Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 7 (1909)
- Issue
- Heft 1 (8.1.1909)
- Date
- 1909-01-08
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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k'v- 1 6dte 2. Fnüüfurkr FsvaeMMS KamliEaL wollen Franzosen sein und arbeiten mit jüdischem Geld für französische Interessen. Um aber die Spender und Geber zu ködern, legen sie sich ein kosmopolitisches Mäntelchen an, ckuen „kosmopolitisch-humanitär" und beuten mit Hilfe des alten Kulturkredits der Alliance die Gutmütigkeit des jüdischen Bourgeois aus. Sie können dem Hilfsverein nicht verzechen, daß er erstens jüdisch arbeitet und zweitens, daß er dem Ruhm der „Weltorganisation" Konkurrenz und Abbruch tut. Aber die Konkurrenz, die der Hilssverein der Weltorganisation macht, ist in erster Linie nur eine Folge der Korruptionswirtschaft der Miance. Die ernsten deutschen Juoen sahen ein, daß es mit der Mißwirtschaft der Miance nicht weiter gehen kann und daß sie auch den deutschen. Juden schadet, und sie riefen daher den Hilfsverein, ins Leben. Das konnte die Alliance, nicht ruhig hinnehmen, und sie sucht daher durch Jntriguen den Hilfsverein zu sprengen. Der letzte Brief des Führers der deutschen Juden, Dr. Paul Nathan, an die jüdische Oeffentlichkeit spricht Bände über das Unterwühlungswerk und die Maulwurssarbeit der Alliance gegen den Hilfsverein. Und es ist traurig genug, daß sich in Deutschland Juden gefunden haben, die der korrupten Miance Handlangerdienste leisten. Neben dem „Hilfsverein der DeutschenJuden" hat die „Deutsche Konferenzgemeinschaft der Alliance israelite universelle" keine Existenzberechtigung; sie ist nur der Pariser Alliance ein Mittel, um dem Hilfsverein das Wasser abzugraben! Generalversammlung -er Bereinigung der travitionell-gesetzestreueu Rabbiner Deutschlands. r In den Räumen des Schülerheims zu Marburg fmid am 30. Dez. 08 die Generalversammlung der Bereinigung der traditionell-gesetzestreuen Rabbiner Deutschlands statt, die von ca. 50 Mitgliedern besucht war. Nach der Eröffnung der Versammlung durch Dr. Kohn-Ansbach hieß Dr. Munk-Marburg die Rabbiner Zerzlichst willkommen und sprach den Wunsch aus, daß die Tagung segensreiche Folgen zeitigen möge. Rekwr Dr. Hofsmann-Berlin wies dann in seinem Berichte darauf hin, daß die Bereinigung im letzten Jahre 22 Mitglieder neu gewonnen habe, so daß die Gesamtzahl jetzt 108 betrage. Als das erfreulichste Ergebnis tellte er mit, daß es gelungen sei, völlige Einigkeit unter allen Gesetzestreuen zu schaffen durch die Konstituierung eines Permanenz-Ausschusses, der von den Mitgliedern des traditionell-gesetzestreuen und des orthodoxen' Rabb. Verbandes gebildet werde. Dieser Permanenz-Ausschuß solle die glücklich erreichte Einigkeit auch nach außen hin dokumentieren. Dr. L ö b - Emden erstattete dann den Kassen bericht, worauf Dr. Ehrentreu-München einen halachischen Bortrag über „Reichs M i l s o" hiell, der in seiner geistvollen Komposition die Versammlung fesselte. Dr. Horovitz-Franksurt a. M. teilte namens der halach. Kommission mit, daß es wünschenswert sei, daß die Sammlung der verschiedenen Minhagim in Deutschland beschleunigt werde. Dr. Unna-Mannheim beantragte, eine Centrale für die Schechita zu schaffen die die gesamte Gegenagitation übernehmen soll. Es wird angeregt, möglichst zahlreich den Tierschutz, vereinen beizntreten, um dort aufklärend zu wirken