Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 7 (1909)
- Issue
- Heft 1 (8.1.1909)
- Date
- 1909-01-08
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Seite 5. Rr. 1. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Unterrichts erwachsei,, nicht aber zum Beispiel sonstige Kultuskosten. Außer Betracht bleiben Fälle, in denen durch die Einrichtung besonderen Religionsunterrichtes für die schulpflichtigen Kinder unverhältnismäßig hohe Kosten erwachsen würden und eine unverhältnismäßig hohe Beihilfe gewährt werde» inüßte. Werden durch Kürzung oder Zurückziehung von Staatsbeihilsen Mittel verfügbar, so können die Regierungspräsidenten selbständig über diese Beträge zugunsten anderer Synagogengemeinden behufs Einrichtung jüdischen Religionsunterrichtes verfügen. Karlsruhe. Der allgemein sehr geschätzte Rabbiner Dr. Schiffer beging sein 25 j ä h r i g e s AmtsjnDiläum. Tüüngen i. Bayern. Unser in weiten Ki eisen angesehener Lehrer A. Esch Wege ist vom Prinzregenten zum Hauptlehrer ernannt worden. Konstanz. Dr. Holzer, Schwiegersohn Rabbiners Dr. Loewenstein-Mosbach, hielt hier eine Probepredigt. ll-.i Lissa. In den letzten Jahrzehnten hat sich die Schüler zahl der hiesige» jüd. Volksschule allmählich so verringert, daß jetzt nur noch 63 Kinder von 2 Lehrern unterrichtet werden. Es besteht die 'Absicht, die jüd. Schule mit der evangelischen zu vereinigen. Budapest. Die orthod. Gemeinde in Maros- Basarhely bot, wie die „Allg. Jüd. Ztg." berichtet, ihrem Rabbiner eine einmalige Abfindungssumme von 15 000 Kr. oder lebenslängliche Zahlung seines bisherigen Fixums, wenn er abdanke. Bei dieser Gelegenheit erinnert die „Allg. Jüd. Ztg." daran, daß die orthodoxe Gemeinde in M o z ö- K ö v e s d ihrem Rabbiner 6000 Kr. und die' Gemeinde in Sara n n o ihrem Rabbiner 8000 Kr. für den freiwilligen Rücktritt boten, die Rabbiner aber die Abfindungssumme nicht nahmen und zu ihrem Schaden klagten; während der Rabbiner der Maros-Vasarhelyer Status quo - Gemeinde die ihm gebotenen 6000 Kr. akzeptierte und Anstellung bei der Budapester neologen Gemeinde fand. Es sind traurige Zustände, auf die diese Mitteilungen Hinweisen. Riga (Rußland). Dr. L. Kanter ist zum hiesigen Kronrabbiner gewählt worden. 0 leuillefon. 0 Eine versunkene Welt. Roman von Jakob Levy. (Fortsetzung). bernen Kronen und der reiche Schmuck funkelten im Glanz der Lichter. Eine Nodesstille. — Jetzt begann der Ehasen Israel: „Jaaleh!" Langsain und feierlich stieg die Bitte gen Himmel, viermal wiederholte sich die Bitte, jedesmal inbrünstiger, daß der Höchste das Flehen der Gemeinde anhören möge. Einen solchen Gesang hatte die Gemeinde noch nicht gehört. Auch die Gebete, die folgten, rankten sich aneinander wie ein duftendes Blumengebänge, das von Engeln getragen, vor dem Throne des Ewigen dargebracht >vird. Nach beendigtem Gottesdienst blieb noch eine Anzahl Männer zurück, um die Nacht bei Gebet zu durchwachen. Der älteste der Anwesenden, Reb Würzburger, begann mit der Liturgie, die er Vers um Vers abwechselnd mit der Gemeinde sprach. Und so ging es Stunde um Stunde, deutlich ertönte nur die Stimme des Vorbeters, in die das Murineln der Frouunen einfiel. Die Kerzen