei nur betont, daß Herr S. es verstand,' die Entwickelung des' Zionismus in den ll Jahren seit dem l. Kongresse in einer Weise zu schildern, daß jeder Jehudi, dessen Herz wirklich jüdisch fühlt, sich sagen mußte, jüdisch und zionistisch sind Begriffe, die sich nicht getrennt denke» lassen. Dem einstündigen mit lebhaftem Beifall ausgenommencn Bortrag folgte eine rege Diskussion, die von einem echten Assimilanten mit den bekannten antijüdischcn Schlagwortcu eröffnet wurde. Nach der Erwiderung seitens des Referenten kamen dann neben einem sachlichen Gegner noch eine Anzahl Gesinnungs - Genossen zum Wort, welche die Ausführungen des Referenten ergänzten. Interessant waren die Bemerkungen des Führers der hiesigen Orthodoxen, der Anfangs in begeisterten Worten die Tätigkeit der Zionisten lobte und sein Bedauern aussprach, daß er anläßlich der letzten Wahl nicht den richtigen Weg cjnschlug. Wenn er auch gerne mit den Zionisten, denen er ganz besonders für ihre Einwirkung auf die Jugend das höchste Lob. zolle, in vielen Fragen Hand in „ Hand gehe, so könne er sich der Organisation doch nichtanschließen, da er sich nicht iin Zuge von Nordau und Marburg nach Jerusalem bringen lassen wolle, sondern ruhig der Erlösung von Gottes Gnaden harre. — Zu letzteren Musterungen eine kurze Erwiderung: Es ist doch merkwürdig, daß der Führer der Münchner Orthodoxen gerade in Bezug auf den Zionismus ' n u r aus Wunder sich verläßt. Ihm istidoch bekannt, daß der Rambo» tni Sinne des Sifri davor warnt, nur einzig und allein auf Wunder unsere Hoffnungen aufzubauen. Die Tätigkeit des Zionismus ist nach unseren Schriften doch nur als Vorbereitung aufzufassen, und Nordau und Marburg wollen sicher keinen Tempel bauen und nach alter Weise einrichten. Wenn das palästinensische Gemeinwesen von Nordau und Marburg eingerichtet sein wird, dann hat der Führer der Münchener Orthodoxen noch immer nicht nötig, den Münchener Staub von den Füßen zu schütteln, um in Palästina seinen Funktionen als Lcwi gerecht zu werden. Zioni. Wien. Advokat Dr. Leovold Kahn, einer der Getreuen Herzl's und vom 2. bis zum 7. Kongreß Mitglied des Enger» Aktionskomitees, 'ist — erst 50 jährig — einem Herzschläge plötzlich erlegen. Dr. Leopold Kahn wurde in Snczawa in der Bukowina geboren und genoß eine echt jüdische Erziehung, von der er seine vorzüglichen hebräischen Kenntnisse und sein lebendiges jüdisches Interesse behielt. Dem Zionismus schloß er sich sofort mit Feuereifer an. Auch um oje Errichtung und das Aufblühen der Wiener Toynbeehallc hat er sich im Verein mit seiner gleichgesinnten Gattin ganz hervorragend verdient gemacht. Erwähnt sei auch, daß er als Vertreter des Altionskomitees dem Pretzburger Misrachi-Kongreß im August 1904 beiwohnte. Trauteuau Böhmen). Der bekannte zionistische Führer Dr. E m i l M a r g u l i e s hat seinen Wohnsitz von hier nach K a t t o w i tz verlegt. Aus de« Vereinen. Frankfurt a. M. Wie uns aus dem Büro des „Montefiore" - Vereins mitgetcilt wird, findet regelmäßig am Samstag Mittag von 12i/i bis 1 Uhr ein Tenach - Schinr unter Leitung des Herrn Dr. M a y statt. Die Mitglieder werden zu reger Beteiligung cingeladc». Frankfurt a. M. Auf den Disknssionsabend, der Sonntag Abend im Verein „Tiferis B'achurim" stattsindet, sei auf Wunsch auch an dieser Stelle hingewiesen, denn das Thema „G ege n w artsaufgaben der gesetztst re neu Jugend" ist ein überaus wichtiges. Würzburg. Ueber »Alte und neue Synagogen baute n" lautete das Thema, das Architekt Ll. L e h m a n n - M a n n h e i m , im Verein für jüdische Geschichte und Literatur, am 26. ds. Mts. behandelte. Die Kenntnis, daß in den Synagogen eine spezielle und eigentümliche Kunstgeschichte vorherrsche, ist noch nicht sehr alt und erregte deshalb umso größeres Interesse. Architekt