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Neue jüdische Presse · 1908-10-09 · Heft 40 (9.10.1908) · p. Seite 10

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
6 (1908)
Issue
Heft 40 (9.10.1908)
Date
1908-10-09
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Nr. 40. Sehr interessant sind die kulturellen Aufgaben, die von den Juden in Arabien erfüllt wurden. Sie waren cs, die den Arabern in Medina den Ackerbau und die Gartenanlagcn beibrachten, auch die Goldschmiedekunst, die damals bei den Juden in großer Blüte stand, lernten die Araber von denselben. Es herrschte ein gutes Einverständnis zwischen den Juden und Arabern, und wir haben sogar zahlreiche und sichere Beweise, daß sie untereinander heirateten. Viele Araber nahmen das Gesetz Noahs an, was so viel bedeutete, daß sie sich vom Götzendienst lossagten und sozusagen den Nährboden bildeten, auf dem später Mohammed seine monotheistischen Bestrebungen zur Blüte brachte. Wie weit die Verbrüderung der Juden mit den Arabern ging, ist daraus zu ersehen, daß sehr oft Juden mit heidnischen Arabern sich verbanden, um gegen eine jüdische Oase oder Kolonie einen Feldzug zu unternehmen, wodurch sie sich gegenseitig schwächten und den Arabern zu ihrer Machtentfaltung verhalfen. Wir sehen auch in der Folgezeit (im 6. Jahrhundert), wie das jüdische Reich von den Arabern gänzlich zerstört wird, nur einzelne zerstreut liegende jüdische Kolonien haben ihre Unabhängigkeit bewahrt und von einer patriarchalischen Regierung, gleich den anderen arbischen Stämmen, sich leiten lassen. Trotz der politischen Schwäche spielten die Juden in Arabien, als Mohammed auftrat, eine große Rolle. Wir können das am besten aus dem Verhalten des Propheten selbst ersehen. Er bemühte sich, die Gunst der Juden zu erwerben, um durch ihre Anerkennung bei den Arabern mehr Gehör sich zu verschaffen. Er leitete die Abkunft seiner stammverwandten Araber von Abraham her, um auf diese Weise eine gewisse nähere Beziehung zu den Juden herzustellcn. Er nahm sogar jüdische Sitten und einen Teil des jüdischen Gesetzes an, um imr die Anerkennung der Juden, die dmm auf die Araber rückwirken sollten, zu erwerben. Er berief sich nicht nur bei jeder Gelegenheit auf die Schriften der Juden, sondern er nahm auch ihren „Jom Kipur", Versöhnungstag, als bindenden Fasttag seiner Religion an und befahl seinen Anhängern, während des Betens ihr Antlitz nach Jerusalem zu wenden. Als all diese Mittel nichts halfen, da betrat Mohammed, von Abu Bekr besonders dazu veranlaßt, einen anderen Pfad, zumal 'bic arabischen Juden ihm durch allerlei Fragen seine Unkenntnis des jüdischen Gesetzes bewiesen und als einen falschen Propheten hinftellten. ' (Schluß folgt.) Personalien. Berlin. Geh Sanitätsrat Dr. Abraham Lissauer, der 1892 von Danzig nach Berlin verzog und sich hier vorwiegend mit anthropologischen Untersuchungen beschäftigt hat, ist im 77. Lebensjahre verschieden. Berlin. Dem Bibliothekar der König!. Bibliothek Professor Dr. Heinrich Simon wurde definittv die Stelle eines Bibliothekars bei der Technischen Hochschule übertragen. — Im Mter von 61 Jahren verschied Kaspar Levy, Mitglied des Börsenvorstandes und des Aeltesten-Kvllegiums der Kaufmannschaft und früherer Direktor des Maklervereins. München. Der 