zuckten und knisterten. Schlagschatten fielen in langen, schwarzen Streifen auf die in , Totenkleider gehüllten Beter, die in ihrer Andacht sich unausgesetzt verbeugten. - Endlich erhob sich der Rabbiner, damit den Schluß anzeigend, und die Männer gingen mit müden Schritten ihrem Heim zu. Die Mitglieder des jüdischen Magistrats hatten ihrem Worte getreu über die wichtige Verhandlung geschwiegen, und doch lag auf der Gemeinde ein Druck, wie die Ahnung eines nahenden Unheils. Der Jomkippur war diesmal in Wirklichkeit ein wahrer Bußtag. Noch niemals wurde das Sündenbekenntnis mit einer Inbrunst abgelegt, wie heute. Die Selichoth zu Mincha, Ivelche die schrecklichen Verfolgungen schildern, denen die Juden während der Kreuzzüge ausgesetzt waren, sagten die Männer schluchzend- und weinend. Und in Neila wurden die Bitten in den Owinu Malkenn's, in denen das Andenken an die Märtyrer wachgerufen wird, klagend gen Himmel geschricn; — konnten sich doch die Verfolgungen jeden Tag wiederholen! 'Aber die 'Anerkennung der Einheit Gottes zum Schluß klang von den Lippen der Andächtigen laut, langsam, feierlich. Wenn es des Schöpfers Ratschluß ist, werden sie alle, alle deu Namen des Ewigen iir den Flammen und unter dem Schlachtmesser Ehre geben, wie ihre Vorfahren! Am Schlüsse drängten sich die Söhne um die Väter, sie eilten hinaus aus die Straße. Die meisten Frauen waren schon vor Maariw .rach Hanse gegangen; die Männer kamen, nachdem sich noch den Segen über deu Neumond gesprochen, nach. „Es ist lobenswert von Euch, daß Ihr Euch auf Euer Judentum besinnt, Ihr habt ja auch selbst den größten Vorteil davon. In Geschäften aber läßt sich Wohl kein Jude mit Euch ein, solange Euer Vater sich nicht an den .Steuern beteiligt, wie es ihm zukoiumt." „Reb Bär, dazu vermag ich meinen Vater nicht zu überreden. Alber ich persönlich will den Betrag zahlen, deu die Stadt uns erlassen hat, damit ich mit der Gemeinde und besonders mit Euch in vollem Frieden leben kann." Er sah Bär erwartungsvoll an. „Joseph, es gefällt mir, daß Ihr das tlnrecht Eures Vaters wieder gut machen wollt." „Rcb Bär, erlaubt inir, Euch tveitcr zu besuchen. Wir haben wenig Freundschaft hier, und Ihr sollt mich besser kennen lernen." „Joseph, als braver Mensch und Jude sollt Ihr mir willkoiumen sein. Bür Kuchenheims Haus nimmt jeden ehrenwerten Mann gerne auf." Joseph empfahl sich, doch schon nach dem Abendbrot erschien er.wieder und traf nun die Familie um den Tisch versammelt. Aber sehr bald, auch bei '.seinen wiederholten Besuchen, zogen sich die Frauen zurück, unv dann sah Joseph allein bei Bär und dessen! Söhnchcn. Meistens stellten sich anch andere Bekannte ein; dann wurde ein Kartenspielchcn gemacht, geplaudert, Obst genascht. Aber es kamen auch andere Besucher, bei deren Erscheinen ein Band Talmud auf den Tisch gelegt und gelernt wurde. Ein Fest für Bär war es, wenn cm Gelehrter aus fremden Landen eingetroffen war. Der tvnrde geehrt >vie ein Fürst, Abends war das Zimmer gedrängt voll von Männern, die den Thoraanslegungen des Rabbi aus Amsterdam oder woher er sein mochte, horchten. Joseph, der kein Interesse daran hatte, blieb trotzdem als anschcineild eifriger Zuhörer und