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Neue jüdische Presse · 1909-02-05 · Heft 5 (5.2.1909) · p. Seite 11

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
7 (1909)
Issue
Heft 5 (5.2.1909)
Date
1909-02-05
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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gtfntffutfer JsraekttWeS FamilienNakt. Seite 11. Nr. 5. Dr. K'arpeles einen Urief gerichtet, in welchem es u. ci. hieß: „Mich hat diese Andichtung (nämlich Judenfeind zu sein) in lebhafteste Entrüstung versetzt; unter meinen nächsten Freunden sind Juden, die ich zu den trefflichsten Menschen zähle, die ich kenne. Wie sollte ich die Lebensgemeinschaft mit ihnen ausgeben? Ich habe sofort meine nachdrücklichste Verwahrung an mehrere Zeitungen geschickt und werde Ihnen sehr dankbar sein, wollen. Sie diesen meinen Zeilen weiteste Verbreitung geben." Und was Felix Dahn in diesem Briefe ausspricht, hat er auch, wie alle, die je mit ihm zusammenkamen, bestätigen werden, stets betätigt, insbesondere zählten auch in Königsberg, wo er eine lange Reihe von Jahren als .Rechtslehrer wirkte, viele Juden zu seinem Freundeskreise, noch mehr zu seinen! Becehrerkreise, und in Breslau, wo er seit 1884 eine Zierde der Universität ist, steht er gleichsalls in Verkehr mit Juden. Es ist ^bezeichnend, daß ein Mann Wie Felix Dahn, der, wie aus allen seinen sehr zahlreichen dichterischen und wissenschaftlichen Werken hervorgeht, so tief im a ltg e rm an i s che n Leben wurzelt, so absolut nichts gemein haben Ivill mit den Antisemiten, die das Germanentnm und Teutonentum ja in ' Erbpacht genommen haben und angeblich.in allein echter Münze verzapfen. Felix Dahn steht damit ans dem gleichen Standpunkt als Gegner des Antisemitisnius wie der greise Wilhelm Jordan, der Uebcrsetzer des Nibelungenliedes, und wie auch Ernst v. Wildenbruch, der eben verblichene große Dichter, die beide gleichfalls im germanischen Milieu dachten und dichteten. —y. Die Inden in S i c i l i e » und Kalabrien. Die furchtbare, durch Größe und Umfang des Verderbens bisher unerreichte Katastrophe, die in den letzten Tagen des abgelaufenen Jahres die Bewohner Siciliens' und Kalabriens hcimgesucht und in wenigen Moinenten weite. Stecken herrlicher Kulturen und hunderttausende blühender Menschenleben vernichtet hat, hat das Mitgefühl aller Völker und Nationen mächtig angeregt, und >vas nur Menschenantlitz und Menschengefühl besitzt, wurde angesichts des gräßlichen Massenunglücks tief erschüttert. Nachdem aber die erste Ueberraschung und Betäubung überwunden war, regte sich allenthalben das Sonderintercsse an Heiinats- und -Volksgenossen, inwieweit diese vom Unglück und Schaden betroffen wurden, und so mag auch manchem unserer Stammesgenosse» die Frage auf den Lippen geschwebt haben, ob und in welchem Umfange auch Juden bei dieser Katastrophe heimgesncht worden sind. Ihr Anteil ist gleich Null, denn seit dem denkwürdigen Jahre 1492, da Ferdinand der Katholische die Juden aus Sicilien, gleichwie aus den spanischen Ländern, vertrieb, gibt es dort keine Juden mehr. Religiöser Haß und Fanatismus hatten es zustande gebracht, ein Volk, das an dem Ausblühen von Handel und Gewerbe, an der Entwicklung der geistigen Kultur hervorragenden Anteil genommen und mit seinen Mitbürgern im besten Einvernehmen lebte, zu vertreiben, und gleich den jetzt von eleinentarem Unglück 'Betroffenen irrten damals viele tausende von Juden, die