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Neue jüdische Presse · 1908-06-19 · Heft 24 (19.6.1908) · p. Seite 11

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
6 (1908)
Issue
Heft 24 (19.6.1908)
Date
1908-06-19
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 24. - Seite 11. Frankfurter JsraelitWes Familienblatt. Die Freuden eines Delegierten verstand er ebenso spannend und zuweilen huinorvoll zu schildern, als auch die Leiden eines solchen. Im übrigen verwies er alle Mitglieder des Vereins auf das ansführl. Protokoll, das seiner Zeit 'allen zngesandt wurde. Es kam jetzt der 3. Punkt der Tagesordnung. „Die Herausgabe eines deutschen Lesebuches für jüdische Schulen, (Verbandsthcma); gehalten wurde das ca. ^/istündige Referat von Kollege U ck o - Ems. Einleitend bemerkte der Referent, das; der Religionsunterricht z. Zt. reformbedürftig sei. Kaum sei der Ruf über die Umgestaltung der Methodik des hcbr. Unterrichts verhallt, und schon sei eine andere Frage brennend geworden, die Lesebuchfragc. Nach den Ausführungen des Referenten soll das neu zu schaffende Lesebuch kein Lehrmittel, sondern ein Hilfsmittel sein, das zur Wiederholung, Ergänzung und Belebung des Unterrichts dienen soll. Insofern sei nach Ansicht des Vortragenden ein Bedürfnis für ein solches Lesebuch vorhanden. Folgende Stoffe muß es enthalten: Religionslehre, bibl. Gesch., Pentateuch, Gebetbuch, Jüd. Gesch'.-Literatur, M i d r a s ch i m vor allem und auch Piutum, d. h. von jedem eine Anthologie, möglichst ein poetischer und ein prosaischer Teil. Vor allem gab Kollege Ucko fesselnde Beispiele, die zwar den Beifall der Versammlung fanden, trotzdem konnte sich diese zunächst nicht entschließen, dem Referenten znzustimmen, das; mit der Herausgabe eines deutschen Lesebuchs für jüdische Schulen z. Zt. einem dringenden Bedürfnis abgcholsen werde. Nach langer heißer Diskussion nahm aber die Versammlung eine dahingehende Resolution an. Der 4. Punkt der Tagesordnung, die A e n d e - r u n g der B e r e i n s s a tz u n g e n, wurde nur teilweise erledigt, und man schritt zur Vorstandsw a h l. Anstatt 7 sollte fernerhin der Vorstand aus nur 5 Mitgliedern bestehen. Zwei Beisitzer schieden aus, zwei neue wurden gewählt. lieber den letzten Punkt der Tagesordnung „d a s Verbandsorgan" referierte Kollege Nußbäum- Wiesbaden. Posen. Eine Vereinigung von Rabbinern der Provinz Posen zur Wahrung des ü b e r l i c f e r t e n I n d e n j u m s ist hier gegründet worden. Derselben sind bereits 16 Rabbiner bcigctreten. Der Vorstand der neuen Vereinigung besteht aus den Herren Dr. F e i l ch e n f c l d (Ehrenvorsitzender), Dr. Cohn, Dr. Th eodor und Dr. W r e s ch n e r. Hannover. Die 44. Jahresversammlung des „Verein der jüd. Lehrer in der Provinz H a » n o v e r" war gut besucht. — Dr. Lewin sky- Hildesheim hielt einen Vortrag: „Bachja ibn Pakudas „Herzenspslichten", aus der Blütezeit der arabischen Literatnrepochc. — Waller- Moringen referierte über die Neuregelung der Lehrerbcsoldung in bezug auf unsere jüdischen Volksschulen, während Fabisch- Güttingen das Bcrbandsthcma: „Was hat zu geschehen, um dem Religionsunterrichte die rechte Stellung und Bewertung in; Lehrplan der nicht jüdisch-konfessionellen Schulen zu verschaffen" behandelte. Er legte seinen Ausführungcir-die Forderung zugrunde, daß von Staats wegen an allen höheren Schulen der Religionsunterricht als obligatorischer Lehrgegenstand für die jüdischen Schulen eingerichtet werden möge; diese Forderung zu verwirklichen, müsse das Bestreben aller dazu berufenen jüdischen Verbände Deutschlands sein: der fakultative jüdische Religionsunterricht an den höheren Schulen, wo die jüdischen Schüler zu seinem Besuche nicht verpflichtet seien, verstoße unbedingt gegen die Schuldisziplin; denn der jüdische Religionsunterricht