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Neue jüdische Presse · 1908-11-13 · Heft 44 (13.11.1908) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
6 (1908)
Issue
Heft 44 (13.11.1908)
Date
1908-11-13
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 44. ieite 8. frankfurter JsraeWWes fämrlienLlatt. Wien, 10. November. An' der Universität kam cs heute abermals zu Zusammenstöße n. Die jüdischnationalen Studenten hatten, um zu verhindern, daß ihnen der Eintritt in die Aula seitens der Dentschnationalen vermehrt werde, schon zeitlich morgens die Nanrpe beseht. Im Laufe des Borinittags stürmten die Dentschnationalen die Rampe und drängten die Jüdischnationalen zurück. Es kam zu einer Schlägerei, wobei auch einige Verletzungen vorkame». Die Polizei intervenierte und trennte die streitenden Teile. Ein Teil der Rampe ist unter der Wucht der Herandrängenden eingestürzt. Der Zusammenstoß der beiden Varteie» vor der Universität war ein ä n ß e r st erbitterter. Die Dentschnationalen durchbrachen den starken Polizeikordon, lieber die Köpfe der Wache hinweg schwangen die Studentcil die Stöcke. Die Wache, die von der Waffe keinen Gebrauch machen konnte, da sie vollständig eingeschlossen war, hält gegenwärtig die Zugänge zur Rampe besetzt. Die Prügeleien fanden ihre Fortsetzung bis auf die Straße. Bei der Polizei sind bisher 6 Verletzungen gemeldet, doch läßt sich die Zahl der tatsächlich vorgekommenen Verletzungen nicht genail feststellcn. Wie», 10. November. Die zionistischen Studenten haben sich zum Rektor begeben, dem cs gelang, die Zionisten zum Verlassen der Rampe zu bewegen. Nach ihnen erschien eine Abordnung der italienischen Studenten und erklärte dem Rektor, daß mit Rücksicht darauf, daß heute auch zwei Italiener von den Dentschnationalen tätlich insultiert wurden, die italienischen Studenten im Falle der Wiederholung dieser Austritte mit Revolvern an der Universität erscheinen werden. Nahezu 50 Studenten, auch einige Polizisten haben Verletzungen erlitten. Krakau, 8. November Das gewausam entführte 13jährige jüdische Mädchen ans Zbaraz schmachtet noch im Klostcr. Das hiesige Bezirksgericht weigerte sich, den Antrag des Bezirksgerichts Zbaraz, das.Mädchen ans dem Kloster zu befreien, auszuführen. Daraufhin reichte der Advokat Dr. N. Landau bei dem hiesigen Landgericht Rekurs ein, welcher zur Folge hatte, baß sich heute eine G c r i ch t s k o »i m i s s i o n ins Kloster begibt. Großbritannien. London. Zur 50. Wiederkehr des Tages, an dem den Juden Englands bas Recht, im Parlament Sitz nehmen zu dürfen, gegeben wurde, wird die Iüd.-Historische Gesellschaft von England am 30. November ein Festessen gebe». — Se. Exzellenz S i r M a t h c w Nathan, Gouverneur von Natal, weilte während des ganzen I o m k i p p u r in der Synagoge von Durban. Rußland. Radomisel. In Minsk tauchte vor etlichen Monaten ein Blinder mit Namen Mojfche Katz auf. der, darauf bauend, daß die Dummen nicht alle werden, sich als „Balschem" ansgab. Ein Schwarm männlicher und weiblicher Agenten scharte sich bald um ihn und" Posaunte seine Wundertaten aus, — und zahlreich waren die Armen und Leidenden, die bei ihm Hilfe suchten. Auch die Frau des Malers Bejdik kam zu dem Wundermann. Er versprach ihr großen Reichtum und befahl ihr zu diesem Zwecke den Ankauf einiger kaiserlicher Prämienlose; er werde Gott für einen großen Gewinn anflehen. >Als die Frau ihm die Lose brachte, nahm er die Lose zu sich, betete, schrie, zerbrach