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Neue jüdische Presse · 1908-08-21 · Heft 33 (21.8.1908) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
6 (1908)
Issue
Heft 33 (21.8.1908)
Date
1908-08-21
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Leite 3. N6 33 Krankfurjer FsraelitiMeS F«mli«Ma8. 1893, und das Resultat war eine allgemeine Verblüffung bei den führenden Parteien. Sie hatten cs nicht für nötig erachtet, dem Volke zu sagen, warum sie die Verwerfung der Schächtinitiative beantragt hatten, womit sie sicherlich viel aiisgerichtct hätten. Aber es war ja Hochsommer, wo in den Bergen Alpwirtschaft und Fremdenindustrie, im Tale Ernten, fieberhafte Bautätigkeit, endlose Personen- und Warentransporte Hand und Kopf in Anspruch nahmen. Die meisten Abstimmendcn wußten auch nicht recht, was die beiden Worte Betäubung und Blutcntzng bedeuten sollten, vermuteten eine konfessionelle Zänkerei, gegenüber welcher ein gebildeter Eidgenosse aut besten neutral bleibe, zumal bei so schönem Sommerwetter. Ganz anders bei den Tierschützlern! Sie hatten schon lange vorher, besonders im Aargau, gegen das Schächten losgczogen und sogar einmal beim Gericht Unterstützung gesunden, als sie das Schächten itt der Stadt Baden unmöglich machen wollten. Denn nur in Endingen und Lengnan war ausnahmsweise dasselbe gesetzlich bewilligt. Sie arbeiteten nun mit Hochdruck und nicht immer auf ehrliche Weise. Man verstand cs dem Volke bciznbringen, das; das Schächten eine Tierquälerei sei, und dies trotz der Enquete, die anläßlich eines Rekursentscheidcs des Bnndcsrates vom 17. März 1890 veranstaltet worden lvar und wo nachgewiescn wurde, das; das Schächten einem wichtigen sanitärischen Zwecke diene, nämlich der schnellen und völligen Entleerung des Ticrkörpers vom Blute, und das; cs keine schlimmere Tötnngsart sei ivie die übrigen angewandten Methoden." Rußland. Warschau. Hier wie auch in anderen Städten Polens macht die S a b b a t - E n t w c i h n n g fortgesetzt Fortschritt e. Die jüdischen Hausarbciter werden gezwungen, Fabrikarbeiter zu werden, und auch die Fabriken jüdischer Besitzer sind nicht Samstags, sondern Sonntags geschlossen. Die jüdischen Ladenbesitzer, die früher keine christliche Konkurrenz hatten, müssen immer mehr ncit solcher rechnen,' dazu kommt, daß es jetzt an vielen Orten verboten worden ist, Sonntags die Geschäfte zu öffnen. — Wegen Mitgliedschaft zur jüdisch-sozialistische» Organisation „Der Bund" wurden 86 Personen d c m Kriegsgerichte zur Aburteilung übergeben. Wilna. Das hiesige Jüdische A l t c r s h c i m (Hekdcsch) hat 214 Insassen, darunter 138 im Alter von über 75 Jahren. Ein Mann ist 105 Jahre alt. Die Anstalt hat ein Grundkapital von 110000 Rbln. und ist die reichste von allen jüdischen Wohltütigkcitsanstalten Wilnas. Pjütigorsk (Kaukasien). Im unserem berühmten Badeort lvohncn etwa 40 jüdische Familien, deren Ernährer Arbeiter, kleine Händler und Nikolajcwer Soldaten sind. Es ist eine große, hübsche Synagoge und ein hübsches Schnlhans vorhanden, doch steht letzteres leer und die Kinder wachsen leider ohne Unterricht auf, da hier jüdische Lehrer k e i n Wo h n recht haben. Als sich jüngst der General-Gouverneur hier anfhielt, sandte die jüdische Gemeinde wegen dieses unhaltbaren ZnstandeS eine Deputation zu ihm, — die Deputation wurde jedoch nicht empfangen. Bulgarien. Philippopel, 13. Aug. Schon zu lange erfreuten sich die Inden Bulgariens der Ruhe; seit den befürchteten und glücklicherweise vereitelten Unruhen in Philippopel, Ostern 1907, hat