Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 6 (1908)
- Issue
- Heft 27 (10.7.1908)
- Date
- 1908-07-10
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 27 Eerte 3. derartige Geschäfte errichtet worden; sie bringen in Verbindung mit der Sonntagsruhe zahlreiche jüdische Familien um ihre so wie so schon kärgliche Existenz. Italien. Florenz. Der von dem italienischen Falascha- Komitee in Verbindung mit einem internationalen Komitee unter Dr. Jacques Feitlowitsch entsandte Exp edition zu den Falaschas ist bereits unterwegs. Dr. Feitlowitsch hat auf seiner Reise in Asinara die bereitwilligste Unterstützung des Gouverneurs der Eryträischen Kolonie gesunden. Durch Vermittelung des italienischen Gesandten in Addis - Abbeba erhielt er vom N e g u s die Erlaubnis, das ganze Land zu bereisen und eine warme Empfehlung an die Häuptlinge des Landes. Der Negus betonte, daß er ihin die Genehmigung ebenso gern erteilte, wie kurz vorher zwei andere» Glaubensgenossen. (Gemeint sind die Herren von der Mission der Alliance Jsraölite Universelle.) Dr. Feitlowitsch wird im Herbst in Addis-Äbbcba vom Negus empfangen werden. Personalien. Berlin. Zu Notaren wurden ernannt: die Justizräte Karl H a m b u r g e x, Albert P i n n e r, Moritz Ratkowsti, Lev Lilienthal, Dr. Arthur Ger son und Georg Mankiewitz und die Rechtsanwälte Max Hahn, Alfred H e n n i g s o n, Dr. Alfred Saalfeld und Benno Schlo» nt a n n. Koblenz. Geh. Medizinalrat Dr. Salomon erhielt den Kronenorden 3. Klasse. Gelnhausen. Der Senior aller im Ehrendienste des jüdischen Gemeinwesens Tätigen dürfte der hiesige Kreisvorsteher I. D. G o l d s ch nt i d t sein, der in einigen Monaten bereits sein 90 Lebensjahr vollendet und trotzdem seines Amtes als Kreisvorsteher noch mit Umsicht waltet. Stratzburg. Die Gemeinderatswaylen haben auch eine stattliche Anzahl Juden in die Stadtparlamente gebracht. Wir verzeichneten in der vorwöchentlichen Nummer bereits eine Anzahl Namen. Es wurden ferner gewählt: Marc B l u m, Max Frank und Fritz M e y e r in Straßburg; Gilbert Meyer, Abraham Bloch und Joseph Weil in Ingweiler; David Levy in Dettweiler; Nathan Heller in Brumath; Leo Ginsburger in Uffheim; Dr. Leon Weill und Arthur Moch in Hagenau; Bernhard Baer und Leopold K l o tz in Sulzen. W.; Achille gen. Elie Weil in Bollweilcr; Jakob 'Schwab und Leon Bloch in Winzenheim; Adrian Bloch und Ferdinand D r e y - fus in Mülhausen; Emil Weill in St. Ludwig; Salomon Hei m erdin ge r und Emile Picard in Grussenheim; Silvani Beer und August Levy in Saarburg; T u t e u r und Leiser in Metz; Leopold Blum und Julien Levy in Jntlingen, Felix Barth in Forbach; Marcel Ca Yen und Levy Aron in Püttlingen. Zürich. Im Israel. Asyl in Lengnau feierte bei geistiger und körperlicher Gesundheit Jona Gideon seinen 99. Geburtstag. Petersburg. Dr. M. A. Klausner, Generalsekretär der Deutschen Konferenzgemeinschaft der Alliance Jsraölite Universelle, ist hier eingetroffen. Aus der Lehrerwelt. Frankfurt a. M. Der »Bund gesetzestreuer jüd. Lehrer Deutschlands" veranstaltet, wie wir bereits berichteten, einen Kursus für Kantoren. Der Kursus beginnt Montag, den 13. d. Mts., und dauert etwa ,4 Wochen. Die Unterrichtszeit ist täglich von 8—12 Uhr im Singsaal der Realschule der Israel. Religionsgesellschaft, Tiergarten 8. Die Teilnehmer werden gebeten, sich Montag Herrn Oberkantor Pesachowitsch, Ostendstr. 