43 jährige Grrßkaufmann und Konsul A. Einstein von der Firma Einstein n- Fränkel wurde letzten Samstag am Karlsplatz tödlich vom Schlage getroffen. Dessau, 3. Okt. Bei den heutigen anhattischen Landtagswahlen wurde Rechtsanwalt Dr. Cohn wiedergewählt. (I-.)Posen. Landgerichtsrat Nathan Springer erhielt den Roten Adlerorden 4. Klasse. Im Mter von 36 Jahren verschied Alex Rosenberg, Mitinhaber der bedeutenden Schuhwarenfabrik Gebr. Rosenbcrg. Schwerin a. Warthe. Rentier Gustav Jerem i a s wurde zum Vorsteher und Kaufmann Klein zum stellvertretenden Vorsteher der jüdischen Gemeinde gewählt. Zürich. Der Präsident der jüd. Gemeinde in St. Gallen, Ludwig Neuburger, feierte feine 25jährige Zugehörigkeit zum Vorstand der jüdischen .Gemeinde. — Frankfurter JsraelitHM Familienbkatt. Frau Abraham Ris-Guggenheim überwies als Legat ihres jüngst verstorbenen Gatten dem Israelitischen Altersashl in Lengnau 5000 F r c s. Budapest. In die ungarische Delegation wurden vom Abgeorbnetenhause ein Jude, der Kossuthianer Samuel B a k o n y i, vom Magnatenhause hingegen zwei Juden, Dr. Franz Chorin und Siegmund Kornfeld gewählt. Das ist um so bezeichnender, als das Abgeordnetenhaus 24 jüdische Mitglieder, das Magnatenhäus nur 6 Juden zählt. Das konservative Magnatcnhaus erwies sich somit den Juden gegenüber viel unbefangener als das demokratische Abgeordnetenhaus. Czernowitz. Großgrundbesitzer Dr. Hermann Fischer, der anläßlich des Kaiserjubiläums eine halbe Million Kronen für ein „interkousessiouclles" Kinderspital spendete, wurde in den Adelsstand erhoben. — Dieses Glück wär ihm nicht zu Teil geworden, hätte er seine Stiftung für ein „jüdisches" Spital, das für die arme und überall zurückgesetzte jüdische Bevölkerung sehr von nöten wäre, bestimmt. Minsk lRußland). Der reiche Ochsenhändler Chezkel Leder und die Familie Lichtermanu sind zum Christentum üb er getreten, letztere aus Not. Von Chezkel — jetzt Stanislau Leder — haben sich Frau und Kinder, da sie dem Judentum treu bleiben wollen, getrennt. Aus -er zionistischen Bewegung. Frankfurt a. M. Bei der Expedition ging für den Nationalfonds ein: Isidor Schloß stiftet auf den Rainen seiner Mutter Perle Schloß einen Oclbaum im Herzlwald 6,— JL SB. S. 1 — „ Materialien von Alfred Goldberg, Börnestr. 39, Selma Pappenheim. Franksurt ä. M. Im Büro des Jüd. Nationalfonds gingen ein: Abraham Strauß, Leerbachstr. 51 2,— M. Aus Büchsen: David Pineas, Ostendstr. 31 1,21 „ Frl. Fromm, Ostendstr. 29 1,21 „ Rufs. Lehrerseminar, Ostendstr. 29 1,85 „ frl. Lotte Wolpe, Bergerstr. 53 3,05 „ eon Janzon, Kaiserstr. 23 0,42 „ Rechtsanwalt Dr. Schwarzschild, Bilbelcrstraße 4/6 9,15 „ Sigmund Singer, Börneplatz 23 0,50 „ Nathan Liebes, Gaußstr. 3 .3,— „ Gust. I. R., Seilerstr. 3,— „ Jos. Rosenthal, Eiserne Hand 21 5,25 „ 31,55 JL Ferner Materialien von Lazar Jeidel, Frl. Jakob, Harry Goitein. Berlin. Das „Zentralbüro der Zionistischen Vereinigung für Deutschland" beabsichtigt, einen Parteisekretär anzustellen. Die Tätigkeit desselben ist als eine agitatorische gedacht, und zwar soll der Parteisekretär insbesondere die bestehenden Ortsgruppen besuchen und die Gründung neuer Gruppen vorbereiten. Bewerber um diesen Posten mögen sich unter ausführlicher Darlegung ihres Bildungsganges und Angabe ihrer Gehaltsansprüche bis zum 21. Oktober an das Zentralbüro, Berlin- Charlottenburg 2, Bleibtrcustr. 