sagte zu Bär, daß er leider nicht viel Talnnidweisheit verstehe, aber zu lernen hoffe. — Es war Kol Nidrei-Abcnd. Die Synagoge war gefüllt bis auf den letzten Platz. Die Oellampen verbreitete» ihren ruhigen Schein, außerdem strahlten noch unzählige Wachskerzen, die Männer standen da in ihren weißen Sterbegewändern. Die Geineinde hatte das Schemone-Esre beendet. Die heilige Lade wurde geöffnet, golden- und silberbcftickte Mäntelchen der Thorarvllen, die sil- Jetzt gaben sic sich dem wohlverdienten Imbisse hin. Dieser begann erst bedächtig und vorsichtig mit Weißbrot, Hering und Branntwein als Vorspiel zu dem ergiebigen Abendbrot; später rüsteten sie noch etwas am Sparrenwerk Sukkah. 12. Kapitel. Bär Knchenheim erfuhr jedoch beim Nachhausekonuuen wunderliche Neuigkeiten. Esther war um Mussav allein im Hause. Ihre Angehörigen befanden sich in der Synagoge. Da öffnete sich die Haustür, vorsichtige Schritte nahten auf der Treppe, — und Joseph Basel trat in's Zimmer. „Guten Tag Esther. Ich ahnte, daß ich Dich zu Hanse treffe." „Joseph, meine Eltern sind in der Synagoge. Heute ist doch kein Besuchstag!" „Esther, ich kann Dich ja sonst niemals ungestört sprechen, deshalb komme ich heute. Du mußt mich anhören." Das Mädchen erhob sich lloin Stuhle. „Joseph, es ist nicht .schicklich, daß Du hier bleibst. Außerdem ist Jomkippur nicht ein Tag zur Nntcrhaltuug. Komm wieder, wenn meine Eltern zugegen sind." Er rief leidenschastlich! „Nein, diese Gelegenheit ist zu günstig und mag so leicht nicht wiederkehren. Esther, lasse mich das aussprechen, was Du schon lange weißt, ich liebe Dich, werde mein Weib." Er streckte die Arme nach ihr aus. Sie wurde totenblaß. „Das hättest Du Dir und mir ersparen müssen. Ich kann niemals die Deine werden. Und jetzt verlasse mich." Er sah sie mit.glühenden Blicken an. „Meine Werbung kann Dir nicht zuwider sein. Du zierst Dich nur. Siehe, ich lege den Himmel Dir zu Füßen; Du sollst ein Leben haben gleich einer Edeldame." „Joseph, Deine Werbung .hätte inich an jedem anderen Tage geehrt; aber auch dann hätte ich ihr kein Gehör schenken können. Ich bitte Dich nochmals, verlaß mich fetzt und sprich nie wieder derartiges zu mir, anders Du nicht willst, daß ich Dir nicht mehr vor Augen trete." „Besinne Dich eines besseren. Du kannst feine» Grund haben, mich zurückzuweisen: oder liebst Du einen anderen, der vielleicht schöner gst als ich? Vielleicht einen jungen Patrizier?" Sie stand hochaufgerichtet mit sprühende» Blicken. „Wenn Du Dich nicht fofort entfernst, rufe ich Hilfe herbei: Du zwingst mich auszusprechen, daß ich Dich hasse und verachte." Er sagte heiser! „Ich lasse nicht von Dir ab. Und gibst Du mir den Verlobungskuß nicht willig, w nehme ich ihn mir." Er stürzte auf das Mädchen zu und wollte es umschlingen. Sie jedoch stieß .ihn mit aller Kraft vor die Brust, sodaß er zurücktaumelte und wuchtig mit dem Kopf gegen die Ecke eines schweren Schrankes stieß. Er griff mit den Händen in die Lust, wie um sich zu halten, D-l zu Boden und -blieb regungslos liegen, während unter seinem Kopf ein Faden roten Blutes hervorrieselte. Esther stand einen Augenblick wie erstarrt, dann eilte sie auf ihn zu und rief: „Joseph, steh'- auf." Seine Augen blieben geschlossen. Das Mädchen sah sich hülflos um; — daun stürzte sie an's Fenster, öffnete es und rief einem unten .spielenden Kinde tzu: „Selig, eile sofort in die Synagoge und sage dem Doktor Abraham, ich ließe ihn bitten, so rasch wie möglich .hierhin zu kommen. Eile Dich, liebes Kind." * ~ Der Knabe nickte und lief hurtig davon. Esther holte Wasser, kniete neben dem Beivußtlosen und feuchtete seine Stirn an. Nach wenige» Minuten erschien der Arzt. Esther eilte ifjnt entgegen und führte ihn in's Zimmer zu dem am Boden liegenden. „Vetter, welch ein Unglück! Wenn er tot ist, trage ich die Schuld." Der Doktor griff nach dein Puls des noch immer Bewußtlosen, horchte an seiner Brust und sagte kurz: „Der Mann lebt." Er hob ihn aus und legte ihn auf den Divan. Aus dein Hintcrkopf sickerte noch immer das Blnt Tropfen um Tropfen. „Esther, was ist geschehen?" Während der Arzt nasse Tücher auf die Wunde Preßte, erzählte das Mädchen mit stockenden Worten! „Joseph hat mich beleidigt und wollte mich tätlich angreifen. Ich stieß ihn zurück, — und da fiel er so Ir »glücklich. — Ach Gott, wenn er stirbt, ist es durch meine Hand." Und sie schluchzt krampshaft. Der Arzt untersuchte den Kranke», der unter dcir nassen Tüchern anfiiig zu zucken, dann erhob er sich und sagte tröstend: „Beruhigt Euch Büsche», Joseph stirbt nicht, er wird sich bald erholen. Nun sagt mir, der tätliche Angriss, von dem Ihr gesprochen, war wohl eine Umarmung, ein Kuß?" Das blasse Gesicht des Mädchens ward wie mit Purpur übergossen. Sie nickte und flüsterte „Ja." Er fragte weiter: „Hat er Euch denn heute am Jomkippur eine Liebeserklärung gemacht? Und wenn, — könnt Ihr ihn denn nicht leiden?" Sie konnte dem unbequemen Inquisitor nicht ausiveichen. „Er ist mir verhaßt, aber fragt mich nicht weiter." Joseph ösfuete bald seine Alugen und sah sich mit trüben, verglasten Blicken um. Der Arzt sagte, „Er hat eine leichte Gehirnerschütterung davongetragen. Kann er auf ein Bett gelegüwerden, damit er etwas ruhe?" Nach wenigen Mimiteu lag er im Gastzimmer wohl gebettet, mit einem Plaster auf der Wunde und atmete ganz ruhig. (Fortsetzung folgt. Kaiser Friedrich Quelle ——— Offenbach a. M. —— Gegen Gicht und Bhemnatifraras bewahrt. di\sin Welt-Mundwasser; Der Menschheit Wohltäter. Retorte-Flasche Mk.1.25 Überall erhältlich! Wocheu-Sale«der. (Zeitangaben nach dem husch.) Samstag, den 9. Januar (= 16. Tewes): Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 4 Uhr 10 Mi». Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 5 Uhr 35 Mi», in Berlin 5 Uhr — Min. Wochenabschnitt: W a j e ch i. Jakob will nach dem Lande Kanaan begrabeii werden. Josef muß dies dem Vater eidlich versprechen. Jakob segnet seine Enkel Efraim und Menasche, die Söhne Josefs. (Dabei der bekannte Satz: Hamalach Hagauel usw.) Jakob segnet vor dem Tode seine sämtlichen Söhne. Es sind poetische »lud 'prophetische Worte, deren tiefe Bedelltung ohne näheren Kommentar unverständlich bleibt. Hier sei nur soviel beinerkt, daß Vergangenheit und Zukunft der T2 Stämme sich darin wie in einem Spiegel zeigen. — Jakob stirbt, 117 Jahre alt, und wird iir großen Ehrerl nach Kanaan begraben.