Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 6 (1908)
- Issue
- Heft 30 (31.7.1908)
- Date
- 1908-07-31
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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ffc 30 Frankfurter Islamitisches FamilieMaL Leite 3. der dritten Batterie herrsche. Besonders zwei Feuerwerker, Lukow und Rogalski, brutalisierten und quälten die jüdischen Soldaten auf die unbarncherzigste Weise. Sandberg hatte von diesen beiden' Henkern furchtbar zu leiden und war froh, als inan seinem Gesuche entsprach und ihn in die Regimentskanzlei aufnahm. Er kam aber vom Regen in die Traufe. Der Feuerwerker Wunderlich verfolgte ihn noch mehr als .die früheren Vorgesetzten. Schließlich versuchte er durch Selbstmord den Höllenqualen zu entrinnen. Vor zwei Monaten beging ein.jüdischer Soldat in derselben Kaserne einen Selbstmord. Schweiz. Zürich. Hier ist die erste Nummer einer territorialisbischeu Monatsschrift unter dem Titel „Jto" erschienen. Herausgeber ist der „Schweiz, territorial. Landesverband" und Redakteur Herr S. Rubinstein. Rußland. Admiral W i r e n hat die des hiesigen Rabbiners P o l o n s k i für die Zeit des Kriegszustandes, der noch über Sewastopol verhängt ist, verfügt. Man weiß für diese Maßregel hier keine Erklärung, denn Rabbiner Polonski künimerte sich nicht um Politik. Sjirotjina (Wit. Gouv.) Die durch den großen Brand um ihr Hab und Gut gebrachten 250 j ü d. Familien befinden sich in einer unbeschreiblich großen Not. Sewastopol. Ausweisung Großbritannien. London. Die Organisation der Buei Brith-Logen die im Jahre 1843 in Newyork gegründet wurde und heute über 300 Logen mit mehr als 30 000 Mitgliedern zählt, hat in allen konstitutionellen Ländern Loge», nur in England gelang es bis heute nicht, eine solche ins Leben zu rufen. In der jüngsten Sitzung des Exekutivkomitees in Newyork wurde beschlossen, neuerliche Versuche zu machen, in England Fuß zu fassen, doch dürfte auch diesmal der Versuch mißlingen, obgleich man in England anerkennt, daß die Bnei Brith dort, wo sie in Aktion sind, segensreich wirken. Die Anglo Jewish Slssociation hat, um eventuellen Versuchen, Logen in England zu gründen, zu begegnen, ihren Aktionsrahmen erweitert und in denselben besonders jene philanthropischen Ziele ausgenommen, welche die Bnai Brith in allen Kulturländern fördern. Amerika. In der „Wahrheit" lesen wir unter als New-Aork. der Spitzmarke „W a r u m sucht Uncle Sam Juden S o l d a t e »" einen interessanten Artikel, der mit folgendem von Bernard Lazare-Paris erzählten Begebnis beginnt Napoleon hatte, um de» Führer heraunahender Hilfstruppen wichtige Mitteilungen zukommen zu lassen, drei Mann — einen Franzosen, einen Italiener und einen Juden — aussuchen lasse», die die Aufgabe hatten, zu Pferd auf verschiedenen Richtungen durch des Feindes Lager hindurch zu gelangen. Nur der Jude erreichte — freilich mit acht Kungeln im Leibe — das Ziel. Diese ungewöhnliche Lebenskraft des Juden war nach dem Bericht der Aerzte nur dem Umstande zuzuschreiben, daß sein Blut vollständig frei von dem zersetzenden Gift des Alkohols geblieben war und daß in seiner jüdischen Natur das Gefühl der Geduld und der Ausdauer, welches seinen beiden Kameraden abging, lag. Das Blatt fährt dann fort: „Bernaro Lazare gibt diese