sei, ^ebenso wie der christliche, mit dazu berufen, die Schüler zu treuen Staatsbürgern zu erziehen: er verdiene daher auch dieselbe Förderung, wie der christliche Religionsunterricht. — Da die Finanzverhältnisse des vergangenen Jahres nicht günstig waren, beschloß inan, den Jahresbeitrag von 1,20 Jk für die Folge auf 3 Jk sestznsetzcn. Aus der zionistischen Bewegung. Frankfurt a. M. Herr Prof. O. Warburg- Berlin ersucht uns um Mdruck des 'folgenden Aufrufes : l Gesinnungsgenossen! Am 20. Tammus, dem 19. Juli, fährt sich abermals der Tag, an dem Th. Herzl uns entrissen wurde. Ein Denkmal wollten wir Zionisten ihm setzen, ein lebendes Denkmal, das die Jahrhunderte überdauern sollte. Ein Wald von mindestens 10 000 Bäumen planten wir, einen Oelbanmwald iin Lande unserer Zukunft zu seinem Gedächtnis. Aber mit Beschämung müssen wir es gestehen: noch haben wir die Mindestzahl von Bäumen nicht erreicht. Und das bei 50—60 000 organisierten Zionisten. Ist das der Dank, den wir dem großen Künder unserer Idee abstatten? der uns so unendlich viel gab? Wenn nur jede zionistische Familie einen Baum zu Ehren Theodor Herzl's pflanzen ließe, so wären längst diese 10 000 Bäume beisammen. Aber wenn wir mit dem Walde etwas wirklich Großes, Segenbringendes schaffen wollen, dürfen wir uns nicht auf 10 000 Bäume beschränken. Der Ertrag der Bäume ist'ja'den kulturellen Institutionen des Landes zugedacht, er soll uns später einmal die Möglichkeit geben, unser Schulsystem in Palästina auszubauen. Und das 'für den ,H e r z l - W a l d in Aussicht genommene Terrain faßt auch 20 000 Bäume. Also wohlan! Sei die vierte Jahrzeit nach unserem großen Führer der Anlaß für einen Jeden von uns, seinen Bauin der Dankbarkeit für Herzl's Wirken zu spenden. Ein Jeder halte den andern dazu an. Die Jahrzcit ist ja in der Zeit der Traucrwochen unseres Volkes, da wir uns nach altem Brauch Entsagung auferlegen. Die Ersparnis sei dem H c r z l w a l d geweiht. Die Ortsgruppen mögen schon jetzt mit den Sammlungen beginnen, damit sie am Jahrzeitstage beendet und zusammen ausgewiesen werden. Der Vorsitzende des Vereins „Oelbaumspende" (Eingetragener Verein) gez. O. Marburg. Köln. Der Präsident hat bestimmt, daß die Zionistische I a h r e s k o n f e r c n z am 11. und 12. August in Köln stattfindet. Hamburg. Am 16. ds. Mts erstattete in einer gut besuchten Versammlung der zionistischen Ortsgruppe Hamburg-Altona R.-A. Dr. Viktor einen überaus klargefaßtcn kritischen Bericht über den 11. Delegiertentag. Der Referent erklärte, er sei im allgemeinen von der Breslauer Tagung recht befriedigt; sehr erfreulich sei es, daß endlich klargestellt wurde, daß die zionistische Organisation als solche sich an der innendcntschcn Parteipolitik in keiner Form beteiligt. Die Zusamnienarbeit mit den übrigen jüdischen Organisationen in Deutschland ist im Sinne des Beschlusses des Delegiertentages auzustreben; selbstverständlich aber könne der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens bei seiner ausgesprochen assimilatorischen Tendenz nicht der Unterstützung durch die Zionisten empfohlen werden. In der Diskussion wurde von allen Rednern betont, daß ein Zusammengehen mit dem Zentralverein gegenwärtig ans prinzipiellen und taktischen Gründen abzulehncn sei; dringend wünschenswert sei es, sowohl von Zcntralverein als den Logen eine authentische Erklärung der betr. Organisationen hcrbeizusühren über ihre Stellung zur Frage der nationalen Einheit der Inden. Herr Dr. Frank vertrat im Gegensatz zum Referenten den Standpunkt, daß auch der „Verband der Deutschen Juden" nicht rückhaltlos zu unterstützen sei, denn dieser strebe die Herbeiführung einer Konjistorialverfassung für die Juden in ganz Deutschland an, die entschieden zu verwerfen sei. Die Versammlung nahm zum Schlüsse e in st im m i g folgende vom