Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 7 (1909)
- Issue
- Heft 2 (15.1.1909)
- Date
- 1909-01-15
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Sette 2. gehenden Jahre erbrachten. Als Beispiel, wie sehr die Betriebskosten gewachsen sind, wird auf den Posten „Beleuchtung und Heizung" hingewiesen, der in der alten Synagoge 3000 Ak erforderte und jetzt 32 000 M. beträgt. Die Realschule verlangte bei einem Gesamtetat von 160 000 Ak 23 000 M. Zuschuß. Der Bericht schließt das finanzielle Bild mit dem wiederholten warmen Appell an die bewährte Opferwilligkeit der Mirglieder und mit dem eindringlichen Hinweis daraus, daß in einer Gemeinde, die auf dein Prinzip der freiwilligen Selbstbesteuernng berühr, es Pflicht eines jeden einzelnen Mitgliedes ist, ernstlich zu prüfen, ob .und inwieweit es ihm möglich ist, feinen Beitrag zu erhöhen. Nicht gelegentliche hochherzige Zuweisungen, an denen cs auch diesmal nicht gefehlt hat, sondern regelmäßige, im Voraus etatsmäßig einstellbare Beiträge sind nötig. Der Bericht erivähur ferner, das; sich für die alte Synagoge noch keine geeignete Verwendung gefunden har und daß die vor 2 Jahren gewählte Kommission zur Abänderung der Statuten ihre Arbeit beendet hat und die Resultate derselben nunmehr dem Vorstand zur iveiteren Bearbeitung vorliegen. Da sich niemand zur Diskussion meldet, so wird zur Neuwahl geschritten. Es schieden satzungsgemäß aus: Louis Jeist aus dem Vorstand, Adolf Stern und Naftali Schwabacher aus dem Ausschuß. Eine offizielle Wahlparole ist diesmal nicht ausgegeben worden, und da Herr Schwabacher eine Wahl in den Vorstand ablehnt, so wird Herr Adolf Stern mit 178 Stimmen in den Vorstand, Herr L o u i s Feist mit 181 Stimmen und auf Empfehlung eines am Eingang des Wahllokales ausgeteilten Stimmzettels Herr H u g o Bondi mit 307 Stimmen in den Ausschuß gewählt. Mit den üblichen Dankesworten wird um 6V2 U hr die Generalversammlung geschlossen. 8e!,. Mannheim. 100jähriges Jubiläum der b a d. L a n d e s s h n a g 0 g e. - Am 13. Januar 1809 ist das denkwürdige Edikt Großherzog Karl Friedrichs erschienen, durch welches der Eintritt der badischen Israeliten in das volle Bürgerrecht vorbereitet und ihnen eine kirchliche Verfassung verliehen nwrden ist. Aus Anlaß des hundertjährigen Jubiläums dieses Ereignisses ließ der Synagogenrat heute am hiesigen Denkmale des Großherzogs Karl Friedrich einen Lorbeerkranz mit entsprechender Widmung niederlegen. Am Samstag, den 16. d. Mts. wird in sämtlichen Synagogen des Landes ein vom Gr. Oberrat der Israeliten verfaßtes Gebet vorgetragen und an den Rabbinatssitzen durch die Rabbiner in der Predigt des Ereignisses und seiner segensreichen Folgen gedacht. Stratzburg. An: 1. Novln. 1908 besuchten die öffentlichen höheren S ch u l e n Elsaß-Lothringens 834 jüdische Schüler unter einer Gesamtzahl von 9268 Schülern und die aus kirchlichen Mitteln unterhaltenen höheren Schulen 56 jüd. Schüler unter einer Gesamtzahl von 2308 Schülern. Breslau. Der verstorbene Bankier Max P e r l s vermachte der Stadt Breslau eine V i e r t e l m i l l i 0 n zur Ausbildung jüngerer und zur Versorgung alter bedürftiger Kauflente ohne Unterschied der Konfession. Beuthen. Hier wurden vom Landgerichts- Präsidenten und von, E r st e n Staatsa n w a l t gemeinschaftlich Einladungen §n einem Iuristenball erlassen. Die umfassende Bezeichnung des Festes hat die