Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 6 (1908)
- Issue
- Heft 24 (19.6.1908)
- Date
- 1908-06-19
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12. Nr. 24. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. amerikanische Juden, die eine Gesellschaft mit gleichen Anteilen bilden und gemeinsam den Landkomplcx kaufen und bewirtschaften lassen werden. Sprechsaal. (Ohne Verantwortlichkeit der Redaktion.) „Zion". Bon einem Nicht-Zionisten- Wen» die jahrtausend alte Zionsidee als eine der aktuellsten jüdischen Fragen bezeichnet Iverden kann, so verdankt sie dieses einerseits der modernen zionistischen Bewegung, anderseits den neueren extremen Reform-Bestrebungen. — Erstere sucht der Erinnerung an Zion neues Leben einznhanchen, letztere versuchen alle Spuren, die an Zion erinnern, aus dem jüdischen Kultus zu entfernen. — { Während sich auf der einen Seite Israeliten der verschiedensten religiösen Anschauungen unter der Parole „Zion" zur gemeinsamen Arbeit treu vereinigt haben, droht auf der anderen Seite, durch die Agitation gegen den auf Zion basirenden Gottesdienst, eine tiefgehende Spaltung der Gemeinden. — Zn recht ernsten Betrachtungen muß es herausfordern, daß cs gerade Juden sind, welche sich von Zion abwendcn, während die Gläubigen aller anderen Konfessionen und Länder, unter ihnen die mächtigsten Fürsten der Erde, ihren religiösen Sinn auf Jerusalem gerichtet haben. - Da die Zionsidce ftets die Erinnerung an' die große herrliche Vergangenheit Israels wachrust^ durch welche das 'jüdische Selbstbewußtsein gehoben und gestärkt werden kann, so können wir dem Zionismus, welcher diese Zionsidee in weitesten Kreise wieder neu belebt hat, gerechter Weise nur dankbar jcur. — Kein Israelit und fühlte er auch nur noch etwas Liebe und Anhänglichkeit zum Judentum, kann ein starkes jüdisches 'Selbstbewußtsein entbehren, wenn er das Judentum mit Würde repräsentieren will. — Dieses Selbstbewußtsein kann jedoch 'niemals 'dadurch erreicht werden, wenn wir alles, was uns aus einer großen Zeit her, von unseren Voreltern, trotz aller Drangsale treu bewahrt und überliefert wurde, über Bord werfen. — Nur Spott, aber keine Achtung können lvir damit bei unseren Widersachern ernten, wenn wir uns auf's Nachähmen verlegen, während uns doch das Original gehört, das von allen übrigen Religionen hoch genug geschätzt wurde, um es sich als Muster dienen zu lassen. — Man hört oft vom Zionismus sagen, dieser sei nur eine Schwärmerei, das mag im gewissen Sänne auch richtig sein. Könnte es jedoch für einen ideal veranlagten Israeliten denn überhaupt eine edlere Schwärmerei geben, als für Zion zu schwärmen? Auch religiöse Bedenken hört man oft gegen den Zionismus 'äußern, man sagt, es sei nicht statthaft, den göttlichen Verheißungen vorzugrcifen. Auch das ist richtig, prüfen wir aber doch einmal näher, ob dieses denn überhaupt der Fall ist — " Versetzen wir uns doch mal im Geist in eine Zeit hinein, in welcher alle Wünsche der Zionisten vollständig erfüllt ftnb. s ' Wir sehen 'da weder den heiligen Tempel entstanden, noch ist ganz Israel in Palästina cingezogen. Alle Juden übrigens "zu vereinigen und nach 'Palästina zu führen, das könnte doch ganz gewiß nur der liebe 'Gott selbst fertig bringen. — Dagegen sehen wir folgendes erreicht: -■ Palästina ist ein unter der Oberhoheit des Sultans 'stehender jüdischer Staat, der allen heimatsloscu Jiiden die lang ersehnte Heimat bietet. Industrie und Landwirtschaft stehe» in Palästina in höchster Blüte und bieten all den in der Welt hernmirrcnden armen russischen und galizischen Juden lohnende'Arbeit und ein menschliches