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Neue jüdische Presse · 1908-11-13 · Heft 44 (13.11.1908) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
6 (1908)
Issue
Heft 44 (13.11.1908)
Date
1908-11-13
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Nr. 44. Frakkftlrter ZftMWHW FamiliriMaLt. hat, die schwierigsten Methoden der Differential« und Integralrechnung für die praktische Lebensversicherung auszunützen, uitD er hat mehrere Werke über diesen Gegenstand verfaßt. — ~ Hermann Katz, Redakteur der „Bohemia" und Korrespondent der „Wiener Freien Presse", ist, 57 Jahre alt, verschieden. LonSon. Pro>efsor I. Gollancz ist zum Dekan der hiesigen Universität gewählt worden. In Bo mb a y verschied im Alter von 78 Jahren Haeem Samuel Kehimker, der Gründer der dortigen „Beni-Jsrael Benevolent Society" u. „Beni- Jsrael School", und in Bradford im Alter von 79 Jahren Monius Gottheil, der Bruder des verstorbenen Rabbiners Dr. Gustav Gottheil in New- Zork. Aus den Vereinen. Frankfurt a. M. Im zweiten Vortrag seines Zyklus gab Herr Dr. M e l a in e d in knappen Zügen ein getreues Bild von Moses Mendelssohn und seiner Bedeutung für die gesamte Aufklärung des 18. Jahrhuirderts. Sein negatives Verhalten gegen die Franzosen, sein Hinweis auf die mögliche Fruchtbarkeit der englischen Kultur für die deutsche, seine ästhetischen Neuerungen, die er in den Briefen über die Empfindung niedergelegt, und seine vermittelnde Stellung zwischen den beiden Extremen seiner Zeit gaben einem Hettner das Recht, Moses Mendelssohn als die bedeutendste Persönlichkeit der deutschen Aufklärung zu bezeichnen. Allein in M. prägt sich nicht die ganze eckige Gestalt des deutschen Knlturjuden aus. Erst in Moses Maimon, nach Spinoza der scharfsinnigste Jude, der je gelebt hat, tritt uns jene kulturschöpferische und in der Geschichte des menschlichen Denkens epochemachende Persönlichkeit entgegen, die cllle Merkmale des Golusgenies in sich aufweist. Sein Leben glich dem eines vagabundierenden Bänkelsängers des 17. Jahrhunderts, aber in seiner Lehre hat er den Weg von Kant zu Fichle geebnet und das Ding an sich auf seinen richtigen Wert für menschliche Erkenntnis reduziert und der ganzen neueren Philosophie von Kant ab neue Wege gewiesen. Sowohl Kant als Fichte, sowohl Goethe als Schlller, die gewiß nicht im Verdacht stehen, Judenfreunde gewesen zu sein, fanden Worte der Begeisterung für diesen phllosophischen Genius, den das Schicksal auf den deutschen Boden verpflanzte. Redner gab noch ein psychologisches Charakteristikum von Heine .und Börne und versuchte mittels seines kulturphilosophischen Schemas den widerspruchsvollen und vieldeutigen Heinrich Heine sowohl aus seiner inneren Natur, wie aus den Strömungen ^er Zeit und seinem bunten Milieu zu erkkäen. Mit einer klaren Darstellung von Ludwig Börne's Schassen und Wirken und seine Bedeutung für die deutsche Kultur, speziell als Dtylist und Polemiker, schloß der Vortragende. Dffendach a. M. Der Russische Arbeiter. Unterstützungs-Verein veranstaltete Samstag eine Abendunterhaltung. Die Musikkapelle eröffnete mit einigen schwungvoll gespielten Stücken die Veranstaltung, in der sodann in abwechslungsreicher Folge Fräulein S t a b h o l tz Deklamationen vortrug, Herr Klacie, der Präsident des Vereins, eine Ansprache hielt und die Herren M. Bertuch und D. Hirsch aus