auf Befehl des Königs ihre liebgewordene Heimat in Messina, Palermo, Reggio, Syracus und Catania und anderen jüdischen blühenden Gemeinwesen verlassen mußten, hilf- und planlos umher. Wie jedoch die Bevölkerung selbst über diese Grausamkeit urteilte, darüber äußert sich ein Historiker der damaligen Zeit in folgender Weise: „Es war ein ganzes Volk, das in die Verbannung hinauszog; ein Volk, mit welchem jenes durch Jahrhunderte gemeinsan! gelebt hatte, stand stumm, bestürzt, weinend am Ufer, auf den Stadtmauern, den Galerien und Dächern der benachbarten Gebäude, um den letzten Gruß zu geben und zu cmpfangenl. Die Inden verließen Sicilien, das viele Geschlechter ihrer Vorfahren einander folgen gesehen hatte, deren Asche eS umschloß, das für sie die teuersten Getvohnheiten, 'Neigungen und Erinnerungen in sich faßte, das Vaterland derer, die nun verdammt waren, anderwärts seufzend von diesem Hiunnel, diesem Meere, diesen geliebten Stätten, von den zurückgebliebenen Mitbürgern zu träumen. Der Despot, der Unschuldige bestrafte und vertrieb, konnte die unendliche Bitterkeit einer solchen Trennung nicht ermessen. Die Katastrophe bleibt unauslöschlich eingeschrieben unter die schlimmsten Erinnerungen, welche die Herrschaft des Königs von Spanien auf der Insel znruckgelassen Hab" Innsbruck. Rabbiner «agher. Vereins-Kalender. Verein „Nachlaß Zwi". Mittwoch, 10. Febr., abends 9 Uhr, im Vereinslokale, Schützenstr. 2: Vortrag des Herrn sind. Phil. Markus Elias: „Der gesetzestreue Jiide ein sreier Denker". Dozent: Herr Professor A. Wehl. Samstag, 6. Febr., mittags 12—1 Uhr, im Hörsaale der Synagoge Friedberger Anlage: Lektüre der „Neunzehn Briese" unter Leitung des Herrn Dr. I. H. Bondi. „Montefiore"-Berein. Samstag, 6. Febr., 12V*—1 Uhr: Teiiach-Schiur unter Leitung des Herrn Dr. May. Mittwoch, 10. Febr., abends 9 Uhr: Vortrag des Herrn Dr. I. Heinemann: „Der Glaube an „Einen Gott" im alten Griechenland". Jüdischer Frauenverein E. B. Montag, 8. Febr., abends 8h- Uhr, im Hörsaal der Jsr. Rel.-Gesellschaft, Schützenstr. 14: Der Aufbau des Morgengebetes. Herr Jak. Rosenheim. Mittwoch, 10. Febr., abends 9 Uhr, in der Realschule der Jsr. Rel. - Ges., Tiergarten. Lektüre und Erläuterung des Buches Hiob. Herr Direktor Dr. Lange. Hatchio. Samstag, 4>- Uhr: Die Poesie des Freitagabends im Ghetto. Verein Mekor-Chajim. Sanrstag, 6. Febr., nachm. 3>,,- Uhr: Mikro- Vortrag des Herrn A. M. Schwarzschild. Sonntag, 7. Febr., nachm. 6 Uhr, in der Aula der Realschule., am Tiergarten 8: Vortrag des Herrn Dr. Raphael Breuer über das Thema: „Die Geschichte einer Jugend". Verein zur Pflege von Literatur und Geselligkeit. Donnerstag, ll. Febr.: Lektüre- und Diskusjionsabend: „Faust". Verein für jüdische Geschichte und Literatur. Montag, 8. Febr., abends 8h'e Uhr, Eschersheimerlandstr. 27: Bortrag 'des Herrn Rabb. Dr. I. Horovitz über „Michael Sachs." Verein Tiseres Bachurim. Sonntag, 7. Febr., abends 9 Uhr, Hermesweg 25/7: „Gegenwartsaufgaben der gesetzestreuen Jugend." Referent: L. Perlmutter. Frankfurter Zionistische Bereinigung. Donnerstag, 11. Febr., abends 8-1 Uhr, im großen Börsensaal: Vortrag des Herrn Dr. Margulies - Trautenau über „Der Weg ins Freie." Carl Grebenau, SoW* “•?«->»«.. 7 iciepnon ovoy. Auswahlsendungen gerne za Diensten. Tee^Solftlelu* Goethestrasse 14 Telefon 34(58. Telefon 34(58. Erstklassige, dem Wasser angepasste Mischungen. 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