Vorstand vorgeschlagene Resolution an: „Die zionistische Ortsgruppe Hamburg-Altona ist der Meinung, daß der Zentralverein Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens seinem Programm nach nicht zu den Organisationen gehört, dessen Förderung im Interesse des Zionismus liegt. Das Eintreten in diesen Verein kann nicht empfohlen werde n, bis aus dem Programm des Zentralvereins die Punkte entfernt werden, die mit den Prinzipien des jüdischen Nationalismus u r; r e r e i n b a r sind". Bresla». Nachtrag zum Delegiertentag. — Die Interpellation Herman n Struck in Sachen der Tabbatcntweihung und der offiziellen zionistischen Presse, die, wie wir bereits berichteten, durch die einstimmige Annahme der Resolution Struck-Friedemann ihre allseitig befriedigende Erledigung fand, verlangte auch/ daß die deutschen Mitglieder des Aktionskomitees darauf hinwirken, daß dem Organisationsstatut ein Zusatz bcigcfügt werde, der ausspricht, das; der Zionismus nichts unternimmt, was gegen das Religionsgcsctz des Judentums verstößt. Dr. F r i e d e m a n n beantwortete diese Interpellation zugleich namens seiner Kollegen im Aktionskomitee Dr. Bodenheimer und Dr. Gronemann im zustimmenden Sinne. Auf die Begründung, die Interpellant zu seiner Interpellation gab — er beschwerte sich, daß inan kn Köln die Sabbatentweihungsangelegenheit nicht ernst genug behandelt hat, daß die „Welt" die Ausnahme der Protestresolutionen verweigerte, und in einem ironischen Ton die ganze Sache behandelte und daß der „Haolam" antireligiöse Artikel aufnahm —nimmt Dr. Friedemann gleichzeitig Veranlassung, seiner Entrüstung darüber Ausdruck zu geben, daß Gesinnungsgenossen aus dem Kreise des Misrachi die Affäre in zionistenfeindliche» Blättern zur Sprache brachten. Auch das glänzende Referat Professor Marburgs enthielt Ausführungen, die besonders die religiösen Zionisten interessieren. Er sagte nämlich bezüglich des Pflanzungsvereins „Palästina": „Ist die Oelbaumspende dadurch dauernd mit dem Zionismus verknüpft, daß 4 der 7 vorgesehenen Ausschußmitglieder Inhaber einer Gründeraktie des Jewish Colonial Trust, also auch Mitglieder des Großen zionistischen Aktionskomitees sein müssen, so ist der Pflanznngsvcrein ohne direkte Beziehungen zum Zionismus. Ist die Oelbaumspende eine Synthese nationaler und kultureller Momente, so ist der Pflanzungsverein „Palästina" eine Synthese nationaler und religiöser, sich in der Tradition begegnender Anschauungsweise. Wir haben gehofft, daß gerade die streng religiösen Kreise diesem Vereine ihr Wohlwollen durch Beitritt zeigen würden, und wenn dies bisher .Jgi&er nur in sehr geringem Maße geschehen ist, so liegt es wohl daran, daß noch ein gewisses Mißtrauen dagegen obwaltet, weil die Organisation von zionistischen und zum Teil wenig religiösen Kreisen ausging. Freilich müssen wir auch gestehen, daß eine rege Agitation dafür bisher nicht entfaltet werden konnte, da die Palästina-Kommission zu sehr durch andere wichtigere Aufgaben in Anspruch genommen war, und der Verein selbst seiner Natur nach vorläufig über keine Mittel zur Agitation verfügt. Daß sich aber aus dem Verein etwas machen läßt, wird schon dadurch bewiesen, daß derselbe ohne Agitation in dem ersten Jahre seines Bestehens fast ebenso viele Gelder für Palästina flüssig gemacht hat wie der Verein „Esra" jetzt nach vieljährigem Bestand und mit teurer Agitation. Aber nicht nur das, auch die Verwendung der Gelder ist eine mühelose; schon erhebt sich in der jüdischen Kolonie Rechoboth der erste 15 Hektar große Mandelwald des Vereines, das günstige Wetter dieses Frühlings hat gewirkt, daß fast alle Bäume sich bewurzelt haben, und es ist Hoffnung vorhanden, daß der Verein auf gleiche Weise, in gemeinsamem Betriebe mit Kolonisten, jahraus jahrein neue Fruchtplantagen wird anlegen können. Da die erzielten