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Neue jüdische Presse · 1908-07-24 · Heft 29 (24.7.1908) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
6 (1908)
Issue
Heft 29 (24.7.1908)
Date
1908-07-24
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 29 Frmrkfurjer 8s«EkKeS FamilienblaÜ. Leite 3. Studienreise die er im Interesse der jüdischen Eniigration nach den Vereinigten Staaten unternommen hat, zurnckgekehrt. Berlin. Frau Gertrud Drisch ged. Heymann ist die Rote Kreuz Medaille 3. Klasse und dem Kommerzienrat SiegmundBorchardt der Rote Adlerorden 4. Klasse verliehen worden. Berlin. Den Roten Adlerorden 4. Kl. erhielten: Stadtbauinspektor und Magistratsbaurat SicgfriedNenmann und Professor Dr. Otto P n i o w e r, Assistent am Märkischen Provinzialmuscum. Dresden. Prof. Aug. Wünsche, wohl der hervorragendste christliche Talmndkenner, Verfasser der ausgezeichneten Arbeiten über „Die Bildersprache der Bibel" .und „Die Schönheit der Bibel", Herausgeber — zusammen mit Rabbiner Dr. Winter — der Midrasch-Uebersetzungen, feierte am 22. dss. Mts. seinen 70. Geburtstag. Wünsche ist in der Hochflut des Antisemitismus als Mann der Wissenschaft den antiseinitischen Tendenzlügcn mit kraftvoller Entschiedenheit entgegengetrcten. Als die Krone seiner Verdienste in dieser Hinsicht kann jenes ausgezeichnete Gutachten gelten, das er, gemeinsam mit Prof. Nöldecke, in dem Meineidsprozcß Rohling-Bloch mit ebensoviel Fleiß . wie Sachkenntnis erstattet hat. Karlsruhe. Der „Großherzogl. Oberrat der Israeliten" hat in der Person des Rechtsanwalts Dr. Leopold Friedberg, Sohn des verstorbenen Synodalpräsidenten Dr. Max Fried berg, einen juristischen Hilfsreferenten bestellt. Dieser Hilfsreferent dürfte die 'Arbeitsleistung des soeben aus dem Oberrat geschiedenen Geh. Hof rats Prof. Dr. Rosin-Freiburg, der 19 Jahre dem Oberrat angehörte, zu ersehen haben. Stratzburg. Zwei jüdische junge Mädchen haben am hiesigen kaiserl. Lyzeum das Abiturienten-Examen abgelegt, und zwar eine Tochter des.Rechtsanwalts Jnstizrat Lange und eine Tochter des Kaufmanns Elie Weil. Oldenburg. Landgerichtsrat Emil Weinberg tvnrde zum Oberlandesgerichtsrat befördert. Budapest. Im 61. Lebensjahre verschied der Ministerialrat iin Justizministerium Michael von S a n t a u. Es gibt jetzt nur noch einen ungetansten jüdischen Ministerialrat, nämlich Dr. Ludwig Ballai im Handelsministerium. Außerdem hat der Minister Präsident einen jüdischen Sektionsrat; dieser, E d ni n n d Klein mit Namen, ist ein ehemaliger Jeschiwa-Jünger. — Kreisarzt und Honorar - Oberphysikus Dr. Ignaz LNilko in O.-Becse erhielt das Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens. Prag. Professor S. Steinherz wurde zum ordentlichen Professor an der hiesigen deutschen Universität ernannt. London. Der Kunsthändler Joseph Joel Dnveen wurde in den Ritter st and erhoben und Finanzsekretär im Staatsdepartenrent für Indien Lionel Abrahams znm Ritter des Bath- Ordens ernannt. Petersburg. Im 78 Lebensjahr verschied der Schriftsteller S. I s a g e w i t s ch Weinberg, der Shakespeare, Goethe, Heine, Börne, Lessing's „Nathan der Weise", Karpeles „Geschichte der jüdischen Literatur", Franzos „Die Juden von Barnow und Judith Trachtenberg und anderes ins . Russische übersetzte. Aus der zionistischen Bewegung. Frankfurt a. M. Im Bureau des jüd. Nationalsonbs, Grünestr. 