49, wenden. Hamburg. Am 24. September sprach in der Zionistischen Ortsgruppe die auf einer Urlaubsreise begriffene, am S ch a a r e - Z e d e k - Hospital zu Jerusalem wirkende Schwester Ieuny Stiebel über ihre 2jährigen Erfahrungenin Palästina. Die Rednerin ging von einer Schilderung der modernen Einrichtungen des genannten Krankenhauses aus und erbat das Interesse der Anwesenden für die Ausgestaltung dieses trefflichen Instituts. Sie gab ein anschauliches Bild sowohl von der Not der rückständigen Bevölkerung wie von der körperlich und geistig aufstrebenden, im nationalem Geiste und in hebräischer Kultur aufwachsenden Jugend, wie sie in den Kindergärten des Hilfsvereins, im Bezalel, in den Kolonieschulen usw. herangcbkldet wird. Der Jugendfürsorge durch die jüdische Frau bietet sich ein weites Feld der Betätigung, und deshalb sei u. a. die allseitige Förderung des „Verbandes jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina" dringend zu empfehlen. Mit besonderem Nachdruck wies sie auf eine' der jüngsten zionistischen Einrichtungen, das Betham, das jüdische Volkshaus, in dem man sich nach des Tages Arbeit gesellig zusammenfindet. Die schlichten und klaren Ausführungen der Rednerin, die von hoher Auffassung ihres Berufes und inniger Palästina-Liebe zeugten, fanden lebhaften Beifall bei den zahlreichen Zuhörern, die' trotz der nahe bevorstehenden Feiertage den Saal .bis auf den letzten Platz füllten. Stuttgart. Hier verschied Rentner Jacob Boden heim er, Vater des Direktors des Jüd. Nationalfonds, Rechtsanwalt Dr. Bodenheimer-Köln. Pretzburg (Ungarn). Hier ist unter der Redaktion des Herrn Wilhelm Steiner eine jüdische Zeitung ins Leben getreten. Die beiden vorliegenden Nummern der „P r e ß b u r g e r I ü d. Z t g." zeigen,. daß dieselbe Verständnis für die jüdische Gegenwart hat und daher auch die Bedeutllng der zion. Bewegung. anerkennt. In Nr. 2 der neuen Zeitschrift äußert sich Rabbiner Dr. Saufmann*Virovitica über den Beschluß der jüngsten Frankfurter Misrachikonfcrenz, zu erstreben, daß dem Basler Programme nach den Worten „die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina" die Worte „auf Grundlage des überlieferten Judentums" eingefügt werden. Er schreibt: „Der Heilighaltung und Uebung der jüd. Sitten und Bräuche, haben wir es zu danken, daß wir sind, näinlich, daß das jüdische Volk existiert. Aber gerade deswegen halte ich cs für sehr bedenklich, in das Baseler Programm den Punkt aufzunehineu „auf der Grundlage des überlieferten Judentums". Denn abgesehen davon, daß, in dieser Form den religiösen Gedanken zum Ausdruck gebracht, dem Mißverständnis und der Zweideutigkeit Tür und Tor geöffnet wird, ist der Begriff „überliefertes Judentum" bei den Chassidim in Galizien und Russisch-Polen etwas ganz anderes, als bei den orthodoxen Juden in Ungarn. Auch die deutschen orthodoxen Juden, die ich schon deswegen, weil sie nicht bildungsfcindlich sind, für ein segenbringcndes und sehr gesundes konservatives Element im Körper der jüdischen Gemeinschaft halte, werden das nicht als „überliefertes Judentum" betrachten, was der ungarische Jude als solches ausgibt." Aus den Vereinen. Frankfurt a. M. „Montefiore"-Berein. Die