Lehmann, der sich als geiviegter Kenner und Spezialist auf dem Gebiete des Synagogcnbaucs zeigte, führte zunächst ans, welche Anforderungen an eine Synagoge zu stelle» find, und entwickelte hieraus, iiamentlich für die alten Synagogen, ein bestimnitcs Charaktcristiknm, das durch Vergleiche an Bauten verschiedenster Zeiten und verschiedenster Länder festgelegt wurde. Zwar verwendete man im Acnßcreii und Innern die Formen der jeweils herrschenden Stile, beschränkte sich aber im allgemeinen mir ans eine reichere Innenausstattung, da ein üppiges Aeußere allzuhänfige Angriffe der Unduldsamkeit heraus forderte. Es gab sogar, besonders in den östlichen Ländern, eine ArtFestnngssynagogen, die zum Schutz und zur Verteidigung eingerichtet waren. Wo sich die Inden größerer Freiheiten ersrenten, entstanden aber auch Prachtbauten im wahrsten Sinne, wie in Toledo, Rom, Venedig, Padua niw. Eine besondere Klasse bilden die Hotzsynagogen des 47. Jahrhunderts in Pole». In neuerer Zeit entstanden auch bei uns prächtige Synagogenbauten, bei denen der maurische Stil i» eigenartiger Weise verwendet wurde. Dem interessante» Vortrage, der durch ejiie große Anzahl prächtiger Lichtbilder illustriert war, folgte das. zahlreich erschienene Publikum mit gespanntester Aufmerksamkeit. Esse». Hier wurde ein ^.Bezirks-Berband der jüd. Ingen b vc re in c des Rhein. - Westfäl. Industrie-Bezirks" gegründet. Der Verband besteht aus den jüd. Jugeiidvcrcineii in Essen, Bochum »nd Duisburg. Ans der Lehrerwett. Frankfurt a. M. Freitag, den 29. Januar, fand im Saale der Loge zum Frankfurter Adler eine Feier zu Ehre» von Fräulein Henriette Auerbach statt, die 25 Jahre lang am Dr. Heinemaun'schcn Institut gewirkt hatte. Außer den jetzigen Schülerinnen waren auch zahlreiche ehemalige Zöglinge erschienen. Als Vorsteherin sprach Frau Dr. Heine m a n n der Jubilarin de» herzlichsten Dank für ihre erfolgreiche Tätigkeit ans; Herr Schwab brachte die Glückwünsche des Lehrerkollegiums zum Ausdruck; Frau Titln L o c b gratulierte namens der ehemaligen Schülcrinnc» und überreichte der Jubilarin eine Ehrengabe, für die jetzigen Schülerinnen sprach M a r t h a Löwent h a l. Bewegt dankte Frl. A u e r b a ch für die zahlreiche» Beweise echter Anhänglichkeit, die ihr zu Teil geworden waren. Nürnberg. Am vergangenen Sonntag starb hier, wohin er sich nach seiner Pensionierung zurückgezogen hatte, der frühere württcmbcrgische Bezirtsrabbincr Dr. I s a a c H e i l b r o n n im 84. Lebensjahre. Der Verstorbene, der einer angesehenen jüdischen Gelehrtenfamilie in F n l d a entstammte, war zuerst in Erfurt und dann später bis zu seiner Pensionierung in Weikersheim in Württemberg als Rabbiner tätig. Nach außen ist der Dahingeschiedene trotz seines tüchtigen jüdischen und allgemeinen Wissens und 'seiner starken Begabung nicht hervorgetreten. Dem engeren Kreise seiner Gemeinde und eines Bezirks wird indessen sein Wirken unvergeßlich bleiben. 'Sein mildes, von echter Menschenliebe und von Nachsicht für die Schwächen der Menschen erfülltes Wesen, machte ihn nicht nur bei seinen Glaubensgenossen, sondern auch in nichtjüdischen Kreisen überall beliebt. Er hatte sozusagen keinen Feind. Die Bitternisse des Lebens, die auch ihm nicht erspart blieben, ertrug er mit dem philosophischen Gleichmut des echten jüdische» Weise». Alle, denen es vergönnt war, ihm, sei cs beruflich, ei es rein menschlich, näher zu treten, werden sein Andenken als das eines biederen, aufrechten, im besten Sinne duldsamen Mannes in Ehren halten. Hannover. Anläßlich des Jubiläums unseres ehrwürdigen Herrn Rabbiners Dr. Grone mann überreichten die vereinigten Landgemeinden demelbcn eine künstlerisch ansgcführte Adressenmappe; erner spendeten die Lehrer der Provinz Hannover einen kunstvoll ansgcführte» Chanukaleuchter. Beide Gegenstände, die aus dem kunstgewerblichen Atelier der Firma Felix Horovitz, Frankfurt a. Ai. hervorgingcn, machen dieser Firma alle Ehre. Breslau. Dem Jahresbericht des I ü d i s cht h e o l o g. Seminars geht eine Arbeit des Dozenten Dr. S. Horovitz über den Einfluß der griechischen Philosophie ans die Entwicklung des „Kalam" voraus. Dem Berichte selbst entnehmen wir: Die Frequenz betrug 29 Hörer. Die Bibliothek umfaßt . 