sich hier nichts Bedeutendes ereignet, was die Inden an ihr ewiges Leid hätte erinnern können. Jedoch der Feind Israels ruht und rastet nicht. Nach den Meldungen der bulgarischen Tageszeitung „Dncwnik" hat sich in Rustschnk ein geheimer Bereis mit j u d c n f e i n d l i ch e n Bestrebungen gebildet. Es sollen auch in den übrigen Städten Bulgariens solche Vereine ins Leben gerufen werden, damit man zu einer festgesetzten Zeit im ganzen Fürstentum gegen die Inden in der Weise vorgehe, wie vor zwei Jahren gegen die Griechen. Die Zeitung selbst ermahnt die Regierung, frühzeitig Maß- .regeln zu ergreifen. — Wie der „Haschofar" berichtet, kamen hier vorige Woche zwölf mazedonische Bulgaren in die Druckerei „Saglasnic", um einen Aufruf gegen die Inden zu drucken. In diesem Aufruf wurde für den 6./19. August, den Tag der bekannten Gricchenvcrsolgnng, ein Meeting festgesetzt. Die besten Oratoren hatten bereits versprochen, durch begcisternngsvolle Reden die Masse an diesem Tage gegen die Inden zu entflammen. Sobald die Polizei, von diesen Vorbereitungen Kenntnis erhalten hatte, verbot sie die Veröffentlichung des Ausrufes. Die darob ergrimmten Bulgaren blieben bei ihrcikl Vorsatz und werden im stillen das Volk gegen die Inden Hetzen. Als diese Woche hier in den Straßen ansgerufcn lvnrde, ein elfjähriges Kind sei verloren gegangen, vermutete man auch, daß diese Bande dabei im Spiele war. Mehrere Zeitungen beschäftigen sich jetzt mit Vorliebe mit den Juden. So' schrieb die „Otetschestwo" (Vaterland), die Bulgaren hätten vor zwei Jahren besser getan, die Inden ans dem Lande zu jagen anstatt die Griechen. Jedoch so lange die Regierung ans Seiten der Inden steht, sind Ausschrcitnnge», wie man es in Rußland und Rumänien gewohnt ist, nicht z» befürchten. Aber sind wir auch sicher, daß die bulgarische Regierung stets den Inden so gewogen ein tvird?! B e n-H a a m i t ti. Rumänien. Bukarest. Veranlaßt durch die Ereignisse in der Türkei wandern alltäglich die in Rumänien wohnenden Albanesen und Mazedonier ans, und auch sehr viele Juden rüsten sich, nach der Türkei zu fahren, um dort Kolonien zu gründen. Besonders die Dobrogea mit der Hauptstadt Constanta, ein vormals türkisches Gebiet, wird fast gänzlich answandern. — Bei einer Generalversammlung inländischer Advokaten wurde das schwere Problem behandelt, wie die Richter in Prvzesscir der Juden untereinander vorzugchen hätten — bei Prozessen zwischen Juden und Christen ist die Entscheidung natürlich stets zu Gunsten der Christen —, und es wurde beschlossen, die Prozesse stets so lang wie möglich hinznschleppen, um den Inden möglichst hohe Kosten anszubürdc». Türkei. Koilstantinopek, 17. Aug. Als Nachfolger Moise Levy's ist N a h o u in, Professor am hiesigen Rabbiner-Seminar der Alliance JsraÄite Universelle, zum K a i m a k a m C h a ch a m B a s ch i der Türkei, d. i. zum geistlichen Oberhaupt der Israeliten in den Landen des Sultans, gewählt worden. Herr Nahonm, der den Ruf großer Gelehrsamkeit' genießt, ist erst vor wenigen Wochen ans Abessinien! zurückgekehrt, wohin er im Auftrag der Alliance Jsraölite Universelle eine Expedition zur Ermittelung der Lage des jüdischen Falascha-StammeS mit ausgezeichnetem Erfolg geleitet hatte. » Afrika. Johannesburg. Der 100. Geburtstag Samson Raphael H i r s ch s tvnrde auch bei uns würdig begangen. Unser verehrter Rabbiner Dr. I. L. Land a u tut überhaupt sein Möglichstes, das jüdische Interesse seiner Gemeinde zu heben. Ein großer Teil der hiesigen Juden ist zionistisch gesinnt. Und so wird