29 Pt., gingen ein: Je 6 JL für 1 Oelbaum im Herzlwald: Dr. Goldberg, Heddernheim. Dr. Friedemann, Wiesbaden, Albrcchtstr. 11. Julius Weil, hier, Fichtestr. 7. Raphael Rosenheimer, hier, Feststr. 2. Saly Geis, hier, Vilbelerstr. 4/6. Selmar Geis, hier, Vilbelerstr. 4/6. Isidor Hirsch, hier, Hermesweg 24. Dr. Siegfried Schwarzschild, hier, Vilbelerstr. 4. Zusammen 48.— JL Für 2 Oelbäume: Fritz Sonoheimer, Eschenheimer Anlage 3 Pt. - 12.— „ Für den Nationalfonds: Chaim Lang, Höchst a. M. _5.— ., Zusammen 65.— JL Ferner Materialien von Frl. Rosa Steinlauf, hier, Battonstraße 9. Bei der Ortsgruppe gingen fiir den Parteifonds ein: Frl. Gertr. Kaufmann, Königswarterstraße 13 4.— JL Jos. Becker, Gr. Friedbergersir. 13 5.— „ Saly Geis, Vilbelerstr. 5.— „ Zusammen 14.— JL Köln a. Rh. Wie die „Welt" meldet, hat sich der badischeOberrat der Israeliten dahin schlüssig gemacht, die von der Synode beschlossene neue Gemeindeverordnung, die den reichsausländischen Gemeindemitgliedern das Wahlrecht nimmt, nicht anS» zuführen. Der Oberrat soll diese Maßnahme, deren Berechtigung er 'wohl aus § 24 der Synodal-Ordnung herleitet, deshalb getroffen haben, weil ihm angesichts der Erregung der Zionisten über die Wahlentrechtung selbst gewichtige Bedenken kamen. Köln a. Rh., 16. Juli. Im Anschluß an die Nachrichten über die Audienz unseres Präsidenten Wolffsohn bei den russischen MinisternStolypinundJwolski erfahren wir noch folgendes: Im Laufe der auf die Audienzen folgenden Tage hatte der Präsident eine Reihe längerer Konferenzen mit maßgebenden Persönlichkeiten der russischen Regierung, die ebenfalls zu befriedigenden Ergebnissen geführt haben. Während der Anwesenheit des Präidenten in Petersburg waren die meisten russischen Mitglieder des Mtionskomitees in Petersburg versammelt. Die Petersburger Presse beschäftigte sich lebhaft mit dieser Angelegenheit und brachte 'ausführliche Berichte und Interviews darüber. Am Dienstag reist Herr Wolffsohn nach Wilna, wo er von den Mitgliedern des Zentralkomitees der zionistischen Organisation für Rußland erwartet wird. Ans Wilna wird uns telegraphiert, daß die Zentralregierung aus Petersburg den Wilnaer Lokalbehörden telegraphisch die'Ankunft des Präsidenten avisiert und angeordnet hat, einer Versammlung, die Mittwoch Abends zur Begrüßung des Präsidenten stattfinden soll, keinerlei Hindernisse zu bereiten. München. Sonntag, den 19. Juli fand hier der 1. Grnppenverbandstag der bayr. Zionisten statt. Nürnberger Delegierte, welche Referate übernommen hatten, waren ebenso wie Herr Dr. Blöde am Erscheinen verhindert, doch verlief die Tagung in animiertester Weise. Der Besuch aus München war recht zahlreich, ebenso waren Vertreter aus Rcgensburg, Memmingen, Ilntersranken usw. erschienen. Das erste Referat, das an Stelle des verhinderten Herrn Dr. jur. E. Strauß Herr I. Fränkel über bayr. Gemeindepolitik erstattete, gipfelte in dem Wunsche, daß dieselbe bei Aenderung des Judenediktes sich in freiheitlicher Weise entwickeln möge. Nach keiner Seite hin möge ein Zwang herrschen; ganz besonders aber sollten die Gemeinden die jüdischen Bestrebungen in Punkt Schule und andere Bildungszwecke mit als Hauptaufgabe ihrer Tätigkeit betrachten. Auch die rituellen