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Neue jüdische Presse · 1908-10-02 · Heft 39 (2.10.1908) · p. Seite 10

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
6 (1908)
Issue
Heft 39 (2.10.1908)
Date
1908-10-02
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Es dämmert. Aus dem Schoße der Nacht erhebt sich ein mattes Licht, das das starre Dunkel löst. Und immer Heller und Heller lichtet sich der Morgen. Der anbrechende Tag ringt das letzte Nachtdunkel nieder und bald steht der graue starre Morgen wie der graue Grabstein aus der Gräberreihe des Friedhofs in dunkler Mitternacht. In den Hekdesch dringt Licht und in das Elend Scham. Sie haben geruht in tteser Nacht und jetzt reißt sie das Morgenlicht in des Tages schwere Pein. Eins nach dem Andern, Greis und Weib und Kind erhebt sich vom Lager und verläßt stumm den Hekdesch. Nur der Totengräber rührt sich nicht Er, er lispelt Totengebete sür die Seele der Verstorbenen. Personalien. Berlin. Kommerzienrat Emanuel Lohnstein erhielt den Kronenorden 3. Klasse. — Dr. Carlebach wurde als Oberlehrer an der Margaretcnschulc angestellt. Breslau. F>au Bertha Schottländer geb. Werner ist am 20. September im hohen Alter von 88 Jahren verschieden, nachdem es ihr vergönnt war, noch Ururenkel zu schauen. Sie hatte noch bis kurze Zeit vor ihrem Ableben die inzwischen aufgelöste, bekannte Firma B. Werner mitgeleitet und ist in dem alten Geschästshause, in dem sie ihr langes Leben verbracht hat, auch verschieden. Auf dem Hause lastet eine Jahresrente. von .1500 Jk, welche von ihr zur Erinnerung an .ihren Heimgegangenen Gatten Marcus Schottländer gestiftet wurde und am Todestage desselben alljährlich zur Verteilung an 10 jüdische Gemeindearme gelangt. Unsernl Krankenhausc hat sie ihr besonderes Wohlwollen durch eine reiche Zuwendung behufs Errichtung einer besonderen Abteilung sür Augenkranke bewiesen. Auch dem Lehrer-Verein und anderen 'Kn* stalten hat sic erhebliche ZMvendungen gemacht.: Görlitz. Am 1. Oitober siedelt der Stadtv. Pfcffermann nach Berlin über. Aus diesem Anlaß wurden dem Scheidenden mannigfache Ehrungen zu teil. Der Verkehrsverein, dessen Gründer und 1. Vorsitzender Herr Pfeffermann gewesen, ernannte ihn zum Ehreumitgliede. Die Viktorialoge veranstaltete ein Festbankett und überreichte dem Scheidenden, ihrem langjährigen Präsidenten, eine auf seinen Namen lautende, nach seinen Bestimmungen wohltätigen Zwecken dienende Sttstting von mehreren tausend Mark. Der Vorstand der Synagogengemeinde und die Repräsentanten, deren Mitglied Herr Pfeffermann gewesen, veranstalteten eine Festsitzung. Gebweiler. Anläßlich des 100 jährigen Jubiläums der Firma N. Schlumberger u. Cie. erhielt deren Angestellter Joseph Heimerdinger für seine 40jährige Dienstzeit den Krone norden 4. Klasse. Wie«. Der Kaiser verlieh dem österr. Staatsangehörigen Kaufmann Mendel K a u d e r e r in Rio-dc-Janeiro das goldene VerdienstkreuzmitderKrone. Budapest. Chefredakteur Max Markus erhielt den Charakter eines Hofrates. Czeruowitz. Im 45. Lebensjahre verschied Frau Lina Roth, Präsidentin des „Ferienheims für israel. Mittelschüler", Sanitätsobmännin des „Frauen-Hilfsvereins" usw. usw. Der Bahre folgten u. a. Bürgermeister Baron Fürth, Frau Exzellenz von Bleyleben, Landesgerichtspräsident Klar. Bad Pöstyen, 20. September. Heute habe ich den Heimgang einer Escheth chajil, der Mutter des hiesigen Vorstehers, Herrn M. Stern, zu erwähnen. Die Verblichene, um die eine ansehnliche und zahlreiche Familie trauert, hat sich besondere Verdienste als Vorsteherin