Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 6 (1908)
- Issue
- Heft 33 (21.8.1908)
- Date
- 1908-08-21
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4. FMkfMer MEW8 FamÄienblaü. weitesten Streife erfreute. Diese Wertschätzung zeigte sich auch bei dem am 16. dss. mit dem bei einem Vorstandsmitgliede der Chewra üblichen Gepränge erfolgten Leichenbegängnis in der massenhaften Beteiligung. Man sah neben allen derzeit in Prag weilenden Rabbinern Deputationen zahlreicher Korporationen und Gemeinden. Der Obmann der Chewra, David Lieben, hielt dem Dahingcschicdencn auf dem Friedhofe namens der Chewra einen ergreifenden Nachruf. Karlsbad. Major a. D. Alfred Dreyfus weilt hier im strengsten Inkognito. Czernowitz (Bukowina). In Marienbad verschied, 56 Jahre alt, der Großgrundbesitzer Jos. Barber. Bezüglich des Testamentes Barbers erfahre ich, daß er 106 000 Kronen für wohltätige Zwecke hinterließ, und zwar sind die Zinsen von 40000 Kr. an seinem Jahrzeitstagc an Arme zu verteilen und die Zinsen von 60 000 Kr. für Studcntenstipendien zu verwenden. Für den Fall, das; das hinterlassene Vermögen 3 Millionen Kronen übersteigt, sind weitere 100000 Kr. für eine Stiftung zu verwenden. Petersburg. Das Ministerium des Innern hat M. A. Ginsburg, B. A. Kaminka und I. S. K a n n e n g i e ß c r als Mitglieder des hiesigen Z e n - tral-Komitces der „Jca" (Baron Hirsch-Stiftung) bestätigt. London. Der König nahm von der Ernennung des österr.-ungar. Vizckonsuls Maurice E. Solomons in Dublin zum H o n o r a r k o n su l genehmigend Kenntnis. Paris. Der Kaufmann Jules Bloch ist zum Ritter der Ehrenlegion ernannt worden. Jerusalem. Im hiesigen BiSur-Chaulim-Hospital starb Moses Zangwill, der Vater Israel Zangwills. In Rußland geboren, siedelte der Verstorbene als jmiger Mann nach England über und dann vor etwa 12 Jahren nach Palästina, wo er ein Leben der Frömmigkeit und der Wohltätigkeit führte. New-Vork. Durch Automobilunfall wurde der hervorragend tüchtige und sehr beliebte Advokat Alfred Lauterbach, Sohn des Advokaten Edward Lauterbach, getötet. In Philadelphia feierten Franz Mayer und Frau Hanna geb. Bermann die g o l d e n e H o ch - zeit. Der Jubelgreis ist aus Fürth und seine Genossin aus Burghaslach in Bayern gebürtig. Zwei Schnorrer oder Montecchi und Capulctti. Eine Erzählung von I. Herzb erg-Dromberg. (Schluß). Herr Blütenstiel blickte fragend auf den Sprechenden, der jetzt ihm näher trat und sichtlich eine gewisse Verlegenheit nicht verbergen konnte. Daher glaubte Herr Blütenstiel, dem jungen Manne einige ermunternde Worte sagen zu müssen. Er sprach: „Bitte, mein Herr, sprechen Sie getrost, wenn Sie irgendwie ein Anliegen haben. Sie werden mich jederzeit bereit finden. Ihnen irgend einen Wunsch zu erfüllen, wenn dies nur eben in meiner Macht steht." „Auch dann, Herr Blütenstiel, wenn ich mir von Ihnen das Liebste erbitte, das Sic hienicdcn besitzen?" entgegnete Sternfeld, dem vor ihm stehenden Vater Sidoniens fest ins Angesicht schauend. Verständnislos schaute dteser den Fragenden an. Im ersten Augenblick war er keines Wortes mächtig. Nach einer Weile erst brach er in die Worte aus: „Aber, mein Herr, wie soll ich das verstehen?" „Nun, so hören Sie denn: Ich liebe