Ernten den Mitgliedern zu Lebzeiten in Gestalt von Palästinaabgaben zufallen, so kann der Verein erst nach Ableben der einzelnen Mitglieder Nutznießer der Pflanzungen tvcrden; immerhin ist es eine absolut sichere Prophezeiung, daß der Verein mit der Zeit zu großen Mitteln gelangen wird. Eine einfache Rechnung wird Ihnen nun zeigen, was der Verein zu leisten vermag, wenn er jährlich,- wic bisher, nur 150 neue Mitglieder zn werben imstande ist. 150 Mitglieder mit der einmaligen Spende von 80 Jk bedeutet die Schaffung einer Pflanzungs- Ncnanlage im Werte von 12000 Jk, resp. später eine Jahresrenie für den Verein von mindestens 1200 Jk Nach 20 Jahren würde also der Verein immerhin die Anwartschaft haben auf eine Jahcesrcnte von 24 000 Jk Ich bin aber der Ansicht, daß, wenn die an der jüdischen Tradition hängenden Kreise wirklich, erstens um das Gebot zn erfüllen, in Palästina einen Fruchtgartcn zu haben, und zweitens, um die Mittel für ihre Kulturbcstrebungen in Palästina zu erlangen, dem Vereine in Menge bcitreten und die Leitung desselben in die 'Hand nehmen wollten, der Verein anstatt 150 Mitglieder jährlich, beren mindestens 1000 erlangen könnte, und dann würde es sich um eine jährliche Steigerung der Jähreseinnahmen nicht um 1200 Jk, sondern um 8000 Jk handeln. Wie leicht würden sich mit diesen Geldern später sämtliche auf traditionellem Standpunkt stehenden Schulen Palästinas erhalten lassen, ohne daß man dann noch nötig hätte, für die Misrachi- Mittelschule erst den Klingelbeutel hcrumgehen zn lassen." Budapest. Der 6. Landeskonferenz der Zionisten Ungarns wohnten 91 Delegierte (darunter 26 stimmberechtigte) bei. Dr. B e l a Oe fl erreichet präsidierte. Nach der Konstituierung des Präsidiums üsw. wurde die Sitzung unterbrochen, um dem Massenmeeting .im Saalbau der Budapester Kommune beizuwohnen. Hier sprachen unter tosendem Beifall der tausendköpfigen Menge: Ingenieur Armin B s r e g i („Der Zionismus' in Ungarn"), Samuel Bettelheim - Preßburg (Die inncrpolitische Lage der ungarischen Judenheit"), Dr. D ö m e n t) und Dr. Alt. ' Am nächste» Tage' begann die Sitzung mit Erstattung des Geschäftsberichts scitei^ Direktor D e n t s ch. Aus dem Berichte geht hervor, daß sich in Budapest' die Schekelzahler fast verdoppelt haben und daß in Preßburg und Kaschau die Gemeindestuben erobert worden sind. Die weiteren Verhandlungen wurden besonders mit Beratungen über das zu Leistende ausgefüllt. Das neue Präsidium setzt sich wie folgt zusammen: Dr. Oesterreich er. (Präsident), Samuel Bettelheim (Mitglied des großen Aktionskomitees), Dr. Dömeny (Nationalsondskommissär), Deutsch, Dr. Kohn, Nissan Kohn und L. Leb o witsch. Jaffa. Straußenzucht in Paläfiina. Der Sohn eines jüdischen Kolonisten aus Rischon le Zion brachte vor einem Jahre aus denr Sudan einige Strauße mit, um festzustellen, ob die Strauße auch in dem palästinischen Klima gedeihen könnten. Obwohl nun der Winter in diesem Jahre in Rischon le Zion ziemlich stark war und es auch an intensiven Regengüssen nicht gefehlt hat, ist dieser Versuch dennoch als geglückt zn betrachten. Da dieser Versuch in Rischon le Zion, wo die klimatischen Verhältnisse nicht besonders günstig sind, von gutem Erfolg begleitet war, so ist es klar, daß die Straußenzucht in der viel wärmeren Tiberias-Gegend, die auch ärmer an Niederschlägen ist, sich zweifellos gut einführen und zu großer Rentabilität bringen lassen wird. New-Aork. Neue jüdische Kolonie in Palästina. — Der Gründer der Kolonie Rechoboth bei Jasfa, die bekanntlich eine der besten Palästinas ist, Herr Lewin-Epstein, reiste dieser Tage nach Palästina, um eine zweite Kolonie auf derselben Basis wie Rechoboth ins Leben zu rufen. An dieser neuen Kolonie beteiligen such fast ausschließlich, wohlhabende

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