auch alljährlich zu H e r z l s I a h r z e i t s t a g in der großen Synagoge eine Gedenkfeier veranstaltet, die diesjährige vertief unter übcrans großer Beteiligung sehr eindrucksvoll. Aus der Lehrerwett. Frankfurt a. M. Vakanzen. Religionslehrcr für den Bezirk Schcrselden - Rhoden per 1. Septbr. Gehalt 1. Jahr 1-500 JA, 2. Jahr 1600 JA, später nach Vereinbar,cng. Meld. an S. Flörsheim, Dortmund. — Ostrowo (13 000 E., 744 j. 2.), Synagogendiener und HilfSschächter, 900 JA und großes Ncbencinkommen. — Pappenheim in Bayern. Hülfsvvrbctcr für die hohen Feiertage. Meid. an I. Gntmann. Frankfurt a. M. Zu der akademischen Feier, die das Synagogen-Komitee der Horovitz-Synagoge Herrn Oberkantor O gut sch zu Ehren seines 25jährigen Jubiläums veranstaltete, hatte sich ein zahlreiches Publikum eingefuudeu. Herr Email u e l L e h m a n n überreichte dem Jubilar im Namen des Synagogen-Komitees mit herzlichen Worten eine Adresse und ein größeres Geldgeschenk, Herr L e v i s o h n sprach im Namen des Synagogen- Ehores und übergab als Zeichen der Anerkennnng einen goldenen Becher, und Herr Lehrer L e v i gab den Gefühlen der Kollegen des Jubilars beredten Ausdruck. Aufs tiefste ergriffen, bestieg der Gefeierte das Podium, um zu danken. Ehorgesang leitete die Frier ein und beendete sie. Bereits Samstag Morgen nach dem Gottesdienste hatte Herr Rabbiner Dr. M. H o r o v i tz in einer Ansprache das Wirken des Jubilars gefeiert. Ein Festbankett in Scheners Restaurant gab Sonntag Abend den Ehrungen einen harmonischen Abschluß. Bei dieser Gelegenheit toasteten die Herren Rabbiner Dr. M. H o r o v i tz, Rabbiner Dr. I. H o r o v i tz, Dr. F r c y m a n n, Rabbinats-Asscssvr Lepinski, E m a n u e l L e h m nun, Herzfeld und M artin L e v i g a r d. Wie bei einem jüdischen Frendenmahl selbstverständlich, wurde der Not gedacht und für die Abgebrannten in Telz gesammelt. Ans Anregung des Herrn Lcvigard stifteten die Versammelten auf den Namen des Gefeierten 3 Oelbäumc in Palästina. Budapest. In Duna - Szerdahely verschied Rabbiner Mayer-ASznd, seit 3 Jahre» Dajan der dortigen orthodoxen Gemeinde, im Alter von 44 Jahren. — Auch der Dajan an der hiesigen orthodoxen Gemeinde, Rabbiner E l i e s e r E ck st c i n, der seit 30 Jahren sein Amt mit peinlichster Gewissenhaftigkeit ausübte, hat das Zeitliche gesegnet. Prag. In P o h r l i tz (Mähren) ist der Nestor der mährischen Lehrerschaft, der bekannte Pädagoge und Jugendschriftsteller, Direktor a. D. Emanuel Bondi, im Alter von 88 Jahren gestorben. Er war in Pohrlitz fast ein halbes Jahrhundert Leiter der Schule, die weit und breit eine gewisse Berühmtheit genoß. Selbst zur Konkordatszeit wurde er von der geistlichen Schulbehörde, darunter von zwei Bischöfen, persönlich belobt und durch Verleihung des damals üblichen Titels „Mnsterlehrer" ausgezeichnet. Nach Kreierung dcS neuen Schulgesetzes bezcichncten die Inspektoren die von ihm geleitete Schule stets als „Oase im" Bezirke". Unter Stremayr wurde ihm der Direktortitel verliehen. Er war Gründer und Präses eines Gesangvereines, Präsesstellvertretcr des Mähr.