Dasein. — Jerusalem ist eine 'moderne Stadt ä la Rom, wohin tausende von Fremden aller Nationen und Länder Hinströmen. Durch eine ausgedehnte Fcemdcn- Jndustric ist Wohlstand und Glück in Jcrusalciu cingezogen. — Der Samstag ist als gesetzlicher wöchentlicher Ruhetag für den Staat 'Palästina angcordurt. — Die sogenannte Judensrage in den meisten Ländern ist gelöst, da der jüdische Musterstaat Palästina das Ansehen der Juden überall gehoben, und diese werden von den Angehörigen aller anderen kuüivierten Nationen als gleichstehend anerkannt und geachtet. —. ' Die Schreckensrufe aus Rußland haben aufgehört, da die daselbst noch verbliebenen Juden durch Staats- Verträge zwischen den Regierungen in Rußland und Palästina gleichmäßigen Schutz mit den übrigen Russen genießen. — Wer von uns' hätte nicht den Herzenswunsch, diese herrliche Zeit noch mit erleben zu können?' Die Möglichkeit hierfür ist gegeben, wir brauchen nur alle zu wollen, diese Behauptung soll in Näch- 'tehcndem motiviert werden: ' Wenn alle, welche diese idealen Zustände noch mit eigenen Augen erleben möchten und das'sind wohl alle Juden der ganzen- Welt, sich freiwillig eine Art Schekel-Steuer je nach Einkommen ob klein oder groß auferlegen uird diese dem jüdischen Natioual- Fond durch 'Vermittlung der zionistischen Komites in Köln, Frankfurt usw. überweisen, so käme ein Jahrcs- Etat zusammen, wovon schon ein sehr impomierender Staat erhalten werden könnte! Möge es sich jeder Jude zu seiner Lebensaufgabe machen, mitzuwirken an diesem großen Werk, zur eigenen inneren Befriedigung! Zur Ehre Israels und zum Segen unserer heimatsloscu und bedrängten Brüder und Schwestern. — Julius Weinberg. Kunst und Literatur. S ch i r haschiri m, das Lied der Lieder, übersetzt und erläutert von Willy Wolf. Frankfurt a. M. 1908. Sänger n. Friedberg. Das Lied der Lieder hat von jeher im jüdischen Schrifttum eine hervorragende Stelle eingenommen. Der markanteste Ausdruck seiner Wertschätzung bietet wohl die Mischnah im Traktat Jodaim III ö, wo Rabbi Akiba der Ansicht, daß Schir haschirim zu denjenigen heiligen Schriften gehöre, die „met.rmc jodajim" sind, entgegentritt mit den Worten: „bewahre , kein Tag in der Weltgeschichte ist so bedeutend wie der Tag, an dem Israel das Hohe Lied gegeben wurde, den» wenn alle anderen Schriften heilig sind, ist Schir haschirim Allerhciligstcs". Dessenungeachtet ist wohl keine andere biblische Schrift so mannigfachen Deutungsverjuchen ausgesetzt gewesen; der dunkle Sinn des Ganzen forderte zu Deutungen geradezu heraus, und 'lver nicht fest stand in seiner Ueberzeugung an den Glauben von der Göttlichkeit unserer Bibel, verlor gar bald den schwanken Boden unter den Füßen, er sah bald darin ein glühendes Liebesgedicht, an dessen lebenswahrer Sprache er sich begeistern zu müssen glaubte, bald wieder ward ihm das Hohe Lied zur Sammlung fragmentarischer Gedichte Salomons, die oft ohne festen Zusammenhang aneinandergereiht waren und dessen Teile daher inhaltlich stark divergieren. Der Herausgeber der vorliegenden Edition steht erfreulicherweise ganz auf dem Boden unserer Uebcrlicferung, wie sie am klarsten und schönsten in Raschis Kommentar zu Tage tritt; diese Ueberliescrung läßt Schir haschirim wohl als das 'Hohe Lied der Liebe gelten, aber nicht der irdischen, sinnlichen Liebe, sondern der; überirdischen, der Liebe Israels zu seinem Gotte. Dem entsprechend behandelt Wolf Schir haschirim auch als „ein Gespräch Gottes, Israels und der Menschheit". Und wenn nun auch jeder Vers von Schir haschirim, dieser erhabenen Allegorie, uns nach den Worten unserer Weisen zürnst „Erkläre mich", so ist es