einen Spiegel, ließ sich dann von ihr ihr gesamtes Geld geben und befahl ihr schließlich, in hem Fluß dort, wo er durch den alten Friedhof fließt, unterzutauchen. Auch das wurde getreulich befolgt. Doch das Glück kam nicht, aber etwas anderes: die Frau nahm in der Wohnung des Wundermannes Gift zu sich, nachdem er zu ihr in intimen Verkehr getreten war. Jetzt trat die Polizei auf den Plan, — und in Fesseln gelegt, wurde der Wundermann ins Gefängnis abgeführt. — Es hat sich bereits heranSgestellt, daß er es mit zahlreichen anderen Frauen wie mit der Frau Bejdik getrieben hat. I. I. B r a u n. Amerika. Rew-Aorl. Präsident Roosevelt, der auch der Aufführung des neuen Zaugwill'schen Dramas ,Der Schmelztiegel (The Melting Pot)" beiwohnte, hat die W idm u ng der gleichnamigen Novelle Zangwills angenommen. — Der bekannte Jargonschauspieler I. P. Adler erbaut ein neues Jargontheater. — Die Jahresversammlung der BereinigtenWohltätigkeitsgesellsch asten (United Hebrew Charities) konstatierte, daß der Betrieb dieser große» Institution im abgelaufenen Geschäftsjahre öfters Störungen erlitt, weil zu wenig Geld in der Kasse war, und daß der Appell an die Juden Newyorks einer erschreckenden Gleichgültiganpnrtpi. i ft-—CBie „mnüfe.__l00.000 Dollars mehr ausgeben, als die regelmäßigen Eingänge betragen. Auf einen Appell, der im Juni an die Juden Newyorks erfolgte, liefen nur 257 Zeichnungen ein. Jacob H. Schiff spendete 20000 Dollars und die Christen N u sselS agc und Warner van Norden 5000 bezw. 4000 Dollars zur Begründung eines Fonds, welcher Familien, die nie die Wohltätigteitsinstitutionen in Anspruch genommen haben, Darlehen gewährt. Aus der zionistischen Bewegung. Frankfurt a. M. Im Bureau für den Jüd. Nationalfonds, Grünestr. 29, Part., gingen ein: Max Grünebaunl, Rechneigrabenstr. 0,50 JL M. Monczki, anläßlich einer Wette mit Herrn Stein 0,50 „ Isaak Horowitz, Börneplatz 16 7,45 „ 8,45 Jf. Bei der Expedition gingen für den Nationalfonds ein: Von Herrn Adolf Fischet, Gottespfcnuig bei Vermietung au Herrn Flentjc 4,— JL Frankfurt a. M-, 10. Nov, Eine öffentliche Versammlung mit den» Thema „A k t n e l l e Fragen aus dem j ii d i sche n G e m e i n d e l e b e n" hatte auf gestern die F r a n k f. Zion. Vereinigung einberufen. Herr I. L. Goitein führte den Vorsitz, und Herr Martin L e v i - gard hatte das Referat übernommen. Vor allen Dingen seien es, so begann Redner, gewisse Anssprüche und Taten liberaler Führer, die er beleuchten müsse. Er stehe dem Liberalismus objektiv gegenüber und halte es für eine irrige Voraussetzung, wenn man sage, dieser wolle das Judentum vernichten. Männer wie Rabb. Dr. Vögelst ein-Stettin, Jusiizrat Dr. Blau und Dr. med. Bärwald-Frankfurt a. M., die die Aufgabe des Liberalismus nur im Kampf gegen den Jndifferentismus sehen, dürften wohl ehrlich das Judentum erhalten wollen. ES gebe aber auch liberale Führer, die ihrem Haß gegen die Orthodoxie Genüge tun wollen und die daher von der Organisierung der Liberalen als erste Aufgabe verlangen, gegen die Orthodoxie zu kämpfen. Einer der schärfsten unter diesen sei der hiesige Justizrat Dr. Ernst Auerb a ch. Redner belegt seinen Behauptungen, indem er aus dem offiziellen Bericht der großen liberalen Tagung im vergangenen Mai die entsprechenden Stellen verliest. Redner geht nunmehr auf das neue Schlagwort der radikalen liberalen Führer „Anpassung der Schule an das Haus" näher ein. Würde diese Parole in die Tat umgesetzt