Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 7 (1909)
- Issue
- Heft 1 (8.1.1909)
- Date
- 1909-01-08
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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beite 4. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Sir. 1. entsprechendes und mit dem neuesten Comfort ausgestattetes prächtiges Schulgebäude zu errichten, dessen Einweihung unter großer Beteiligung stattfand. Eingeleitet wurde die Feier durch das Abfingen der Moaus-Zur-Hymnc des Schülcrchors unter bewährter Leitung des Herrn Lehrers Oppenheimer und einen Prolog, gesprochen von Herrn Ratzesdorfer. Sodann ergriff der Präsident des Schulvorstandes, Herr Sally Wolfs, das Wort. Er schilderte die Bedeutung der Anstalt für „Chisuk hatauroh" und wies an Hand von Aussprüchen unseres alten Meisters darauf hin, welchen bedeutenden Platz im jüdischen Leben die Schule einnahm. Das jüd. Volk "galt den übrigen Völkern stets als Vorbild in der Pflege seiner Kultur; in Antwerpen aber muß man beschämend konstatieren, daß, während die Deutschen und Franzosen schon längst ihre Schulen zur Wahrung ihrer Sprache und ihrer nationalen Eigenart besitzen, die Juden vor der Gründung der israel. Realschule keine würdige Pflanzstätte ihrer heiligen Kultur befassen. Der Redner skizzierte ferner das Lehrprogramm der Schule, welches in beit profanen Wissensfächern eine dem Lehrprogramm der allgemeinen belgischen Schulen gleichkommcnde Ausdehnung erlangen müsse und im Jüdischen die Zöglinge bis zum selbstständigen Talmud - Lernen befähigen soll. Um aber diesen inneren Ausbau der Schule zu ermöglichen, bedürfte cs der tatkräftigen Unterstützung seitens der jüd. Bevölkerung. Mit einem warmen, eindringenden Appell an die Anwesenden 'schloß der Redner seine von inniger Liebe zur Tauroh und zum jüdischen Volk durchgeglühten Ausführungen. Sodann ergriff Herr Rabbiner Ullmann das Wort, gleichfalls über die Bedeutung der Schulen im Judentum sprechend. Es folgten darauf Deklamationen einiger Schüler in hebräischer, französischer, vlamischer und deutscher Sprache. Nachdem der 2. Präsident des Schulvorstandes, Herr B. K r e n g e l, in einigen schlichten, tvarmen Worten den wohlverdienten Dank Herrn S. Wolfs ausgesprochen .hatte, ergriff Herr Direktor Dr. Mirkin, unter dessen ersprießlicher Leitung die Schule seit zwei Jahren steht, das Wort zu einem sowohl der Form als dem Inhalte nach ausgezeichneten Vortrage. Er behandelte die zwei extremen Gegensätze im Judentum; die «inen glauben, daß es der jüdischen Lehre schadet, wenn man sie mit der allgemeinen Bildung zu vereinigen strebt, während die anderen alles Jüdische als mit der allgemeinen Wissenschaft unvereinbar hinstcllen Redner weist auf die Hohlheit dieser beiden Ansichten hin und zählte aus allen Epochen der jüdischen Geschichte leuchtende Geister des Judentums auf, die gleichzeitig auch in allen anderen Wissensgebieten den würdigsten Söhnen der Menschheit an die Seite gestellt zu werden verdienen. Der jüd. Lehre könne nur dann ein Leid geschehen, wenn man sich gewöhnt, sie von fremdem Standpunkte aus zu betrachten, und die allgemeine Bildung sei mit der Thora nur dann nicht in Einklang zu bringen, wenn man die Spreu von dem Weizen nicht zu unterscheiden versteht. Er verweist dabei auf die Makkabäerzeit, in der nicht die eigentliche hellenische Kultur mit dem Judentume in Gegensatz geriet, sondern die Auswüchse und Unsitten der assyrischhellenischen Kultur unsere Lehre bedrohten. Die Aufgabe einer jüdischen Schule, wie es die hiesige ist, sei es, die wahre und echte europäische Kultur aus der falschen und hohlen ausznscheidcn, und sie in Verbindung mit der jüdischen Lehre in die Seele der Jugend einzupflanzen. — Es ist zu hoffen, daß der würdige Verlauf der Feier nachhaltigen Eindruck in der hiesigen jüdischen Bevölkerung hinterlassen hat. D. L. Palästina. Jerusalem, 23. Dez. Noch immer wird die * hl. Stadt von der Chacham-Baschi-Frage in Atem gehalten.