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Neue jüdische Presse · 1908-10-09 · Heft 40 (9.10.1908) · p. Seite 11

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
6 (1908)
Issue
Heft 40 (9.10.1908)
Date
1908-10-09
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 40. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Seite 11. (L.) Krotvschin. Zu Ehren des nach einer mehr als 40 jährigen Tätigkeit aus dem Amte scheidenden und nach Berlin übersiedelnden Hauptlehrers Ries fand unter zahlreicher Beteiligung'ein Festkommers statt. Mehr als 23 Jahre hat Hauptlehrer Ries in unserer Stadt gewirkt. Ausgerüstet mit reichen Gaben des Geistes und des Herzens, hat er es verstanden, die ihm anvcrtraute Jugend zu tüchtigen Menschen zu erziehen. Infolge seiner vorzüglichen Charaktereigenschaften und seines gesunden Humors war er eine allgemein geachtete Persönlichkeit, die in vielen Vereinen ihre reiche Erfahrung in den Dienst derselben stellte' und durch ihre dichterischen Erzeugnisse so manches Vereinsfest verschönte. Durch Verleihung des Kronenordens 4. Klasse hat die Vorgesetzte Behörde, die im Jahre 1899 Hauptlehrer Ries auch zum Ortsschulinspektor ernannte, dessen Verdienste anerkannt. Der Lehrerverein, dessen langjähriger stellvertretender Vorsitzender er war, hat seine Vereinstätigkcit durch Ernennung zum Ehrenmitgliede gewürdigt und durch Ueberreichung eines künstlerisch ausgeführten Diploms Ausdruck verliehen. Bunte Chronik. Das T e st a m e n t des Hausierers. In Cambridge starb vor einiger Zeit im Alter von 82 Jahren ein Hausierer, .Harris Norman, einsam und verlassen. Er hatte sehr ärmlich gelebt, aber nun stellte sich heraus, daß er ein Vermögen von nicht weniger als einer Viertelmillion Mark hinterlasscn hatte. Um das Erbe des Hausierers entspann sich bald ein Prozeß, der niit einer großen Ueberrnschnng endete. Während der Verhandlung, in der ein Stiefbruder des Verstorbenen Anspruch auf das Erbe erhob, erschien ein langjähriger Freund des Verstorbenen und legte einen alten Zylinder mit den Worten: „Hier ist das Testament meines Freundes!" auf den Gerichtstisch. Es stellte sich heraus, daß der greise Hausierer seinem Freunde den Zylinder für eine Beerdigung geliehen hatte. Als dieser den Hut zurückbringen wollte, war Harris Norman gestorben. Durch einen Zufall entdeckte Mr. Wall, in dessen Händen der Seidenhüt des Hausierers zurückblieb, daß unter dem Futter des Zylinders ans einem halben abgerissenen Bogen zerfetzten Notenpapiers der letzte Wille des Sonderlings verborgen war. Harris Norman vermachte darin seine ganze Habe, die in sicheren Wertpapieren angelegt war, zwei wohltätigen Stiftungen zur Unterstützung verarmter und bedürftig er Juden, und trotz des Protestes, den der Stiefbruder des Verstorbenen gegen dieses sonderbare Testament einlegte, erklärte es der Richter für gültig. Ebenso romantisch wie diese Testamcntsaffäre war auch das Leben des Mannes. Er stammte aus Polen, hieß ursprünglich Paul Hirsch und landete in den vierziger Jahren in England. Sein ganzes Barvermögen betrug 18 Schilling. In London, wo er zunächst mit Schwämmen handelte, nahm er den Namen Harris Norman an. Seine Kunden suchte der geschästseifrige junge Mann unter Kutschern und Stallknechten. Aber schon nach vier Jahren hatte er ein kleines Kapital angesammelt, groß genug, um in Cambridge ein Hausiergeschäst in billigen und imitierten Juwelen zu etablieren. Er war weit und breit im Lande bekannt, suchte und fand überall Geschäfte und vermehrte still und stetig sein Kapital, als er schon ein wohlhabender Mann genannt werden konnte, lebte er noch immer wie ein Bettler. Jahrelang bestand seine Nahrung aus harten Brotrinden und Wasser, und wenn er das Mißgeschick hatte, den letzten Zug zu verpassen, so wunderte er nachts meilenweit nach Hause, nur um die Miete für ein Hotelzimmer zu sparen. Nachdem ihm sein Geschäft genug eingebracht hatte, begann er an der Börse zu spekulieren. Zu diesem Zweck lernte er noch aus seine alten Tage schreiben. Seine Lehrmeister waren Schulkinder, die er mit Süßigkeiten beschenkte, um das Honorar für einen Lehrer zu sparen. Nach fünfzig Jahren unermüdlichen Handelns zog sich Harris Norman von den Geschäften zurück. Auch jetzt noch behielt er eine kärgliche Lebensweise bei, nur einen Luxus leistete er sich nunmehr, ein Vergnügen, das ihn zu einem Original der Stadt machte: er wurde ein leidenschaftlicher Freund vom Fußball und Kricket- Jeder, der den trotz seiner Jahre noch immer rüstigen, hageren Mann sah, hielt ihn für einen armen Schlucker, und selbst ein paar Sportfreunde, denen der ehemaliger Hausierer fein Herz aufgeschlossen hatte, ahnten nichts von dem heimlichen Vermögen des Sonderlings, bis ein altmodischer Zylinderhnt das Geheimnis seiner Erbschaft preisgab. Bereit» Mekor-Chajim- Samstag, den 10. Oktober 1908 (1. Tag Sukkaus), nachm. 3»/« Uhr, Vortrag des Herrn Redakteur Schachnowitz: „Das Sukkaus-Fest in Schrift und Tradition". Samstag, de» 17. Oktober 1908 (Schemini- Azeres), nachm. 31/2 Uhr: Bortrag des Herrn Heinrich Guggenheim, Amsterdam. Carl Gr ehe ai am, TS;S foh. Juwelen. Uhren. Soldu. Silbenoaren. Auswahlsendungen gerne za Diensten. Neu eröffnet! Neu eröffnet! Meinen Freunden, Gönnern und Bekannten die ergebene Mitteilung, dass ich unterm Heutigen eine Fluss* und SeefiscbbancUutig eröffnet habe. Ich werde bemüht sein mir Ihr Vertrauen durch reelle Bedienung und feinste Ware zu erwerben, und bitte mein Unternehmen durch gell. Zuspruch gütigst unterstützen zu wollen. Zur Eröffnung offeriere ich: liebende Karpfen in allen Grössen, lebende Schleien und Hechte, Blaufelehen, Cabliau, Seehecht, Heilbutte zu Concurrenzpreisen. Rudolf Schloss, Nene Zeil 9. Telephon 4606. Telephon 4606m FLORA-DROGERIE 8. Vöhl yS* Schnell und billig "SG Einsetzen v. Fensterscheiben, Bilder-Rahmungen, Reparaturen. - ■ —■ --- Carl Link, Glaser, Telephon 8222. Yilbelerstrasse 27. Telephon 8222. 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