des hiesigen Frauenvereins erlvorben. Keiner, weder Jehudi noch Christ, fehlte heim Leichenbegängnis. H. Zürich. Dr. jur. Guggenheim, der Präsident der israel. Gemeinde, hat seine Demission eingercicht, und der Gesamtvorstand hat sich ihm angeschlossen. New-Aork. Im Alter von 83 Jahren starb Marcus Berliner, eine in hiesigen jüdischen Angelegenheiten von jeher sehr tätige Persönlichkeit. Aus der zionistische» Bewegung. Fraukfurt a. M. Bei der Nationalfondskommission sind nachträglich zur Ablösung der Ncujahrsgratulation noch Beträge eingegangen von: Herm. Erteschik, Eppsteinerstraße; Kuksekses, Zeil 68; Herm. Mansbach u. Frau, Mannheim; Markowitz, Baumweg 57. , Ferner gingen ein aus Büchsen: David Wallach, Grünestr. 19 5,02 JL München. BomBezalel handelt die ca. 44 Seiten starke Oktobernummer der Zeitschrift „P a l ä st i n a" (München, Pettenkoferstr. 25, Abonnement pro Jahr 2,50 Jk). Aus der langen Reihe der Mitarbeiter nennen wir besonders Professor Schatz, Herrmann Struck und Dr. E. Müller, die ja allgemein bekannt sind und deren Arttkel tvohl allgemein interessieren Frankfurter Israelitisches Familienblatt. dürften. Daneben kommen noch viele weitere Palästinenser zum Wort, so der Naturwissenschaftler Ahroni, der Sekretär des Bezalel, Kantorowicz u. a., deren Arttkel sich mit einem naturwissenschaftlichen Museum, mit der Lag-Beomer-Feier usw. beschäftigen. Ein Schüler des Bezalel stellt sich mit einer hübschen Skizze ein (Der „Wettbewerb"). Fachmänner auf dem Gebiete des Kunstgewerbes und der Teppiche äußern sich hierzu (z. Z. Rothschild, A. Lobatz), und eine christliche Sttmme über das Unternehmen stellt sich in Gestalt der Redakteurin Rotheit (Berlin) ein. Zwei bekannt gewordene Bilder sind auf Kunstdruckpapier beigegebcn. So eignet sich diese Nummer vorzüglich jür die Propaganda für den Bezalel, überhaupt für die Palästinabesttebungcn. Wer daher jemand für den Bezalel interessieren will, muß wohl auf dieses Hest zurückgreifen. Der Preis beträgt bei freier Zustellung 50 Pfg., bei 10 Exemplaren <40 Pfg., bei 50 Exemplaren 30 Psg. und kann in Marken jeder Art eingesandt werden. — Da die.Zeitschrift nicht sehr viele überflüssige Exemplare Herstellen lassen will, wird sich eine baldige Bestellung.empfehlen. — Zum Schluß bemerken wir, daß die zionistische Partei „Palästina" nicht zu übernehmen gedenkt. Für 1909 wird eine bedeutende Verbesserung geplant, für die allerdings neue Abonnements nötig sind. , München. Am 22. Sept. fand die Generalversammlung der hiesigen Z i o n i st i s ch e n Ortsgruppe statt, um die Neuwahlen für das neue Vereinsjahr vorzunehmen. Nachdem die alte Vorstandschaft ihre Aemter niedergelegt hatte, um einige neue Kräfte für die Bewegung zu gewinnen, wurden die Herren Dr. El. Strauß, Rechtsanwalt als 1. Vorsitzender, Jak. Fränkel als Stellvertreter des Vors., Jos. Schachno als Kassier, Jak. Reich und Viktor Peissakowitsch als Schriftführer, S. Hausdorf als Kassenrevisor und Frau Kunstmaler Hermann als Beisitzer gewählt. Die neue Vorstandschaft rekrutiert sich aus verschiedenen Richtungen, und es ist zu hoffen, daß deren Zusammenarbeiten von Erfolg sein wird. Köln. Die für den H e r z l w a l d erforderliche Mindestsumme von 60,000 Mk. (— 10,000 Oelbäume) ist nunmehr zusammen. Das Terrain des Herzlwaldes nimmt 20,000 Bäume auf. Jaffa (Palästina). Die Züge aus der Strecke Haifa — Damaskus verkehren seit dem 1. September täglich in beiden Richtungen. — Der Hilfsverein der Deutsche» Juden hat in Haifa einen Platz sür das von ihm zu errichtende