Veranstalter nicht gehindert, von allen Juristen ausschließlich einen Teil der Anwälte un - e i n g e l a d c 1, zu lassen. Die nicht Eingeladenen, die sich säintlich allgemeiner Achtung erfreuen, Jahrzehnte lang im Orte amtieretl und unter dem früheren Präsidenten nie übergangen wurden, sind außer zwei polnischen zehn jüdische Rechtsanwälte. Würzburg. Bet der jüngst in der hiesigen israel. Kultusgemeinde stattgehabten Wahl von zwei Vorstandsmitgliedern und fünf Ausschußmitgliedern siegte die liberale L i st e. Noch nie war eine solch' große Wahlbeteiligung, wie diesmal; von 405 Wählern gaben 320 ihre Stimme ab. Oesterreich-Ungarn. Ezernowitz. Iw Vestibüle des „Jüdischen Hauses" wurde Sonntag die E n t h ü l l u u g der B r v n z e b ü st e D r. S t r a u ch e r s , des bekannten zionistischen Reichsratsabgeordneten und Präsidenten der hiesigen israelit. Kultusgemeinde, mit einer würdigen Feier vollzogen. Diese Ehrung wurde Dr. Straucher deshalb zu teil, weil nur seiner Energie das „Jüd. Haus" zu verdanken ist. Rußland. Wilua. Unter dem Vorsitze des Rechtsanwalts Sliosberg fand hier eine Versammlung der Verwalter der jüdischen Handwerkerschulen Frankfurter Israelitisches Familienblatt. statt. In seiner Ansprache wies Sliosberg darauf hin, daß das Gesetz von 1865, das den jüdischen Handwerkern außerhalb des Ansiedlungsrayons zu wohnen erlaubt, infolge der vielen Formalitäten wenig benutzt worden ist, so daß bis 1897 sich nur 8—9 Tausend jüdische Handwerker außerhalb des Rayons niederließen. Zur Hebung des jüdischen Handwerkerstandes schlägt er vor, die Ausbildung der jüdischen Handwerker nach Möglichkeit zu erhöhen und den Verkauf der Erzeugnisse derselben im Innern Rußlands zu organisieren. An die „Jca" in Paris und an Baron Ginsburg und Bramsohn in Petersburg werden Begrüßungs-Telegramme abgesandt, und dann wird in eine Diskussion über die Frage, warum der Schülerbesuch der Handwerkerschulen so unbefriedigend ist, eingetreten und nach Verlauf einer sehr langen und eingehenden Debatte beschlossen, den Handwerkerschulen Vorklassen anzufügen, in denen das Notwendigste einer Elementarbildung gelehrt wird. Die Versammlung faßt außerdem nach Anhören von Referaten und eingehender Beratung den Beschluß, Unterstützungsvereine für arme Schüler und ein Stellennachweisbüro zu gründen und Propaganda- Versammlungen einzuberufen, in denen über die Bedeutung Per Handwerkerschulen gesprochen wird. Rumänien. Bukarest. Die jüdischen Schankwirte Jassys sind nunmehr zu je 150 Frs. Strafe v e r » urteilt worden, weil sie, wie ich s. Zt. berichtete, es gewagt hatten, gegen ihren Verleumder deir Chemiker Smuleanu Klage zu erheben. — Kommentar überflüssig. Personalien. Frankfurt a. M. Am 16. Januar 1869 trat err Meier Rothschild, Windeckstraße 31, als ehrling bei dem Bankhause A. Merzbach ein. Bis heute, da er die Stelle eines Büro-Chefs begleitet, ist derselbe ununterbrochen in dem gleichen Bankgeschäfte tätig. Aus diesem Anlasse begeht die genannte Firma dieser Tage das 40 j ä h r i g e D i e n stjubiläum ihres treuen Beamten, der sich übrigens infolge seiner Frönrurigkeit und Menschenliebe in weiten Kreisen der wohlverdienten Wertschätzung erfreut. Karlsruhe. Der Großherzog ernannte den eZt 30jährigen, aus Riga gebürtigen Hofopernsänger HermannJadlowker in Karlsruhe zum Kammersänger, oen Pianisten Moritz Mayer- Lahr in Berlin zum Professor und