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Neue jüdische Presse · 1908-11-06 · Heft 43 (6.11.1908) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
6 (1908)
Issue
Heft 43 (6.11.1908)
Date
1908-11-06
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Nr. 43. SeSe 4. Frankfürter Israelitisches Familienblatt. ÄmerUa. 'New-Uork. Im September landeten hier 6225 jüdische Einwanderer (2001. Männer. 2433 Frauen und 1791 Kinder) gegen 9238 im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Hon diesen Einwanderern kamen 4607 aus Rußland, 788 aus Oesterreich, 445 aus Ungarn, 273 aus Rumänien und der kleine Rest aus anderen Ländern. New-Aork. Die Bereinigten Staaten zäulen zur Zeit rund 1800 000 jüdischeSeelen, von denen 300000 stimmberechtigte Bürger sein dürften. 40«/o aller Juden der Vereinigten Staaten wohnen in Newyork. Personalien. Frankfurt a. M. Herrn Louis Feist wurde das Ehrenritterkreuz 1. Klasse und Herrn Dr. Albert Sondheimer das Ehrenritterkreuz 2. Klasse des Großh. Oldenburgschen Haus- und Verdienstordens »erlichen. Berlin. Josef Krohn und Frau Jda geb Putzinger feierten die goldene Hochzeit. — Die Rote Kreuzmedaille 3. Klasse erhielten: Henriette May-Berlin, Regina Eisenstäd t-Lissa, Emilie Fränkel-Neustadt (O.-Schles.), Dr. med. Wiesenthal -Magdeburg, Fabrikant B. Blumenthal -Herford und Stadtrat Max Jüdel -Braunschweig. Berlin. Bernhard Lilienfeld wurde zum Handelsrichter und G u st. Behrendt- Wilmersdorf, Moritz Kristeller. Paul Schoenheimer und David Sinzheimer zu stellvertretenden Handelsrichtern ernannt. Freiburg. Dr. Emil Levh. . außerordentlicher Professor für romanische Sprache, ist zum ordentlichen Honorarprofessor befördert worden. (L) Posen. Oberrealschul-Profcfsor Dr. P eis er erhiüt den Roten Adlerorden 4. Klasse. — Jn Hohensalza stiftete ReMier S alomon Jakobsohn einen Thoravorhang im Werte von 600 Mark für die neue Synagoge und Ziegeleibesitzer Schwerfenz 12000 Mark für die Errichtung eines Denkmals Kaiser Friedrich m. In Gostyn erhielt Kaufmann Abraham Metz das Allgemeine Ehrenzeichen. Königsberg. Dr Ludimar Hermann Geb. Medizinalrat und ordentlicher Professor der Physiologie, feierte seinen 70. Geburtstag. Tuch-1 lWrstpreuß-n). Hür veisckied der Holz- Industrielle Kommerz'enrat Salomon Fabian, der fast 34 Jahre das Repräsentantcn-Kollegium der jüd. Gemeinde als Vorsitzender leitete und in Stadt, Kreis und Provinz eine Reihe von Ehrenämtern bekleidete. Basel. Aus Paris kommt die Trauernachricht vom Ableben des Herrn Elias Schwabacher, eines Mannes, in dem das .Hilfskomitee für jüdische Auswanderer" in Basel einen tatkräftigen Mitarbeiter verliert. Als vor einigen Jahren der Zug der jüdischen Emigranten sich über Basel und Paris nach Havre zu bewegen anfing und die Notwendigkeit ausgiebiger Hilfe und umsichtigen Schutzes für diese Aermstc» immer schärfer zu tage trat, war cs Elias Schwabacher, der die Sache des Basler Hilfskomitees zu der scinigen machte und in Paris und Havre unter erschwerenden Umständen mustergültige Einrichtungen schuf. Trotz seiner vorgerückten Jahre und trotz mannigfacher körperlichen Leiden unterzog er sich stets hilfsbereit den Anstrengungen, die mit diesem Hilsswerk verbunden waren. Seinem energischen