werden, so müsse es eine Spaltung in de.n Gemeinden geben; statt einer Politik der Sammlung, wie sie die Zionisten — und wohl auch die Liberalen — wünschen, eine Politik der Trennung! Weil zahlreiche Eltern nicht inchr den Sabbat halten, deshalb müsse nach dem Wunsche dieser Herren der Lehrer im Religionsunterricht das 4. Gebot als veraltet, als durch das nroderne Sonntagsruhegesetz abgelöst hinstellen. Also selbst die 10 Gebote, die für alle zivilisierten Staaten grundlegend geworden sind, werden zerrissen! Könne das zu etwas anderem, als zur Vernichtung führen? Welche Zerstörungswut in gewissen liberalen Kreisen herrsche, haben auch die EiuweihungSfcierlichkeiten des neuen Philanthropin-Gebäudes gezeigt. Der Vorsitzende des Schulrates, Stadtrat a. D. Horckheimer, sprach in Gegenwart der hohen Behörden den Wunsch ans, „daß die Schule veraltete Bräuche, auf denen der Moder der Jahrtausende xuht, fernhalte." Auch das unrituelle Festessen im Frankfurter Hof, bei dem wohl Rücksicht auf den Vorsitzenden des Schulrates, der auch stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrates des Frankfurter Hofes ist, genommen sei, aber nicht auf das religiöse Gefühl vieler Gemeindemitglieder, zeige die Macht gewisser liberaler Führer, darunter Justizrats Dr. Auerbach, des bezahlten Syndikus des Philanthropin-Schulrats, der gegen die Eintragung in das Vcreinsregister des vor einem Jahre gegründeten orthodoxen „Jüd. Frauenvereins", da dieser Name zu einer Verwechslung mit dem „Israel. Frauenverein" führen könne, einen jede Versöhnlichkeit scharf zurückweisenden Prozeß führte, der mit seiner Abweisung endete. Redner zeichnet als das Muster eines wahrhaft liberalen Mannes den verstorbenen Charles Hallgarten; als dieser vor einigen Jahren ein Essen gab, wurde nicht nur das Essen vom jüdischen Hotelier geliefert, sondern er ließ auch — in Rücksicht auf einige orthodoxe Gäste — jedem Gaste ein Käppchen überreichen. Schuld an dem Darniederliegen des jüdischen Gemeindelebens sei, daß die Gemeinde sich, nur um den Kultus kümmere. Die sozialen Aufgaben werden dem Ungefähr der Vereine überlassen. Redner geht auf dieses Thema näher ein und beleuchtet bei dieser Gelegenheit die Forderungen der Zionisten. Unter lebhaftem Beifall schließt Redner. Zn einer Diskussion ergreift niemand das Wort. Wiesbaden. Am 7. ds. Mts. hielt die neugegründete Zionistische Ortsgruppe Wiesbaden ihre .orB*... SRet-fntttmTmtn unter hem Rnrkik hc3 Siertii B. Stern ab. Herr Dr. med. I. Meyer referierte in einem sehr ausführlichen, mit lebhaftem Beifall aufgenommeuen Referat über „Der Zionismus und seine Gegner". An der sich anschließenden, mitunter sehr stürmischen Debatte beteiligten sich die Herren Glimmer, Wreschner, Wald und Stern. Nach einem Schlußwort des Herrn Dr. Meyer schritt man zur Beratung der Statuten. Die vom Vorstand verfaßten Statuten wurden von der Versammlung einstimmig angenommen. Der Vorstand unserer Ortsgruppe besteht nunmehr aus den Herren Dr. Meyer (1. Bors.), Bertram Stern (2. Bors, und 1. Schriftf.), Ludwig L e lo i u (2. Schriftf.), Frl. K a r p i n (Kassier) und Diplom-Ingenieur Kirschen (Beisitzer). Personalien. Frankfurt a. M. In hohem Greisenalter ist uns Herr Julius Landsberg entrissen worden, ein Mann von großem allgemeinen und jüdischen Wissen und tiefer Herzensfrömmigkeit. Seitdem er hier in unserer Stadt weilte, hat er — wie früher in seiner Heimat Darmstadt — an allen jüdischen Angelegenheiten den lebendigsten