Nach.einer lebhaften Debatte wird eine Resolution beschlossen, daß die Bereinigung mit den übrigen Korporationen ein Lemeinsames Büro errichten und ein Organ zur Abwehr der Schächtagitation gründen soll. Hierauf folgte das Referat von Dr. G o i t e i n Burgkundstadt über den Zionismus. Der Referent zeichnete die historische Entwicklung des Zionismus mit besonderer Berücksichtigung der Bestrebungen des Misrächi und seiner Förderung durch die gesetzestreuen Autoritäten und beantragte folgende Resolutwn: Das Programm der Misrächi steht im vollsten Einllang mit den Lehren des überlieferten 'Judentums. . Das Korreferat hatte Dr. K o h n - Ansbach übernommen. Er sieht in der Ausschaltung des Religiösen daS einzige Moment, das die traditionell-gesetzcstreuen Rabbiner vom Beitritt zum Zionismus zurückhält. Das Vergehen des Zionismus siege darin, daß er die jüd. Religion njcht als integrierenden Bestandteile deL Judentums anerkenne. Referent kommt zu dem Schluß, daß man nicht verpflichtet sei, den Zionismus in seiner heutigen Entwicklung zu bekämpfen und daß die Bestrebungen des Misrächi bezw. der Besiedlung Palästinas dann zu unterstützen seien, wenn die Versprechungen des Zionismus, nichts gegen das jüd. Religionsgesetz zu unternehmen, programmmäßigen Ausdruck gesunden hätten. Nach einer sehr lebhaften Debatte*) gelangt als Resolution zur Annahme, daß angesichts der Wandlung des Zionismus seit der Festsetzung des Baseler Programms eine generelle Stellungnahme zum . Zionismus nicht möglich ist. Als 2. Resolution wird dann mit 23 gegen 14 zion. Stiminen bei niehreren Stimmenthaltungen beschlossen, daß die Bestrebungen der Misrächi, soweit sie auf die Besiedlung Palästinas Bezug nehmen, statthaft erscheinen, sobald in das Baseler Programm als Bestimmung angenommen wird, daß nichts gegen das jüdische Religionsgesetz unternommen werden darf. Am folgenden Tage wurde noch der Punkt der Tagesordnung erledigt, der von dem Religionsunterricht in lehrerlosen Ge me i n d e n handelte. Dr. Baß freund - Trier und Dr. L e w i n - Wreschen hätten das Referat und Korreferat übernommen. Besondere Ehre erzeigte der Landrat des Kreises Marburg der Versammlung durch sein Erscheinen zu dieser Beratung und das lebhafte Interesse, mit dem er den Verhandlungen folgte. Zum Schluß sei noch die Präsenzliste wiedergegeben. Es waren folgende Rabbinen anwesend: Auerbach-Halberstadt, Auerbach-Köln, Baer-Prcnzlau, Bambcrger-Hanau, Bamberger-Wanbsbeck, Baß - reund - Trier, Bloch - Oberehnheim, Blum - Posen, Bondi-Mainz, Cohn - Rawitsch, Cohn-Burgpreppach, Cohn - Eschwege, Ehrentreu - München, Friedmann- Grätz, Galliner-Beuthen, O.-S., Goitein-Burgkundtadt, M. Hildesheimer-Berlin, H. Hildesheimer - Berlin, Hoffmann-Berlin, M.Horovitz-Franksurt a.M., I. Horovitz-Frankfurt am Main, Kohn-Ansbach, Kottek - Homburg, Lerner - Altona, Lewin - Wreschen, Levy-Neustettin, Liebermann-Königsberg, Löwenthal- Hamburg, Löb-Emden, Mainzer-Frankfurt am Main, Munk-Berlin, Munk-Marburg, Neuwirth - Bingen, Nobel - Filehne, Schlesinger - Marburg, Schüler- St. Ludwig, Schweizer-Weikersheim, Silberberg - Schrimm, Stein-Schweinfurt, Unna-Mannheim, Warschawsky - Fürth, Weil! - Buchsweiler, Weyl- Czarnikau, Weinberg-Sulzburg, Winter-Myslowitz, Wreschner-Samter, Zivi-Winzenheim sämtlich als Mitglieder und Rabiner Onderwijzer - Amsterdam als Gast. Generalversammlung des „Bundes gesetzestreuer jüd. Lehrer