Geschichte als historisches Faktum, und heute wird jeder unparteiische Sachverständige zugeben, daß der Jude das beste Material für eine Armee liefert. Diese Wahrheit aber kennt die amerikanische Regierung, insbesondere Präsident Roosevclt. Dieser Ueberzeugung entsprang auch der Entschluß der Regierung, im Rewyorker Ghetto eine Assenticrungsstelle zu eröffnen." Das Blatt verbreitet sich dann über die Beteiligung der Juden an den Kriegen der Bereinigten Staaten, so 18 000 Juden im Bürgerkriege, 4000 Juden im spanisch-amerikanischen Kriege. Im letzteren Kriege hatte Roosevelt als Kommandant der'berühmten „Roten Reiter" 17 jüdische Soldaten unter sich, und aus den Erfahrungen, die er mit diesen Soldaten machte, stammt sein Wort: „Der Jude kennt im Kriege keine Angst". Der Schluß des Artikels lautet: „Das Wichtigste jedoch ist, daß die Amerikaner aus eigener Anschauung erkannt haben, daß die Juden das beste, gesündeste und nützlichste Material im Kriege abgeben. Der Jude verträgt sowohl die größte Kälte, als auch die größte Hitze. Er leidet auch weniger von Krankheiten, als Mitglieder einer anderen Rasse. Er wird bei schnellen Dauermärschen weniger müde als seine Kameraden. Das wird hauptsächlich seiner ihm angeborenen Nüchternheit, Enthaltsamkeit und Mäßigkeit im Essen zugeschrieben. In der Front bleibt er selbst in größter Gefahr merkwürdig ruhig und ist der Erste, der den Feind attackieren möchte." Personalien. Frankfurt a. M. Dr. Israel RooS, Borlandsmitglied der «ynagogengemeinde „Israelitische Religionsgeselischaft, erhielt den K r o n e n o r d e n 4. Klasse. Frankftrrt a. M. Der Photograph Isaak Gurowitsch wurde ans einer Tour im Westerwald vom Blitz getroffen und getötet. Berlin. Der berühmte Gynäkologe Geh Medizinalrat Professor Dr. Leopold Landau feierte seinen 60. Geburtstag. Mannheim. Dr. S. P. Altmann, stellvertretender Syndikus der Frankfurter Handelskammer und Dozent der hiesigen Handelsfachschule, wurde an dieser Hochschule zum Ordinarius ernannt. Bunzlau. Geheim. Sanitätsrat Dr. Benno Sachs erhielt den Roten Adlervrdeu 4. Kl. Wien. Eduard Sviegler. außerordentlicher Professor für Hautkrankheiten, ein hervorragender Gelehrter in seinem Fache, verschied im Alter von 45 Jahren. Budapest. Eduard Teles und G e z a Markus, die -Lchöpfer des Vörösmarthh-Denkmals, erhielten das R i t t e r k r e il z d e s F r a n z Josef- Ordens. Budapest. Josef Deutsch de Hatvan lvurde zum Mitglied des Schiedsgerichts ernannt, das Streitfälle bezüglich des zwischen Oesterreich und Ungarn abgeschlossenen Handelsvertrages zu schlichten hat. Prag. Dr. Raphael Kuh. Präsident des Prager medizinischen Doktoren - Kollegiums, feierte sein 50 j ä h r i g e s D o k t o r j u b i l ä u m und Hofrat Dr. Krasnopolski, Professor für österreichisches Zivilrecht au der hiesigen deutschen Universität, sein 40 j ä h r i g e s D o k t o r j u b i l ä u nr. Moritz Th las, Prokurist der Firma Seligman Elbogen, erhielt den Titel eines k a i s e r l. Rates und Rabbiner Max Reiser in Neuern die E h r e n m e d a i l l e für 40 j ä h r i g e treue D i e n st e. Zürich (Schweiz). Unter den Diploniierten des eidgenössischen Polytechnikums sinden wir verzeichnet: als Ingenieur David Grombach und als Maschineningenieur «igmund Guggenheim und Karl Oettinger. Brüssel. Professor