Frankfurt auf Klavier und Violine das ,Kol-Nidrei" künstlerisch vollendet zu Gehör brachten. Den Beschluß des Programmes bildete die Aufführung der Goldfadenschen Melodramas „ipungermanit u. Katzensohn", gespielt von Fräulein I a c o b i und den Herren Maselmann, Spiegel, Weißholz, S. u. M. Zucker. Ein Tanzkränzchen hielt nachdem die zahlreichen Gäste noch lange in vergnügter Stimmung zusammen. " S. Time. Stratzburg i. Elf. Samstag Abend hielt im Verein israelitischer Akademiker Herr Dr. Haußmann einen Vortrag über das Hnmanitätsprinzip beim Schlachten mit oder ohne Betäubung. Derselbe verglich Vorkommnisse beim Menschen mit den verschiedenen Tötungsarten der Tiere und kam zu oem Schlüsse, daß das Schächten die idealste Tötungsart sei. — Der israelitische Damenverein „Die Bienen" hielt im Sängerhause ein W o h l tätigkeitsfest ab, das sehr besucht war und dessen Ueberschuß 11000 Jk betragen dürfte. — Gestern hielt der Tierschutzverein eine Versammlung ab, um Stellung zur Schächtfrage .zu nehmen; es wurde fast einstimmig eine solche gegen das Schächten angenommen. G feuißefon. G Eine versunkene Wett. Roman von JakobLevy. (Fortsetzung). Moses Ems hatte die beschwerliche Reise nach Flammersfeld glücklich zurückgelegt und war bei einem Glaubensgenossen abgestiegen, der ihn mit Wischer Gastlichkeit aufnahm. Es wurde ihm chwer, den Zweck seiner Reise vor seinem Gastsreund geheim zu halten, denn in einer Zeit, da man den Glaubensgenossen als seinen Bruder betrachten mußte, mit dem man Freud und Leid teilte, wo man an den Geschäften des anderen großes Interesse hatte, fragte man gerade heraus: „Nun Ncb Moses, was habt Ihr eigentlich in Flammerseld zu tun?" Und Isaak Lippstadt sah seinen Gast so treuherzig au, die Frau und die beiden großen Söhne blickten auch so erwartungsvoll, daß Moses gar keine Ausflüchte suchte, sondern nur sagte: „Ich habe für einen der Großen in Köln eine Auskunft zu holen, wenn ich die habe, reise ich wieder fort; — aber die Sache ist Geheimnis, ich habe sie nicht meiner Frau erzählt." „Gott behüte, daß ich es wissen will, wenn ich Euch aber behülslich sein kann, so sagt es nur." „Ich danke .Euch, Neb Isaak. Was ist eigentlich Nikolaus Eberlein für ein Mann, kennt Ihr den?" „Das ist ein alter, betrübter Mann, der gerne Wein trinkt/ aber kein Geld hat." „Ist er ein Judenfeind?" Isaak Lippstadt erwiderte: „Das ist er nicht, er ist eher ein Feind der Geistlichkeit. Wenn er etwas bei mir verpfändet,' schimpft er über. Euren Erzbischof, bei dem er kargen Lohn gehabt und der ihn aus seinen Diensten entlassen, ohne ihm zum Leben zu geben." Moses nickte befriedigt. — — Andern Tags, bei guter Zeit, ließ er sich den Weg zu Nikolaus Eberlein zeigen, der in einem ärmlichen Häuschen, an cineni verwilderten Feld gelegen, allein hauste. Moses klopfte an und blieb dann, wie es dem Juden damals ziemte, demütig an der Tür stehen. Nikolaus, ein großer alter Mann mit langen, weißen Haaren, in einem Nock von grobem Fries gekleidet, öffnete und zlviukerte, von einfallendem Licht geblenoet, mit den Augen. Endlich begann er mürrisch: „Ah, ein Jude, hebe Dich weg, ich habe nichts mehr zu verpfänden." Moses sagte: „Herr Nikolaus Eberlein, es geht mir nicht darum, ein großer Herr, den Ihr auch wohl kennt, schickt mich zu Euch." „So, dann tritt ein." Moses folgte dem Vorausschreitenden, und als er im