Deutschlands". (Schluß.) Es folgen die Ausführungen des Korreferenten, Rabb. Dr. Kohn-Ansbach. Im allgemeinen stimmt er dem Referenten bei; er will sogar die vom Referenten aufgestellten Thesen erweitert wissen, so. daß die Kenntnisse des Lehrers bis zu Hauroho in liturgischen Fragen, Schechito, Melicho und Taaru- Waus reichen sollen und er ans Grund einer par- *) In dem uns soeben — bereits nach Redaktionsschluß — zugegangenen offiziellen Bericht heißt es über den Verlauf der Debatte: „An die Referate schloß sich eine vielseitige, mehrstündige Diskussion an, in der die entgegengesetzten Standpunkte zur Darlegung gelangten. Eine Gutheißung des nichtmisrachischen Zionismus wurde von keinem Redner beantragt. Während dagegen von einigen Seiten der Anschluß an den Misrächi befürwortet wurde (Levy - Ncustettin, C o h n - Rawitsch) und andere erklärten, daß die Möglichkeit einer korporativen Stellungnahme gegenüber dem Misrächi seitens der Bereinigung noch nicht gegeben sei (Bamberg er-Hanau, M. Hildesheimer- Berlin, Wreschner -Samter), wurde von dritter Seite unter Hinweis auf das nun einmal bestehende Uebel eines destruktive» Zionisnlus bedingungsweiser Förderung des Misrächi das Wort geredet (Hoffmann-Berlin, M. Horovitz- Frankfurt a. M.), von anderer Seite für das praktische Verhalten mit Rücksicht auf die vielfachen Variationen der zionistischen Bewegung jede Normierung abgelehnt.(L iebermann-Königsberg i. Pr.) und endlich die Konstituierung des Misrächi als eine selbstständige Organisation gesordert (Lerner- Altona, Bondi-Mainz). In vorgerückter Abendstunde wurde ein Antrag auf Schluß der Debatte angenommen. Mit Rücksicht auf die große Zahl der ein gebrachten Resolutionen und die Wichtigkeit des Gegenstandes wurde die Abstimmung vertagt und behufs Herbeiführung eines positiven Resultates der Vorstand beauftragt, bis zum folgenden Vormittag aus Grund des Verlaufs der Diskussion und der vorliegenden Anträge eine Resolution auszuarbeiten welche die aussichtliche Annahme in der Versammlung finden würde. Der Vorsitzende schloß sich der am Schluß des Korreferates dargelegten Anschauung an, nach welcher, abgesehen von den Möglichkeiten die in der Entwickelung des Zionismus geborgen liegen, der Weg vorgezeichnet werden könne, welcher den Zutritt zum MiSrachi ermöglicht^ D. Redakt. Steel*- ü. Univ.-Bibl. Fni;.*furt am Main Nr. 1. Metten „Hatoras - Hauroho" als „Maure . Hauroho" ungieren kann, damit er dort, wo kein Raw ist, ressen Stelle ausfülle. In der darauf folgenden Diskussion spricht zunächst Rabb. Dr. C a h n - Fulda. Redner ereifert ich für die Erhaltung der Charakterfestigkeit der Lehrer, die bisweilen dem „Parncs" zuliebe versagt; unserer Zeit täten vor allen Dingen Charaktere not. Andererseits rügt Redner in scharfen Worten die Eigenmächtigkeit der Lehrer, die ohne den Vorland des Bundes zu befragen und ohne den Rat eines Kollegen einzuholen, eine Denkschrift des „Verbandes der deutschen Juden" gegen die jüdische Volksschule unterschrieben haben. In heftigen Worten geißelt Redner eine Erscheinung innerhalb des orthodoxen Lagers, die sich „politisch-religiös" nennt, eine Erscheinung, von der unsere Väter verschont geblieben seien; unsere Väter seien fromm ohne Politik gewesen. Aus der großen Erregung des Redners ist zu entnehmen, daß seine Worte nicht gegen E i n z ei erscheinungen, sondern: vielmehr gegen eine Richtung,' diesichänschickt, zur