29 II., vorzustellen. Wurzburg. Am Montag. den 2V. Juli tagt der Israel. Lehrerverein in Bayern in der altertümlichen Stadt Rotenburg. Diese Versammlung wird wohl einen Markstein bilden in der Entwicklungsgeschichte des Lehrervereins, ja vielleicht der bayerischen Judenheit. Zum ersten Mal wird auf Grund eines ausführlichen statistischenMaterials die soziale Stellung der jüdischen Lehrer in Bayern und dieHebung ihrer Lage beraten. Dieses Material wurde von Lehrer Simon Dingfelder-München mit wahrem Bienenfleiß zusammengetragen und hat schon mehreren Konferenzen des Lehrervereins, der „Freien bayerischen Rabbinerkonferenz" und dem „bayerischen Landesverein" Vorgelegen. Es ist zusammengestellt im einer „De nkschrift" über die Hebung der wirtschaftlichen Lage der jüd. Lehrer Bayerns, insbesondere der Religionslehrer. Unter den mancherlei Ratschlägen befinden sich auch die, Elementarschulen zu gründen und eine „Zcntralkasse" zu schaffen, in der die Großgemeinden die Lasten der kleineren mittragen helfen, wozu sie moralisch perpflichtet sind. Sind doch notorisch die meisten Landbewohner den Städten zugepilgert. Auch pädagogische Fragen werden erörtert werben; die Fortbildungskonferenz Fürth-Nürnberg hat Frankfurter Israelitisches Familiendküt. entsprechende Anträge gestellt. Den Kernpunkt bildet aber das Referat Dingselders, dem alle mit Freude und Erwartung entgegen sehen. Des Dankes aller gerecht denkenden und fühlende» jüdischen Lehrer und Bürger Bayerns darf der Refercitt schoit jetzt versichert sein. r. Berlin. Rabbiner Dr. Bergmann-Frankfurt a. Oder, Schlviegcrsohn Rabbiners Dr. Rosenzweig - Berlin, wurde zum Rabbiner an die hiesige jüdische Gemeinde gewählt. Lobositz (Böhmen). Die hiesige jüdiscbe Gemeinde wählte Dr S. Frankfurter- Köln zu ihrem Rabbiner. Prag. Unter Führung des Reichsratsabgemd. Dr. Mahler hatte eine Deputation des „Israel. Landeslehrervercin in Böhmen" Audienz beim Kultusminister, um das Schicksal der am 4. Juli 1905 überreichten Petition zu erfahren, in der angeregt wurde, die Kultusgemeinden durch Schaffung größerer Sprengel zu kräftigen. Die Deputation schilderte die traurige materielle Lage der Gemeinden und die aller Menschlichkeit Hohn sprechenden Verhältnisse über Anstellung, Entlohnung und Wtersversorgung der Kultusbeamten. Der Minister versprach, durch Zusammenlegung einzelner ntateriell schwacher Kultusgemeinden eine Besserung der Verhältnisse zu bewirken. Dr. Mahler wiederholte dem Minister gegenüber das Ansuchen um Staatsbeihülse für den Pensionsfond. New-Nork. Zum Präsidenten der »Rabvi Isaak Elchanan Jeschiwa" wurde Rabbiner B. L. Lcvinthal in Philadelphia — geboren 1864 in Srednick (Rußland) — gewählt. Rabbiner Levinthal war in den letzten 4 Jahren Präsident der Vereinigung der orthodoxen Rabbiner Amerikas. In Chicago starb im Alter von 78 Jahren das Haupt der dortigen orthodoxen Juden, Rabbiner Joseph Komisarsky. 