Zimmer eingetreten war, blieb er — verblüfft über die Unwohnlichkcit des vernachlässigten Raumes — stehen. Ein Tisch und eine Holzbank waren da, an der rohen, ungetünchten Mauer war ein Brett angebracht, auf dcni einige irdene Töpfe standen, in der Ecke ein Feuerherd aus Backsteinen. Einen seltsamen Kontrast damit bildete eine große Eichentruhe mit kunstvoll geschmiedetem Beschläge, aber alles war mit einer Staubschicht bedeckt. „Nun setze Dich und sage, wer Du bist und was Du von einem alten, unwerten Mann willst." Moses betrachtete den Alten scharf und entdeckte in dem grämlichen Gesichte so kluge Augen, daß er beschloß, gar keine Umwege zu machen. „Herr Nikolaus, ich heiße Moses Ems und wohne in Köln. Es handelt sich um nichts Unrechtes. Versprecht mir im Voraus, daß Ihr gegen Jedermann verschwiegen sein wollt, möget Ihr mir helfen, oder nicht, denn vorher darf ich nicht reden." Eberlein lachte heiser. „Traust Du denn meinem armen Worte ohne Eid?" um auf dem Ruhebette sich einige Kräfte für weiteren Trunk zu holen, koste ich mit den Krügen noch' ein trauliches Wörtlein, das mir mein Herr auch nicht mißgönnte. Nun sage mir, was Du willst." „Der Erzbischof verlangt, daß in ein Herr den Bcuetshof räume, weil er ihn nur gepachtet habe. Er will nicht glauben, daß das Gut gekauft und bezahlt sei, weil keine Urkunde vorhanden ist. Mein Herr hat auch keinen Schein darüber, und jetzt soll ich Euch befragen, ob Herrn Peter ein höllischer Traum geäfft oder ob er wirklich gekauft und bezahlt habe. Redet die Wahrheit, es wartet Euer reicher Lohn." Nikolaus brütete eine Weile vor sich hin, dann sprach er: „Ich kann in des Teufels Kirche kommen. Wenn ich mich aushorchen lasse und Du das dem Erzbischof erzählst, erhältst Du reichen Lohn und mich läßt der Erzbischof bestrafen. Er hat einen langen Arm. Wer soll Euch Juden trauen!" Moses erhob seinen Kopf und erwiderte: „Der Herr Peter Overstolz traut mir, das sollte Euch der beste Bürge sein. Aber Ihr sollt mir gar nicht glauben. Kommt nach Köln zu meinem Herrn und erzählt ihm, was Ihr wißt. Es wird Euer Glück sein. Hier habt Ihr Handgeld und Reisegeld." Er legte einige große Silbermünzen auf den Tisch. Nikolaus sah in die biederen Züge des Juden und reichte ih»n die Hand. „Verzeiht mein Mißtrauen, man ist hart mit mir umgegangen in der Welt, aber Euch glaube ich jetzt. Ich werde Euch erzählen, Ivas ich weiß, es ist nicht viel. Peter Overstvlz hat die Urkunde nicht an sich genommen, ich legte sie zum Pergainent meines Herrn und so kam sie in den Schrein. Ich habe des Kaufbriefs nicht mehr gedacht und mein Herr auch nicht. Aber der Fuchs Heinrich hat ihn jedenfalls gefunden und will den schönen Beuelshof wieder an ich bringen. Ich werde Eurem Herrn gerne zeugen, aber wer achtet des Zeugnisses eines minderen Mannes, wie ich einer bin?" ,Lönnt Ihr vielleicht genau den Tag wissen, an dem der Kauf vollzogen wurde?" „Wartet, das kann ich Nachsehen. Am selben Tag hat meine Schivester Taufe gehabt, ich habe mir ein Merkzeichen im Kalender gemacht. Laßt mich Nachsehen, Moses." Seitdein er Moses als Gesandten des Ovcrstolz achten mußte, duzte er ihn nicht mehr. Er kramte in seiner Truhe heruni, endlich zog er trimnphierend ein Heftlein heraus. „Seht hier, in der fünften Woche nach Trinitatis, am Tage des heiligen Jakobus, und an diesem Tag hat Herr Peter den