doch unbedingt notwendig, bet Stellen, die der allegorischen Deutung wohl entraten können, des Wortes der alten Erklärer eingedeukt zu sein: „en mikro jaure mijde peschutau", daß bei der Erklärung von Bibelworten der einfache Wortsinn nicht außeracht gelassen werden dürfe. Eine solche Außerachtlassung ist es aber meines 'Ermessens, wenn der Verfasser den 1. Vers mit Bezug auf die bekannte Bedeutung des Namens „Schelomo" im Hohenliede, übersetzt: „Das Lied der Lieder, ein Hinweis auf Gott, den König des Friedens"; hier hätte wohl ein entsprechender Verrnerk in der Erklärung genügt. Während der Verfasser sich icn allgemeinen an Raschi "hält, verläßt er manchncal unnötigerweise diesen erprobten Führer, wie z. B. Kap. I 17, Kap. II 2. Ein eklatantes Beispiel dafür bietet Kap. 24 wo Verfasser Abersetzt: ,„Hätte er mich in das Haus des Weines gebracht, so war doch sein Zeichen über mir Liebe". Raschi faßt als „Weiuhaus" das Zelt der Zusammenkunft auf, und sieht gerade darin, daß Gott Israel dahin gebrächt hat, um ihm dort Gesetze zu geben, ein Zeichen der Liebe Gottes, ohne daß'er es Nötig hätte, den 2. Teil des des Verses als adversativ gegen den 1. zu erklären. Wolfs Ucbersetzuug und Erklärung, die sich bemüht, dem Geiste S. R. Hirschs gerecht zu werden, zeichnet sich vor allein aus durch die peinlich genaue Beachtung kleiner grammatischer Distiiiktivncn nud unscheinbarer Verschiedenheiten im Ausdrucke. Es ist dein Verfasser durchgehends gelungen — wenn wir von einzelnen Stellen, die die Deutungen der Allegorie zu minutiös ins kleinste Detail anssühren —, seine Erklärung und seine Tendenz in seiner Uebersctznng zum Ausdrucke zu bringen und 'wiederum die Uebersctznng durch die Erklärung zu einem einheitlichen Ganzen zu verbinden. Seine Arbeit ist zu begrüßen als wertvolle Bereicherung der spärlichen exegetischen Literatur in deutscher Sprache, die auf dem Boden der Ueberlieferung fußt. S. H. 2., Prag. Briefkasten. Frau Kaufmann. JL 12 für Wohltätigkeitszwcckc empfangen. B. Der zum Landtags-Abgeordneten gewählte Rechtsanwalt Lippmann-Stettin ist, wie wir nachträglich erfahren, bereits getauft. L. Wer 6 Jl. für einen Oelbaum spendet, stiftet damit für Hunderte von Jahren hinaus einen Jahresbeitrag von ca. 2,40 JL Das Anpflanzen von 100 000 Oelbäumen in Palästina würde eine» jährlichen Reinertrag von etwa V± Million Mark erbringen und außerdein tausenden jüdischen Arbeitern Existenz geben. Die Oelbaumspende wurde 1903 auf dem 6. Kongresse beschlossen. Vereins-Kalender. „Moutefiorc"-Vereiu. Mittwoch, den 24. Juni, Referat. Herr Rosen über: „Das Frankfurter Ghetto". Vergnügungs-Club junger Leute. (Gegründet 1907). Samstag, 20. Juni, abends 10 Uhr: Vereins- Versammlung, Hotel König von England, Battoustraße 70 I. Sonntag, 21. Juni: Ausflug Lorsbacher Tal- Eppstein. Zusammenkunft 3/i2 Uhr Hauptbahnhof. Abfahrt 2°« nachm, nach Lorsbach. Re« hinzutretende Abonnenten erhalten gegen Einsendung der Postabonnementsquittung für das lll. Quartal den Anfang der Erzählung „Zwei Schnorrer" kostenfrei nachgeliefert. Hier abtrennen! Bestellschein. Für das 3. Vierteljahr 1908 bestellt Herr- Exemplare Benennung der Zeitungen :c. Bezugszeit Betr Mark ig Pf. Bestell Mark geld Pf. 1 Iraulrfurter Israelitisches IamMendlatt 3 Monat 90 12 Quittung. Obige Mark Pf. sind heute richtig bezahlt. ........190 Post-Annahme. Carl Grebenau, “i L> “T **“'1 “ü*"* 7 icicpnon Quo?« Auswamsenaungen gerne zu Diensten. ' Hängematten eR“cksäcke in, Feldstühle Jriumph; T? Turngeräte ßg UocMMr Hk. 2.80, 3.50, 4.50 und hotier Stoff und Kordel1 ÖIUdluinö Cosmos-Stühle 1 Ul l,5°l «,« Cosmos-Stühle Goethestr. 20.