Technikum gekauft. A«S den Vereine«. Frankfurt a. M. Der Verein „Bikkur C ho lim" (Vorsitzender: Dr. med. W. Hirsch) erläßt folgenden Aufruf: „Hülfe, rasche, ausgiebige Hülfe, müssen wir erbitten, da wir durch allzustarke Inanspruchnahme im Winter und Frühjahr unsere Mittel aufgezehrt haben. Vom Januar bis Ende August verausgabten wir Mk. 9818,81, darunter allein Mk. 1759,18 für Speisung Kranker in nichtjüdischen Spitälern, Mark 4117,52 für Milch, Mk. 2178,94 für Eier. Seit 2 Monaten müssen wir von 10 ärztlichen Anweisungen durchschnittlich 8 zurückweisen. Was sollen wir nun im Winter mit den armen Kranken machen? Bitte, helfen Sie rasch, helfen Sie reichlich an der Neige des alten, am Beginne des neuen Jahres." Frankfurt a. M. „Montefiore"-Verein. Die kurze Pause, welche zwischen der offiziellen Sommer- und Winter-Tätigkeit des „Montefiore"- Vereins liegt, hat die Vereinsleitung eifrig zu den Vorarbeiten für das neue Winter-Programm benutzt. Wie uns mitgcteilt wird, ist dasselbe nunmehr fcrttg gestellt und wird sicherlich dem Vereine viele neue Freunde bringen. Ganz besondere Sorgfalt wurde in diesem Jahre auf die Auswahl der Mittwoch-Vorttäge verwandt;- es ist dem Vorstande auch gelungen, eine Reihe der namhaftesten hiesigen und auswärtigen Redner für den „Montefiore" - Verein zu gewinnen. Die bewährten Einrichtungen der zahlreichen Lehrgänge sowie der Freitag-Abend-Veranstaltungen u. A. finden wir wieder auf dem Programm. Die Mitgliederzahl des Vereins ist stets im Steigen begriffen; sehr wünschenswert wäre es, wenn auch zahlreiche unterstützende Mitglieder dem „Montesiore"-Verein bcitrcten würden, damit die schönen Ziele desselben immer näher ihrer Verwirklichung gebracht werden könnten. Bad Ems. Die Badesaifon geht ihrem Ende entgegen. Da ist ein kurzer Bericht über die Tätigkeit der „Emser Heilquelle Majeneh Hajeschuoh" wohl angebracht. Der segensreich wirkende Verein unterhält ein Sanatorium gleichen Namens. Wenn der Verein auch zunächst nicht ausschließlich für Lehrer und Kultusbeamte ins Leben gerufen wurde, so will die Verwaltung dennoch in erster Linie solchen Kurgästen ihren Beistand leisten. Vom 8. Juni bis 22. Sept. fanden 39 Kurfremde Aufnahme, darunter 11 Lehrer und 2 Lehrerinnen. Was bietet nun der Verein den hier Heilung Suchenden? Zunächst stellt er sein schön gelegenes Nr. 3g. und gut eingerichtetes Heim zur Verfügung, bietet eine einfache, aber kräftige bürgerliche Kost, gewährt reie Behandlung bei gewissenhaften tüchtigen Aerzten und. sorgt sogar für Gratisbäder und Inhalationen. Für diese großen Wohltaten leistet der Kurgast nur ein geringes Entgelt, per Woche 21 Jk Leider wird der so segensreich wirkende Verein noch zu wenig in Anspruch genommen. Besonders Lehrer und Kantoren, die infolge der vielseitigen Benützung der Stimmmittel mehr als andere chronischen Rachen- und Kehlkopfkatarrhen ausgesetzt ind, könnten hier Linderung, evtl, völlige Heilung inden. Deshalb mögen diese Zeilen eine Mahnung ein, sich in der kommenden Badesaison rechtzeitig bei den Herren Rabb. Dr. Weingarten oder Dr. med. Samter anznmelden. —U.