Anteil genommen. Besonders segensreich wirkte er als eifriges Vorstandsmitglied des Israelit. Handwerkervereins, in verschiedenen Ausschüssen der Frankfurt-Loge, als Vorstandsmitglied des Vereins für jüdische Geschichte und Literatur, sowie in früheren Jahren als Synagogeninspektor in der Westendsynagoge. Der bis an fein Lebensende unermüdlich rührige und tätige Mann wird allen, die ihn kannten, unvergeßlich bleiben. Dessen ein Zeuge war die außerordentliche Teilnahme weiter Kreise bei der am Mittwoch stattgehabten Beerdigung, bei der Herr Rabbiner Dr. M. Horovitz ein tiefergreifendes Bild des seltenen Mannes entwarf. Warme Worte des Nachrufes widmeten dem Entschlafenen ferner Herr Dr. RichardMerzbach namens der Frankfurt-Loge, Herr Julius Heymann für den Handwerkerverein und schließlich Herr Rabbiner Dr. I. Horovitz für den Verein für jüdische Geschichte und Literatur. Brest««. Im israel. Krankenhause war die 22jährige Lehrschwester Anna llcko aus Pleß an einem Medikamentenschrank beschäftigt, sie ließ dabei eine Flasche mit einer leicht entzündlichen Flüssigkeit fallen, die Flüssigkeit kam mit dem brennenden Ofen in Berührung, der Ofen explodierte, — und die Schwester wurde ein Opfer der Flammen. — In Beuthen verschied Frau Paula Guttmann, Gattin des Stadtrats Leopold Guttmann, eine fromme und nach Liebesbetätignng strebende Frau im echt jüdischen Sinne. Stratzburg. Privatdozent Dr. med. Max Rosenfeld (geb. 1871 in Königsberg), erster Assistent bei Professor Wollenbcrg an der psychiatrischen Klinik der Universität, erhielt den Titel Professor. Posen. Als Geschworene wurden einberufen: Mühlenbesitzer Magnus Heymann -Kowanowko und Kaufmann Alfred Marcus-Pinne. Colmar. Bankdirekror Lucien Mannheimer wurde zuni Präsidenten des Israel. Konsistoriums für Ober-Elsaß gewählt. Die Wahl dürfte jedoch angesochten werden, da von den 6 Mitgliedern des Konsistoriums 1 nicht anwesend war und 2 weiße Zettel abgaben. Witten. Im Acker von 83 Jahren verschied Herr Ascher L ö w e n st ei n, der seit 1870 dem Vorstände der Shnagogengemeinde angehörte nnd 27 Jahre lang ihr Vorsteher war. Kobylin »Posen). Kaufmann Jacob Berliner langjähriger Repräsentant der jüdischen Gemeinde, verschied im Alter von 62 Jahren. PuSewitz. De> erste Borneher unserer Gemeinde' Herr Nathan Wreschner, ist im Mter von 72 Jahren gestorben. Der Heimgegangene hat in unserer Gemeinde seit fast 50 Jahren ehrenamtlich als Rabbinatsverweser gewirkt. Wie«. Adolf Drach und Dr. A l o t s Pick wurden zu Oberstabsärzten 1. Klasse', Dr. Sigmund Tanssig, Dr. Simon Hel-. ler, Dr. Julius Lederer zu Oberstabsärzten 2. Klasse und Dr. David Schwach zum Stabsarzt befördert. Budapest. Fadrikani Manfred Weiß und die Familie Hatvanyi-Deutsch sind in den Adelsstand erhoben worden. Der Präsident des Londoner Franz Josef-Jnstitutes Julius Singer und der Ehrensekretär dieses Instituts Max D entsch erhielten das Ritterkreuz des Franz Joses-Ordens und das Mitglied der Londoner - Oesterr.-Uugar. Handelskammer Bernhard Dukes den Titel Rat. Prag. Die hiesige Judenheit hat eine ihrer angesehensten Persönlichkeiten verloren. Kaiser!. Rat und Handelskammcrmitglied Philipp Falkowicz (geb. 1840 in Warschau) ist verschieden. Er gehörte der Repräsentanz der jüd. Gemeinde, der Direktion des Deutschen Kasinos, der Leitung zahlreicher jüdischer Institutionen usw. an. Er war ein bervorraaender^Natbematiker^w^sperstanden

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