36— JL 150,— 0,50 Aus der zionistischen Bewegung. Frankfurt a. M. Bei der Expedition des Franks. Israel. Familienbl. gingen ein: Moses Halle n. Frau Mathilde geü. Stern in Gelnhausen auf den Namen ihres Sohnes Siegfried anläßlich dessen Barmizwoh 6 Oelbäume Jugendgruppe „Hatchioh" zuin vierten Jahrzeitstage des unvergeßlichen Theodor Herzl 25 Oelbäume Familie S. H. Goldman» statt Depesche zur Hochzeit Samuel und Betty Katz Berlin. Mitteilung des Hauptbureaü's des „Vereins Oelb au nt spend e" (E. B.): 1. Unser Verein „Oelbaumspende" (E. B.), der sich die Bepflanzung Palästinas mit fruchttragenden Bäumen, besonders mit dem in Palästina alteinheimischen Oelbäume, zur Aufgabe macht, kann seinen Mitgliedern und Spendern Mitteilen, daß die bisherigen Anpflanzungen des Vereins in Palästina sich recht gut entwickeln. Auf dem von Herrn Goldberg in Wilna dem Jüdischen Nationalfonds geschenkten Terrain in Chedera sind 110 Dunam im Frühjahr 1907 mit Oliven bepflanzt worden. Die Bäumchen sind so gut gewachsen, daß im Frühjahr 1908 bereits der größere Teil derselben gepfropft werden konnte. In Lydda hat der Verein eine Baum- Sule angelegt, aus der das Pflanzenmaterial für tt Herzl-Wald gewonnen werden soll. Auch der Stand dieser Baumschule ist sehr befriedigend. 2. Ferner erlauben wir uns mitzuteilen, daß der Vorstand unseres Vereins in seiner Sitzung vom 26. Juni beschlossen hat, behufs Aufnahme einer umfassenden Propaganda sowie pünktlicher Versendung der Diplome und Quittungen vom 1. Oktober ds. Js. an eine besondere Sekretärin anzustellen. Es hat sich nämlich gezeigt, daß es dem Personal des Palästina-Ressorts, das seit Januar von der Agitation für die P. L. D. C. sehr in Anspruch genommen ist, unmöglich ist, die umfangreichen schriftlichen Arbeiten unseres Vereins pünktlich zu erledigen. Die rückständigen Diplome und Quittuitgen für die Zeit von Januar bis Oktober ds. Js. werden daher den Spendern erst im Oktober zugehen. Der Vorstand des Vereins „Oelbaumspende" (E. V.). gez. O. Marburg. München. Am 19. Juli, nachmittags 1'/» Uhr findet hier, worauf wir hiermit nochmals aufmerksam machen, der bayerische Gruppenverbandstag mit folgender Tagesordnung statt: 1. Genieindepolitik. Referent: R. - A. Dr. E. Strauß-München. 2. Jüdische Schulen. Referent: Dr. Bamberger- Nürnberg. 3. Agitation und Organisation. Referenten: R.-A. Dr. Münz-Nürnberg, Jac. Fränkel-München. 4. Palästinafragen. Referent: Dr. Blöde. Abends 9 Uhr: Festkommers mit Damen, veranstaltet von der Verbindung Jordania. Zürich. Ruhig und ohne besondere Einzelheiten verlief der Delegiertentag des schweiz. Zionisten- Verbandes. Es wurde die Untätigkeit der schweiz. Zionisten im abgelausenen Berichtsjahre bemängelt, dagegen die Eingänge für den Nationalfond mit 2218 Frs. als günstig bezeichnet. Als geschäftsführender Ausschuß des Landeskomitees wurden die Herren I. Hör n (Präsident), M. Färber und Dr. L. F. P i n k u s in Zürich gewählt. Zwei Schnorrer oder Montecchi und Capuletti. Eine Erzählung von I. Herzberg-Bromberg. (Fortsetzung). Bei diesen Worten fetzte sich Natten an den für ihn gedeckten Tisch, und alsbald konnte tnan aus seinem „Schinackett" und „Schnalzen" schließen» daß