17 910 Druckwerke in 23 938 Bänden und 212 Handschriften in 248 Bänden. Als Preisaufgaüe ist ausgeschrieben worden: „Die Benutzung der hl. Schrift durch Flavins Josephus"; der Termin zur Einreichnng einer Bewerbung läuft am 4. Juli 1910 ab. Burgpreppach. Dem 31. Rcchenschaf sberichtc der hiesigen Israel. Präparandcn--Schule entnehmen wir, daß am Schluß des Schuljahres 45 Schüler das Institut besuchten. Das Lehrerkollegium verlor Herrn Joseph Brannold durch den Tod, die Herren Deißenberger und Klngmann durchs Versetzung und »ach Schluß des Schuljahres Herrn Wolf Neumann durch den Tod. Die Herrn K. Kiesel und Max Strauß ans Hosheim,- zuletzt jn Berlichingen, traten in des Lehrerkollegium ein. Durch den Tod der beiden Lehrer sind der Anstalt schwere finanzielle Lasten erwachsen, — und die Zinsen des Pensionsfonds hatte» schon bisher nicht ausgereicht. Das Einnahme- und Ansgaben-Kontv balanziert mit 20 650 Mark, für Lehrergehälter und Pensionen wurden 8 860 Mark und für Ilntcrstützung an bedürftige Schüler 1852 Mark gezahlt. Bernburg. Nach 44 jähr-ger Amtstätigkeit ist unser sehr geschätzter Lehrer und Kantor, Herr S. B ö h m , seinen langen, schweren Leiden erlegen. Bunte Chronik. Eine Reminiszenz zu Felix D ah »' s 75. Geburtstag. Einer der deutschesten Dichter und hervorragender Rechtslchrer, der Breslauer Universitätsproscssor Felix Dahn feiert am 9. d. M. seinen 75. Geburtstag. Seine Bedeutung für die Literatur und die Rechtswissenschaft hier zu würdigen, kann nicht die Aufgabe unseres Blattes sein. Wenn wir trotzdem von dem Jubiläum des Verfassers von „Ein Kampf um Rom" und anderer berülMter Romane, epischer Dichtungen u. d. w. Notiz nehmen, so geschieht es aus dem Grunde, weil auch Felix Dahn, wie die meisten .unserer größeren Dichterheroen, incht dem Schicksale entgangen ist, von den Antisemiten als Kronzeuge ihrer jugcndhasserischen Tendenzen in Anspruch genommen zu werden. Hatte doch der Antisemitismus nicht einmal, sondern zu wiederholten Malen Felix Dahn für sich in Anspruch genommen. Und bei der bekannten Hartnäckigkeit, mit der der Antisemitismus bei seinen Unwahrheiten bcharrt, dürfte cs uns nicht wunder nehmen, wenn sic auch den 75. Geburtstag dieses Dichters wieder znm Anlaß nahmen, ihn als einen der ihrigen zu reklamiere». '^Darum sei daran erinnert, daß Felix Dahn mehrfach Anlaß genommen hat, sich gegen den Vorivurf antisemituscher Gesinnung mit aller Entschiedenheit zu verwahren. Als im Jahre 1895 die „Antisemitische Correspondenz" ein angebliches Gedicht Felix Dahns mit der Uebcrschrift: „Gruß an Deutsch-Oesterreich zu den antisemitischen Wahlen" veröffentlichte, erklärte Felix Dahn in einer Zuschrift an das' „Berliner Tageblatt" dies als „freche Lüge." Jn Wirklichkeit handelte es sich um ein Gedicht Dahns, das dieser 13 Jahre vorher, 1882, dem deutschen Schulverein gewidmet hatte, und der Zusatz „zu de» antisemitischen Wahlsiegen" war eine dreiste Fälschung der Antisemiten. Schon 3 Jahre vorher aber hatte der gefeierte Dichter gegen die Verbreitung der Meldung, baß 'er sich össentlich als einen Judenfeind erklärt habe, — eine Behauptung, die von dem bekannten agrarischen Antisemiten von Diest-Daber verbreitet worden war —, an den bekannten jüdischen Schriftsteller

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