-^Waren es aber früher die Konservativen, die den Kampf gegen die Fortschrittler aufnahmen, so herrscht jetzt innerhalb der noch jüdisch Gesinnten selbst Uneinigkeit. Mehrere Messunim (Vorsteher) sind gegen P a n i g e l. „Habazcleth", das hiesige orthodoxe Organ, tritt mit großem Nachdruck für E l j a s ch a r, den 'Sohn des verstorbenen - CH ach am Baschi, ein. Der Berufenste für diesen Posten ist ja Eljaschar; er wäre auch sicherlich nach dem Tode seines Vaters gewählt worden, wäre ihm nicht Antäbi, der mit beiden, .dem Vater sowohl wie dem Sohne, entzweit war, in den Weg getreten. Nun heißt es aber, daß derselbe Antebi, der cm Todfeind des alten Chacham Baschi war, nunmehr Partei für E l j a s ch a r nimmt. Das allerdings macht die prinzipienfesten Elemente stutzig. Nicht unwahrscheinlich ist es aber auch, daß jetzt Autäbi, nachdem nämlich seine Interessensphären sich verschoben haben, gleichgültig dem ganzen Wahlkampfe gegenüber steht. Sonst Nachteiliges kan» Eljaschar persönlich nichts nachgcsagt werde». Vorläufig ist P a n i g e l außer Amt gesetzt. Schabb a t a i, Chacham Baschi zu Aleppo, der zur Leitung der Wahlen bestimmt wurde, hat gemäß dem Landesgesetze, Panigel alle Agenden abgcnommen. — Besorgnis erregend sind folgende Vorfälle. Die Arbeiter, darunter notorisch autijüdische Elemente, taten sich zu einem Arbeitcrbund zusammen, um die Arbeitgeber zu der weitgehendsten Nachgiebigkeit zwingen zu können. Da geschah es, daß cs wegen eines ganz harmlosen Vorfalles unter den Arbeitern sclbst zu argen Ausschreitungen und Gewaltätigkeiten kam. Um derartige Unzuläßigkciten zu verhindern, verfügte ein verstärktes Beth-Din, daß wer zu dem Bunde gehört, nicht in Arbeit genommen werden sollte. Gegen diesen Rabbinatsbeschluß lehnen sich die Arbeiter auf, greifen in öffentlichen Pamphleten das Beth-Din und alle Vesser-Gesinnten der hl. Stadt auf unerhörte Weise an. Wie das enden wird, ist noch gar nicht abzusehen. H. Amerika. New-Aork. Wenn auch bier zu Lande die Weihnachtsfeiern in den Schulen keinen religiösen Charakter trage», sondern nur zur Erheiterung der Kinder bestimmt sind, so haben doch die jüdischen Eltern mit Recht dagegen protestiert, daß man ihre Kinder zu der Teilnahme an den Feiern zwingen will. Die Schulverwaltung bemühte sich, die Kinder von der Teilnahme an der Feier zu befreien, aber die christliche Majorität im Schulkomitee lehnte diesen Vorschlag ab. Bei dieser Sachlager riet die jüdische Presse den Eltern, ihre Kinder am Tage vor der Feier von den Schulen abzumeldcn, ein Vorschlag, 'den zahlreichen Eltern befolgt haben dürften. „N. I. K." New-Aork. Nach einer Reihe Beratungen der sogenannten „Clinton - Hall - Konferenz" und des „Amerikanisch-Jüdischen Komitees" soll nun energisch an die Bildung ei» er.Organisation der 800 000 Juden N e w y o r k s herangetrctn werden, also die jüdische Großgemeinde NeW-?) or k ins Leben gerufen werden. Alle jüdischen Organisationen der Stabt sollen Delegierte wählen, die jährlich einmal zur Wahl des Verwaltnngsrates, der die Geschäste