Paul Errera wurde zuni Rektor der hiesigen Universität gewählt. Nanrh (Frankreich) Brigadegenerak Bekabregue wurde zum Divisionsgeneral befördert. London. Der Juwelier Salomon Joel Phillips, Mitglied des Vorstandes der Bereinigten Synagogen und ein sehr tätiges Mitglied der Anglo- Jewish-Association, ist, 67 Jahre alt, verschieden. St. Louis (Amerika». Julius Lesser. bedeutender Industrieller, Vizepräsident des Stadtrates und Präsident mehrerer jüd. Wohltätigkeitsgesellschaften, ist g e st o r b e n. Was will die russische Regierung? Ist sie willens, den Juden gegenüber eine humanere Politik einzuschlagen? Hat sie endlich erkannt, von welcher kulturell eminent wichtigen Bedeutung die Juden in Rußland für die Entwicklung der Volkswohlfahrt wären? Hat ihr der Umstand die Augen geöffnet, daß bei allen den großen Diebstählen, Betrügereien und Unterschleifen, deren Opfer der russische Staat täglich wird, kein einziger Jude beteiligt ist? Oder verfolgt die Regierung einen ganz andern Zweck mit einer event. milderen Behandlung der russischen Juden? Wer wie dem auch sei, es ist begründete Aussicht vorhanden, daß das Los unserer Brüder in Rußland wieder ein menschliches werde — und ein Alp geht von unserer Brust. Wer noch mehr! Wir sehen bei dieser Gelegenheit, daß das Beispiel auf das Exempel die Richtigkeit unserer Kalkulation bestätigt. Die russische Regierung fühlt das Bedürfnis, mit einer leitenden Stelle des jüdischen Volkes Fühlung zu nehmen wegen der russischen Juden und siehe, sie »vendet sich an die im Auslande domizilierte Zentrale des Zionismus! Das dokumentiert den Zionismus als maßgebenden politischen Faktor! Zuerst das Angebot Englands und nun die russische Einladung! Das beweist den kleinlichen Seelen unter uns Juden, welche dem Zionismus seine Bedeutung absprechen wollen, wie kurzsichtig sie sind. Man übergeht bei politischen Maßnahmeil wohltätige, noch so reiche Institute, wenn eine nationale Leitung vorhanden ist. Das ist eine logische Folgerung im ungeschriebenen Völkerrecht. Das ist der Boden, auf den wir wieder zuriickgehe» und von dem aus wir die Zweige unseres Volksstammes wieder in nationaler Direktive ausbauen müssen, wollen wir aus dem geistigen und wirtschaftlichen Elend herauskommen, das dadurch entstanden ist, daß wir vom nationalen Bölkerwege abgeirrt sind. Durch die Tatsachen »lehren sich die Beweise, daß die Zionisten auf dem einzig richtigen Wege sind, und, je eher das gesamte jüdische Volk diese Wahrheit erkennt, um so eher wird die Judenfrage gelöst sein." Rew-Aork. Die Jahresversammlung d e r F ö d e r a t i o n d e r a m e r i k a n i s ch e n Z i on i st e n fand diesmal in Atlantic City statt. 150 Delegierte »varen erschienen; Präsident Dr. Harry Friedeuwald präsidierte. Bei der Eröffnungssitzung waren 1500 Personen anwesend; als erster ergriff der Bürgernieister der Stadt zu einer Willkommen-Ansprache das Wort. Aus der zionistischen Bewegung. Frankfurt a. M. Bei der Geschäftsstelle dieses Blattes gingen ein: Herr und Frau S. H. Goldmann zu Theodor Herzls Jahrzeit 1 Oelbaum 6,— JL F. Demuth gratulirt zur Hochzeit Fried- Heymann 0,50 Materialien: Jakob Halles Kinder, Mannheim. Frankfurt a. M. Die Redaktion der Zeitschrift „Palästina" (München, Pettenkoferstr. 