Ihre Tochter Sidonie und bitte Sie um die Hand derselben." Herr Blütenstiel hatte in seinem vielbewcgten Leben schon mancherlei Ucberraschungcn erlebt, keine aber war ihm je so groß erschienen, als die, welche ihm in diesem Augenblicke widerfuhr. Die Worte Oskar Sternfelds waren ihm immer rätselhafter geworden, und er wußte nun keinen Ausweg mehr aus dem Gewirr all der. ungelösten Fragen, die sich ihm jetzt aufdrängten. „Was höre ich?" rief er zweifelnd, „Sie verlangen die Hand meiner Tochter? Kennen Sie denn meine Sidonie? Habe ich Ihnen denn nicht bereits mitgeteilt, daß ich längst über die Hand meines Kindes verfügt habe? Und poch eine Amge muß ich an Sie richten: sind Sie denn überhaupt jüdischen Glaubens?" — Sternfeld konnte sich ob der eben gehörten Fragen des Zweifels eines Lächelns nicht erwehren und er sprach: „Wenn ich cs jetzt wage, Sie um die Hand Ihrer Tochter zu bitten, so können Sie versichert sei», daß dies gewiß nicht geschehen wäre, wenn ich nicht Sidonie kennen und lieben würde. Auch würde ich diesen Schritt nicht gewagt haben, wenn ich mich nicht vorher des Einverständnisses Ihrer Tochter versichert hätte. Im übrigen will ich Ihnen zur Beruhigung Ihres Gewissens sagen, daß ich ein Jude bin!" — Herr Blütenstiel war ratlos, er wußte noch immer keinen Ausweg. Was sollte er auf die eben vernommenen Worte antworten? Er befand sich in einem fatalen Dilemma. Der vor ihm'stehende junge Mann war keineswegs als Schwiegersohn zu verschmähen. Er befand sich in auskömmlicher, gesicherter Stellung und war im Stande, seiner Tochter eine sorgenfreie Zukunft zu bieten. Zudem war er ein schöner Mann, besaß eine vorzügliche Bildung und hatte das Herz auf der rechten Stelle, Nicht täglich bot sich eine solch günstige Gelegenheit dar, seine Tochter so leichten Kaufs an den Mann zu bringen. Denn nur gering war die Mitgift, -die er bieten konnte, im Verhältnis zu den Ansprüchen, die der jetzige Erwerber zu stellen berechtigt war. Schon war Herr Blütensticl nach diesen Erwägungen im Begriff gewesen, dem Wunsche des Bewerbers ju willfahre», — da drängten sich ihm plötzlich mancherlei anvere Gedanken ans, die ihn anss Peinlichste berührten und seinem ganzen Vaterstolz einen argen Stoß versetzten. Was war denn aus seiner Sidonie geworden, daß sie allerlei Liebschaften anbendcltc? Erst will sie.selbst Natteris Oskar zum Mann, und nun fordert „dieser hier" sie zur Frau! Und wer weiß, wie viele Liebhaber noch erscheinen werden? Sein Unwille stieg zusehends, die Zornesader begann zu schwellen, und ein funkelnder Zornesblick traf seine Frau, die erschreckt zusaminenfuhr. Verstand sie doch diesen Blick gar zu wohl, denn er verhieß ihr und ihrer Sidonie wahrlich nichts Gutes! Er bczivang sich aber in Rücksicht ans den vor ihm voller Erwartung stehenden jungen Mann und sprach zu demselben: „Ihr Antrag ehrt mich außerordentlich doch kann ich in diesem Augenblicke Ihrem Wunsche noch nicht stattgebcn. Im übrigen hätte ich gewünscht, daß Sie, bevor Sie zu »reiner Tochter in so nahe Beziehungen traten, sich zuvörderst mit nrir, ihrem Vater, in Verbindung setzten. Auch kenne ich ja nicht einmal Ihren Namen?" „Ich heiße Oskar Stcrnfcld und." „Ah!" unterbrach Herr Blütensticl, spöttisch