der New-Uorker jüd. Gemeinschaft leitet, zusaminentreten. Personalien. Berlin. Landgerichtsrat a D. Moritz Berwin wurde zunr besoldeten Stadtrat in Schöneberg gewählt. — Die Aerzte David Caspar!, Paul Fuchs, Hugo Goldman,,, Anton Heimann, Georg Müller und S. Munter erhielten den Titel Sanitätsrat und die Rechtsanwälte L. Kayser, Ad. Hehmann, Fr. Koppel, Jul. Bauer, M. Drucker u. H. Sluz e w s k i den Titel I u st i z r a t. — Wie die „Allg. Ztg. d. Judent." berichtet, ist Professor Dr. Paul Lazarus, der jüngst einen Orden erhielt, kein Jude, ebenso nicht mehr der zum ordentlichen Professor ernannte Dr. C. Levy-Freibürg. Berlin. Paul Singer wurde anläßlich seines 25 jährige ii Stadtverordnetenjubiläums von einer Stadtverorduetendeputation eine Glückwunschadresse, in der besonders seine treue Pflichtersüllung im Dienste der Stadt hervorgchobcn wird, überreicht. — HugoHorowitz und Theodor Morgenstern wurden zu stellvertretenden Handelsrichtern criiaiint. Berlin. Dr. K-rrl Reich. Dr. Eduard Juliusberger - Breslau, Dr. H e r m a n u K a tz e ii st c i u - Cassel, Dr. Josef Freundl i ch - Düsseldorf und Dr. P c i s e r - Pleschen erhielten den Titel Sanitätsrat. — Im Alter von 56 Jahren verschied Kommerzienrat Ferdinand Hecht, Chef der Firma Geo Borgfeldt u. Co., Akt.-Ges. Mannheim. Stadlverordnetervorkieher Wilhelm Fulda war anläßlich seines 70. Geburtstages der Gegenstand sehr zahlreicher Ehrungen. Unter den Gratulanten waren der Oberbürgermeister Martin und die Abgeordneten Oefcr-Frankfiirt und Payer-Stuttgart. Karlsruhe. Rechtsanwalt Dr. Max Hachen bürg, Landgerichtsrat Dr. L. Strauß- Mannheim und Landgcrichtsrat Jakob Geiß in a r - Heidelberg erhielten das Ritterkreuz 1. Klasse mit Eichenlaub vom Z ä h r i n g e r Löwen und Rabbiner Dr. S v i tz - Gailingen und Herr Z i m me r „-Mannheim den gleichen Orden ohne Eichenlaub. Direktor D r i e s en-Karlsruhe erhielt das Ritterkreuz 2. Klasse, Lehrer Abraham Weil- Eichstetieu, Lehrer M a x S ch w a n - Gailingen, Kantor 'S. Rubin-Karlsruhe, Mo ritz Rothschild -Baden, Lazarus Pollack -Frciburg und E in a n u e l Strauß- Osterburken das B c r d i e ii st k r e ii z vom Z ä h r i n g e r Löwen. Die kleine goldene Verdien st - Medaille wurde Rcligionslehrcr Ferdinand Hanauer-Stcinsfurt und A. Hein ein ann- Rohrbach und die silberne V e r d i en st - Medaille Synagogenrat Heinrich Meier- Hörden verliehen. München. Eduard Silbermann. Rat am Oberlandesgericht, wurde zum Staatsanwalt beim Obersten Laudesgericht (Stellvertreter des Generalstaatsanwalts) ernannt. Nürnberg. Die Landg-riausräte Es ca l es und Theodor Mayer-Nürnberg und Wilmersdörfer -Augsburg sind zu stellvertret e n d e ii L a n d g e r i ch t s d i r e k t o r c ii ernannt worden. Mainz. 66 jährig verschied der Stadtverordnete Nathan Philipp Reis, der als Mitglied des Schulvorstandes und des Finanzausschusses eine umfassende Tätigkeit entfaltet hat und auch wegen einer Wohltätigkeit sich allgemeinen Ansehens erreutc. — IosefReinach wurde zum Handesrichter und Bankier Felix Goldschmidt wurde zum tellvcrtretenden Handelsrichter ernannt. Hagenau. Sanitätsrat Dr. L e o n W e i l l ist zum Nachfolger des jüngst verstorbenen Geh. Medizinalrats Dr. Alexander Levy in dessen Amt als Anstaltsarzt des Kaiser!. Frauen-Zuchthauses und der jiiiaben-Besserungsanstalt ernannt worden. (L.i Posen. Anläßlich seines 70. Geburtstages werden Herrn Moritz Asch heim, Armenrat, Vorsteher des Israelit. Armcn-Hilfsvereins, des Humanitätsvereins, des Gastfreundschaftsvereins