und unerschütterlichen Eintreten war es gelungen, bei den maßgebenden Stellen durchzusetzen, daß den Emigranten auf ihrer Reise überall Koscher-Mahlzeiten verabfolgt wurden. Er organisierte in Paris ein Komitee von Herren und Damen, das jeden Freitag sich unter seiner erfahrenen Leitung der Emigranten bei Ankunft annahm und .ihnen jede mögliche Hilfe leistete. Ueberall war aber dieser alte Herr persönlich zugegen; keine Mühe war ihm zu groß, wo es zu Helsen galt, keine Arbeit zu schwer. Auch nach HLvre fuhr er und traf dort die Maßnahmen zur Bewirtung und Expedition der Emigranten. Er setzte es selbst bei der Kompanie Generale Transatlantique durch, daß die Emigranten während der Ueberfahrt mit Koscher-Fleisch versorgt und ihnen auf den Schiffen separate Küchen eingerichtet wurden. Bei der beispiellosen Bescheidenheit, die den Verblichenen auszeichnete, war dieses Auftreten und eifrige Eintreten für eine jüdische Sache, für welche zu jener Zeit nur wenige Verständnis hatten, umso verdienstvoller, und das Gute, das er dadurch stiftete, wird nicht nur in den Herzen vieler Tausende jüdischer Emigranten, sondern auch allen Freunden der jüdischen Wohlfahrtsbestrebungen in dankbarer Erinnerung bleiben. Prag, 2. Nnv. Heute starbhier im Alter von 74 Jahren Frau Charlotte Angel, die fast allen jüdischen Humanitären Vereinen als unermüd». lich tätige VörstandSdäme angehörte; sie' war eine der wenigen Jüdinnen, die auch dem Ausschüsse nichtjüdischer Vereine angehören und war stets bemüht, auch bei solchen Vereinen Juden vor Unrecht oder Zurücksetzung zu bewahren. Paris. Der berühmte Physiker Gabriel Lippmann, Professor an der hiesigen Sorbonne, der 1891 die Farben-Photographie erfand, wurde an der Cambridge-Universität zum Doktor honoris causa ernannt. Ans -er zionistische« Bewegung. Frankfurt a. M. Im Bmeau des jüdischen Nationalfonds, Grünestr. 29, gingen ein: Kirchenrat Dr. Kroner, Stuttgart Erlös für Marken Aus Büchsen: I. Gans, Uhlandstr. 51, Jacob Haas, Uhlandstr. 47, Steigerwald, Uhlandstr. 42, M. Speier, Uhlandstr. 40, I. G., Ostendstraße. M. Mannheimer, Langestraße, P. P., Schwanenstraße, Carl Herzberg, Langestraße Jacob Ettlinger, Uhlandstraße 50, 3,— JL 3, „ 2,40 „ 0,38 „ 3, 1 „ 1,20 „ 0,54;; 1,50 „ 0,82 „ 12,- „ i; j 28,84 JL ' Ferner Materialien: Lilli und Rost Michael, Schwanenstraße und Frau Etelka Steinlauf, Gorazda (Bosnien). Hamburg. Am 22 Oktober sprach Dr. Halpern in der zionistischen Ortsgruppe über „DieallgemeinejüdischeKonferrenzin Berlin und die großen jüdischen Organisationen". Er führte etwaaus: Wie sich auf dem Gebiete allgemein gesellschaftlichen Lebens eine Entwicklung von der auf autokratischer Grundlage beruhenden Wohltätigkeit zu systematischer sozialer Tätigkeit mit demokratischen Charakter vollzogen hat, so zeigt auch die Entwicklung auf jüdisch politischen! Gebiete eine Abkehr von den veralteten Formen jüdischer Wohltätigkeitsaktionen. Die Jka war eine solche autokratische Wohltätigkeitsinstitution, die Alliance Jsraelite zwar nicht theoretisch, aber praktisch., .Die Masse der östlichen Juden diente den materiell höherstehenden westlichen Juden als Objekt der Wohltätigkeit, ohne selbst über ihr Schicksal mitbestimmen zu können. Das mußte in