er einen guten Appetit mitgebracht und daß es ihm über die Maßen gut schmeckte. Die Sitppe schlürfte er mir Behagen, und der mit Gemüse gefüllte Teller war in überraschend kurzer Zeit geleert. Als ntm der Teller mit einem Stück Fleisch vor ihn hingestellt wurde, betrachtete er schmunzelnd das leckere Gericht. Dann wandte er lächelnd der Hausherrin das Gesicht zu und sprach: „Frau Vorsteherin, liebste Frau Vorsteherin, nemmen Sie eS mer nit ibbel, daß ich Sie um eppes bitt." „Nun, mein lieber Natten, womit kann ich Ihnen denn dienen?" „Frau Vorsteherin, geben Sie mer a Stick Papier." „Ein Stück Papier? Zu welchem Zwecke wünschen Sie denn solches?" „Ich kann es mer nit bezehmen, a sau schein Stick Flaasch ufzuessen. Des muß ich mer noch äshegen." „Dann ist Ihr Mittagessen aber unvollständig, mein lieber Natten." „Das schadt nix, meine gute Frau Vorsteherin, da geben Se mer noch a Stick, dann is es Widder vollständig." „Nun, dann haben Sie hier einen Bogen Papier," entgegnete Frau Heymann ihrem Gast, dessen Gebühren sie sichtlich amüsierte. „Run, Sie sollen nicht zu kurz kommen. Damit an dem Mittagessen nichts fehle, will ich Ihnen denn noch extra ein Stück Fleisch geben, das Sie jetzt hier verzehren können." Schmunzelnd machte sich Reb Natten über die empfangene Extraportion her, denn plötzlich war sein Appetit wieder rege geworden. Als er den letzten Bissen seinem Munde zugeführt, wandte er den Kopf mit dem angefüllten Munde der Wirtin zu. Dann hob er an, abwechselnd sprechend und kauend: „Frau .Vorsteherin, — hobben — Sie nit — noch a Stick — Papier? „Wozu, Natten?" „Man soll — — nix — umkummen lassen. Ich mecht mer die scheine, grauße Mauze^) cinwickeln." Schweigend reichte ihm Frau Hcymann bas verlangte Papier hin, in welches Natten geschäftig die halbe Challe einwickelte, die vom gestrigen Sabbat noch übrig geblieben war. „Frau Vorsteherin, nu hob ich noch a Bitt," wandte sich hierauf Natten an die Frau Heymann, die sich auf eine Weile aus der Küche entfernt hatte und eben wieder eintrat. „Nun, was wünschen Sie jetzt noch?" war ihre Frage. »Ach, Frau Vorsteherin, ich muß mer doch des Flaasch und die Challe-) schneiden, und ich hob ka Messer. Dorum schenken Sie mer a Messer." Schweigend^ reichte die Hausherrin ihm ein Messer hin. Sodann entnahm sie einem Korbe eine Gabel, die sie ihm mit den Worten übergab: „Zum Messer gehört auch eine Gabel. Nun sind Sie doch wohl mit allem versehen, mein lieber Natten?" „Sau weit, jau, nu, ich dank Ihne vielmols," erwiderte Natten. Dann kraute er sich hinter den Ohren, trug eine gewisse Verlegenheit zur Schau und sprach darauf: „Frau Vorsteherin, ich mecht' mer gern des Flaasch heit Lbend warm machen. Ich hob an schwachen Magen und kann kalt Flaasch nit vertragen." „Nun, lieber Natten, das können Sie ja getrost tun." „Jan, Sie hobben gut redden. Do mach aner Flaasch warm, wenn, er ka Stick Torf hot. Schenken Sie mer sau a Sticker zwei oder drei vun Ihrem Torf." „Anna," wandte sich die Hausfrau .an das Küchenmädchen, „geben Sie dem Herrn einige Stücke Torf." i) Ein stück Brod, worüber vor dem Essen ein Segensspruch gesprochen wird. -) Das Brot.