— Posen. Am 25. Oktober dss. I. begeht der „Synagogenverein der wohltätigen Freunde" Hierselbst das. 100jährige Bestehe ii. Das Jubiläum soll durch einen.Festgottesdienst und ein Festessen gefeiert werden. Ans -er Lehrerwett. Frankfurt a. M., 30. September. Das von den Eheleuten Isaak und Klara Äermann als Israel. L e h r e r i n n e n h e i m testamentarisch vermachte Haus Rückertstraße 53 wurde heute feierlich seiner Bestimmung übergeben. Mit dem von Schülern des Philanthropins gesungenen Psalm „Ich hebe meine Augen auf" wurde die Feier eröffnet. Sodann ergriff Justizrat Dr. Martin Mayer, der Vorsitzende des Verwaltungsausschusses, das Wort. Er wies darauf hin, daß die Eheleute Bermann durch ihr Vermächtnis einen hohen sozialpolitischen Gedanken verwirklicht hätten, da die Gründung eines Heims, in dem pensionierte israelitische Lehrerinnen ihren Lebensabend sorgenfrei verbringen könnten, einenr dringenden Bedürfnis entspreche. Das Vermächtnis der Eheleute Bermann wäre aber ein toter Buchstabe geblieben, wenn nicht die Herren Direktor Dr. Adler, Ludwig Schiff und Bernhard Kahn ihm Leben eingehaucht hätten, indem sie sich für die Aufbringung der Mittel zur Einrichtung des Heims bemühten. — Direktor Dr. Adler machte darauf aufmerksam, daß durch die Bemühungen von Fräulein Pauline Münchhausen vor neun Jahren in Berlin das erste israelitische Lehrerinnenheim gegründet worden sei. Die segensreiche Tätigkeit dieses Heims, das jetzt 25 Insassen beherberge, habe die Eheleute Berniann zu der ^Stiftung veranlaßt.' Nicht dem Wunsche nach Absonderung, sondern der sozialen Not verdanke das Heim seine Entstehung. Denn von' den 1200 jüdischen Lehrerinnen seien kaum 50 fest angestellt, so daß die große Mehrheit keinerlei Versorgung für ihren Lebensabend habe. Er dankte dann den Herren Justizrat Dr.' Blau, Dreyfuß und Haas, die als Testamentsvollstrecker tätig waren, und den Damen des Komitees, Frau Sanitätsrat Dr. Jaffe, Frau Holzmaiin, Frau Dann und Fräulein Meier, die sich um die innere Einrichtung des Heims bemühten. — Justizrat Dr. Blau betonte, daß diese Feier einen schönen Abschluß seiner Tättgkeit als Testamentsvollsttecker bedeute. >— Frau Henschel- Berlin überbrachte die Glückwünsche des Berliner Lehrerinnenheims. An die Feier schloß sich ein Rnndgang durch das Haus an. Das Heim bietet gegenwärtig Raum für 8 Insassinnen, von denen jede ihr eigenes Zimmer hat, die alle geschmackvoll und praktisch eingerichtet sind. Drei Pensionärinnen haben sich bereits angemeldet. Es wird den Insassen nach Maßgabe dev verfügbaren Mittel volle Verpflegung gewährt. Die innere Leitung des Hauses liegt in den Händen einer Wirtschafterin, während für die administrattve Leitung ein Verwaltungsausschnß besteht. Berlin. Rabbiner Dr. Eschelvacher feierte seinen 60. Geburtstag. Hoppstädten. Lehrer Ferdinand Eppstein, der am 1. November nach zurückgelegten! 70. Lebensjahre und nach 40jähriger Tätigkeit in der Gemeinde in den Ruhestand tritt, erhielt das vldenbnrgische B erd ienstkr euz 1. Klasse. Karlsruhe. Das hiesige Landgericht hatte dieser Tage über eine für die badischen jüdischen Lehrer wichtige Rechtsfrage zu entscheiden. Der Kantor einer jüdischen Gemeinde, die keinen Rabbiner hat, wurde in einer Untersuchungssache von einem jüdischen Untersuchungsgefangenen zu Rate gezogen. Kurz darauf wurde er vor den Untersuchungsrichter geladen. Er verweigerte das Zeugnis, da er in Ausübung einer geistlichen Funktion gehandelt habe und erhielt deshalb eine Zeugniszwangsstrafe. Auf seine Beschwerde beim Landgericht entschied dieses nach vorheriger Jnformatton beim Oberrat der Israeliten, daß der Kantor nach den. für die badische Landessynagoge geltenden Bestimmungen kein Geistlicher sei, weil er nur zur Tättgkeit >als Lehrer, Vorbeter und Vorsänger berufen sei. . Paris. Im Alter von fast 100 Jahren verschied in Billefranche Herr Bernard Meyer, der 40 Jahre lang in Brumath im Elsaß als Lehrer wirkte.

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