ihnen, die sich ethisch und intellektuell gleichwertig fühlten, Verbitterung erzeugen; es entstand eine Disharmonie. Erst-der Zionismus legte nach demokratischem Prinzip die Entscheidung über jüdisches Geschick nicht in die Hände einzelner reicher Wohltäter, sondern in die Hand der Beteiligten selbst. Auch der „Hilfsvercin der deutschen Juden" war bemüht. Kleinliches zu vermeiden. In der Frage des Fortbestandes der Juden huldigte man früher teils der Theorie der Zerstreuung und Aussaugung der Juden, teils der Theorie der materiellen Hebung der Juden in ihren jetzigen Wohnländern. Demgegenüber hat sich der Gedanke der Notwendigkeit geschlossener jüdischer Kolonisation siegreich durchgerungen. Schon in Brüssel wurde von zionistischer Seite versucht, eine dauernde Kooperation aller jüdischen Organisationen herbeizuführen, aber durch den freiwilligen Ausschluß der Alliance und Jka blieb die Konferenz ein Rumpfparlament. Die in veralteten Gedankengängen befangenen Vertreter dieser Organisation hatten für die neue Situation und die Forderung des Tages kein Verständnis; sie blieben auch der jüngst in Berlin abgchaltenen Konferenz fern, dagegen nahmen der Zentralverein, der Hilfsverein, die Logen nsw. teil. Wenn alle diese Organisationen mit samt den Zionisten sich zusammenschließen, so bilden sic auch ohne die Jka und Alliance einen bedeutenden Faktor in der Judenheit. Ein solcher Zusammenschluß ist zwar noch nicht geglückt, aber die Konferenz hat erkennen lassen, daß unbeschadet sonstiger Differenzen, auf einem Gebiet, nämlich der kolonisatorischen Arbeit, völlige Einigkeit herrscht; auch Einigkeit darüber, daß der Orient zur Kolonisation geeignet ist, und daß an der Basis der Autonomie sestgehalten werden muß. Es gibt ein Gegenwartsprogramm, die Förderung der in Palästina befindlichen Juden und derjenigen, die hinkommen wollen. Dort muß neben der Landwirtschaft durch Gewährung von Krediten die Industrie gehoben werden. Wenn diese Erkenntnis endlich überall durchgedrungen ist, so ist das zum großen Teil der Tätigkeit der Zionisten zu danken. Der Vortrag fand den verdienten Beifall. — Der Vorsitzende Dr. Kalmus teilte sodann mit, welche Veranstaltungen für die nächste Zeit von der Ortsgruppe vorbereitet werden. Am 9. November wird Herr Pastor Eberhard, der bekannte Palästinaforscher, über „Volksleben in Palästina" sprechen. Herr Rabbiner Dr. Löwenthal hält Vorträge aus dem Gebiet der jüdischen Geschichte; diese Veranstaltung erfolgt seitens der zionistischen Ortsgruppe gemeinsam mit der Loge und dem Talmud« Thöra-Verein. Ferner wird Herr Gustav Tuch über Chamberleins „Grundlage deS 19. Jahrhunderts" sprechen. Am 26. Dezember findet die diesjährige Makkabäerfeier in Form eines Kostümefestes statt. Der Ueberschuß fließt den jüdischen Palästinainstitutionen zu. Auch die F r a u e n g r u p p e plant eine umfangreiche Tätigkeit für den Winter. Es hat sich ferner eine Agitationskommission gebildet, die es sich zur Aufgabe macht, in den Kreisen außenstehender junger Leute Interesse für unsere Sache zu erwecken. Sie veranstaltet zuerst eine Versammlung mit dem Thema „Die wirtschaftliche Stellung der deutschen Juden". Ans der Lehrerwett. Hohensalza. Rabbiner De. K o h n erhielt