den Fabrikanten Emil Mayer in Mannheim zum Kommerzienrat. München. Rabbiner Dr. C Werner erhielt den Orden vom heiligen Michael uud Kommerzienrat S. G u t t m a n n den M i ch a e l 0 r d e n 4. Klasse. Den Großkaufleuten H i r s ch b e r g u. Landauer- München, den Fabrikanten Wassermann- München und R 0 senfelder - Fürth und dem Bankier Wassermann- Berlin wurde der Titel Kommerzienrat und dem Rechtsanwalt Dr H e r z f e l d e r - München der Titel I u st i z r a t verliehen. Landgerichtsrat Rose ist zum Landg e r i ch t s d i r e k t 0 r in Fürth befördert worden. Strastburg i. Elf. Anläßlich keines goldenen Doktorjubiläum erhielt der Gemeindearzt Sanitütsrat Dr. G 0 l d s ch m i d t den Roten Adler orden 4. Klasse. Breslau. I Alexander. Seniorchef des Bankhauses Gebrüder Alexander, feierte am 11. Januar das 75jährige Bestehen seiner Firma, seinen 70. Geburtstag und sein 50 j ä h r i g e s Chef- I u b i l ä u m. Graudenz. Dem Rentner Salomon Lewins 0 h n wurde der K r 0 n e n 0 r d e n 4. Klasse verliehen. Neustadt i. Schlef. Im 80. Lebensjahre ver schied Geheimer Kommerzienrat Joseph Pinkus^, Seniorchef der weltbekannten Leinenfabrik L. Fränkel. Czernowitz. Apotheker Philipp Füllenbaum, früherer Bürgermeister von Storozynetz, der sich in der hiesigen jüdischen Gesellschaft allseits der größten Beliebtheit erfreut, wurde zum E h r e n b ü r g e r der Stadt S t 0 r 0 z y n e tz er- Aus der Lehrerwell. Frankfurt a. M. V a k a n z e n. - St. Ingbert, Vorbeter, Religionslehrer und Schächter per 1. April. 1100 M. Ansangsgehalt, freie Wohnung, 700 M. Nebeneinkommeu. — Klingenberg a. M., Vorbeter, Religionslehrer und Schächter per 1. Februar. 1700 bis 1800 Ak Einkommen. — Dresden, akadem. gebild. Lehrer für Religionsunterricht an der isr. Religionsgemeinde. — Alsheim (Rheinhessen), Borbeter, Religionslehrer und Schächter per bald. 800 Ak Gehalt, freie Wohnung und Nebeneinkommen. — Hönheim bei Straßburg, Vorbeter und Schächter per sofort. 1800—2000 Jk Einkommen. — Saar-!Ui 2 Union, Vorbeter und Schächter per 3. März. 1600 bis 1800 Ji Einkommen. Budapest. Im Alter von 96 Jahren verschied in Großwardein Rabb. S. Silber st ein, ein Bruder des Waitzner Rabb. D. Loeb Silberftein s. A., und im 49. Lebensjahre infolge eines Unglücksfalls — als er von einem Begräbnis zurückfuhr, wurden die Pferde scheu und schleuderten ihn aus dem Wagen — in Mezökerezter Rabb. Salomon Klein, ein Enkel des berühmten Szelöczer Rabbiners Samuel Schmelke Klein. K. verfaßte die Schriften „Dowor b'ittau" und „Nischmas odom" und begründete die Maggidus- Zeitschrift „Maggid Meschorim". Israel Rosenthaler. Ein Beitrag zu seiner W ü r d i g u n g. Als am 28. Dezember sich ein ansehnliches Trauergefolge auf dem Friedhofe der Frankfurter Israel. Religionsgesellschaft versammelte, um meinem unvergeßlichen Freunde, dem Herrn Lehrer Israel Rosenthaler, die letzte Ehre zu erweisen, da empfand wohl ein jeder der Teilnehmer die schmerzvolle Tragik, welche diese Bahre umschwebte. War doch Rosenthaler seiner Frau, seinen Kindern, seinen Geschwistern und übrigen Verwandten, sotvie seinen zahlreichen Freunden jählings entrissen worden zu einer Zeit, da er kaum auf der Schwelle des besten Mannesalters angelangt war. Aber den Verlust, den das edle und tüchtige Menschentum erlitten, das, was Freundschaft, Kollegialität, Herzensgüte, Offenheit und liebenswürdigste Geselligkeit an