25) ersucht uns um Aufnahme folgender Zeilen: Die zionistische Bewegung hat eine Reihe von Anhängern, die Mitglieder in den Logen und ähnlichen Verbänden sind. Ist es nun wirklich zuviel verlangt, loenn man diese Gesinnungsgenossen dazu auffordert, »oenigsteils die Zeitschrift „Palästina" in deren Bibliotheken einzuführen? Bis jetzt wird diese Monatsschrift in ganz Deutschland erst von 10 Vereinen (studentische Vereine aller Art, zionistische Ortsgruppen, Lesehallen usw. alles inbegriffen) gehalten. Die Palästinafreunde, die in den Logen, Literatur-Vereinen in diesem Sinne wirken wollen, können durch die Einführung dieser Monatsschrift in verschiedener Weise nützlich tvirken. Bei dem geringen Preis der Zeitschrift wird wohl sicher dieser Anregung recht fleißig Rechnung getragen werden (Volksausgabe 2,50 JL; Luxusausgabe 6 JL das Jahr). BreSlau. Die Propaganda-Abteilung dcS Deutschen Büros des Jüdischen Nationalfonds (Breslau VL, Königsplah 3b) gibt kostenlos ab und bittet um schleunige Bestellungen: N.-F.-Flugblatt Nr. 3; Zum 9. 'Ab. N.-F. -Flugb l a t t Nr. 1: Etwas zum Nachdenken. Sanrmelbogen, in neuer praktischer Ausstattung.' Ferner gegen Einsendung von 30 Pfg.: Kominerszeitnng vom XI. Delegiertentag. Zürich. Ueber den Besuch Wolfffohns bei Stolypin schreibt das hiesige „Israel. Wochenbl? „Stolypin, der russische Ministerpräsident, ladet den Präsidenten des Zionismus ein, ihn in Petersburg zu besuchen und unterhält sich mit ihm über — Zionismus! — Für jeden, der die Politik einigermaßen verfolgt, spricht das Bände! Aus der Lehrerwett. Frankfurta.M. Vakanzen. Reummkti.Schl, ein (5200 Einwohner, 32 jüd. Steuerzahler) Lehrer, Vorbeter und Schächter per sofort. Gehalt 1400 JL und 200 JL Nebeneinkommen. Regisheim i. Ober-Elsaß. Kantor Kahn erhielt anläßlich seines 50jährigen Amtsjubiläuins das Allgemeine Ehrenzeichen. (L.) Krotoschin. Hauptlehrer Ries an der jüd. Volksschule tritt am 1. -Oktober in Pension. Der hiesige Lehrerverein ernannte ihn aus diesem Anlaß zum Ehrenmitglied. Dijon (Frankreich). Oberkantor L a m b e r t Wolfs, Sohn des Kantors Wolfs in Gebweiler, erhielt beim Wettsingen des hiesigen Konservatoriums den ersten großen Preis. Warschau. Ein R ab b i n er s em i n ar hak die jüd. Gemeinde eröffnet, und zwar in Ausführung der Bestimniungen für die zu diese»! Zwecke von Frau Rahel Lea Hufnagel hinterlasscnen 100000 Rubel. Zehn junge Leute lernen hier fünf Jahre unter Aufsicht von fünf bedeutenden Rabbonim, von denen jeder an einem Tage in der Woche die Leitung hat. Die Namen der Rabbonim sind: Josef Frage, Jakob Nastali aus Wjerschowe, Jakob Selig Goldschlag, Kalman Mendelsohu und Josef Burstein. Jerusalem. Im Alter von 80 Jahren verschied Rabbi Chaim Jakob Schapiro, Rosch-Aw- Bethdin der Aschkeuasim - Gemeinde, und im Mer von 48 Jahren Rabbi Jakob O reu st ein. Zwei Schnorrer oder Montecchi und Capnlettt. Eine Erzählung von I. Herzberg-Dromberg. (Fortsetzung). Nunmehr begann Herr Blütenstiel, den Inhalt der Tasche auf den Tisch zu entleeren, um den Ertrag seiner Arbeit zu ermessen. Und als er die Summe berechnet, die Geldstücke, unter denen sich nicht allein Nickel- und Silber-, sondern auch Goldmünzen befanden, in zierliche Rollen gemacht und nebeneinander gelegt hatte, da zog ein geheimnisvolles Lächeln über feine verschmitzten Züge. Er