den Roten Adlerorden 4. Klasse. Nürnberg. Dr. Klein. Lehrer am israel. Lehrer-Seminar in Würzburg, wurde zum Rabbiner der hiesigen orthodoxen Bereinsgemeinde gewählt. Dr. K. ist aus Ungarn gebürtig. Höngen (Lez. Aachen). Seit Jahresfrist ist die Lehrerstelle Langweiler unbesetzt. Die Bodenständigkeit unserer dortigen Glaubensgenossen hat sich in letzter Zeit sehr geändert. Frühere blühende Gemeinden sind wie ausgestorben, andere wieder, mit lebhafterer Industrie, sind bedeutend angewachsen. Während nun bis dahin für eine Anzahl Gemeinden der Unterricht in Langweilcr, dem seitherigen ständigen Lehrersitze, erteilt wurde, hat man jetzt Höngen und W a r d e n als die beiden Mittelpunkte ausersehen. Warden ist zum Sitz für dey wöchentlich abzuhaltenden Religionsunterricht, Höngen für den allsabbatlich stattfindenden Gottesdienst bestimmt worden. Den Religionsunterrricht erteilt Herr Lehrer Tobias- Jülich. Hoffentlich werden sich in Zukunft die dortigen kleinen und kleineren Gemeinden zu einer Haupt-, bczw. Kreisgemeinde zusammenschließen, und so bald wieder in den Stand gesetzt, einen ständigen, eigenen Lehrer und Kultusbeamten halten zu können. — U. — Prag, 1. Nov. Heute starb hier nach langer Krankheit Rabbiner und Religionslehrer Alois Kraus. Eine versunkene Wett. Roman von Jakob Levy. (Forrsetzung). 5. Kapitel. Gumpel sah ihn scheu an und wollte schweigend weilerhasten, aber Joseph blieb ihm zur Seite. „Gumpel seid doch kein Narr und lauft nicht so,' vielleicht könnt Ihr etwas verdienen." „Laßt mich in Ngh Ihr seid gebannt, ich darf nicht mit Euch reden." „Gumpel, ich sage nochmals, seid kein Narr. Der Bann gibt Euch keinen Denar, wir aber manchen Schilling, es wäre nicht der erste, nicht wahr, Vater?" Der Schneider murmelte etwas undeutliches, ging aber langsamer. Joseph fuhr fort: „Ich weiß, Ihr dürft nicht mit uns gesehen werden, deshalb gehen mein Vater und ich rascher bis zum Weidenhaus. In der letzten Laube am Rhein, wo die Juden rasten dürfen, warten wir auf Euch." Er faßte seinen Vater am Arm und schritt rasch mit ihm fürbaß. Der Alte fragte verdrießlich: „Was willst Du von dem Lumpen?" „Ich möchte ihn aussragen, wem von unfern guten Freunden wir alles verdanken," sagte Joseph mit bösem Lächeln. „Nu, das ist ja nicht übel, aber der Lump, den ich sonst nicht angesehen habe, wird überall erzählen, daß ich ihn angesprochen und ihn aushorchen wollte." „Er wird sich lieber die Zunge abbeitzen. Wir sind doch im .Bann, also darf er nicht mit uns reden." Es ist wahr, Joseph. Du hast einen eisernen Kopf." Unterdessen waren sie am Weidenhaus angelangt und begaben sich in eine verwilderte Geisblattlaube am Rhein, von der man das vieltürmige Köln in der Abend>onne schimmern sah. Gleich drauf kam Gumpel, der seinen Pack Kleider auf den Boden warf und sich erschöpft auf die Bank niederließ. Joseph holte aus der Herberge, an welche die Laube stieß, einige Krüge Bier, und dann trank er dem Schneider zu. Der zögerte erst einen Augenblick, schlürfte aber dann — durstig, wie er war — in .vollen Zügen. Ms er absetzte, sagte er ängstlich: „Sagt rasch, was Ihr von mir wollt: man darf mich nicht mit Lutz sehen." - - - : . , :; /

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