ihm hatten und durch seinen leider! so frühen Heimgang verloren haben, das dürfte nicht vielen der damaligen Trauergäste bewußt geworden sein. Israel Rosenthaler war das, was man — vielleicht etwas vulgär — einen Prachtmenschen nennt. Schon seine äußere Erscheinung hatte etwas Heiteres, Sonniges an sich. In seinen gesunden Tagen — welch ein gewinnendes Lächeln umspielte da oft den ausdrucksvollen Mund, was für ein gemütvoller Humor entströmte dann nicht selten den feinen Lippen! Ueberhaupt schien sein ganzer „äußerer Mensch" den inneren feinen, frohen und klaren Mensche, 1 wiederzuspiegeln! — Und welch einen Schatz an trefflichen inneren Eigenschaften wir in Rosenthaler zu Grabe trugen, das können nur die recht würdigen, welche dem Verewigten einst näher gestanden haben. In seiner Persönlichkeit waren Verstand und Gemüt harmonisch vereinigt. In seinem Geist hielten sich ein praktischer Realismus und ein aufstrebender Idealismus auf's glücklichste die Wage. Rosenthaler war kein kalter Verstandesmensch und kein überhitzter Gefühlsmensch. Das Urteil seines kühl abwägenden Verstandes wurde gleichsam von der Sonne seines Gemütes wohltätig erwärmt — und andrerseits die Lebhaftigkeit seiner Phantasie zugleich durch die Ruhe seiner Ueberlegung auf's günstigste beeinflußt. Daher konnten seine Freunde die zwingende Beweiskraft seiner Argumente, die logische Geschlossenheit seiner Ausführungen bei Erörterung von Fragen mancherlei Art oft bewundern. Und wenn wir uns dann an seiner dabei entwickelten Beredtsamkeit erfreuten, so galt unsere Freude jenem zugleich mitbebende,n Seelenton, der nur aus Herz und Gemüt stammt. — Daß ein solch herrlicher Mensch ein treuer Freund und Kollege gewesen sein mußte, erscheint fast selbstverständlich. Wen Rosenthaler in sein Herz eingeschlossen hatte, für den konnte er große persönliche Opfer bringen. Dann kannte seine Gefälligkeit, sein hilfsbereites Einspringen für andere, keine Grenzen. Ein lebhaftes Standesgefühl zeichnete ihn aus. Freud- und leidvolle Ereignisse in der jüdischen Lehrerwelt verfolgte er mit reger Anteilnahme. Ueberaus gern weilte er unter seinen Kollegen. Da war er der liebenswürdigste Gesellschafter, sprudelnd von Witz und Laune, ein Virtuose im Erzählen, ein dankbarer Zuhörer. — Wie er so — sich selber unbewußt — die Herzen der ihm Näherstehende,r im Fluge gewann, so erwarb er sich die Achtung und Wertschätzung seiner Vorgesetzten, seiner Kollegen und weiter pädagogischer Kreise durch die Herausgabe seiner hebräischen Schreibhefte und der hebräischen Lesefibel. An Rosenthalers methodijchem Geschick, sowie an seinen Hilfsbüchern kann n,au ermessen, was die jüdische Schule in ihm verloren hat. An diesen begabten Lehrer durften wir einst ireitgehendc Hoffnungen knüpfen. Nach Gottes Ratschluß sollte es anders kommen. Unsere Hoffnungen sind zerstört, aber Rosenthalers Bild lebt beispielgebend in unseren Herzen weiter. Ich meine, daß von allen, die diesen klugen, treuen und aufrechten Mann näher gekannt haben, niemand ihn je vergessen wird. Und so ist denn auch sein Andenken ein gesegnetes! ä—s. Ans der zionistischen Bewegung. Hamburg. Am 4. Januar sprach in der Ortsgruppe vor einer zahlreichen Zuhörerschaft Rabbiner Dr. Max Joseph-Stolp über das Thema: „Im Kamps um den Liynismus." Der Redner wies darauf hin, daß das jüdische Leben auch in nichtzionistischen Kreisen einen Aufstieg er-