Beuelshof bezahlt, einen heiligen Eid leiste ich darauf. Aber halt, noch einen Zeugen. Den größten Teil der Summe war mein Herr dem Edlen Johann von Lhskirchen schuldig. Und dem zählte mein Herr das Gold aus und sagte: „Dafür habe ich dem Overstolz den Bcuelshof verkauft." Der Herr von Lyskirchen lachte und redete: „Hättet Ihr doch den Beuelshof mir gegeben, ich hätte ihn auch genommen." Dieser Herr lebt noch und muß auch der Wahrheit die Ehre geben." (Fortsetzung folgt.) fttalser Friedrich {Inelle - Offenbach a. M. —. Gegen Gicht nnd Ehemnatlsmns bewährt. Wocheu-Saleuver. (Zeitangaben nach dem Laach.) „Sagt mir einfach „ja" nnd ich erzähle." „Ich schweige, also beginne." „Herr Nikolaus, erinnert Ihr Euch, daß Herr Peter Overstolz den Bcuelshof von Eurem Herrn, dem Erzbischof, gekauft hak?" Der Alte sann nach, dann sagte er: „Ich glaube, daß dem so ist. Aber ich bin alt, mein Kopf braucht längere Zeit, um die Gedanken zu sammeln. Kannst Du mir nicht mehr darüber sagen?" Doch mit erwachtem Mißtrauen fuhr er fort: ,-Weshalb willst Du das wissen, wer schickt Dich?" „Ich bin der Bote des Herrn Peter Overstolz, den Ihr als mächtigen und gerechten Herrn kennen werdet." „Kannst Du mir glaubhaft machen, daß Dich Ritter Overstolz abgesandt, so rede. Vermagst Du dies nicht, so entferne Dich Jude, ich will mir kein Bein stellen lassen." „Ich werde Euch Geheimes berichten, bei dem nur Ihr zugegen wäret. Merkt auf." Und er erzählte ihm, wie Herr Peter Over stolz das Gut von dem Erzbischof gekauft, wie bei der Uebergabe die beiden Herren mächtig gezecht und wie Herr Peter die Urkunde nicht an sich nehmen konnte, weil ihm der Kopf wirbelte und die Hände zitterten. Das Antlitz des Alten klärte sich bei der Erzählung immer mehr aus. Er nickte beifällig, und als Moses endete, lachte er laut auf nnd sagte: „Ja, dem war so. .Und als die beiden Herren in ihre Gemächer geführt wurden. SamStag, dm 14. November (— 20. Cheachwan): Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 4 Uhr 15 Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 5 Uhr 35 Min. in Berlin 5 Uhr 05 Min. Wochenabschnitt: Wajeiro. — Abrahams große Gastfreundschaft und edle Menschenliebe. Drei Engel, die er für fremde Menschen hält, bewirtet er in herzlichster Art. Dabei wird ihm die bald bevorstehende Geburt Jsaks verkündet. Die Engel wenden sich von Abrahams Hütte Sodom und Amora zu. Beide Städte nebst deren Umgegend sollen wegen ihrer Sünden mit dem Untergange bestraft werden. Auch hier zeigt sich die überaus große Herzensgüte Abrahams. Unaufgefordert betet er für die Sünder. Gott ist gnädig, will verzeihen, wenn 50, 45, 40, 30, 20, ja nur 10 Gerechte sich dort finden. Sodom und Amora gehen durch Schwefel und Feuer unter. Lot wird aber gerettet. Er zieht mit seinen Töchtern ins Gebirge. Mimelech, der Philisterkönig, raubt Sara. Auf Gottes nächtliche Mahnung aber gibt er sie wieder zurück, beteuert seine vollkommene Unschuld und überreicht 'Abraham Geschenke. — Die Geburt Jsaks. Seine Entwöhnung wird durch ein großes Gastmahl begangen. — Hagars Sohn Jsmael pflegt verführerischen Umgang mit Jsak. Hagar und Jsmael werden aus Abrahams Haus entlassen. In der Wüste verkündet ein Engel Gottes der Hagar, daß auch ihr Sohn zu einem großen Volke werden soll. — Der Philisterfürst ""imels^ ' '' ~

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