lächelnd, den Sprechenden, „auch Oskar!" „Auch Oskar?" entgegnete Sternfcld verwundert, „ich verstehe weder Ihre Worte, rroch den Ton, in welchem Sie dieselben sprechen." Nun hielt cs aber Frau Ziercl, deren Verlegenheit zusehends wuchs, für geboten, einzugrcifcn und dem Mißverständnis ein Ende zu machen. „Aber, lieber Mann," rief sie, dieser Herr Oskar und der Oskar, von dem ich schon mit Dir sprach, und dessen Du jetzt mit so großem Grolle gedenkst, sind ja eine und dieselbe Person!" — Verständnislos blickte Herr Blütensticl auf die Sprechende pnd lenkte dann seine Augen fragend auf den jungen Mann, indem er sprach: „So wären Sie — -?" „Ich bin," beeilte sich der Gefragte zu antworten, „Oskar Sternfcld, der Pflegesohn Nathan Ingelheims, genannt: „Neb Natten". Sie ahnten wohl nicht, als Sie gestern mit mir sprachen, mit weni Sie cs eigentlich zu tun hatten. So bitte ich Sie denn, Herr Blütcnstiel, vergessen Sie von dieser Stunde an allen Groll, den Sic gegen meinen Pflegevater und infolgedessen auch gegen mich in Ihren: Herzen tragen? Sie kennen mich nun und wissen, daß ich im Stande bin, alle Ihre Erwartungen, die Sie bezüglich eines Schwiegersohnes hegen, gerecht zu werden. Geben Sie mir Ihre Sidonie zur Frau." - Herr Raphael Blütensticl kämpfte jetzt einen schweren Kampf. Sollte er wirklich nachgeben und sich niit seinein alten Feinde aussöhnen, was doch geschehen mußte, weil» er dem Drängen der Seinen nachgab." Er konnte sich gar nicht denken, daß er mit Reb Natten je einmal wieder ein freundliches, vertrauliches Wort reden sollte. Aber allgemach begann eine versöhnlichere Stimmung sich seiner zu bemächtigen. Galt cs doch das Lcbensglück seines einzigen Kindes, das er jetzt sicheri: konnte. Da mußte sein persönliches Empfinden schweigen. Und als er vollends nochmals prüfend auf den vor ihnr stehenden hübschen, intelligenten jungen Bittsteller schaute, da Ivaren alle Bedenken besiegt, und er rief seiner Frau zu: „Nun, dann rufe die Sidonie herein, liebe Frau!" — Was nun sich lvciter abspieltc, das näher zu schildern, erübrigt sich wohl! — Ani anderen Tage sprach man in der Judenstraße zu Aurich von nichts anderem, als von der Verlobung des Nattenschen Pslegcsohnes mit der Blütcnstielschen Tochter. Was man nie für möglich gehalten, war jetzt zum Ereignis getvordcn. Man war aufs Höchste überrascht, und manche mit einer stattlichen Anzahl heiratsfähiger Töchter beglückte Mutter sah voll Neid auf die „Schnorrerstochter". Und als man Herrn Raphael Blütenstiel und Rcb Natten, beide in Festtagskleider gehüllt, friedlich nebeneinander gehen sah, da war die allseitige Verwunderung ohne Grenzen. Die Gegensätze hatten sich vereint, und versöhnt waren, die sich bisher besehdet hatten, wie dereinst die „Montecchi und Capuletti". Ende. Nr. 33. Kaiser Friedrich ynelle — Offenbach a. M. —— Gegen Gicht nnd Rheumatismus bewährt. Had Harzbnrg; to PensionParkhaus 53 Salons u. Familien-Dependance Schloss Prinzenhof mit 28 Salons. Streng rituelle Hfiuser I. Ranges unter Rabbinats-Änfsicht an schönst. Wohack Nachfolger. Hofjuwelier, Kaiserstr.1, Frankfurt a. M. Inhaber: M. WallaU. Perlen, Juwelen, Goldwaren• — —- Auf Wunsch Auswahlsendungen. — Wochen-Kalerrder. (Zeitangaben