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Neue jüdische Presse · 1908-09-25 · Heft 38 (25.9.1908) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
6 (1908)
Issue
Heft 38 (25.9.1908)
Date
1908-09-25
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 38. - Seite 3. Frankfurter JsraEWS FmnlienblaL solidierung der christlichen Gesellschaft, die unser höchstes Ideal sein inuß, ist nur durchführbar, -wenn wir nichts kaufen, nichts verpachten und nichts vermieten an Leute, die nicht Christen w i e w i r sin d." Und unter solchen Umständen finden es unsere Konfessipnsgeuossen fortschrittlicher Tendenz noch immer an der Zeit, ihren Brüdern konservativer Gesinnung die Zähne zu zeigen. In Arad glnd Szarvas haben die Herrn von der Majorität es aü g e lehnt, für die Verschiebung des Jahrmarktes, der auf Simchastora fällt, einzntreten, denn das sei nur ein orthodoxer, kein jüdischer Festtag. Anderseits bieten mehrere orthodoxe Gemeinden ein solch trauriges Bild disziplinloser Organisation, daß die Autonomie, die nach schwerem Kampfe endlich errungen ist, mehr als illusorisch wird. Bar a n n o und M v a s a r h e l y toollen der Geineinde Kirchdrauf nicht den Ruhm lassen, den Rabbiner vor der politischen Behörde ausgespielt zu haben. Sie treten die Autorität des ehrwürdigen Seeleuhirten rücksichtslos in den Staub. Gemeinde und Rabbiner liegen sich in veu Haaren. Es scheint, daß die Zerklüftung und Zerrissenheit bei uns noch zu wenig radikal ist. Man hat Sehnsucht nach Zuständen, wie sic in G a l a n t h a herrschen. Es gibt dort nämlich noch keine liberalisierende Resormjuden. Unsere Konscssionalislcu sind daselbst noch orthodox bis in die Nasenspitze. Haben eS aber in ihrer selbstzerfleischenden Hetzlust doch erreicht, daß sie zwei von einander bis in den Tod getrennte konservative Gemeindewesen orthodox n. „orthodoxerer" Konfession (nicht Konfussion) bilden; — und die hohe -Regierung und die autonom orth. Landeskanzlei haben dieses Monstrum bestätigt!! ,Z i o n i. Aus aller Mett. Deutsches Reich. Frankfurt a. M. Wir werden um Aufnahme folgenden Ausrufes ersucht: Sehr geehrter Herr! Seit einigen Jahren ist die Aufmerksamkeit unserer Glaubensgenossen wiederum auf die Falaschas gelenkt, jenen versprengten jüdischen Stamm in Abbessinien, der seit Jahrhunderten einen schweren Kampf für seinen Glauben zu bestehen hat, und der, uni in diesem Kampfe nicht zu erliegen, uns in dringender Weise um moralische Unterstützung und Kräftigung anfleht. ES ist eine Ehrenpflicht der gesamten Judenheit, gegenüber diesen! Notschrei Herz und Hand nicht zu verschließen. Wir müssen den Falaschas durch Verbreitnng von Schriften, durch Erteilung von Unterricht so schnell wie möglich die erbetene Hilfe sendeil und so das Band fester knüpfen, das sie mit dem Judentum verbindet. Der einzige, der in der Lage ist, diese schwierige Aufgabe zu erfüllen, in dem unwegsamen, von der Kultur noch wenig berührten Lande mit Erfolg zu wirken, ist Dr. I. Faitlowitsch. Er hat durch Unterstützung des verewigten Grand- Rabbin Zadoc Kahn, unter Subvention des Baron Edmund von Rothschild in Paris, in den Jahren 1904/5 eine Reise bis tief ins Innere von Abbessinicn gemacht, sich eine gründliche Kenntnis von Land und Leuten angeeignet, überall Verbindungen angcknüpft und sich das Vertrauen und die Achtung der nicht leicht zugänglichen Falaschas erworben. Die von ihm überbrachten eingehenden Nachrichten über die Falaschas, die von