rc., zahlreiche Ehrungen zu teil. London. Lord S w a v th l i n g bat sein Amt als Präsident der SchächtkomMission, welchen! Amte er fast 25 Jahre hindurch mit religiösem Ernste und ungewöhnlicher Energie Vorstand, aus Altersrücksichten — er ist 77 Jahre alt — niedergelegt. Konstantiuopel. Der zum Senator ernannte Bechor Effendi Aschkeuasr war einige Zeit Präsident der jüd. Gemeinde und legte sein Amt nieder, weil er in seinem Bestreben, Korrektheit und Ordnung durchzuführen, ans zu starken Widerstand stieß. Er ist ein guter Kenner des jüdischen Schrifttums und zeichnet sich durch Bescheidenheit, Wohltätigkeitssinn und besonders durch ein ehrliches, offenes Auftreten aus, tvelch' letztere Eigenschaft er als Mitglied des Staatsrates auch dem Sultan gegenüber siirchtlos betätigte. New-Aork. Nach schwerem Leiden verschied Dr. Samuel Glück, einer der angesehensten Aerzte unserer Stadt. Glück wurde in Budapest geboren und machte 1871 in Wien das Staatsexamen. New-Aork. An die Spitze des amerikanischen M a r i u e a m t s wird voraussichtlich der bisherigen Privatsekretär Noosevelts, Wilhelm L o e b, treten. Da der Oberadmiral der atlantischen Flotte ebenfalls ein Jude, Adolf M a r i x, ist, der zu diesem hohen Posten gelangt ist „in Anerkennung seines hervorragenden heldenmütigen Verhaltens in zwei Feldzügen", so werden somit zwei Juden die Leiden höchsten Posten in der amerikanischen Marine bekleiden. Aus der Lehrerwett. Frankfurt a. M. Vakanzen. Neustettin (11000 E., 270 i. E.) Kantor und Schächter zum 1. Mai. 2000 Mk. Gehalt und freie Wohnung- Frankfurt a. M. Dem N-krologe des im 39. Lebensjahre verschiedenen Lehrers Israel R o s e n t h a l e r sei noch nachgetragen, daß er sich durch eine größere Arbeit in der „Monatsschrift für die Wissenschaft des Judentums" um die Biographie von Wolf Heidenheim verdient gemacht und daß er anläßlich des 50jährigen Jubiläums der Realschule der Israelit. Religionsgesellschaft eine hebräische Schreib- und Lesefibel verfaßt hat, von der bereits die zweite Auflage erschienen ist. Seit Jahren cingeführt sind auch seine hebräischen Schreibhefte. Berlin, lieber die Gewährung von StaatsbeiHilfe an leistungsschwache Synago gen gemein den flir den Religionsunterricht hat der K u l t u s m i n i st e r folgende Bestimmungen erlassen: Der Unterricht ist unter Gewährung einer Staatsbeihilje nur da einzurichten, wo die Zahl der schulpflichtigen jüdischen Kinder dauernd mindc, stcns zwölf beträgt; dabei sind nur die die Volksschule besiichcndcii Kinder in Betracht zu ziehen. Werden in einer Synagogengemeinde mehrere Unterrichtsstationen eingerichtet, oder werden die schulpflichtigen jüdischen Kinder mehrerer Synagogengemeinden zu einer gemeinsamen Unterrichtsstation vereinigt, so ist mit einer Staatshilfe nur da cinzutreten, wo die Gesamtzahl der an, dem Unterricht in einer Station teilnehmenden jüdischen Kinder niindesteiis 12 beträgt. Es genügt also nicht, wenn in der Gemeinde 12 oder mehr jüdische schulpflichtige Kinder vorhanden sind, _ sondern cs müssen mindestens zwölf zu einer gemeinsamen Untcrrichtsstation zuni Zweck der Erteilung des Religionsunterrichtes vereinigt Iverden. Sinkt in eineiig Falle, in welchem der Religionsunterricht unter Gewährung einer Staatsbeihilfe eingerichtet ist, , die Zahl der an dem Unterricht teilnehmenden Kinder dauernd unter 12, so ist die Beihilfe zurückzuziehen. Bei Bemessung der Beihilfe werden lediglich die Kosten zu berücksichtigen sein, welche durch, Erteilung des t 'i *