Vortrags-Saison, welche am Mittwoch, den 21. d. Mts., mit einem der beliebten Unterhaltungsabende eröffnet wird, bringt während der Monate Oktober-Dezember folgendes Programm: Kirchenrat Dr. Kroner, Stuttgart: Propheten und Pharisäer. Dr.' Melamed (Maxime Le Maitre): Die Juden in der deutschen Literatur der Gegenwart. Rabbiner Dr. Lazarus: Flavins Josephus. Dr. jur. Schwarzschild: Juden und Judentum in der preußischen und deutschen Gesetzgebung. Rabbiner Dr. Salfcld, Mainz: Ursachen und Wirkungen der mittelalterlichen Judenverfolgungen. Privatdozent Dr. Goldstein, Darmstadt: Betrachtungen zur Aesthetik der Bibel. Frankfurt a. M. Vergnügungs-Klub junger Leute (gegr. 1907). — In der am 3. Oktober stattgehabten außerordentlichen Generalversammlung wurden als Vorstand gewählt: Sicgmund Janusch (1. Vorsitzender); Glücksmann (2. Vorsitzender); Max Hirsch, Sali Grüncbaum (Kassierer); Siegfried Reis, Josef Meyer (Schriftführer); Heß (Archivar); Adolf Bößmann und Moritz Herz (Beisitzer). Gleichzeitig wurde die Abhaltung eines Simchasthora-Balles in den früheren Räumen des Kaufmännischen Vereins (Langestraße) beschlossen. <U.) Schwersenz. Der hiesige „Verein für jüdische Geschichte und L i t e r a t u r" (Vorsitzender: Aron Katz) hielt jüngst seine Generalversammlung ab. Nach dem von Lehrer Broh erstatteten Berichte zählt der Verein 34 Mitglieder und veranstaltete 4 Vorträge und 3 Festlichkeiten. Außerdem wurde eine Vereinsbibliothek begründet. Der Kassenbericht — erstattet von Sally Casper — verzeichnet die Einnahmen mit 422 Mk. und die Ausgaben mit 342 Mk. Die Versammlung wählte den bisherigen Vorstand wieder. Auch der „Jüd. Krankeuverein", der älteste der in der jüdischen Gemeinde bestehenden Vereine, hielt kürzlich seine Generalversamml u n g ab. Der von dem Vorsitzenden S. I. Salomon erstattete Jahresbericht stellte zunächst fest, daß sämtliche Mitglieder der jüdischen Gemeinde dem Verein angehören. Trotzdem sei, so führte der Referent aus, wegen Rückganges der Anzahl der Gemeindemitglieder zu befürchten, daß der Verein für die Folge seiner Aufgabeir nicht gewachsen sein werde, wenn seine Einnahmen nicht eine anderweitige Regelung erführen. Der Vorstand schlage deshalb vor, den Mitglicderbeitrag nach drei Klassen zu erheben. Diesem Beschluß wurde zugestimmt. Den Kassenbericht erstattete Lehrer Grünfeld; die Kasse verfügt über einen Ueberschuß von 654 Mk. Der alte Vorstand wurde wiedergewählt. Ans der Lehrerwett. Nürnberg. Die orthodoxe Privatgemeinde hat beschlossen, die von ihr ausgeschriebene Rahbinatsstelle vorläufig nicht zu besetzen, sondern vorerst durch einen benachbarten Rabbiner versehen zu lassen. (L.) Posen. In letzter Zeit sind in unserer Provinz Zweifel darüber aufgetaucht, ob Lehrer an öffentlichen jüdischen Volksschulen als Repräsentanten oder Mitglieder des Vorstandes der Synägogengemeinden gewählt werden dürfen. Ein diesbezüglicher Ministerialerlaß für Synagogengemeinden in der Provinz Posen besagt, daß Kultusbeamte, wie Kantoren und Schächter, weder wählen noch gewählt werden dürfen. Dahingegen besitzen Lehrer ausschließlich an staatlichen Volksschule» dieselben Rechte hinsichtlich der Wählbarkeit wie die anderen Mitglieder der Gemeinde.

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