anderen berujenen Fachmännern und von Abbessiniern, die sich in Europa aufgehalten haben, bestätigt werden, bilden eine in jeder Beziehung hinreichende Grundlage für die Eröffnung des praktischen Hilfswerkes. Wir haben nun deshalb Herrn Dr/ Faitlowitsch zum zweiten Male nach Abbessinien gesandt, zunächst, damit die F-alaschas in den Hoffnungen, die sie seit seiner ersten Anwesenheit hegen, sich nicht getäuscht sehen und damit die von ihm in amharischer Sprache verfaßten Schriften über Juden und Judentum unter ihnen verbreitet werden, dann aber auch, damit die vorbereitenden' Schritte zur Gründung einer Schule getan werden, in der junge Falaschas zu Religionslehrern für ihre Stamniesgenossen ausgebildet werden sollen. Weiter wird Herr Dr. Faitlowitsch eine Anzahl junger und begabter Falaschas answählen, von denen einige in eine jüdische Schule nach Jerusalem und die andern in die erwähnte .entweder in Abbessinien selbst oder in Eryträa zu. errichtende Lehrer-Bildungsanstalt gebracht werden sollen. Selbstverständlich wird die zu gründende Schule in streng traditionellem Geiste geleitet werden. Wir wenden uns mit der Bitte um Ikuterstützung unseres Werkes an die Judenheit aller Länder, und wir sind der festen Ueberzeugung, daß unsere -Bitte für den versprengten Bruderstamm, der, seit Jahrhunderten lostgelöst von jedem Zusammenhang mit All-Israel, auch in den Tagen blutigster Verfolgung und schwerster Bedrückung dem Gott Israels die Treue bewährt hat, nicht ungehört verhallen wird. Jeder der Unterzeichneten ist bereit, die Zeichnung von Jahresbeiträgen oder einmaliger größerer Spenden entgegenzunehnien. DasKomitee: Dr. S. H. Margulies, Oberrabbiner, Florenz. Dr. Alfred Klee, Rechtsanwalt, Berlin. Dr. I. Elbogen, Dozent an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums Berlin. Dr. Eugen Mittwoch, Privatdozent, Lehrer des Abbessinisch am orientalischen Seminar Berlin. H. Adler, Chief-Rabbi, London. Dr. Ascher, Rechtsanwalt, Dessau. Dr. Badt, Professor, Breslau. Dr. Baginsky, Universitätsprofessor, Geh. Medizinalrat, Berlin. >. A. Bernheim, Mitglied des israel. Konsistorium Mülhausen im Elsaß. Dr. Ludwig Blau, Professor, Budapest., G. Bolaffio, Oberrabbiner, Turin. Cassel, Geh. Justizrat, Landtagsabgeordnetcr, Berlin. Dr. H. P. Chajes, Professor, Florenz. Dr. A. Cohn, Rabbiner, Basel. Dr. Cohn, Rechtsanwalt, Landtagsabgeordneter, Dessau. Dx. S. Colombo, Oberrabbiner, Livorno. Hartwig Derembourg, Professor Membre de l'Jnstitut, Paris. Dr. I. H. Dünner, Oberrabbiner, Amsterdani. Dr. N. Ehrenfeld, Oberrabbiner, Prag. Dr. Elias, Arzt, Stadtrat, Mülhausen iin Elsaß. A. da Fano, Oberrabbiner, Mailand. M. Finzi, Prof. Avv., Florenz. Dr. M. Güdemann, Oberrabbiner, Wien. Dr. Gutmann, Rabbiner, Breslau. Joseph Halevy, Professor, Paris. . Prof. Jare, Oberrabbiner, Ferrara. Dr. Klein, Oberrabbiner, Stockholm. Dr. Koch, Oberrabbiner, Gothcnburg. Dr. Kollenscher, Rechtsanwalt, Posen. Dr. P. Löwenstein, Oberrabbiner, Kopenhagen. Dr. S. Maybaum, Rabbiner, Professor, Berlin. . Df. Ottolenghi, Avv. Acaui, Piemont. W. Palache, Oberrabbiner der portug. Gemeinde . Amsterdam. A. Rodrigues. Pereira, Oberrabbiner der portugiesischen Gernei'nde Haag. Dr. Gerard-Polak-Daniels, Rotterdam. Dr. S. Poznanski, Rabbiner, Warschau. Dr. Martin Philippsohn, Professor, Berlin. Placzek, Justizrat, Posen. Leone Ravenna, comm. Avv., Ferrara. Dr. Rosenthal, Rabbiner, Breslau. Prof. Dr. Schechter, Seminardircktor, Newyork. Angelo