Institutionen sollten tzo» den Gemeinden im Sinne des überlieferten Judentums 'hochgehalten werden. Die Ausgaben fiir Wohltätigkeit müßten, ebenso >vie bei bayr. politischen Gemeinden, aus den Gemeindeetat übernommen und die Budgets der Gemeinden in diesem Sinne niodisiziert werden. An das Referat knüpfte sich eine eingehende Debatte. Die meisten Redner waren mit den Aussührungen des Referats einverstanden. Allseits wurde betont, daß durch rege Agitation für den Zionismus derselbe zunächst immer stärker werden müsse; dann würden unsere Wünsche in Bezug auf Gemeindeangelegenheiten sich eher verwirklichen lassen. Ueber Organisation und Agitation sprach Herr Lehrer Oppenheimer aus Laudenbach bei Würzburg in fesselndster Weise. Er gab treffliche Winke, wie sich die Agitation zu entwickeln habe und wies besonders darauf hin, dieselbe auch auf die Landgenieinden auszudehnen. Fast die Hälfte der Juden in Bayern wohnen auf dem Lande und hier ist bei reger Arbeit noch ein guter Boden für unsere Sache. Den Schluß der Versammlung bilvete ein Referat des Herausgebers der Zeitschrift „Palästina", des Herrn F. T heilhaber. Auf diesen Vortrag kommen wir in einer der nächsten Nummern eingehender zurück. Wles in allem kann der erste bayr. Tag als recht gelungen bezeichnet und die Hoffnung ausgesprochen werden, daß sich an ihn eine recht erfolgreiche Tätigkeit in Bayern knüpfen möge. — Am Abend des Tages fand sich noch eine zahlreiche Gesellschaft zusammen. Herr Rechtspr. E. Meyer hielt einen in jeder Beziehung herrlichen Nachruf auf Th. Herzl s. A. Ansprachen Delegierter verschiedener Vereine, wie „Jordania", des „Ver. Jüd. St.", „N. Jüd. ,Akad.", „Mekor Chaim" usw. goie Gesänge vereinigten die Teilnehmer bis itteruacht. Petersburg. Während seines hiesigen Aufenthaltes hatte Präsident Wolffsohn auch mehrfache Unterredungen mit M a k a r o w, der die rechte Hand Stolypins ist und dem die gesamte Polizeiverwaltung untersteht. — Viel bemerkt wurde, daß der Minister des Aeußeren Jswolsky den Besuch Wolffsohns in dessen Hotel am folgenden Tage erwiderte. Wilna (Rußland). Die zionistische Wochenschrift Das jüdische Volk" hat ihr Erscheinen eingestellt; «• .'2.4*11m• sr:Im aImIa «am cm.« . 0 leuüMon. 0 au ihrer Stelle wird voraussichtlich in einigen Monaten eine hebräische Wochenschrift erscheinen. Zwei Schnorrer oder Montecchi und Capnletti. Eine Erzählung von I. Herzb erg-Dromberg. (Fortsetzung). Sidonie weinte noch immer bittere Tränen, und die Mutter sah trotz ihrer strengen Worte voll inniger Teilnahme auf ihr von bitterem Herzeleid erfaßtes Kind. Sie sah ihre einzige Tochter zum ersten Male in herbem Leid, und das traf auch sie bis ins innerste Herz. Sie konnte ihr Kind nicht weinen sehen, ohne selbst von tiefster Rührung ergriffen zu werden. Im Grunde konnte sie Sidonie nicht zürnen, denn -Lternfeld star ihr wohl bekannt, während der Vater, der nur kurze Zeit während des Jahres am Orte weilte, denselben wohl kaum persönlich kannte, ihn aber sofort als seinen Feind bezeichnen würde, eben weil er der Pflegesohn Reb Nattens war. Sie wußte, daß der junge Mann, dem ihre Sidonie so sehr in Liebe zugetan war, ganz dieser Liebe wert und würdig war. Was konnten auch die Kinder dafür, daß die Väter sich befehdeten? Sie näherte sich ihrer Tochter, zog