-schles. israelitischen Lchrervercines, Mitglied der Gemeindevertretung, Ehrenbürger usw. Er verfaßte zahlreiche Schulbücher, die in tausenden Exemplaren und zahlreichen Auflagen auch in drei fremde Sprachen übersetzt und verbreitet wurden und vielfach noch heute im Gebrauche stehen. Londoll. Dr. Salis Daiches wurde zum Rabbiner der jüdischen Gemeinde in Sunderland gewählt, welchen Posten vorher sein jetzt am Rabbinerscminar in London wirkender Bruder Dr. Samuel Daiches inne hatte. Dr. Salis Daiches ist der zweite Sohn Rabbiner I. H. Daiches' in Leeds und wurde 1880 in Wilna geboren. Er ist, wie sein Bruder, ein eifriger Anhänger der zionistischen Bewegung. ArrS de» Vereinen. Mannheim. Dem Berichte der Vereinigten Israelit. Krankenunterst ü tz u n g S v e r e i n e zufolge umfaßt diese Organisation den männlichen Krankenunlerstützungsvcrein mit 510, den weiblichen Krankenuntcrstützungsverein mit 603 und die isracl. Bruderschaft mit 50 Mitgliedern und außerdem noch einen Separat-Fonds. An Mitgliederbeiträgen gingen 12 334 JA, an Zinsen 24 592 JA ein. Erwähnenswert ist, daß die hiesigen Ortsgruppen des HilfsvcreinS 1000 JA, die Alliance Israelit- Universelle 950 JA., sowie die israelitische Gemeinde aus einem bestehenden Fonds 400 JA dem Separatfoi'.ds überwiesen. An Reinvermögen besitzen heute der männliche Kranken - Unterstützungsverein 322 917,16 JA, die weibliche Abteilung 251400,63 Mark, die Bruderschaft 9109,98 und der Separatfonds 12 301,24 JA Nach einem Vorstandsbeschlusse ist in diesem Jahre die freie Arztwahl eingesührt worden anstelle der bisherigen Einrichtung der Bereinsärzte. Der Bericht gedenkt noch des in dem Berichtsjahre vorhergehenden Jahres neugeschasfene» Institutes der israelitischen .Krankenschwestern. Zürich. Das „Israel. Wochenbl." berichtet über den hier jüngst gegründeten I ü d. Turnverein: ,Dcr Verein besteht heute schon ans 36 aktiven Mitgliedern, die allwöchentlich am Montag Abend in der städtischen Turnhalle am Wolfbach ihre Hebungen abhalten, welche von einem sehr tüchtigen Turnlehrer geleitet werden. Wir hatten am letzten Montag Abend Gelegenheit, den Verein in seiner Tätigkeit zu beobachten, und waren überrascht von den Leistungen der Freiübungen, am Barren und am Reck. Es zeigt sich offenbar das Bestreben der Mitglieder, mit Ernst den Zweck des Vereins zu erreichen, Körper und Geist gleichmäßig zu bilden und Gesundheit und Kraft zu fördern. Die Hauptsache bleibt natürlich die Erziehung zur strengsten Disziplin, ohne welche rechtes Turnen unmöglich ist. Der jüdische Turnverein in Zürich, der nicht aus Liebhaberei gegründet wurde, sondern wirklich praktische Zwecke verfolgt, erwartet auch, daß die jüdischen Kreise mit Interesse seine Entwicklung verfolgen und ihm auch tatkräftige lknterstütznng zu teil werden lassen, damit die Mitgliedcrzahl immer größer und die Leistungsfähigkeit des Vereins gehoben werde." Personalien. Ems. Frau Baronin Alphonse de Rothschild und ihre Tochter Frau E v h r u s s i aus Paris, die hier zur Kur weilen, besichtigten das israelitische Waisen h a n s. Kassel. Oberlandesgerichtsrat Dr. Sommer, wurde am 16. dss. Mts. bei den Kaiserlichen M a j e st ä t c n in Wilhelmshöhe zur Tafel geladen. Nürnberg. Geh. Kommerzienrat Ludwig Ritter von G e r n g r o ß ist zum Mitglied des BerwaltungSausschnsses des kaiserl. G e r m a n i s ch e n M u - s e n in s ernannt worden. Königsberg i. Pr. Zum ersten Male an unserer Universität ist von einer Dame das medizinische Staatsexamen abgelegt worden; die Dame, Fräulein Jenny Perl m an», ist Jüdin. Infolge eines Schlaganfalles verschied der Landgcrichtsrat Max Kat s ch i n s k y. Lauenförde a. Weser. Fabrikbesitzer H ermann L ö w e ii h e r z erhielt den Charakter als Kommerzienrat. Prag. Am 14. ds. Mts. verstarb hier Herr Adolf Kronberger, Vorstandsmitglied der ist. Beerdigmigsbrüderschast, der sich wegen seines bescheidenen, rechtlichen Charakters der Sympathien der

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