Sereni, Cav. Uff. avv. Stadtrat, Rom. I. Schloßmanir, Kommerzienrat, Berlin. Wiener, Stadtrat, Kattowitz. Bad Ems. Noch kurz vor Rofch-Haschonoh hat das hiesige I s r. Z e n t r a l - W a i s c n - u n d M ä d ch e n h e i m seinen 11. Jahresbericht, für die Zeit vom 1. April 1907 bis 31. März 1908, erscheinen lassen. Danach hat die Verwaltung auch in dieser Zeit in stillem, aber erfolgreichem Wirken die hohen Ziele: armen und verwaisten Mädchen Erziehung und Unterhalt zu gewähren, eifrig weiter verfolgt. > Die Anstalt war während des Berichtsjahres stets mit 32 Zöglingen voll besetzt. Entlassen.wurden 5 Mädchen, die zum Teil ins Geschäft oder in Dienststellen kamen. Nach dem Rechnungsabschluß kostet ein Kind pro Jahr etwas über 500 JL Diese Tatsache zeigt, daß das „Jsr. Zentral-Waisen- und Mädchenheim" in Enis die billigste diesbezügliche Anstalt Deutschlands ist. Kostet doch ein Kind in derselben Zeit in Berliner Waisenhäusern die bedeutend höhere Summe von über 800 Jfc! — An Spenden liefen im Berichtsjahre ein: 16308,73 nebst einer großen Anzahl von Geschenken sür die Zöglinge und Anstalt. Die Gesundheitsverhältnisse der Kinder waren gute, die schulpflichtigen Zöglinge besuchten sämtlich die städtische Volksschule und machten recht gute Fortschritte. Der Religionsunterricht lag in den Händen ves Herrn Dfabb. Dr. Weingarten und wurde in der Anstalt erteilt. Der schon seit vielen Jahren geplante, durch verschiedenartige Sammlungen der Herren Dr. A r o n s o h n in Eins, Eduard F e i st in Frankfurt a. M. und vieler anderer vorbereitete -Neubau wurde so weit gefördert, daß die umgearbeitetcn Pläne in Kürze der Behörde zur Genehmigung eingereicht werden können. Ein größerer Bäufonds ist bereits vorhanden. Nürnberg. Die Regierung hat auf Antrag der hiesigen „Israelitischen Religionsgesellschast" jene Schüler von dem Religionsunterricht der „Israelitischen Gemeinde" befreit, welche die R e l i g i o n s s ch u l e der „Israelit. Religionsgesellschaft" besuchen. Landau. Bon 16 Bize-Feldwebeln, die im 18. Infanterie-Regiment die Kaisermanöver als Offiziers-Aspiranten mitmachten, wurde nur der einzige Jude unter ihnen, ein hiesiger jüdischer Rechtsanwalt» als nicht qualifiziert zum Reserveoffizier befunden, — und das, obwohl er nach Aussage des Obersts ein guter Soldat von tadelloser Führung war und obwohl gegen seine und seiner Familie gesellschaftliche Stellung nicht das Geringste einzuwenden ist. Oesterreich-Nngar«. Wiener-Neustadt. Hier fand unter dem Protektorate des Statthalters Graf Kielmansegg und des Bürgermeisters zum zweiten Male eine von privater Seite veranstaltete Herb st m esse statt, auf der alle 'Arbeiten n it r an christliche Gewerbetreibende vergeben und die Verkaufsläden nur an Christen vermietet wurden. Trotzdem wurde diese rein christliche Herbstmesse von Juden in dichten Hausen besucht. — In kurzer Zeit zum zweiten.Male ist iu der hiesigen Synagoge die *5 * Almosenbüchse erb» o-ch e n und ausgeraubt worden. /-> Budapest. Der Monat Juli bildet mit 60 Eheschließungen zwischen Juden und C h r i st e n den Diekord der während eines Monats in Ungarn geschlossenen jüä.