sie sanft an sich, und ihr die heißen Tränen von den Wangen küssend, flüsterte sie ihr schmeichelnd zu: „Weine nicht, Herzenskind, überlasse alles der Zeit und harre geduldig aus. Ich will sehen, was sich tun läßt. In wenigen Tagen kommt der Vater heim, dann werde ich gewiß mit ihm darüber sprechen. Vielleicht gelingt es mir, ihn Deinem Wunsche geneigt zu machen." „Mutter, gute Mutter, wie danke ich Dir!" ries Sidonie, ihre nassen Augen erhebend. Dann saßen Mutter und Tochter noch lange Zeit stumm einander gegenüber; jede von ihnen war mit ihren eigenen Gedanken beschäftigt. — Auch Oskar Sternfeld hielt sich für verpflichtet, seinen Pflegevater ins Vertrauen zuziehen. Er war von demselben wohl nicht abhängig und konnte nach seinem Belieben über sein Tun und Lassen bestimmen, doch diktierte ihm die Pietät gegenüber demjenigen, der ihn großgezogen und ihm stets mit rührender Liebe entgegengekommen war, ohne dessen Wissen und Willen keinen so entscheidenden Schritt fürs Leben zu tun. Seitdem er selbständig geworden war, hatte er eine eigene Wohnung inne, und er suchte ab und zu seinen Pflegevater auf, um sich nach dessen Wohl befinden zu erkundigen. Er hatte jedoch in den letzten Tagen wiederholt vergebens bei demselben angepocht. Oskar kannte den Grund der Wwesenheit seines Pflegevaters gar wohl. Die hohen Festtage standen nahe bevor, und er war aus einer „Geschäftsreise" begriffen. Endlich traf er ihn in seiner Wohnung an. Er begrüßte ihn mit den Worten: „Guten Tag, lieber Vater, bist Du endlich von Deiner Reise heimgekehrt?" „Jan, mein Oskarleb," erwiderte der alte Mann, wohlgefällig seinen Pflegesohn betrachtend. „Wie geht es Dir denn, lieber Vater?" fragte Oskar weiter. „Gut kenn ich Derr sagen, mei Junge; ich kenn Derr sagen, noch nie is es sau gut gegangen." ,/Vas D» sagst!" entgegnete - Oskar. „Wirst Du denn nicht endlich das Reisen gänzlich aufgeben? Du hast es doch gar nicht nötig!" „Nit nötig? Meinst Du, mein Sohn? Doriber denk ich doch anders. Ich ruhe uit eher, als bis ich Dich versorgt weiß." „Bin ich denn nicht versorgt und habe ich nicht mein gutes Auskommen?" „Sau meine ich das nit," entgegnet: Reb Natten mit einem seinen Lächeln. „Ich hob uit eher Ruh' as bis Du a passende Frau genommen host." Nach diesen Worten schob er zwei Stühle an den Tisch und fuhr dann fort: „Oskar, setz Derr hier zu mer hen. Ich hob mit Derr zu reiden." Oskar kam der Aufforderung seines Pflegevaters nach. Dieser sprach dann weiter: „Oskar, ich hob was for Derr!" Oskar schaute verwundert lächelnd auf seinen Pflegevater. „Was hast Du denn für mich?" fragte er. „Was ich hob, fragst Du? A Medche hob ich for Derr." „Ein Mädchen? Was soll ich damit?" „Was Du damit sollst? Wie kennst Du fregen? Freien sollst Du es! Du sollst bald ChaßneZ machen. Alt genug bist Du dazu." .^Lieber Vater, die Sorge um meine Zukunft nach dieser Richtung hin kannst Du mir ganz überlassen. Da handle ich gern selbständig." „Ich hob doch bis heit noch nit gehört von Derr. daß Du daran denkst, a Fra zu nehmen. Do hob ich gedacht, Natten, hob ich gedacht, gib Du mol a Kuck und seh derr nur noch a Madche um. Un ich kann Derr sagen, ich hob was gefunden, a Madche Oskar, a Staat is se, rein zum Küssen." l) Hochzeit.

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