Geltung zu kommen oder schon bereits zur Geltung gekommen ist, gemünzt sind. Handelt es sich dabei etwa -um den Kampf des gelehrten Standes mit dem Laientum, um die Führerschaft des einen oder - des anderen, ein Kämpf, der ja auch in anderen Lagern vorhanden ist? — Unter anderem lehnt Redner partielle Hauroho ab. Lehrer Meyer- Karlsruhe schließt sich der Meinung des Vorredners bezüglich partieller „Hatoras Hauroho" an, und zwar begründet er seine Gegnerschaft damit, daß man nicht gut teilweise „Raw" sein könne und daß die Gefahr naheliegr, daß der betreffende „Halbmaure" sich auch aus andere Gebiete/ die ihm fremd sind, begeben und ich so selbst zum ganzen Maure bestimmen lassen wird. Rabbiner Dr. Breuer begrüßt die Anwesenden und bekundet seine Freude über den zahlreichen Besuch und die ernste Teilnahme der Lehrer an den Beratungen des Bundes. Auch er glaubt gegen partielle Hauroho sein zu müssen; eine partielle Hauroho wäre vielleicht möglich, wenn die Lehrer 2 Jahre eine „Jeschiwo" besucht hätten. Lehrer H e i l b r o n n ist der Meinung, daß man vom jüdischen Lehrer viel zu viel verlangt. Der Grundsatz vom Leichten zum Schweren müsse nicht nur dem Schüler, sondern auch denl Lehrer gegenüber angewandt werden. Lehrer Ehrenrcich schließt sich der Ansicht des Vorredners an. Lehrer Werthekmer klagt über die geringen Gehälter der Lehrer. Vom jüdischen Lehrer werde jede Fertigkeit verlangt, er solle dazu ein Gelehrter sein; — doch für seinen Unterhalt brauche man nicht zu sorgen. Jakob Rosen he im begrüßt die Anwesenden im Namen der Religionsgesellschaft, sowie im Namen der „Freien Bereinigung" und teilt mit, daß die Delegierten zu einem Festessen eingeladen sind. Hiermit werden die Verhandlungen abgebrochen und auf den Nachmittag verschoben. Nachmittags gelangen die Thesen des Referenten zur Verhandlung. An der Diskussion nehmen teil: Hermann, Hcilbronn, Gut, Benedict, Rabb. Dr.Weinberg, Dr. Auerbach Rabb. Kohn-Ansbach, Dr. Rotschild, Wolfs, Lebermann, Dr. Josef Lange u. n. a. Die Thesen mit Ausnahme einer These werden angenommen, jedoch werden dieselben zur endgiltigen Redigierung einer fünfgliedrigen Kommission — Gut, Dr. Auerbach, Lebermann, Dr. Kahn und Dr. I. Lange — überwiesen. Darauf wird der Vorstand per Akklamation wiedergewählt. — Was bei dieser Tagung als besonders anerkennenswert hervorgchoben zu werden verdient, ist das sichtbare ernste Strebe» nach Erweiterung des Wissens und Vervollkommnung der Kenntnisse des jüdischen Lehrers. Nur eins haben wir vermißt, und zwar das Verlangen nach einer b e s fern Methode im Unterricht der hebräischen Sprache. Es ist schon längst Zeit, mit der Methode des bloßen Uebersetzens zu brechen und die hebräische Sprache als eine lebende beizubringen. Bis heute lernte man hebräisch nur als Hilfsmittel zur Erkenntnis der Religion. Damit muß gebrochen werden, denn eine Sprache ist als Selbstzweck und nicht als Mittel anzusehen. Auch der Religion wird eine vollständige Erlernung der hebräischen Sprache zu gute kommen, da sich dann der Laie selbständig mit dem jüdischen Schrifttum („Kusari", „Mesilas Jeschorim" rc.) beschäftigen kann. Aus aller Well. Deutsches Reich. Berlin. Die Mitteilungen No. 71 vom „Deutsch- Israel. Gemeindebund" bringen die Anzeige, daß am 16. und 17. Mai 1909 der t . 11. ordentliche G eure in bei ag und daran anschließend am 18. Mai ein Ver- Landstag der freiwilligen'Gemeinde-