-christl. Ehen. Czernowitz. Morris Rosenfeld äußerte dem Vertreter der „Buk. Post" gegenüber über die I ü d. S p r a ch k o n f e r e n z: _ „Ich weiß nicht, ob es Ihnen bekannt ist, daß diese Konferenz in 'Amerika im Hause »neines Verlegers in Gegenwart des Dr. Birnbaum und Dr. Schidlowski geboren ist. Auch ich habe eine Einladung zur Teilnahme an der Konferenz erhalten. Ich lehnte ab, weil ich keinen praktischen Nutzen in ihr erblicken konnte. Was wollte sie? Sie wollte den Druck von Werken in jüdischer Sprache in lateinischen Buchstaben propagieren? Das tue ich und tat es ohne K o n s e r e nz. Ich brauche blos meinem Verleger den Auftrag zu geben, init lateinischen Buchstaben zu drucken; dann tut er cs. Hat denn die Konferenz die Autorität und die Krast, ihren Beschlüssen Geltung zu verschaffen? Hat sie Garantien dafür, daß ihre Beschlüsse von dem einzig kompetenten Forum, der jüdischen Bevölkerung, sanktioniert werden. Die Konferenz beschließt, die jüdische Sprache in den Schulen lehren zu lassen. Welche Mittel hat sie, die Kultusgemeinden zu veranlassen, in ihren Schulen Jüdisch lehren zu lassen? Gar keine! Ganz abgesehen von der Frage, ob Jüdisch oder Hebräisch die Nationalsprache sei. Die B o r a » s s e tz n n g für die Kultivierung einer Sprache ist vor allem ein eigenes Land, eigene Schulen »nd eigene Behörden. Es ist wahr. Jüdisch ist eine Sprache, -die 8 Millionen Judeir sprechen, eine lebendige Sprache. 'Aber das zu bestätigen, ist keine Konferenz nötig. In Amerika erscheinen 6 jüdische Blätter, darunter der „Vorlvärts", der eine tägliche Auslage von 72 000 Exemplaren hat. Newyork besitzt 5 jüdische Bühnen, die nicht nilr den „echten" Juden, nein auch den englischen Assimilatiousjuden eine Stätte der Erholung und Erbauung bedeuten! — Wozu also die Konferenz?" Prag. Das „Tagbl." schreibt über den Eindruck Morris Rosenfcld's und seiner Dichtungen: „Der Dichter mit dem Negerkopf, dem wollig gekrausten Haar, der geschwärzten Haut und den urwüchsig leidenschaftlichen Bewegungen macht, wie kein anderer, die Eigenheiten dieser Poesie begreiflich, die, ohne monoton zu werden, im ewigen Rhythmus nie rastender Maschinen traurige Lieder singt. Das bitterste soziale Elend, die Knechtung durch drückendste Armut und die Unerbittlichkeit einer feindlichen Welt, der Jainmer des Arbeitsmannes, dein sich die rauhen Ketten des Frohndienstes nicht lösen wollen, die unerhörte Tragik einer ganzen Rasse, die an ibrer Charakterfestigkeit und der Feindseligkeit der anderen leidet, werden in schlichten und kunstlosen Worten ergreifend und erschütternd in die Welt hinausgerufen. Den Jargon weiß Roseuseld, dessen Bortragsknnst einem Berufsschauspieler Ehre machen würde, so zu meistern, daß er dem deutschen Hörer säst vollkommen verständlich wird. „Der jüdische Soldat", „Die Lichtverkäuferin", sind Balladen von ungebrochener Kraft, in denen Heroismus und Sentimentalität in jener Mischung sich vorfinden, die reine tragische Gefühle erzeugt, ohne in ein weinerliches Pathos zu verfallen. Und das Gedicht „Mein Kind", ist in seiner rührenden Einfachheit so packend, daß nicht nur gefühlsweichen Damen sich Tränen in die Augen drängten." Rußland. Warschau. Wie die Zeitungen berichten, hat mit 14 gegen 1 Stimme eine Versammlung der hiesigen Rabbiner den Beschluß gefaßt, „die Regierung zu ersuchen, die jüdischen Zeitungen zu untersagen, weil diese den Glauben untergraben." Diese Nachricht ist so ungeheuerlich, daß wir sie nicht glauben mögen; — aber seitdem das Judentum eine Konfession geworden ist, die nicht Taten sondern Gesinnungen wertet, ist das Rufen nach einem Index leider keine Unmöglichkeit mehr. Ganz unbegreiflich aber wäre es jedenfalls, wie Juden — und

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