nach dem Luacb.) Samstag, den 22. August (= 25. Aw): Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 7 Uhr — Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 8 Uhr 20 Min., in Berlin 8 Uhr 05 Min. Wochenabschnitt: Nc-ei. Einleitend berichtet uns die Sidra von den Segnungen, die vom Berge Gerisim aus, von dcir Flüchen, welche vom Ebalberge aus erschallen sollten. (Genaueres in einem späteren Abschnitte.) Es folgen Bestimmungen über Pflicht- und Privatopfer, über die als „Heben" oder Zehnten" zu entrichtenden Abgaben, die Pflicht, solche in Jerusalem zu verzehren. Das Verbot des Blutgenusses von Vögeln und Säugetieren. (Daher unser Wässern und Salzen des Fleisches.) Warnung vor solchen Propheten und Verführern des Volkes, die Einzelne oder eine ganze Stadt zum Abfall verleiten möchten. Die Bestrafung solcher Uebeltatcn. Wiederholung der im 3. Bch. M. enthaltenen Speisegesetze, hier in verkürzter Form. Den Schlußteil der >sidra bildet das bekannte Festtagskompendinm: Asser te-asser. Inhalt desselben: Der Feldcigentümer selbst hat einen Zehnten und zwar den Maaser-scheint (2. Zehnten) in Jerusalem zu verzehren. (Sinn: Weihe des Genusses vor Gottes Antlitz!) Das Feld, der Weinberg hat im „siebten Jahre" brach zu liegen. (Lehre daraus: Das Feld nnd der Weinberg gehören Gott; sie haben einen „Sabbat".) Die Pflicht der Armenunterstützung, der Schuldenerlaß im ,Mrachjahr", die Schonung der Witwen, Waisen und Fremdlinge, Heiligung der Erstgeborenen beim Rind und Kleinvieh. Die drei Wallsahrtsfeste Pesach, Schovnans und Snkkaus nach ihrer Geschichte und den hauptsächlichsten gesetzlichen Vorschriften. — Einsegnung des Neumondes Elul, der auf Donnerstag nnd Freitag (27. nnd 28. August) fällt. In den meisten Gemeinden ist am Mittwoch (26. August) Jaum-kippur-koton, gewöhnlich von den jüdischen Chcwrans (Bruderschaften) ans. Vielfach fastet man den ganzen Tag. Damit verbindet sich in der Regel ein Friedhofsbesuch. — Mit dem 1. Elul beginnt die Bußzeit vor dem nahen Rausch-Haschono. Man bläst Schofar, morgens und abends; ein Weckruf zur Buße. Moses weilte während Elul ans dem Berge Sinai, um Verzeihung für sein Volk bittend wegen der Kalbcssünde. Offenbacber Druckluft Anlage Telefon 123. Offenbach a. ffl. Telefon 123. Unübertroffene bewährteste Teppichreinigung. Briefkaste«. Zionist. Mit der Anpflanzung des Herzlivaldes ist bereits begonnen worden. Im Frühjahr vorigen Jahres wurden auf dem von Herrn Goldbcrg - Wilna dem Jüd. Nationalfonds geschenkten Terrain 110 Duuniu (10 Hektar) mit Oclbänmen bepflanzt. Süd-Afrika. Berichte stets angenehm. Gruß! B. M. 16. Januar 1896 — 1 Schewat 5656, B. 21. Eine derartige Institution gibt es nicht, weder in Deutschland noch im Ausland. Mr.PBPGy BiH's Institut _Kaleerstrasse Sl. — Nationale Lehrkräfte. — Englisch, Französisch eto. Vereins-Kalender. ©eretit Mekor-Chajim. Samstag, 22. August, nachm. 41/4 Uhr: Mikro- Vortrag des Herrn Eman. Landau. „Montefiore"-Berein. Mittwoch, 26. August, abends 9 Uhr, Herr Bacharach: „Uriel Acosta". Vergnügungs-Gesellschaft junger Leute. (Gegründet 1893). Samstag, 22. August, abends 9Vr Uhr, Iiestan« ration Jos. Seligmann, Klingerstr. 28 (Vereinslökal): Versammlung betreffs wichtiger Angelegenheiten.